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Wer Kosmetika online kauft, sollte gut hinsehen. Manchmal stehen die Produkte aus guten Gründen nicht mehr im Laden. © Pexels/Ron Lach

Gefährliche Kosmetik: Verbotene Inhaltsstoffe weiter erhältlich

Daniela Gschweng /  Produkte mit gesundheitsschädlichen Duft- und Zusatzstoffen sind online weiter erhältlich, zeigt eine Recherche.

Haargels, Shampoos, Rasierschäume und andere Pflegeprodukte mit verbotenen Inhaltsstoffen sind weiterhin über grosse Online-Plattformen erhältlich – teilweise noch Jahre nach ihrem offiziellen Verbot. In Deutschland seien besonders bekannte Marken wie Nivea, Schwarzkopf oder Schauma betroffen, zeigt eine Recherche von «Correctiv».

Bei einem Glitzergel von Schwarzkopf, das das Rechercheteam Mitte März in einem Online-Shop kaufte, habe beispielsweise schon die Verpackung nach Maiglöckchen geduftet, schreibt das Investigativmedium – ein Hinweis auf den verbotenen Duftstoff Lilial.

Lilial (auch Butylphenyl Methylpropional, Lysmeral oder BMHCA) riecht intensiv nach Maiglöckchen. Die Chemikalie gilt als allergieauslösend sowie möglicherweise fruchtbarkeitsgefährdend und ist in der EU wie der Schweiz seit vier Jahren verboten. Die übliche Übergangsfrist von 18 Monaten ist also lange abgelaufen. Auch einen Nivea-Rasierschaum mit Lilial konnten die Recherchierenden problemlos bestellen.

Seit Jahren Verbotenes noch immer erhältlich

Hersteller wie Henkel (Schwarzkopf) und Beiersdorf (Nivea) betonten zwar, sie hätten die betroffenen Produkte nach Inkrafttreten der Verbote nicht mehr ausgeliefert. Dennoch blieben viele Artikel über Online-Plattformen im Umlauf. Ein Amazon-Sprecher schrieb dazu auf Anfrage, der Konzern überprüfe kontinuierlich den Store. Den verbotenen Lilial-Rasierschaum habe man aus dem Angebot entfernt. Zwei weitere Online-Händler äusserten sich auf Anfrage nicht.

Besonders auffallend ist das auch deshalb, weil in der EU ab Ende Juli neue Kennzeichnungsvorschriften für Duftstoffe gelten. Die Zahl der deklarationspflichtigen Stoffe steigt von 24 auf rund 80. Die pauschale Angabe «Parfum» oder «Fragrance» soll immer weniger erlaubt sein. Zum Wohle der Konsument:innen – wer erst eine Allergie entwickelt hat, hat sie den für Rest seines Lebens. Wie sehr das Konsument:innen beeinträchtigen kann, hat «Infosperber» im Oktober 2025 beschrieben.

Fast täglich finden Behörden verbotene Produkte

Neben Lilial fanden sich in gemeldeten Produkten auch PFAS-Chemikalien sowie Hydrochinon, ein möglicherweise krebserregender Stoff zum Aufhellen der Haut. Die EU bemüht sich, Konsument:innen vor gesundheitsschädlichen Kosmetika zu schützen. In den vergangen zehn Jahren hat sie mehr als 4000 Produkte verboten, zeigt eine von «Correctiv» ausgewertete Übersicht des EU-Meldeportals Safety Gate, auf dem gemeldete Produkte aller Non-Food-Kategorien öffentlich sichtbar sind – vom Velohelm bis zur Gipskartonplatte.

Die neusten Warnungen waren bei einer schnellen Suche von «Infosperber» gerade ein paar Tage alt und betrafen ein Deo von Adidas, einen Taft-Haarspray von Schwarzkopf und Haarfarbe von Garnier, alle drei gemeldet und vernichtet von tschechischen Behörden. Produziert worden waren die Kosmetika in Frankreich und Deutschland. Grund der Warnung: der Inhaltsstoff Lilial.

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Bei einem kurzen Augenschein am 18. Mai fanden sich im EU-Meldeportal mehrere Kosmetika, die vor wenigen Tagen aus dem Verkehr gezogen worden waren.

Herstellern und Händlern, die gegen die EU-Kosmetikverordnung verstossen, drohen Bussgelder bis zu 50’000 Euro und schlimmstenfalls Haftstrafen. Wie hoch die Strafen konkret sind, hängt von Gesetzgebung und Rechtsprechung der einzelnen Mitgliedsländer ab. Auch Abmahnungen durch Konkurrenten wegen unlauteren Wettbewerbs kommen laut mehrerer Anwaltsbüros vor.

Behörden stehen riesigem Kosmetikangebot gegenüber

«Correctiv» bemängelt, dass wenigstens in Deutschland nur in Stichproben und zu wenig geprüft werde. Was auch am Umfang des Angebots liegt: Nach Angabe von «Correctiv» prüfte die EU 2025 mehr als 1,6 Millionen Websites und fand dabei mehr als 20’000 verbotene Produkte, viele davon auf Plattformen wie Shein, Temu und Ali Express. Nicht alle diese Produkte waren allerdings Kosmetika.

In Deutschland prüft das Bundesamt für Verbraucherschutz nach eigenen Angaben jährlich etwa 10’000 Kosmetikproben, viele nur der Inhaltsliste nach, einige werden ins Labor geschickt. Neue Kosmetika werden aber fast im Minutentakt zugelassen. Täglich kommen laut der Recherche rund 800 neue Kosmetikprodukte auf den europäischen Markt; insgesamt sind etwa 600’000 Produkte erhältlich.

«Verbraucher:innen unzureichend geschützt»

Kerstin Effers von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hält Verbraucher:innen so für unzureichend geschützt. In die Bresche springen teilweise Konsumentenorganisationen oder Medien wie «Öko-Test», das beispielsweise 2024 einen verbotenen Weichmacher in Sonnencreme fand. In der Schweiz, die sich in der Gesetzgebung weitestgehend nach der EU richtet, prüfen zum Beispiel die Kantonslabore, die auch regelmässig fündig werden. Verbotene Inhaltsstoffe fanden sich zum Beispiel 2022 und 2025 in UV-härtenden Nagellacken und ebenfalls 2025 in Kinderkosmetika.

Auch Stoffe, die bislang noch erlaubt sind, geraten zunehmend in die Kritik. Dazu gehören beispielsweise sogenannte Prostaglandin-Analoga in Wimpern-Seren, die auch im Detailhandel verkauft werden. Diese sollen für längere und dichtere Wimpern sorgen, indem sie die Wachstumsphase der Wimpernhaare verlängern.

Die gleichen Wirkstoffe werden in Medikamenten zur Senkung des Augeninnendrucks verwendet. Der Wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit der EU (SCCS) stufte prostagladinhaltige Wimpernseren im Februar als «nicht sicher» ein, weil Krebs- und Fruchtbarkeitsrisiken nicht ausgeschlossen werden könnten. Nach Angaben von «Correctiv» bereitet die EU-Kommission ein mögliches Verbot dieser Stoffe vor. Die betreffenden Produkte seien weiterhin in Drogeriemarktketten wie dm oder Rossmann erhältlich.

Wie die Recherchen zeigen, dürften Konsumtent:innen sie in der «alten» Zusammensetzung auch nach einem Verbot noch lange online finden. Dass ihr gewohntes Produkt im Laden nur noch selten oder gar nicht mehr erhältlich ist, um sie zu schützen, wissen sie oft nicht.

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