Verbreitetes Vorurteil: Bauern besitzen zu viele Traktoren

Red. Dieser Beitrag erschien im Newsletter «Food Revolution» des Agrarjournalisten Jürg Vollmer. Übernahme mit freundlicher Genehmigung.
Auf vielen Bauernhöfen stehen drei Traktoren. Das sieht nach Luxus aus. Doch hinter der Zahl stecken Arbeitsspitzen, Wetterrisiken, ein Strukturwandel – und der eine oder andere Oldtimer.
Wenn ein neuer Traktor mit 200–300 PS rund 150’000–350’000 Franken oder Euro kostet, stehen auf jedem Bauernhof Traktoren, die zusammengerechnet mehr kosten als ein Einfamilienhaus.
Aber die Empörung führt in die falsche Richtung. Denn ein Traktor ist für die Bauernfamilien nicht einfach ein Fahrzeug. Er ist Zugmaschine auf dem Acker, Hebewerkzeug, Transporter und Wetterversicherung.

Und vermeintlich «überzählige» Traktoren stehen zwischendurch auf dem Bauernhof, weil sie genau dann verfügbar sein müssen, wenn das Wetter und das Gras keine Geduld mehr haben.
In Kürze
- Viele Landwirtschaftsbetriebe haben mehr als drei Traktoren im Einsatz.
- Die Traktoren sind kein Luxus – jeder wird bis zu 600 Stunden pro Jahr gebraucht für Feldarbeiten, Transporte und viele andere Hofarbeiten.
- Bei Arbeitsspitzen – zum Beispiel, wenn das Gras vor einem Gewitter geerntet werden muss oder bei der Kartoffelernte – braucht es jederzeit verfügbare, starke und moderne Traktoren.
- Oldtimer ziehen Anhänger, heben Europaletten und fahren Futter in den Stall oder die Milch in die Molkerei.
- Maschinenringe und Lohnunternehmen entlasten die Landwirtschaftsbetriebe, stossen aber an Grenzen, wenn alle Bauern zur gleichen Zeit dieselbe Maschine brauchen.
Traktoren pro Hof: Eine trügerische Statistik
Pro Landwirtschaftsbetrieb gibt es in der Schweiz durchschnittlich 3,1 Traktoren, in Deutschland nur 2,7. In Österreich dagegen 4,8.
- In der Schweiz waren 2024 für 47’000 Landwirtschaftsbetriebe rund 146’800 Traktoren registriert – 3,1 Traktoren pro Bauernhof.
- In Deutschland setzten 2023 die 255’000 Landwirtschaftsbetriebe rund 695’000 betriebseigene Maschinen ein – 2,7 Traktoren pro Bauernhof.
- In Österreich wurden 2023 für 101’600 Landwirtschaftsbetriebe rund 489’000 Traktoren gezählt– sogar 4,8 Traktoren pro Bauernhof.
Dieser internationale Vergleich hinkt. Deutschland zählt in seiner Agrarstrukturerhebung nur die betriebseigenen Traktoren – ohne jene von Lohnunternehmern oder Maschinenringen.
Umgekehrt erfassen die Schweiz und Österreich alle immatrikulierten Traktoren – auch jene von Lohnunternehmen und Maschinenringen, Kommunen, Bau- und Transportunternehmen.
Zu den Traktoren werden in der Schweiz und Österreich auch kleine Geräteträger gezählt. Zum Beispiel die Einachser von Rapid (CH), Ibex (AT) und Brielmaier (DE), die auf steilen Wiesen, in Naturschutzgebieten oder in Spezialkulturen eingesetzt werden.
Die Statistiken der drei Länder sind deshalb nicht deckungsgleich. Noch schwieriger wird es, weil die Statistiken wenig darüber sagen, was ein Traktor auf einem Hof tatsächlich leistet.
Viele Traktoren, die vor 1979 gebaut wurden, sind noch im Einsatz

Ein Traktor kann alt sein. Sehr alt. Die Traktoren von Hanomag und Lanz (Deutschland), Vevey und Bührer (Schweiz), Hofherr-Schrantz und Warchalowski (Österreich) werden seit über einem halben Jahrhundert nicht mehr produziert – arbeiten trotzdem weiter.
Diese Oldtimer können immer noch einen Anhänger ziehen oder eine Europalette heben, sie bringen Futter in den Stall oder die Milch in die Molkerei.
Hans Hürlimann jun., der Sohn des legendären Firmengründers, erklärte mir in einem Interview: «Mindestens die Hälfte aller 28’000 Hürlimann-Traktoren, die von 1929 bis 1979 gebaut wurden, sind noch in Betrieb.»
Solche alten Traktoren sind kein Symbol für Übermotorisierung. Sie sind wie der Zoll-Schraubenschlüssel in der Werkstatt eines Automechanikers: wenig glamourös, aber sie werden noch gebraucht.
Umgekehrt räumen LandwirtInnen mit ihren Hightech-Traktoren in der Stadt zentimetergenau den Schnee. Und mit den grossen Traktoren schleppen sie ein 5000-Liter-Wasserfass zur Sömmerungsweide auf dem Berg oder für die Chips einen Anhänger mit 25 Tonnen Kartoffeln in die Fabrik.
Ein Bauernhof funktioniert wie eine Autowerkstatt

Wer verstehen will, warum mehrere Traktoren auf einem Hof stehen, darf einen Bauernhof nicht wie den Verkaufsraum eines Autohändlers betrachten, in dem die Autos schön in einer Reihe präsentiert werden. Ein Bauernhof funktioniert wie die Werkstatt eines Automechanikers.
Dort fragt auch niemand, warum es mehrere Schraubenschlüssel gibt. Der eine passt für die kleine Mutter, der andere für die grosse. Den Drehmomentschlüssel gibt der Mechaniker kaum aus der Hand, den Zoll-Schraubenschlüssel braucht er nur für Oldtimer und US-Fahrzeuge. Aber wenn er gebraucht wird, muss er da sein.
Der kleine alte Traktor macht Arbeiten, für die ein grosser Traktor zu schwer, zu breit oder zu unpraktisch wäre. Er hebt Europaletten und BigBags, zieht einen Anhänger, räumt im Winter den Hof, fährt das Futter in den Stall und kommt durch jeden schmalen Weg.
Der grosse, starke Traktor übernimmt Arbeiten, die Power brauchen: Mähen, Wenden und Schwaden auf den Wiesen. Pflügen auf dem Acker. Heuballen, Kartoffeln und Zuckerrüben transportieren auf der Strasse.
Der moderne Hightech-Traktor wird auf dem Acker gebraucht. Mit Kameras, KI, GPS-Navigation und Real-Time Kinematic RTK bekommt jede Pflanze genau soviel Dünger und Pflanzenschutzmittel wie sie braucht.
Alle drei Maschinen erzählen verschiedene Geschichten. Der kleine Traktor steht für Alltag, der grosse Traktor für Schlagkraft und der High-Tech-Traktor für den Zielkonflikt der modernen Landwirtschaft.
Deshalb werden die Traktoren immer grösser und schwerer

Traktoren sind in den vergangenen Jahrzehnten stärker, schwerer und komplexer geworden. Was früher als Grosstraktor galt, wirkt heute herzig: In den 1960er-Jahren brachte ein Grosstraktor nur 40 PS auf den Boden und wog 1,5 Tonnen.
2026 bringen Grosstraktoren wie der John Deere 9RX über 900 PS auf die Räder (respektive Raupen) und 33 Tonnen auf die Waage. Solche gigantischen Traktoren sieht man höchstens im Osten und Norden von Deutschland. Je weiter südlich, desto weniger bis überhaupt gar nicht.
Die durchschnittliche Motorleistung neu zugelassener Standardtraktoren lag 2025 in allen drei Ländern bei 135 PS, etwa drei Mal mehr als im Jahr 1960.
Aber auch die kleinen Traktoren sind komplexer geworden. In ihren Kabinen müssen die FahrerInnen drei oder vier Touchscreens bedienen.
- Auf dem Hauptbildschirm steuern die LandwirtInnen angehängte Anbaugeräte wie Pflug, Sämaschine oder Pflanzenschutzmittelspritze.
- Auf dem Spurführungs- und GPS-Monitor kontrollieren sie, ob der Traktor zentimetergenau über den Acker fährt, damit Dünger und Pflanzenschutzmittel präzise auf jeder Pflanze appliziert werden.
- Mit dem Traktor- und Telemetrie-Monitor überwachen die LandwirtInnen die Motordrehzahl, Getriebestatus, Kraftstoffverbrauch und Hydraulikleistung des Traktors.
- Fast schon Low-Tech ist der Monitor für die Kameras an Frontladern, Heckgeräten oder im toten Winkel, damit der Landwirt Fussgänger, Wildtiere und andere Hindernisse im Blick hat.
Mit dieser komplexen Datenflut aus Präzisions-Landwirtschaft, Maschinensteuerung und Kameraüberwachung steuert der Landwirt den Traktor.
Moderne High-Tech-Traktoren verstärken die Abhängigkeit der Landwirte

Die High-Tech-Traktoren haben mehr Elektronik, mehr Assistenzsysteme und mehr Präzision. Vieles davon ist sinnvoll. Aber jede technische Lösung bringt neue Abhängigkeiten.
High-Tech-Traktoren können nicht «einfach» repariert werden. Oft blockieren sogar die Hersteller den Zugang zu wichtigen Diagnose-Tools und Software-Updates.
Nicht nur die Traktoren selbst werden immer teurer, auch die Reparaturen werden teuer. Um diese Kosten zu amortisieren, müssen die LandwirtInnen den Traktor auslasten. Dafür braucht er mehr Fläche. So treibt die Technik den Strukturwandel mit an, den sie eigentlich nur bewältigen soll.
Und am Ende wundern wir uns, warum der Hofplatz aussieht wie eine Landmaschinen-Ausstellung.
Der Traktor entscheidet über Ertrag, Futterqualität oder Ernteverlust

Ein Bauernhof produziert nicht in einer Halle, in der man Temperatur, Licht und Feuchtigkeit nach Bedarf einstellen kann. Er arbeitet unter freiem Himmel. Das klingt romantisch, ist aber betriebswirtschaftlich brutal.
Gras muss gemäht werden, wenn es reif ist und das Wetterfenster passt. Heu muss trocken eingebracht werden, bevor Regen kommt. Mais muss geerntet werden, wenn der Trockenmassegehalt stimmt. Getreide muss gedroschen werden, wenn Kornfeuchte, Wetter und Mähdrescherkapazität zusammenpassen.
Auch Gülle darf nur unter bestimmten Bedingungen und innerhalb rechtlicher Grenzen ausgebracht werden. Pflanzenschutz hängt ebenfalls an engen Zeitfenstern.
In solchen Momenten zählt nicht die durchschnittliche Jahresauslastung eines Traktors. Entscheidend ist, ob die Maschine genau dann einsatzbereit ist, wenn sie gebraucht wird.
Ein durchschnittlicher Ackerbau-Traktor läuft von März bis November bis zu 600 Stunden, etwa 70 Stunden im Monat. Einzelne Oldtimer werden vielleicht nur 70 Stunden im Jahr benötigt.
Für KonsumentInnen ist das schwer nachvollziehbar. Ein Auto, das fast nie fährt, ist ineffizient. Ein teurer Traktor, der auf dem Hof steht, wirkt erst recht ineffizient. Aber der Vergleich hinkt. Der Traktor ist Teil eines Produktionssystems, das auf kurze, wetterabhängige Arbeitsspitzen ausgerichtet ist.
Etliche LandwirtInnen teilen oder «mieten» ihre Maschinen

Viele LandwirtInnen teilen ihre Traktoren in einer Betriebsgemeinschaft oder im Maschinenring. Oder sie «mieten» die Maschinen von Lohnunternehmen. Rund 50 bis 60 Prozent aller ackerbaulichen Hauptarbeiten wie Bodenbearbeitung, Saat, Pflanzenschutz und Ernte werden durch Lohnunternehmer oder Maschinenringe erbracht.
Aber auch Teilen hat seine Grenzen. Die wichtigste Grenze ist banal: Wenn das Wetter passt, brauchen alle LandwirtInnen dieselbe Maschine gleichzeitig.
Der Lohnunternehmer kann jedoch nicht auf jedem Hof zur selben Stunde sein. Der Maschinenring kann eine Maschine nicht gleichzeitig an fünf Betriebe vergeben. Und LandwirtInnen, die zu lange warten müssen, verlieren Qualität oder Ertrag.
Deshalb ist ein eigener Traktor für viele Betriebe keine Marotte, sondern Risikomanagement.
Immer weniger Bauernhöfe, immer mehr Traktoren
Die hohe Zahl der Traktoren erzählt auch vom Strukturwandel. Die Zahl der Landwirtschaftsbetriebe sinkt seit Jahrzehnten. Wenn ein Betrieb aufhört, wird der Hof meist inklusive Traktoren von einer anderen Bauernfamilie übernommen.
Traktoren sind langlebig. Sie fahren Jahrzehnte, sind technisch einfach, reparierbar und für leichte Arbeiten weiterhin nützlich.
So laufen zwei Kurven auseinander: Die Zahl der Landwirtschaftsbetriebe sinkt, der Maschinenbestand bleibt hoch. Dadurch entsteht der Eindruck einer Landwirtschaft, die immer stärker motorisiert ist. Teilweise stimmt das. Teilweise ist es ein statistischer Effekt.
Das macht die öffentliche Debatte so anfällig für Fehlschlüsse. Man sieht den Traktor auf der Strasse. Man sieht ihn im Dorf. Man sieht ihn auf dem Feld. Was man weniger sieht, sind die verschwundenen Höfe, die fehlenden Arbeitskräfte und die verdichteten Arbeitsspitzen.
Die falsche Frage: «Wie viele Traktoren hat ein Betrieb?»
Die Zahl «3 Traktoren pro Betrieb» ist korrekt. Aber wir müssten nicht nur fragen: Wie viele Traktoren hat ein Betrieb? Wir müssten fragen:
- Wie alt sind diese Maschinen?
- Wie viele Stunden laufen sie pro Jahr?
- Für welche Arbeiten werden sie eingesetzt?
- Wie viel Kapital ist gebunden?
- Wie schwer sind sie?
- Auf welchen Böden fahren sie?
- Welche Arbeiten werden geteilt, welche nicht?
- Welche Maschinen ersetzen menschliche Arbeit?
- Welche Investitionen sind notwendig – und welche bloss Gewohnheit, Prestige oder Systemdruck?
Und für skeptische KonsumentInnen ist die zentrale Erkenntnis: Landwirtschaft wirkt von aussen oft widersprüchlich, weil sie es tatsächlich ist.
Bauern klagen über tiefe Preise und investieren in teure Maschinen. Sie sprechen von Bodenschutz und fahren mit schweren Traktoren. Sie wünschen sich mehr Wertschätzung und stehen gleichzeitig unter dem Verdacht, übermotorisiert zu sein.
Am Ende ist der Traktor nicht das Symbol einer Landwirtschaft, die zu viel hat. Er ist auch das Symbol einer Landwirtschaft, in der immer weniger Landwirte für immer mehr KonsumentInnen produzieren müssen.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.








Ich wohne am Stadtrand neben einem Bauernhof und sehe, was die mit ihren Maschinen leisten. Einfach sensationell! Leider haben die meisten Stadtbewohner keine Ahnung mehr, wie Landwirtschaft heute funktioniert. Deshalb ist dieser sehr gute Artikel eigentlich Pflichtlektüre für alle Nicht-Bauern und vor allem auch für Politiker, die sich leider kaum weiterbilden ;-(
Der lange Artikel von Jürg Vollmer über Traktoren und mechanisierte Landwirtschaft hat zuviel Rechtfertigungscharakter und blendet kritische Aspekte aus. Zum Beispiel die Frage von Wirtschaftlichkeit und finanzieller Tragbarkeit von Investitionen in Motorik und Mechanik. Die Leasing-Angebote der Landmaschinenbranche locken viele Bauern in die Kostenfalle, so wie Käse die Maus. Jede Anschaffung einer noch grösseren und teureren Maschine ruft nach mehr Bewirtschaftungsfläche. Bauern werden im Kampf um Land untereinander zu Rivalen, oft ad absurdum: Aktuell fordern die Meisterlandwirte, dass die Lehrgänge für Quereinsteiger aus anderen Berufen abgeschafft werden sollen. Und bei den Direktzahlungen sollen einige Tausend kleinere Betriebe ausgeschlossen werden. Einziges Ziel: Land freimachen für grosse Betriebe, die in der Folge noch mehr mechanisieren! Dieser unsinnige Teufelskreis dreht, bis nur noch wenige Bauern bleiben, die über Stress und gesellschaftliche Isolierung klagen.
In der Schweiz wird der Strukturwandel der Landwirtschaft tatsächlich gezielt gefördert. Und Strukturwandel heisst in der Landwirtschaft wie im Rest der Wirtschaft: grössere Betriebe. «Flächenwachstum» ist der Euphemismus dafür.
Die Hauptgründe für diese Ausrichtung sind die Senkung der Produktionskosten, der Erhalt der internationalen Wettbewerbsfähigkeit durch effizientere Strukturen sowie die Steigerung der Arbeitseinkommen für die verbleibenden Betriebsleiter.
Der Wandel hin zu grösseren Betrieben wird durch drei agrarpolitische Mechanismen vorangetrieben:
– Kostendegression: Grössere Betriebe können Fixkosten für Maschinen und Infrastruktur besser auf eine grössere Produktionsmenge verteilen, was die Produktionskosten pro Einheit senkt.
– Gezielte Investitionshilfen: Die Strukturverbesserungsmassnahmen des Bundes – wie z.B. zinslose Investitionskredite für neue Stallungen – lohnen sich oft erst ab einer gewissen Betriebsgrösse.
– Ausrichtung der Direktzahlungen: Die Direktzahlungen sind stark an die bewirtschaftete Fläche gekoppelt, was Anreize schafft, Betriebe zu vergrössern.
Das Hofsterben ist tragisch für die betroffenen Bauernfamilien und der Verlust an landwirtschaftlicher Vielfalt tut weh. Aber es bildet die Realität der weltweiten Wirtschaft ab:
Seit dem Jahr 2000 ist die durchschnittliche landwirtschaftliche Nutzfläche pro Betrieb um 50 Prozent auf aktuell rund 23 Hektar. Nur schon im Nachbarland Deutschland sind es 61 Hektar, in den USA 187 Hektar. Wenn die Schweizer Landwirtschaft gegenüber diesen Produzenten wettbewerbsfähig sein soll, dann geht es nicht ohne Flächenwachstum. Die Alternative wäre eine staatlich finanzierte Ballenberg-Landwirtschaft. Und das wollen nicht einmal die LandwirtInnen.
Herr Vollmer, wir haben eine staatlich finanzierte Ballenberg-Landwirtschaft. Das bestreiten nicht einmal die Bauern. Man kann mit einem alten Bucher Transporter für Tausend Fr. und einem Goldoni Traktor für 4000 Franken Bauern oder mit einem 33 Tonnen schweren 400 000 teuren Traktor «Landwirtschaft» betreiben. Ein Unterschied ist, durch das Gewicht und die Leistungsfähigkeit der schweren Maschinen, entsteht eine Sandwüste ohne Bodeneben und Struktur. Zunehmend sind die Klimaleugner glücklich, das Klima als Schuldigen auszumachen.
Der Anker Aktionär des grössten Traktor Bauer der Welt heisst Bill Gates. Kein Zufall, wird ein Johniefahrer frech oder weigert sich eine Lizenzgebühr zu bezahlen, stellen sie ihm einfach den Traktor ab. Das kann mir mit meinen Museumstraktoren nicht passieren.
Ernst Laur setzte als Verwaltungsrat der SBB, gegen 20 Spezialtarife für die Landwirtschaft durch.
Heute findet das alles auf der Strasse statt, mit Gefährten bis zu 40 Tonnen.
Es wäre schön, wenn man mit einem alten Traktor für 4000 Franken Landwirtschaft betreiben könnte. Mit einem solchen Museums-Traktor kann man aber die leistungsstärkeren Hydrauliksysteme, höheren Ölmengen, elektronischen Steuerungen und andere Zapfwellen-Standards heutigen Anbaugeräte nicht verwenden.
Mit einem 40-PS-Traktor konnte man ein 6-Hektar-Heimetli bewirtschaften – aber keinen modernen Landwirtschaftsbetrieb mit 20, 30, 40 und mehr Hektar Ackerland. Das beschreibe ich ausführlich in meinem Text.
Der Beitrag enthält sicher viel Wissenswertes über Traktoren. Er trägt aber kaum zur sachlichen Klärung der Frage bei, ob die Bauern aus betrieblicher Sicht zu viele oder zu wenige Traktoren besitzen oder ob sie zu viel oder zu wenig Geld dafür ausgeben. Auf eine Übersicht über Grundlagen (verfügbare Fachliteratur und Datenquellen) wird verzichtet. Der Stil erinnert an Sponsored-Content in Agrarzeitungen und zudem an KI-Editorials. Beispiele: “Die Traktoren sind kein Luxus – jeder wird bis zu 600 Stunden pro Jahr gebraucht (…).” (Wie bitte? Soll man sich jetzt auch im Infosperber an solche Sätze gewöhnen?) – “Am Ende ist der Traktor nicht das Symbol einer Landwirtschaft, die zu viel hat. Er ist auch das Symbol einer Landwirtschaft, in der immer weniger Landwirte für immer mehr KonsumentInnen produzieren müssen.” (Ist er jetzt das Symbol einer solchen Landwirtschaft oder nicht? Welcher Journalist schreibt so?) – Oder auch die letzten drei kurzen Absätze. – Eigentlich von A-Z.
Im Beitrag findet man tatsächlich keine Hinweise auf die verfügbare Fachliteratur und Datenquellen. Solche Texte mit vielen Fussnoten überlasse ich gerne der empirischen Wirtschaftsforschung.
Zur Erklärung: Als Agrarjournalist habe ich zehn Jahre Fachtexte für das Zielpublikum der Landwirte und Ökonomen geschrieben. Seit 2024 schreibe ich Reportagen und Erklärstücke für die Konsumenten.
Für Nicht-Landwirte und Nicht-Ökonomen müssen die Texte anschaulich, verständlich sowie lebensnah formuliert sein. Sie müssen komplexe landwirtschaftliche Zusammenhänge durch konkrete Beispiele nachvollziehbar machen. Der von Ihnen verkürzt zitierte Satz «Ein durchschnittlicher Ackerbau-Traktor läuft von März bis November bis zu 600 Stunden, etwa 70 Stunden im Monat» ist ein gutes Beispiel dafür.
Vergessen wir nicht die unverwüstlichen Veteranen des Ostblocks, das Dieselmonster mit Knicklenkung, den Kirowez K700A aus dem Leningrader Traktorenwerk, den kleineren Bruder T-150K, der ab 1972 bis heute ununterbrochen im Charkowski Traktornij Sawod hergestellt wird, die sehr erfolgreiche Zetor-Reihe aus Tschechien und natürlich die Belarus-Traktoren aus Weißrussland. All diese Maschinen sind immer noch im Einsatz; der K700A etwa kann, bis zur Motorhaube überschwemmt, reißende Flüsse durchqueren. Im Ostblock galten andere ökonomische Regeln: der Großtraktor K700A z.Bsp. musste mindestens 1600 Hektar Pflugarbeit / Jahr bzw. 1400 Arbeitsstunden / Jahr verrichten, um wirtschaftlich zu sein, sonst wurde er nicht angeschafft. Deswegen wurde im Zweischichtsystem gefahren. Da stand keine landwirtschaftliche Maschine jemals ungebraucht herum; auch Uralt-Traktoren mussten ran. Es wurde rund um die Uhr gearbeitet, die Fahrzeuge auf dem Feld betankt und gewartet und die Arbeiter dort verpflegt.
Zu dem obigen Artikel, der wie ein von Traktorenherstellern finanzierter Beitrag wirkt, eine Anektode:
Nach einem Workshop stiess ich beim Apéro mit einem ehemaligen Präsidenten eines Bauernverbandes eines Mittellandkantons an.
Ich sagte zu ihm im Gespräch: «Wenn die Bauern rechnen würden, würden die meisten doch Bio produzieren, oder?» Seine Antwort kurz und bündig: «Ja». Nach einer kurzen Weile fügte er hinzu: «Aber es verändert sich manches. Es werden immer mehr Frauen Landwirtinnen und die schauen aufs Geld und kaufen nicht mehr die grössten Traktoren».
«Wenn die Bauern rechnen würden, würden die meisten doch Bio produzieren.» Glauben Sie mir, es gibt wenige selbständige Unternehmer, die so gut rechnen können wie unsere Landwirte.
Gerade deshalb wirtschaften «nur» 20 Prozent der Schweizer Landwirtschaftsbetriebe nach den Richtlinien von Bio Suisse. Das «nur» in Anführungszeichen, weil diese 20 Prozent eigentlich schon zu viel sind.
Regelmässig müssen mit mehr Kostenaufwand produzierte Bio-Suisse-Produkte auf Kosten der Landwirte degradiert werden (ohne Bio-Label billiger verkauft), weil die Konsumenten seit Jahren nur 10 bis 12 Prozent Bio-Produkte kaufen. Und in diesen 10 bis 12 Prozent sind die Produkte mit dem billigeren und weniger strengen EU-Bio-Siegel schon mitgerechnet.
Es ist kein schöner Gedanke: Aber selbst wenn 100 Prozent der Schweizer Landwirte Bio produzieren würden – die Konsumenten kaufen deshalb nicht mehr Bio-Produkte.
Man müsste den «Billig»-Käufern das Sprichwort «Wer billig kauft, kauft teuer» und die Folgen für ihren Körper (und ihre Kinder) vor Augen führen. TFA im Regenwasser (überall), Reifenabrieb dito und bereits im Gehirn. Und alles kumulierend, also es wird schlimmer statt geheilt. Werbeargument: Zukunftsbonus.
Direktverkauf ab Hof und So-La-Wi (Abo), also ohne Zwischenhandel, spart auch Geld. Und könnte Wunschprogramm eröffnen: Ich würde primär Brombeeren, Blaue Heckenkirsche (Sibirische Blaubeere), Himbeeren etc. auf «meinen» Quadratmetern «buchen», also Dinge, die sehr gesund, aber selten im heutigen Verkauf ich finde und nicht tagelang transport-/lagerfähig sind mit teils internationaler Logistik (so schnell verderben).
Was geshieht mit dieser Gross-Wirtschaft, wenn ganz Europa in eine abgründige Wirtschaftskrise fällt? (die steht eigentlich vor der Tür..). Die Schweiz kann nicht mehr importieren, sie kann auch nicht mehr exportieren, sie kann – oder sollte – nur noch die CH ernähren. Keine Kleinbauern mehr, nur noch Grossproduktion, die nirgends mehr reicht. Sorry, aber da gilt es doch Voraussicht zu planen! Alle diese Grossmaschinen werden der Bevölkerung nicht grossen Nutzen bringen!
Ich teile Ihre Sorge um eine baldige Wirtschaftskrise und mögliche geschlossene Grenzen. Wenn kein Saatgut, keine Dünger, keine Pflanzenschutzmittel und keine Futtermittel mehr importiert werden können, geht es der Schweizer Landwirtschaft und uns allen schlecht. Denn der Netto-Selbstversorgungsgrad der Schweiz (ohne Futtermittel) liegt schon ohne geschlossene Grenzen bei nur 45 bis 50 Prozent.
Weil es keine Definition für Kleinbauern gibt, gehe ich jetzt mal von 10 Hektar Landwirtschaftlicher Nutzfläche aus. Das ist meist zu wenig, um von der Landwirtschaft leben zu können, sie können nur mit einem Nebenjob (der realistischerweise ein Hauptjob ist) überleben. Ein Beispiel: Der Präsident der Kleinbauern-Vereinigung verdient als Nationalrat 130’000 Franken und kann damit seinen 10 Hektar-Betrieb finanzieren.
Diese Nebenerwerbsbetriebe können uns schon heute nicht ernähren, geschweige denn in einer Wirtschaftskrise mit geschlossenen Grenzen. Wenn wir etwas zu essen wollen, brauchen wir also eine Schweizer Landwirtschaft mit grossen Betrieben, die ihre Flächen mit grossen Maschinen effizient bewirtschaften.
Was der Artikel sagen soll kann ich nicht nachvollziehen.
Brauchen wir immer weniger Grossbauern die immer mehr produzieren?
Um konkurrenzfähig zu sein?
Weil wir Billigimporte zulassen aus Ländern die zu Bedingungen produzieren mit denen wir gar nie konkurrieren können?
Brauchen wir grosse Flächen auf denen nur Futter für die Fleischproduktion angebaut wird?
Der Mensch in den Hightech Geräten ist im übrigen lediglich ein Kontrollfaktor. Das liesse sich auch vollautomatisch erledigen. Ich wünschte mir aber wieder mehr Landwirte und weniger Informatiker auf den Feldern. Menschen welche die Natur als unsere Schützens- und Pflegenswerte Lebensgrundlage betrachten und auch so damit umgehen und nicht nur als auszubeutendes Investitionskapital.
Ich teile Ihre Bedenken bezüglich Billig-Importen und dem Futteranbau auf fruchtbaren Ackerflächen. Dass auf 50 bis 60 Prozent der Schweizer Ackerfläche statt Lebensmitteln für die Menschen Futtermittel angebaut werden, stört auch mich. Ganz wird sich das nie vermeiden lassen. Und es ist immerhin besser, als Futtermittel (Soja) so wie noch vor wenigen Jahren aus Brasilien zu importieren.
Zum Glück ändert sich das langsam aber sicher zu Gunsten von Leguminosen (Hülsenfrüchten) und Ölsaaten. Diese sind Basis für Fleischalternativen wie Tofu, Seitan oder texturiertes Pflanzenprotein (Soja-«Fleisch»).
Was ich nicht nachvollziehen kann, ist Ihr Vorwurf, dass Schweizer Landwirte «die Natur nicht als unsere Schützens- und Pflegenswerte Lebensgrundlage betrachten und sie als auszubeutendes Investitionskapital betrachten».
Ich habe als Agrarjournalist schon sehr viele Schweizer Landwirtschaftsbetriebe besucht – alleine letzte Woche fünf Bauernhöfe – und alle Betriebsleiter denken in Generationen. Das heisst, sie wollen die Tiere und die Böden von ihrem Betrieb gesund der nächsten Generation übergeben.
Industrielle Landwirtschaft? Ungesund. Man kann sich auch Zu-Tode-sparen. Vergleiche «Service Public» POST, ÖV (kundenunfreundlich). Ich würde gerne Gesundheits-Gebühr bezahlen für Bauern OHNE Tier-Glocken, Heu(laub)bläser, Gülle (Feinstaub), also in Richtung Ballenberg- und Kurhäuser-Welt.
►Bhutan hat ein Regierungsmitglied, das sich fürs Bruttonationalglück statt fürs Bruttoinlandprodukt einsetzt. Im Hörsaal der Universität St. Gallen ist kein Platz mehr frei. Alle wollen den «Glücksminister» aus Bhutan sehen. (aargauerzeitung.ch 6.3.2020)
►Bhutan wird erster Bio-Staat der Welt
Himalaya-Königreich Bhutan: Regierung hat sich vorgenommen, innerhalb der nächsten zehn Jahre den rein biologischen Anbau von Getreide, Reis, Kartoffeln und Früchten zur nationalen Pflicht zu machen und chemischen Dünger und Pestizide zu verbieten. Die Mehrheit der Bauern des 700.000-Einwohner-Staates wirtschaften schon heute ökologisch, da der buddhistische Glaube verlangt, im Einklang mit der Natur zu leben.
In Bhutan zählen heute nur 1 bis 6 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche LN als zertifizierte Bio-Flächen.
Zum Vergleich: Die Schweiz hat heute einen Bio-Anteil von 18,5 Prozent an der LN, im Grasland-Kanton Graubünden sogar 75 Prozent.
Wie Sie schreiben, werden in Bhutan tatsächlich aber 70 bis 80 Prozent der LN faktisch biologisch bewirtschaftet. Viele traditionelle Bauern in Bhutan nutzen bereits jetzt (wohl eher aus der Not als aus religiösen Gründen) ausschliesslich natürliche Düngemittel wie Stallmist und verzichten auf synthetische Pestizide.
Das Problem sind nicht die Traktoren pro Bauernhof.
Das Problem sind die immer grösseren, immer lauteren Traktoren, mit Riesenanhängern, die immer mehr auf den Strassen, statt auf den Ackern herumfahren.
Bei uns wird ein grosser, schöner, rentabler, moderner, ausgesiedelter Hof an einen Bauern vom andern Ende des Dorfes verpachtet. Der Bauer bleibt aber dort wohnen, inkl. Swimmingpool auf seinem Gratisbauland. Im Dorf hätte er noch ein leerstehendes Haus.
Die fahren nun den ganzen Tag hin und her, oft zu zweit, einer gerne mit Sportauspuff um den andern zurückfahren.
Sommer+Winter, 24/7, zeitweise sind wir lärmmässig in einer Industriezone.
Ein Mehrfaches an Lärm, im Vergleich, als der ausgesiedelte Bauer Stall und Scheune noch im Dorf hatte (wo dann Eigentumswohnungen hinkamen).
Immer mit Vollgas, 1 m an alten Wohnhäusern vorbei.
Auch auf der Hauptstrasse andere Bauern, die quer über die Dörfer wirtschaften, Traktoren x-mal lauter, als LKWs. Immer Vollgas, Dröhndorf statt Idylle.
Dass Problem von solchen anekdotischen Erfahrungen ist, dass sie als Beweis für eine allgemeine Behauptung herangezogen werden.
Was hingegen stimmt ist, dass die landwirtschaftlichen Flächen von Schweiz Bauernhöfen oft «verstreut» sind. Das ist die Folge von der Realteilung bei Erbschaften, dem Strukturwandel (wenn ein Landwirt die Fläche eines aufgegebenen Betriebes kauft oder pachtet) und den engen topografischen und raumplanerischen Grenzen.
Dieses Problem kann aber nur die Politik lösen.
Sie schreiben: «Dass Problem von solchen anekdotischen Erfahrungen ist, dass sie als Beweis für eine allgemeine Behauptung herangezogen werden.»
Ich finde: die «Erfahrung» kann als «Beweis für allgemeine Behauptung» herangezogen werden.
Mich nerven Leute mit dem Satz: «Wenn Sie Stille benötigen, ziehen Sie aufs Land.» Dort können Sie mehr Lärm antreffen als in der Stadt. Eine Bekannte «flüchtete» in ein Logis weit oberhalb von Ebnat-Kappel, möglichst weg von Zivilisation. Aber: 24/7 Kuhglocken, Fahrzeuglärm und Heubläser statt Holzrechen wie früher, wo es ja auch ging.
Dass man sich Zu-Tode-sparen kann, Geld nicht alles ist, wussten bereits die Indianer (Wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fisch . . .). Sollte bei uns Allgemeinpraxis werden (statt TFA kumulierend und überall). Endlos steigende Krankenwesenkosten, aber zunehmend Krankheit auch mit teurer Medizin nicht mehr kurierbar. Ursächliche Behandlung, Vorbeugung wäre immer gescheiter.
Bin Miglied Vereinigung Kleinbauern.
Wenn man aufs Land zieht, sollte man mit Kuhglocken rechnen. Kühe tragen Glocken, damit man sie findet, wenn sie sich verlaufen. Und am Klang erkennt der Landwirt, ob die Herde friedlich grast oder zum Beispiel durch ein Raubtier aufgeschreckt wurde.
Und wenn man sich am Heubläser stört, kann man sich gerne für die traditionelle Heuernte mit dem Rechen beim Landwirt melden. Ein Heubläser arbeitet drei bis sechs Mal schneller als das kräftezehrende und zeitintensive Rechen von Hand.
Nein. ETH zeigt, dass Tiere [und Menschen] unter Glocken leiden. GPS-Tracker: Halsbänder mit GPS-Ortung haben sich in vielen Gebieten erfolgreich etabliert. Sie ermöglichen eine präzise Überwachung der Herde via Smartphone, ohne die Tiere akustisch zu belasten.
Warum ging es früher ohne Heubläser? Es würde sicher auch heute ohne gehen. Wir zahlen direkt und an der Ladenkasse. KI: Schweiz subventioniert ihre Landwirtschaft massiv: Allein der Bund wendet jährlich rund 3,6 Milliarden Franken für das Aufgabengebiet Landwirtschaft und Ernährung auf.
Wie schon erwähnt: Wenn man aufs Land zieht, sollte man mit Kuhglocken rechnen.
Ein GPS-Sender für Kühe kostet rund 250 Franken pro Gerät plus Betriebskosten von rund 120 Franken pro Jahr. Für 40 Kühe kostet die Umrüstung einmalig rund 10’000 Franken und 4800 Franken pro Jahr. Wer bezahlt das? Der Detailhandel und die Konsumenten sicher nicht.
Und wer bezahlt die Arbeitskraft, welche für das Heu zusammenrechen sechs Mal mehr Zeit braucht als mit dem Heubläser? Der Detailhandel und die Konsumenten sicher nicht.
Landwirtschaft ist halt nicht so einfach, wie es oft scheint.
«Landwirtschaft ist halt nicht so einfach, wie es oft scheint»?
Doch. Nur in CH, A oder Bayern klammert man sich an Glocken, aber dagegen sind Peta und zunehmend Anwohner Nachtruhe zumindest. Ich fordere Experiment ohne Glocken. Falls behauptete «Verluste», Versicherung denkbar, jeder Konsument zahlt paar Rappen (im Vergleich zu Subvenzioni nichts). USA, Brasilien, Australien, Argentinien, Niederlanden keine Glocken. Das laute Gebimmel (teilweise über 110 dB Lärmbelastung) kann das empfindliche Gehör der Tiere schädigen, Stress auslösen und das Fressverhalten stören. Kühe hören besser als Hunde, Hunde besser als Menschen.
Meiner Frage, warum es früher ohne Heubläser ging, weichen Sie aus. Egal, allgemein finde ich: Wo ein Wille, da ein Weg. Mein Rat: Brainstorming in jeder Windstärke.
Statt Glocken:
20min 29.6.2026 – Politik dafür:
Nationalrat Ernst Wandfluh (SVP) fordert, dass virtuelle Zäune auch in der Schweiz erlaubt werden. Die GPS-Halsbänder, die elektrische und akustische Signale abgeben, finden von links bis rechts Unterstützung.
Die Kühe tragen dabei ein GPS-Halsband, das über Mobilfunk mit einer Smartphone-App gekoppelt ist. Per App kann die virtuelle Grenze der Weide festgelegt werden. Nähert sich die Kuh der Grenze, ertönt ein lauter werdender Warnton. Geht sie weiter, folgt ein leichter elektrischer Impuls. Überschreitet sie alle drei Warnzonen, werden die Reize deaktiviert und der Besitzer per Smartphone alarmiert. Dank GPS sieht er jederzeit, wo sich die entlaufene Kuh befindet.
Mal abgesehen davon, dass Glocken aus einer Zeit stammen in der noch keine Zäune errichtet wurden. Da war es nachvollziehbar, dass die Glocken den besagten Effekt hatten.
In unserem Gebiet ist in den letzten zehn Jahren ein einziges Mal eine Kuh verschollen, sie ist abgestürzt und da hat auch keine Glocke mehr geholfen.
Persönlich habe ich nichts gegen Glocken, die Argumentation für die Glocken hinkt aber etwas.
Ackerbauern sind speziell «Kreditwürdig». Der Tauschwert des knappen Schweizer Ackerbodens steigt, Dies obwohl der Nutzwert des Ackerbodens generell durch die hochintensive Nutzung sinkt.
Die Leistung der Traktoren bei der Bodenbearbeitung muss auch wegen der Bodenverdichtung steigen.
Es müssen auch immer mehr Pestizide und Düngemittel ausgebracht werden.
Die Schweizerbauern bekommen die notwändigen landw. Geräte leicht finanziert und zählen deshalb zu den höchstverschuldeten Bauern in Europa. (Quelle Schweizer Bauernverband agriexpert )
Wehe wenn die Kreditzinsen wieder mal steigen.
Korrekt ist, dass Schweizer Landwirte im europäischen Vergleich gemessen an der Summe je Hektar und bezogen auf das Eigenkapital tatsächlich die höchsten Schulden haben. Dies aus zwei Gründen:
1. In der Schweizer Landwirtschaft werden Hypotheken meist nicht direkt über die Bank abbezahlt, sondern steuerbegünstigt in die Säule 3a oder in Lebensversicherungen einbezahlt. Dadurch bleiben die Schulden auf dem Papier dauerhaft hoch, obwohl die Bauern über entsprechende Vermögenswerte oder Liquidität verfügen.
2. Die Schweizer Bodenpreise sind extrem hoch. Das treibt die Kosten bei Hofübergaben innerhalb der Familie oder beim Kauf eines landwirtschaftlichen Betriebs massiv in die Höhe.
Nicht korrekt ist, dass Schweizer Landwirte immer mehr Pestizide und Düngemittel ausbringen:
Der Absatz von Pflanzenschutzmitteln in der Schweizer Landwirtschaft ist seit dem Jahr 2000 um über 40 Prozent gesunken, der Einsatz von Mineraldünger um 30 Prozent.
Was noch dazu kommt: einen alten Traktor verkaufen bringt praktisch keinen Erlös, selbst dann, wenn er noch gut in Schuss ist. Darum bleiben alte Maschinen, die noch funktionieren auf den Höfen.