Vollgeld-Diskussion kommt in Fahrt 2

Christian Müller © aw
Christian Müller / 04. Mrz 2017 - Soll die Schweiz bei der Geldordnung einen System-Wechsel vollziehen? Jetzt diskutiert auch die NZZ.

(cm) Vor drei Wochen hat Infosperber an dieser Stelle einige Literatur-Angaben zum Thema Vollgeld gemacht, da die Vollgeld-Initiative ja demnächst vors Volk muss. Jetzt hat überraschenderweise auch die NZZ angefangen, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Und – Chapeau! – sie informiert nicht einfach negativ, sondern nennt auch Vorteile. Im Schusssatz allerdings geht sie erwartungsgemäss auf Distanz. Wenn etwas so viele Vorteile zu haben vorgebe, so schreibt sie, dann gelte der Satz: Zu schön, um wahr zu sein. Dann sei es besser, davon Abstand zu nehmen.

Zum Artikel in der NZZ hier.

Das Sperberauge vom 11. Februar 2017:

Vollgeld? Noch immer wissen die Wenigsten, dass der grösste Teil unseres Geldes nur in den Computern der Banken existiert. Nur das Bargeld, die Noten und die Münzen, sind wirklich von der Nationalbank hergestellt und herausgegeben worden. Und trotzdem funktioniert unser Geldsystem, weil alle daran glauben – bis es wieder kracht. Und es kracht mit Sicherheit wieder.

Eine mit über 110'000 gültigen Unterschriften zustande gekommene und am 1. Dezember 2015 eingereichte Initiative verlangt, dass auch die Banken nur mit Geld «arbeiten» dürfen, das von der Nationalbank geschaffen worden ist. Denn nur das ist volles Geld, also voll gedecktes Geld. Deshalb muss in den nächsten drei Jahren irgendeinmal darüber abgestimmt werden, ob wir in der Schweiz diesen Systemwechsel wollen oder nicht. Die Banken, die nach dem heutigen System für einen Kredit in Höhe von 100'000 Franken nicht einmal 5000 Franken wirklich eigenes Kapital haben müssen, sind natürlich gegen einen Systemwechsel. Verständlich, denn mit etwa 4000 Franken Eigenkapital einem Kunden 100'000 Franken als Kredit geben und für die vollen 100'000 Franken Zins nehmen zu dürfen, so ein Privileg gibt man nicht so gerne aus den Händen.

Zur Einstimmung gibt es neue Literatur

Wann genau die Volksabstimmung über diese Initiative stattfinden wird, ist noch nicht entschieden. Der Bundesrat weiss erst, dass er deren Ablehnung empfiehlt. Wen wundert's? Da aber nicht nur die Banken, sondern in ihrem Gefolge mit Sicherheit auch die privaten Medien im Abstimmungskampf alles daran setzen werden, mit einem Volks-Nein diese Reform zu verhindern, ist rechtzeitige Information und Diskussion angesagt. Ein kleiner Vorteil für die Befürworter: Mittlerweile ist der Systemwechsel auch in anderen Ländern zum Thema geworden. Und damit steigt auch das Angebot an fach- und sachkundiger Literatur.

Recht gute Information liefert bereits die Website der Vollgeld-Initiative. Wer sich das nicht anschauen will, weil diese Plattform natürlich nur für die Reform plädiert, kann auch eine kurze Einführung in die Thematik auf Wikipedia holen. Und jetzt gibt es auch mehr und mehr Erklärungen, die auch von Nicht-Finanzspezialisten verstanden werden können. Eine davon kann unten angeklickt, eingesehen oder auch als PDF downgeloadet werden.

Für die Leute, die beruflich in der Finanzwelt leben, also speziell für Bankangestellte, Treuhänder, Finanzpolitiker und Finanzjournalisten, gibt es ein ganz neues, absolut wissenschaftliches Buch – leider erst in Englisch: Sovereign Money – Beyond Reserve Banking, von Prof. Dr. Joseph Huber. Weitere Literaturempfehlungen finden sich auch auf der Website der Vollgeld-Initiative.

Das Buch Sovereign Money von Prof. Joseph Huber hat ohne Literaturverzeichnis und Index 190 Seiten und ist auch als eBook erhältlich.

Für «Normalleser» hat der Autor dieses Literatur-Hinweises einen anderen Favoriten, das Buch «Das nächste Geld» von Christoph Pfluger.

Das Hauptproblem in dieser Diskussion ist, dass die meisten Leute, mit denen man zu diesem Thema ins Gespräch kommt, sich über unser Geldsystem noch gar nie Gedanken gemacht haben. Und es beginnt damit, dass sie schon einmal gar nicht glauben wollen, dass die Banken Geld ausleihen, dass sie selber im Computer geschaffen – oder im Fachterminus: geschöpft – haben.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

Zur Buchbestellung Joseph Huber: Sovereign Money
Zur Bestellung des Buches Christoph Pfluger: Das nächste Geld
Zum Infosperber-Dossier: Wie sicher ist unser Geld?
Der clevere Kurtli, oder: So wird man Millionär (auf Infosperber)
Joseph Huber: Sovereign Money
Was ist Vollgeld? Eine kurze Einführung (als pdf)

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4 Meinungen

Die Vollgeldreformer Huber, Binswanger und der Schweizer Verein Monetäre Modernisierung (MoMo) fordern in ihrer Initiative, dass es statt Buchgeld der Geschäftsbanken nur Vollgeld – das ist Zentralbankgeld – gibt. Nur die Notenbank soll Geld schöpfen dürfen und nicht die Geschäftsbanken. Mit einer Vollgeldreform wäre das Geld auf dem Bankkonto in vollem Umfang von der Notenbank gedeckt. Die Sparguthaben wären in einer Bankenkrise deshalb nicht gefährdet. Vor allem aber würde aus dem per Kreditschuld geschöpften Giralgeld gedecktes Geld. Die Geschäftsbanken vergäben Kredite nur mit vorhandenem Vollgeld, das sie sich von Sparern oder auf dem Finanzmarkt besorgen.
Mit einer Vollgeldreform erlangt die Nationalbank wieder die Kontrolle über die gesamte Geldmenge und kann damit Blasenbildungen, Inflation und überbordendes Wachstum direkt verhindern.
Alex Schneider, am 13. Februar 2017 um 05:36 Uhr
Vollgeldinitiative: SNB soll Geldschöpfung auf reales Wachstum beschränken

An der Vollgeldinitiative wird kritisiert, dass nicht klar sei, wie die Zentralbank sinnvoll entscheiden könne, um wie viel die Geldmenge in einer bestimmten Periode zunehmen soll. In der Geldmengentheorie war lange klar, dass inflationsfreies Wachstum langfristig nur mit einer Geldmengenerweiterung gemäss dem realen Wachstum einer Volkswirtschaft möglich ist.
Mit einer Vollgeldreform erlangt die Nationalbank wieder die Kontrolle über die gesamte Geldmenge und kann damit Blasenbildungen, Inflation und überbordendes Wachstum direkt verhindern.
Alex Schneider, am 04. März 2017 um 17:18 Uhr
Wenn wir nicht mit der beständigen Gefahr einer plötzlichen Hyperinflation als Folge eines gewaltigen Vertrauensverlustes nach irgendeinem erneuten Bankenskandal, der mit Sicherheit irgendwann bevorsteht, leben wollen, dann braucht es ein überzeugtes JA zur Vollgeldinitiative.
Dietrich Michael Weidmann, am 04. März 2017 um 18:23 Uhr
Wer traut denn heute noch den Geschäftsbanken, die nach unserem FIAT System sich solange finanzieren und Gewinne einfahren, solange Kredite vergeben werden können.
Das ganze unter staatlicher Gesetzgebung und Obhut, absolut legal. Wer weis denn schon, dass die Banken Geld nur drucken (siehe oben stehenden Bericht). Kein Mensch auf der Strasse kennt unser Geldsystem nach dem FIAT System, das max 5% an Personen halten und das Volk mit 95% arbeiten lässt. Fragen Sie mal einen gelernten Bankangestellten, sie werden nur kopfschüttelnd und ungläubig angeschaut.
Also ja zum Vollgeld und wir haben zentral die Möglichkeit die Inflation zu steuern, dann dauert es ein wenig länger bis zum kommenden Crash, der dann die nächste neue Währungsreform hervorbringt.
Bernhard Thönnes, am 04. März 2017 um 18:39 Uhr

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