Urs Gredig: Die Gemeinden wollen weder Atomendlager noch Flüchtlingsunterkünfte © srf

Urs Gredig: Die Gemeinden wollen weder Atomendlager noch Flüchtlingsunterkünfte

Asyldebatte: Zynismus in der Tagesschau

Erich Schmid / 23. Jan. 2012 - Atommüll und Flüchtlinge in einem Topf: Entsetzliche Vergleiche werden gezogen und irreführende Behauptungen verbreitet.

Welchen Drall die Asyldebatte mittlerweile bekommen hat, demonstrierte Moderater Urs Gredig am letzten Freitagabend in der Tagesschau-Hauptausgabe: «Schweizer Gemeinden wehren sich nicht nur gegen Asylunterkünfte, auch Atomendlager wollen viele nicht auf ihrem Gebiet.»

In der prominentesten Informationssendung am Fernsehen werden Unterkünfte für Menschen und Endlager von Atommüll in einem Atemzug genannt und miteinander verglichen, als handle es sich um die gleiche Qualität von Unerwünschtem.

Jeder dritte Asylsuchende hat gute Gründe für seine Flucht

«Die Asylverfahren sind kafkaesk», titelt der Tages-Anzeiger vom Samstag, 21. Januar, über einem ganzseitigen Interview mit Thomas Kessler, den die Journalisten als «Migrationsexperten» vorstellen. Und dieser Experte darf unwidersprochen sagen, dass 90 Prozent der Asylsuchenden «im Sinne unseres Asylgesetzes keine Flüchtlinge sind». Obschon diese Aussage irreführend ist.

Warum wird dieser Experte nicht hinterfragt? Weil die Journalisten nicht recherchiert haben und dem falschen Mann für eine allgemeine Lagebeurteilung des Asylwesens einfach glauben.

Denn nicht nur 10 Prozent sondern 32 Prozent der Asylsuchenden dürfen in der Schweiz bleiben: Bei 20 Prozent der Asylsuchenden wird das Verfahren positiv entschieden, und bei 12 Prozent wird aufgrund der Gefahrensituation im Herkunftsland die «vorläufige Aufnahme» verfügt.

Auch beim Gejammer über die gestiegene Anzahl der Asylgesuche wird übertrieben. Warum ist sie gestiegen? Unter anderem weil in der Zeit, als Christoph Blocher für das Asylwesen zuständig war, 10'000 Asylgesuche illegal verschwunden sind. In Wirklichkeit werden heute nur noch halb so viele Asylgesuche eingereicht wie in den Spitzenjahren zuvor.

Der Zynismus der Tagesschau und das Verbreiten der Aussagen des zweifelhaften Migrationsexperten im Tages-Anzeiger sind problematisch. Sie erinnern inzwischen unweigerlich an Viktor Klemperers Tagebücher, die minutiös beschreiben, was der Sprachgebrauch einst für eine Auswirkung auf die ganze Gesellschaft hatte.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Autor und Film-Regisseur

Weiterführende Informationen

Zur Webseite des Autors Erich Schmid

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Wir sind eine gemeinnützige Plattform. Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Spenden machen es möglich. Spenden Sie 5 CHF per SMS mit dem Keyword Infosperber 5 an 9889 («Infosperber 5» an 9889).

Grössere Spenden via PayPal oder direkt aufs Spendenkonto IBAN CH0309000000604575581
BIC/SWIFT POFICHBEXXX
Clearing-Nummer 09000

Ihre Spenden können Sie von den
Steuern abziehen.

Spende von den Steuern abziehen

Sie können Ihre Spende von Ihrem steuerbaren Einkommen abziehen. Für Spenden über 5 CHF erhalten Sie eine Quittung zu Handen der Steuerbehörden. Die Spenden gehen an die gemeinnützige «Schweizerische Stiftung zur Förderung unabhängiger Information» SSUI, welche die Informations-Plattform «Infosperber» ermöglicht. Infosperber veröffentlicht Recherchen, Informationen und Meinungen, die in der grossen Presse wenig oder gar keine Beachtung finden. Weitere Informationen auf der Seite Über uns

Wir danken Ihnen herzlich für Ihre Spende!

schliessen

Eine Meinung

Also ich finde den Vergleich «Atommüll und Flüchtlinge» etwas an den Haaren herbeigezogen. Ja, die beiden Begriffe werden in einem Satz genannt, aber man kann ja auch alles missverstehen wollen und in meinen Augen ist dies eine Über-Reaktion.
Annegret Odermatt, am 23. Januar 2012 um 11:51 Uhr

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein, um Ihre Meinung zu äussern. Wir möchten Missbräuche anonymer User möglichst vermeiden. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern.

 

Newsletter

Newsletter

Kreuzen Sie Themen an, die Sie interessieren. Den Newsletter dazu senden wir täglich oder wöchentlich. Gratis bestellen

LINKE GEGEN CITY-MAUT

CC/upg

In Dänemark gibt die Mitte-Links-Regierung die geplante City-Maut in Kopenhagen auf und verletzt damit ein Wahlversprechen.
weiter

Aktuelle Dossiers

Gesundheitskosten

Logo Symbol Apotheken

Jeden achten Franken geben wir für Gesundheit aus – mit Steuern und Prämien. Der Nutzen ist häufig zweifelhaft.
Dossier anzeigen

Gleiche Rechte für Frauen und Männer

Frauenpower

In Politik, Wirtschaft, bei den Steuern und Sozialversicherungen, in der Ausbildung, in Kirchen und im Sport.
Dossier anzeigen

Wie weit geht die Toleranz gegenüber Fundamentalisten?

Manifest von Anders Behring Breivik

Forderungen nach präventiver Überwachung der Bürger, nach Verboten von Waffen oder der Burka stehen im Raum.
Dossier anzeigen

Alle Dossiers anzeigen

Am meisten gelesen

Am meisten Reaktionen

Die Chance von Infosperber nutzen

SSUI

Journalistinnen, Journalisten und Experten können in diesem gemeinnützigen und unabhängigen Portal Klartext schreiben.
weiter

PARLAMENT MUSS ÜBER IMPFZWANG ENTSCHEIDEN

CC/upg

Brisant: Im revidierten Epidemiengesetz will der Bundesrat einen Impfzwang ermöglichen. Das Parlament entscheidet im März.
weiter

MILLIONEN ERGAUNERT

CC/upg

Bevor Banken in Bulgarien pleite gingen, haben sich einige Millionenkredite auszahlen lassen. Geheimdienstakten können aufklären.
weiter

IMPFUNG: KEIN NUTZEN – NUR SCHÄDEN

CC/upg

Wegen der Schweinegrippe-Impfung sind in Schweden rund 170 Jugendliche an Schlafzwang erkrankt. Nutzen der Impfung: Null.
weiter

Wer weiss die Antwort?

Was kann ich tun, damit meine Firma möglichst keine Steuern zahlen muss?

Es ist bereits 1 Antwort eingegangen.

Die Qualität unserer gesundheitlichen Versorgung ist schlechter als im Durchschnitt Europas. Das zeigt eine Studie aus Schweden.
weiter

Eine Werbekampagne gegen die Gratis-Zeitungen. Leider ist sie nur von der Solothurner Zeitung ins Blatt gesetzt worden...
weiter

Diese Rubrik enthält noch keinen Artikel