Gloschli H

«Gloschli» © zvg

Das Spiel: Ein kleines Kartenspiel aus Bern

Patrick Jerg /  Zahlreiche Spiele erscheinen jedes Jahr weltweit. Hin und wieder spielt auch die Schweiz mit einer guten Idee auf dem Markt mit.

Patrick Jerg
Patrick Jerg

Es macht keinen Sinn, das kleine Kartenspiel aus Bern als Neuheit zu bezeichnen. Vielmehr ist es eine Produktion eines kleinen Verlags an der Aare, die sich einem bekannten Mechanismus widmet. Die Verbreitung des Spiels hat vor allem über Mund-zu-Mund-Propaganda stattgefunden. Wer das Spiel einmal spielte, hat es weiterempfohlen. Und das ist doch schon einmal ein gutes Zeichen. In einer schlichten Schachtel aus Karton kommt das Spiel daher. Für die Spielanleitung muss man einem QR-Code folgen. Ebenso spartanisch wie die Schachtel präsentiert sich der Inhalt.

Doch was bedeutet eigentlich «Gloschli»? Es ist ein Berndeutscher Ausdruck für einen Unterrock. Im Spiel dreht sich thematisch aber alles um Ungeziefer, das man möglichst schnell loswerden will. Dazu erhält man eine verdeckte Auslage von vier Karten. Zwei Karten darf man sich vorgängig ansehen, damit man spielerisch sofort handlungsfähig ist. Mit den restlichen Karten bildet man einen Nachziehstapel, von dem man eine Karte offen daneben legt.

Möglichst wenig Ungeziefer

Der Spielmechanismus nennt sich «Golf». Man versucht, seine Karten so lange auszutauschen, bis man ein gutes Ergebnis unter der verdeckten Auslage vermutet. Ungeziefer gibt es auf den Karten mit den Werten von 1 bis 12, zudem zweimal die 15. Gespielt wird der Reihe nach. Am häufigsten zieht man wohl eine Karte vom Nachziehstapel und sieht sie sich an. Ist es ein tiefer Wert, darf man die Karte verdeckt in die eigene Auslage legen und eine Karte von dort offen auf den Ablagestapel abwerfen. Das lohnt sich vor allem, wenn man weiss, was man selber besitzt. Alternativ kann man die gezogene Karte auch sofort abwerfen. Dann darf man ihre Aktion nutzen.

Gloschli 2
«Gloschli»

Die meisten Karten besitzen neben ihrem Wert auch eine bestimmte Aktion. Dadurch kann man Karten ansehen oder Karten tauschen, auch bei den Mitspielenden. So macht es Sinn, Karten abzuwerfen. Die dritte Spielmöglichkeit im eigenen Spielzug ist ein wenig riskanter. Liegt auf dem Ablagestapel eine Karte mit einem Wert, den man selber unter seinen verdeckten Karten vermutet, darf man die verdeckte Karte abwerfen. Gelingt das Vorhaben, spielt man ab sofort mit einer Karte weniger. Vermutet man falsch, muss man eine zusätzliche Karte verdeckt auslegen.

Mit Risiko ins Finale

Runde für Runde nutzt man die Aktionen der Karten oder tauscht das Ungeziefer in seiner Auslage. Dazu muss man sich gut merken, welche Zahlen sich auf den eigenen Karten befinden. Ist jemand der Meinung, dass die Summe des eigenen Ungeziefers höchstens 5 ist, ruft man mit «Gloschli!» das Ende des Spiels aus. Die Mitspielenden dürfen nun noch einen letzten Spielzug machen. Mit dem Aufdecken der Karten erlebt man schliesslich die letzten Überraschungen. Wurde das Ende zu Unrecht ausgerufen, gibt das Strafpunkte. Sonst notieren sich alle die Punkte unter ihren Karten. Wer über mehrere Spielrunden am wenigsten Ungeziefer-Punkte sammelt, gewinnt,

Vier Spezialkarten sorgen für besondere Belohnungen und Möglichkeiten im Spiel, wenn man sie in der eigenen Auslage hat. Es gibt bei «Gloschli» also einige Möglichkeiten, um seine Punkte zu minimieren. Vieles ist eine Frage des Timings. Bei diesem Kartenspiel kann man Unruhe stiften, heimlich einen Plan vorantreiben oder anderen schlechte Karten unterjubeln. Da alles verdeckt passiert, ist jede Information wertvoll, die man spielerisch erhält. «Gloschli» ist ebenso geheimnisvoll wie unterhaltsam.

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Gloschli
«Gloschli»

Gloschli

Ein Kartenspiel von Alexandros Coutsicos
Illustrationen: Alexandros Coutsicos

Für 2 bis 5 Personen
Ab 10 Jahren | 30 Minuten
Verlag: Aarefabrik GmbH | ca. 23 Fr.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Patrick Jerg betreibt seit 16 Jahren die Webseite brettspielblog.ch und veröffentlicht regelmässig Spielkritiken über Brett- und Kartenspiele.
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

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Das Spiel: Alle Beiträge

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