Die Credit Suisse verletzte in Mosambik krass ihre Sorgfaltspflichten und kassierte © COM

Die Credit Suisse verletzte in Mosambik krass ihre Sorgfaltspflichten und kassierte

Mosambik-Skandal: USA klagen Manager der Credit Suisse an

Urs P. Gasche / 04. Jan 2019 - Es geht um 200 Millionen Dollar Bestechungs- und Schmiergelder und immense Bereicherung. Infosperber hatte stets informiert.

Wegen Korruption, Geldwäscherei und Wertpapierbetrug sind in New York drei frühere Investmentbanker der Credit Suisse angeklagt worden. Sie wurden in London verhaftet und gegen Kaution freigelassen. Die Klage richtet sich zusätzlich gegen einen libanesischen Geschäftsmann, der am 2. Januar im Flughafen von New York verhaftet wurde, sowie gegen den früheren Finanzminister Manuel Chang, der in Südafrika verhaftet wurde. Alle Angeklagten sollen in die USA ausgeliefert werden. Die US-Anklagebehörden beschäftigen sich mit dem Fall, weil Finanztransaktionen auch über die USA abgewickelt wurden.

Die NZZ online und die Schweizerische Depeschenagentur SDA schreiben von drei CS-«Mitarbeitern». Tatsächlich handelt es sich um Investmentbanker. Einer von ihnen, Surjan Singh, war «Managing Director Credit Suisse UK». [Nachtrag: In der Print-Ausgabe vom 5.1.2019 schreibt auch die NZZ von «CS-Bankern» und «Investmentbankern und «Managing Directors» und nicht von «Mitarbeitern».]

Der Korruptionsfall

Im Jahr 2013 hatte die Credit Suisse London in Zusammenarbeit mit der russischen Bank VTB London Kreditgeschäfte von insgesamt 2,07 Milliarden Dollar mit Mosambik abgeschlossen. 1,04 Milliarden davon übernahm die Credit Suisse. Eine handverlesene Truppe um den damaligen Präsidenten, Armando Guebuza, und einen früheren Geheimdienstchef, Antonio do Rosario, wollte für Verteidigungszwecke in geheimer Mission diesen Kredit von über zwei Milliarden US-Dollar aufnehmen.

Als Kredit-Empfänger signierten drei neu gegründete halbprivate Firmen, die dem Geheimdienst unterstanden. Laut US-Anklage seien diese Firmen nur gegründet worden, «um sich selbst, mosambikanischen Regierungsbeamten und anderen mindestens 200 Millionen Dollar an Bestechungsgeldern und Schmiergeldern zu zahlen».

Der Löwenanteil des Geldes war für Küstenschutz und militärische Projekte bestimmt. Die Kredite wurden vor der internationalen Öffentlichkeit, inklusive dem IWF, geheim gehalten und auch vor dem eigenen Parlament und nach deren eigenen Angaben auch der Staatsbank verschwiegen, trotzdem aber mit Staatsgarantien versehen. Dies bedeutete einen Verstoss gegen die Verfassung und das Budgetgesetz, die vorschreiben, dass Kredite von einer bestimmten Höhe zwingend durch das Parlament abgesegnet werden müssen.

Es gehörte zu den Pflichten der Credit Suisse, die Rechtslage und die Verhältnisse in Mosambik gut zu studieren, bevor sie – gegen gute Zinsen, Spesen und Gebühren – Kredite von insgesamt 1,04 Milliarden Dollar vergab. Entweder hat die Bank vor der Korruption beide Augen zugedrückt, oder dann handelte sie grobfahrlässig.

Trotzdem hat die britische Banken-Aufsichtsbehörde FCA, die von Finanzinstituten finanziert wird, eine Strafuntersuchung gegen die Credit Suisse eingestellt. Infosperber berichtete darüber: «Protest gegen Einstellung der Strafverfolgung gegen die CS».

Auch von den Behörden in der Schweiz sind keine Massnahmen gegen die Credit Suisse bekannt geworden: «Bundesrat zum Mosambik-Skandal: Wir prüfen nicht».

Die Credit Suisse hat zu den Vorwürfen nie öffentlich Stellung genommen. Jetzt lässt die Bank mitteilen, sie werde «mit den Behörden weiter zusammenarbeiten». Es ist nicht bekannt, dass die Credit Suisse gegen ihre beiden ehemaligen Investmentbanker Strafanzeige erstattet hätte.

Informationen auf Infosperber:

26.12.2016: Kein Communiqué der CS – kaum Medienberichte. Die CS ist in Mosambik in einen grossen Kreditskandal verwickelt. Jetzt hofft die Bank, dass die dortige Bevölkerung dafür blutet.

29.12.2016: CS-Kredite an Mosambik: SEC ermittelt. Jetzt informiert die NZZ über den luschen Milliarden-Kredit der Credit Suisse an Mosambik. Gegen die CS wird jetzt ermittelt.

2.8.2017: «Eigenverantwortung» der Credit Suisse in Mosambik. Die CS begab sich tief in den Sumpf der Korruption in Mosambik, um hohe Profite und Gebühren zu kassieren. Jetzt drohen Verluste.

14.11.2017: Die Credit Suisse im Mosambik-Skandal. «Von Sorgfaltspflicht» oder «Eigenverantwortung» kann nicht die Rede sein. Das beweist der vollständige Untersuchungsbericht.

20.11.2017: «Die Credit Suisse hat Sorgfaltspflicht verletzt». Die Grossbank hatte Mosambik einen Milliardenkredit fahrlässig gewährt, sagt ein norwegisches Forschungszentrum.

Klagedrohungen gegen Infosperber

2.10.2018: Konzernbesitzer Iskandar Safa wollte Infosperber einschüchtern. Seit 2017 hatte Infosperber über den Milliarden-Korruptionsskandal in Mosambik berichtet. Zitiert wurde auch Konzernchef Iskandar Safa, der für den Bau der Schiffe beauftragt war. Darauf kam wiederholt dicke Post aus London. Infosperber solle Artikel sofort löschen, sonst drohten Prozesse um hohen Schadenersatz.
Grossen Konzernen gelingt es häufig mit Erfolg, Medien zu disziplinieren. Der Fall war exemplarisch. Infosperber erhielt eingeschriebene Post und E-Mails von zwei der teuersten internationalen Anwaltskanzleien sowie zwei grossen PR-Unternehmen in London.
Infosperber hat den ganzen Druckversuch vollständig dokumentiert veröffentlicht. Eine Anwaltskanzlei aus London hat Infosperber mit Folgen gedroht, wenn diese Dokumentation nicht aus dem Netz entfernt wird.

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Infosperber-DOSSIER: Die Credit Suisse im Mosambik-Skandal

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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

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