Kommentar
Die «Invalidenversicherung» gibt es auch nach 66 Jahren noch
Es ist schon verrückt, was man alles nicht mehr sagen soll. Nur ein Beispiel: «schwarzfahren». Kürzlich las ich in der Zeitung: «Der Begriff ‹schwarzfahren›» werde als «potenziell diskriminierend» betrachtet. Besser sage man: «Reisen ohne ÖV-Billett».
Der Begriff ist nicht «diskriminierend». Nicht einmal «potenziell». Er hat nämlich mit der Hautfarbe nichts zu tun. Die meisten Sprachwissenschaftler vermuten, dass das Wort aus der deutschen Gaunersprache, dem Rotwelschen stamme.
Dort existiert das Wort «schwärzen» für «schmuggeln». Der Grund: Schmuggler haben sich das Gesicht geschwärzt, um nicht erkannt zu werden. Zudem haben sie ihre Tätigkeit vorzugsweise im Dunkeln, im Verborgenen verrichtet. Wörter wie «Schwarzarbeit», «Schwarzmarkt» oder «Schwarzbrenner» dürften den gleichen Ursprung haben.
Trotzdem gibt es Bemühungen, das Verb «schwarzfahren» und das Substantiv «Schwarzfahrer» zu tilgen. Es existiert sogar eine Website, auf der nach einer Alternative fürs Wort «Schwarzfahrer» gesucht wird. Der gegenwärtige Favorit: «Beförderungserschleicher:in».
Eigentlich erstaunlich, dass man sich damit aufhält. Wo es doch Wörter gibt, die wirklich menschenverachtend sind. «Invalidenversicherung» zum Beispiel. «Invalid» heisst – genau übersetzt – «wertlos» oder «ungültig».
Die IV heisst seit 1960 Jahren so. Also seit 66 Jahren. Der Name ist zwar nicht ganz unbestritten. Die damalige EVP-Nationalrätin Marianne Streiff nahm 2016 mit einer Motion einen Anlauf zur Umbenennung. Doch der versandete.

Denn zuerst meldete der Bundesrat seine Bedenken an: «Eine neue Terminologie zöge eine Änderung der Bundesverfassung (was eine Volksabstimmung zur Folge hätte) und verschiedener Bundesgesetze nach sich.»
Und: «Es müssten zahlreiche internationale Vereinbarungen über soziale Sicherheit angepasst und neu verhandelt werden. Ein solch erheblicher administrativer Aufwand stünde in keinem Verhältnis zur erhofften Verbesserung.»
Der Nationalrat schob die Motion auf die lange Bank. Schliesslich schrieb er sie ab, da er sie nicht innerhalb der vorgeschriebenen Frist von zwei Jahren behandelt hatte.

Immer wieder tauchen neue Begriffe auf: «Behinderte», «Beeinträchtigte», «Handicapierte», «Menschen mit Behinderungen», «mit Beeinträchtigungen», «mit besonderen Bedürfnissen», «mit besonderen Talenten» oder sogar «Menschen mit Special Effects». Aber die «Invalidenversicherung» bleibt.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.








Interessant ist die Begründung auf der einschlägigen Website, weshalb auf das Wort «schwarzfahren» verzichtet werden soll. Zwar gesteht man durchaus ein, dass mit dem Wort etymologisch kein rassistischer Hintergrund verbunden ist. Trotzdem: «Die etymologische Herkunft des Wortes schließt jedoch einen rassistischen Bedeutungsgehalt nicht aus. Sämliche diskriminierende Wörter der Alltagssprache stellen es dar: Schwarzarbeit, schwarzfahren, schwarzes Schaf, schwarzsehen (…).» Mag sein, dass meine assoziative Intelligenz unterentwickelt ist, aber ich jedenfalls habe bei «schwarzfahren» und «schwarzsehen» noch nie an PoC gedacht. Trotzdem: Man sollte diesen Leuten entgegenkommen. Ich schlage deshalb vor, vollständig auf möglicherweise als diskriminierend empfundene Farbbezeichnungen wie schwarz, braun, gelb und rot zu verzichten und diese durch die Angabe der entsprechenden Wellenlängen zu ersetzen, also z.B. «640 -780 nm» für rot. Schwarzfahren wäre dann «Nanometer-undefiniert-fahren».
Lieber Herr Diener, «Invalid» kommt nicht von «wertlos, ungültig», sondern vom lateinischen «validus»: „stark“, „kräftig“, „gesund“, bedeutet also „geschwächt“, „kraftlos“. Es ist somit gerade nicht diskriminierend, sondern im Gegenteil eigentlich ein Euphemismus…
Bei «schwarzfahren» usw. ist die Herkunft schlicht unklar (es gibt viele weitere Theorien dazu), aber darum geht es den Kritikern auch gar nicht, sondern darum, dass im Deutschen und auch in anderen Sprachen «schwarz» fast immer negativ konnotiert ist, z.B. auch bei «blackmail», und dies auf «die Schwarzen» sozusagen «abfärben» könnte…
@Remo Hubacher – Bitte kümmern wir uns wenn schon um das echte Problem Transhumanismus, US-Raid gegen unsere Welt. Unsere Sprache (Kultur, Diversität weltweit statt worldwide global Mcdonald’s Monokultur) soll nicht denaturiert werden. Falls «schwarz bei uns negativ konnotiert» wäre, wie Sie behaupten, würde täte hätte sollte ich dann mich diskriminiert fühlen als «Weisser», weil weiss in anderen Kulturen «negativ konnotiert» wäre? Nein. Weil das Recht auf Sprache, Meinungsfreiheit ich höher gewichte, Vielfalt, vor allem aber, weil ich Wokeness Gendering als Ablenkungsmanöver (Infoübersättigung) erkenne, damit wir die ultimative tödliche Bedroh(n)ung übersehen.
Interkultureller Kontrast: Während Weiss im westlichen Kulturkreis oft für Reinheit steht [Weisswaschen], ist es in Teilen Asiens (z. B. in China oder Japan) die traditionelle Farbe der Trauer und des Todes.
Lieber Herr Reuss, bitte genau lesen: Nicht ich behaupte das oder störe mich daran (die negative Konnotation), sondern eben die Kritiker dieser Begriffe. Mein Punkt war, dass es nicht um die (unbekannte) Herkunft des Begriffs geht, sondern eben um die (wahrgenommene) negative Konnotation. Falls der Begriff wirklich vom «blackface» kommt (wie Herr Diener meint), macht es das auch nicht gerade besser… Ihr Vergleich mit «anderen Kulturen» hinkt insofern, als dass Sie nicht in einer solchen Kultur leben… als weisser Südafrikaner würden Sie das vielleicht anders sehen…
«Menschen mit Special Effects» – zum Weinen oder Totlachen?
Sprache ist menschlich. Sprachverhunzung ist Ablenkung (wie Störsender der USA gegen Kuba). Das Gegenteil dessen, «was zählt»: Inhalte: Unser Überleben auf Mutter Erde. Wen interessiert in Europa eigentlich, wer das einzige Land mit Atom-Angriffskrieg-Doktrin ist, und dass das Ende «unserer» Menschheit kurz bevorstehen dürfte von langer Hand vorbereitet? Sind Rutte (der Angriffe gegen Iran als «absolut notwendig» bezeichnet, stets «Daddy» Trump in den USA… kriecht), Leyen, Kallas, Baerbock extreme Installierte derselben Quelle bzw. «Menschen mit Special Effects» gegen uns?
Lassen wir die Sprache Sprache sein. Neger ist ein anderes Wort für Schwarz(er). Wiki: Neger (entlehnt über französisch nègre und spanisch negro, «Schwarzer», von lateinisch niger «schwarz, schwärzlich, dunkelfarbig») ist eine im 17. Jahrhundert in die deutsche Sprache eingeführte Bezeichnung für dunkelhäutige, insbesondere schwarze Menschen.