«Reflekt» Team

Das Team von «Reflekt» bei der Arbeit. © Florian Spring / Reflekt

Recherche-Kollektive haben eine wichtige Rolle übernommen

Klaus Bonanomi /  Trotz begrenzten Mitteln leisten unabhängige Recherche-Kollektive wie «Reflekt» oder «Correctiv» Beiträge zur Debatte.

Helfen Schweizer Anwälte, Treuhänderinnen und Finanzberater dabei, Schwarzgeld vor dem Fiskus zu verstecken? Selbstverständlich lautet die Antwort «Nein», wenn Medienschaffende in offizieller Mission anfragen.

Wie gross die Bereitschaft zur Beihilfe aber tatsächlich ist, das versuchte das Recherche-Team von «Reflekt» mit einer aufwändigen Undercover-Recherche herauszufinden. Die Journalisten gaben sich als Vermögensverwalter aus, die im Auftrag eines fiktiven ostafrikanischen Kunden 80 Millionen Dollar, die offensichtlich aus korrupten Geschäften stammten, auf Schweizer Konten anlegen wollten. In Fünfstern-Hotellobbys führten sie Gespräche mit rund 20 Finanzberaterinnen und Anwälten in Genf, Zürich und Zug und zeichneten diese mit versteckter Kamera auf.

Bereitwillige Berater und Anwältinnen

Das Fazit dieser Wallraff-ähnlichen Aktion: «Obschon die fiktiven Gelder klar erkennbar aus Korruption stammen, skizzierten zwei Drittel der Berater Möglichkeiten, um das Vermögen in die Schweiz zu bringen. Mehrere wiesen dabei auf eine Gesetzeslücke hin: Im Rahmen solcher Beratungen seien sie nicht dem Geldwäschereigesetz unterstellt», schreibt «Reflekt» zu der Recherche. Das Ergebnis publizierte «Reflekt» in einem Video auf der eigenen Website; in einem Beitrag im «SRF»-Magazin «10 vor 10» und in anderen Medien wurde das Thema aufgegriffen.

«Die Recherche erschien im April 2025, also in einer Phase hoher parlamentarischer Aktualität rund um die Regulierung von Beratertätigkeiten. Das Parlament entschied schliesslich, die Tätigkeiten tatsächlich stärker zu regulieren, auch wenn es nach wie vor Lücken gibt», erklärt Johanna Weidtmann, die «Reflekt»-Geschäftsführerin, gegenüber Infosperber. So wurde etwa ein Transparenzregister für Unternehmen eingeführt, in dem die wirtschaftlich Berechtigten verzeichnet sind. «Inwiefern unsere Recherche zu diesen Beschlüssen im Parlament beigetragen hat, lässt sich allerdings schwer beurteilen», so Weidtmann.

Andere Recherchen des Vereins «Reflekt» deckten Machtmissbrauch und Mobbing an Schweizer Universitäten auf oder zeigten, wie schwierig es oftmals ist, Hate Speech bei Schweizer Polizeistellen anzuzeigen. Zumindest mitverantwortlich war «Reflekt» auch dafür, dass das Schweizer Parlament im Frühling 2024 die sogenannte Tonnage Tax ablehnte, eine neue Besteuerungsmethode, die für grosse Reedereien Ersparnisse in Millionenhöhe gebracht hätte: Recherchen von «Reflekt» deckten auf, dass die weltgrösste Reederei, die in Genf ansässige MSC, in direktem Kontakt mit Bundesbehörden bis hinauf zum damaligen Finanzminister Ueli Maurer an der Formulierung des Gesetzesentwurfes mitwirkte, von dem sie massiv profitiert hätte. 

Was bewirken die Recherchen tatsächlich? 

Doch wie gross ist der Einfluss dieser Recherche-Netzwerke tatsächlich? Journalismusforscher Vinzenz Wyss von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW erklärt: «Das Beispiel «Reflekt» zeigt, wie schwierig es ist, journalistischen Impact in der Gesellschaft zu messen. Immerhin versucht «Reflekt», seinen Einfluss in den Jahresberichten transparent zu machen. Wenn nur Reichweite als Massstab genommen wird, insbesondere was die Resonanz bei anderen Medien oder auf Social Media anbelangt, dürfte der Impact eher bescheiden sein», sagt Wyss gegenüber Infosperber. Dennoch halte er das Ziel des Konzepts für sinnvoll, dass reichweitenstarke Medien die exklusiven investigativen Recherchen aufgreifen, wenn es gelinge, stabile Medienpartnerschaften zu etablieren. «Das investigative Recherchieren kann auch ohne grosse Publikumsresonanz folgenreiche Anschlusskommunikation in Politik, Wirtschaft oder Wissenschaft auslösen.»

Neben «Reflekt» gibt es in der Schweizer Medienlandschaft auch andere unabhängige Recherchenetzwerke wie «Correctiv.Schweiz» oder «Wav». Medien wie die «Republik» fallen ebenfalls immer wieder mit aufwändigen Recherchen auf, die sie allein oder zusammen mit anderen Rechercheteams erarbeiten. Und die grossen Medienhäuser wie «SRF» und Tamedia haben eigene Investigativ-Abteilungen; Tamedia ist zudem auch in internationalen Rechercheteams vernetzt und kommt so immer wieder zu Scoops, etwa wenn es um den Schweiz-Bezug von grossen internationalen Fällen von Wirtschaftskriminalität geht.

Vinzenz Wyss sieht die Chancen für die unabhängigen Plattformen vor allem als Ergänzung. «‹Reflekt› muss sich von den bestehen Netzwerken unterscheiden. Eine Nische könnte sein, im Regionalen oder Lokalen aufwändige datenjournalistische oder konstruktive Geschichten anzubieten, zumal sich Grossverleger immer stärker aus dem Lokalen zurückziehen und gerade dort innovative Formate eher selten sind.»

Konstruktiver Journalismus mit Publikumsbeteiligung

Datenjournalismus oder Crowdrecherchen, wo viele Mediennutzende ihre Erfahrungen einbringen können, sind neue Formate, mit denen «Reflekt», «Correctiv» oder «Wav» operieren, teilweise auch in Zusammenarbeit mit lokalen, verlagsunabhängigen Online-Magazinen wie «Tsüri.ch», «Bajour», «Zentralplus» oder der «Hauptstadt» in Bern.

Marc Engelhardt, Geschäftsführer von «Correctiv.Schweiz», bedauert, «dass unabhängiger Journalismus in der Fläche zu verschwinden droht – ein Phänomen, dem wir mit der Unterstützung von Lokaljournalistinnen und -journalisten durch unseren Lokalhub begegnen, den wir gemeinsam mit «Reflekt» und «Wav» aus der Taufe gehoben haben.» «Correctiv» sehe sich als gemeinnütziges Recherchezentrum, das gemeinsam mit der Bevölkerung Missstände aufdecke. «Dazu gehört, dass wir Menschen darin fortbilden, wie journalistische Arbeit funktioniert und wie sie selber dazu beitragen können. Das stärkt die Meinungsvielfalt und das Vertrauen in unabhängigen Journalismus als Stütze der Demokratie», betont Engelhardt. 

Er verweist auf die preisgekrönte Recherche «Achtung Barriere», die dank Hinweisen von hunderten Bürgerinnen und Bürgern aufzeigte, wo in der Stadt Luzern sichtbare und unsichtbare Hindernisse den Alltag von Menschen unnötig erschweren – sei es für Blinde oder gehbehinderte Personen, aber auch für neurodivergente Menschen, die unter der Reizüberflutung an belebten Strassenkreuzungen leiden. Diese Recherche wurde gemeinsam mit «Zentralplus» publiziert. Auch «Reflekt» hat für seine eingangs erwähnte Uni-Recherche mit 140 Personen gesprochen. 

Unabhängig dank Stiftungen, Spenden und Mitgliederbeiträgen

Doch ob investigative Undercover-Recherchen, aufwändige Datenanalysen oder grossangelegte Recherchen mit Bürger*innenbeteiligung: Solche Formate sind aufwändig und teuer. Hinzu kommt, dass Klagedrohungen von Betroffenen oftmals viel Arbeitszeit und Anwaltskosten verschlingen. Das siebenköpfige «Reflekt»-Team etwa verfügt über ein Jahresbudget von 440’000 CHF. Da in diesem Jahr zwei langjährige Förderungen ausgelaufen sind und Ende Jahr auch die zweijährige Förderung durch den europäischen Media Forward Fund von insgesamt 300’000 Euro endet, braucht «Reflekt» neue Geldquellen und hat deshalb ein Crowdfunding lanciert. 

«Unser Ziel ist es, den Anteil an Mitgliedschaften mit dem Crowdfunding von 25 auf über 40 Prozent zu erhöhen», sagt «Reflekt»-Geschäftsführerin Johanna Weidtmann. «Längerfristig streben wir über 50 Prozent Finanzierung über Mitgliedschaften an.» Zehn Tage nach dem Start am 1. September hat das Crowdfunding bereits zwei Drittel der angestrebten 1000 neuen Mitgliedschaften erreicht. Mit möglichst vielen Mitgliedschaften will «Reflekt» auch seine Abhängigkeit von wenigen grossen Stiftungen und Einzelspendern verringern. «Unsere redaktionelle Unabhängigkeit ist für uns A und O, um ein Spendenverhältnis einzugehen. Das kommunizieren wir auch jeweils sehr klar», betont Johanna Weidtmann. «Bisher hat das gut funktioniert. Einen Druckversuch oder Ähnliches hatten wir zum Glück noch nie.» 

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6 Meinungen

  • 12.09.2026 at 13:33
    Permalink

    Correctiv Schweiz ist eine Tochter der deutschen Correctiv. Wer die finanziert, kann man in 5 Minuten über google herausfinden. Dann weiss man über die «Unabhängigkeit Bescheid». So eine kurze Prüfung dürfte man schon auch vom Autor des Artikels erwarten.

  • 12.09.2026 at 21:45
    Permalink

    «Trotz begrenzten Mitteln leisten unabhängige Recherche-Kollektive wie «Reflekt» oder «Correctiv» Beiträge zur Debatte.» Wirklich?
    Zu den bekannten Förderern zählen die Luminate Stiftung (gegründet von eBay-Gründer und Milliardär Pierre Omidyar), die Schöpflin Stiftung, die Brost-Stiftung, Bundeszentrale für politische Bildung, Google Deutschland, Deutsche Telekom und die Open Society Foundation. Sie stellt über einen Zeitraum von fünf Jahren 429.000 Euro an Correctiv. Bekanntlich die Stiftung des Milliardärs George Soros. GADMO 1 Projekt: CORRECTIV erhielt 300.215 Euro an EU-Beiträgen. GADMO 2 Projekt: CORRECTIV wurden 198.618,75 Euro zugeteilt. Darüber hinaus erwähnten Europaabgeordnete in einer Plenardebatte, dass CORRECTIV mindestens 400.000 Euro von der EU erhalten hat, und forderten einen Stopp der Finanzierung.
    Können sich «Recherche-Kollektive» sich dem Einfluss ihrer Geldgeber entziehen?
    Solche «Recherche-Kollektive» machen nur das was sie vorgeben zu bekämpfen: DESINFORMATION

  • 13.09.2026 at 00:02
    Permalink

    Kurze, schnelle Eigenrecherche zu «Reflekt»: Übernahme des EU-Sprechs zu «Hasskriminalität» im Internet, im Impressum das von George Soros‘ «Open Society» finanzierte «GIJN». Der Anschubfinanzier «Media Forward Fund» finanziert sich u.a. aus «Mainstreammedien» und Regierungsmitteln. «Correctiv»: durch die Verleger-Milliardärin Brost (WAZ) anschubfinanziert, Geld von «Open Society» und «Luminar» des E-Bay-Gründers Omidyar; mit «USAID» und «NED» (US-Softpower Vorfeldorg.) eng vernetzt. Später hunderttausende EUR deutsche staatliche Gelder. Dazu Medienwissenschaftler Michael Meyen: «[…] Correctiv […] hat […] Mittel aus ganz unterschiedlichen Steuer- und Stiftungstöpfen bekommen. Dafür wird Sperrfeuer produziert gegen alles, was die Herrschaftserzählung infrage stellt und gleichzeitig das Potenzial hat, viele Menschen zu erreichen. Rechercheverbünde und Faktenchecker sind aber […] nur Puzzlestücke im großen Spiel um Deutungshoheit.» Quo vadis, infosperber?

  • 13.09.2026 at 10:52
    Permalink

    Im übetragenen Sinn : “nec vir fortis,nec femina caste“ : keine Recherche ist völlig neutral, kann sie auch nicht sein, weil die Personen immer auch Träger einer Meinung sind. Ist auch gar nicht nötig, denn jedermann weiß oder kann wissen, dass sich die Wahrheit IMMER nur als Puzzel aus vielen Informationsanteilen unterschiedlichster Art konstruieren läßt. Darum ist es am ehrlichsten, wenn die Akteure ihre grundsätzliche Position nicht verbergen. Macht infosperber schließlich auch. Gut so.

  • 14.09.2026 at 05:49
    Permalink

    Es gibt keine neutralen Faktenchecker. Zumindest habe ich bisher keine gefunden.
    Sie dienen eher dazu, die Meinung der herrschenden Elite zu bestätigen um Leute die diese hinterfragen mundtot zu machen. Es gab in den letzten 6 Jahren zu viele (Negativ)Beispiele.
    Selbstbild und Fremdbild. Jeder erschafft sich die Realität die er gerne hätte und da helfen Faktenchecker ungemein in der Bestätigung des eigenen. Wirklich hinterfragt wird dabei eher nicht, zumindest nicht transparent und ehrlich.
    Wie war das? In einer Umfrage unter Journalisten in Deutschland (Worum geht es Ihnen ganz persönlich in Ihrem Beruf?): über 90%: Publikum möglichst neutral und präzise informieren. 80%: Schnell Informationen vermitteln. Nur noch 43% (!): Kritik an Missständen üben. (Weischenberg, Malik, Scholl)

  • 14.09.2026 at 15:29
    Permalink

    Ich hätte gerne gelesen, dass die schweizerische Correctiv von einer komplett anderen, besseren Qualität ist als die deutsche Schwester/Mutter. Diese wurde bekannt mit ihrem märchenhaften Bericht über das angeblich «geheime», tatsächlich private Treffen von CDU7CSU-Vertretern, solchen der AfD u.a. Kunstvoll war an diesem Märchen allein die Konstruktion: lauter nach deutschem Recht unverfängliche Vermutungen und Spekulationen, die von den Leitmedien als Tatsachenbericht behandelt wurden.

    Und dann klagte die AfD, und alle Leitmedien mussten zurückstecken. Und zuletzt versuchte sogar Correctiv, sich von all den Behauptungen zu distanzieren – es seien nur Meinungen. Aber es nützte nichts. Unterdessen ist gerichtlich bestätigt, dass der märchenhafte Bericht ein Märchen ist. So macht man staatlich finanziert Demokratie kaputt. Da würde man wirklich gerne wissen, wie das mit der schweizerischen Correctiv ist.

    Ach so, gleich nebenan kann man den erleuchteten Artikel über Sellner lesen.

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