Demnächst: Die Initiative zum Millionärsparen

Hanspeter Guggenbühl ©

Hanspeter Guggenbühl /  Warum die Bausparinitiativen keine Bauten sparen. Und was es sonst noch für lustige Initiativen geben könnte.

2012 soll zum «Jahr des Bausparens» werden. Das wünschen sich die Schweizerische Gesellschaft zur Förderung des Bausparens» (SGFB) und der Schweizerische Hauseigentümerverband (HEV): Ihre ähnlichen Initiativen, über die das Volk im März und Juni getrennt abstimmen wird, verlangen Steuerfreiheit für jene jährlich 20 000 bis 30 000 Einkommens- und Vermögensfranken, welche Ehepaare zum Erwerb von Wohneigentum auf die hohe Kante legen – sofern sie es denn können. Es geht also nicht ums Bausparen im Sinn von sparsamerem Bauen oder ersparten Bauten, was im Interesse von Land und Landschaftsschutz höchst willkommen wäre, sondern ums Steuersparen.

Besonders originell ist die Begründung, mit der HEV-Präsident Rudolf Steiner den Abstimmungskampf eröffnete: «62 Prozent der Mieter würden lieber in den eigenen Wänden wohnen.» Dieses Argument lässt sich beliebig erweitern: 70 Prozent aller BesitzerInnen von Einfamilienhäusern hätten gerne doppelt soviel Umschwung, 80 Prozent wünschten einen Swimmingpool. Oder: 90 Prozent aller Menschen in der Schweiz wären gerne Millionär oder Millionärin.

Darum drängt sich eine «Initiative zum Millionärsparen» geradezu auf, zum Beispiel mit folgender Ergänzung der Bundesverfassung: «Personen in der Schweiz, die noch weniger als 999 000 Franken besitzen, dürfen jährlich 15 000 Franken von ihren steuerbaren Einkünften abziehen, sofern sie dieses Geld in den nächsten zehn Jahren mit dem Zweck sparen, ihr Vermögen auf mehr als eine Million Franken zu erhöhen. Für Ehepaare verdoppelt sich dieser Steuerabzug auf 30 000 Franken pro Jahr.»

Höhere Ansprüche erfordern höhere Abzüge. Denkbar wäre darum auch ein Steuerabzug von jährlich 300 000 Franken für jene 95 Prozent aller MillionärInnen, die sich zu Multi-MillionärInnen hinauf sparen möchten.

»Vom Bausparen profitiert der Mittelstand», argumentiert der Hauseigentümerverband. Auch diese Behauptung lässt sich auf unsere Initiativen zum Millionär- und Multi-Millionärsparen übertragen, frei nach dem Motto: Mittelstand ist, wenn der Stand der Mittel steigt. Und der Zweck? Einen Zweck braucht es nicht, denn mehr finanzielle Mittel sind heilig.

Dieser Beitrag erschien in der WochenZeitung WOZ.


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Eine Meinung zu

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    am 30.01.2012 um 09:21 Uhr
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    Dieser Hauseigentümerverein wird nicht durch die privaten Häuschenbesitzer dominiert. Im Sinner dieses Sektors wär, dass endlich die Besteuerung des fiktiven Eigenmietwerts abgeschafft würde. Jedem anständigen Hauseigentümer ist aber klar, dass dann der Steuerabzug für Hypozinse gleichzeitig wegfallen muss. Von heutigen System profitieren nicht die Hausbesitzer, sondern die Banken. Amortisation der Hypothek wird unattraktiver gemacht und das Sparkapital fliesst mehr der Spekulation zu.
    Der HEV macht eine Batze-UND-Weggli-Politik, das ist parasitär und gegen den Willen vieler Mitglieder. Der HEV macht eine abgehobene Politik, er lebt ja vor allem von der Verwaltung und vom Handel von Liegenschaften. Ich fühle mich von dieser dogmatischen Vereinsleitung schon lange nicht mehr ernst genommen, werde austreten. Es gibt zum Glück auch einen anständigen Hausverein!

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