nature-bird-wing-sky-line-spring-769216-pxhere.com

Eine Rauchschwalbe auf einer Stromleitung © Pixinio

Wenig Schwalbe und viel Sommer

Daniela Gschweng /  Die Spatzen können es noch von den Dächern pfeifen, aber auch ihre Zahl hat abgenommen. Wie die der Mauersegler und Schwalben.

Es gibt auch gute Nachrichten: Die Zahl der Finken hat im vergangenen Jahr zugenommen. Noch gibt es genügend Spatzen, die das von den Dächern pfeifen können. Aber ihre Zahl hat abgenommen. Und für die Mauersegler und Schwalben sieht es düster aus.

Das ist das Ergebnis der Studie «Stunde der Gartenvögel», einem sogenannten Citizen-Science-Projekt des Deutschen Naturschutzbunds (Nabu). Laien notieren dabei zweimal im Jahr eine Stunde lang, welche Vögel sie im persönlichen Umfeld sehen. Am zweiten Maiwochenende 2026 zählten 56’000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer mehr als eine Million Vögel in Gärten und Parks.

Weniger Spatzen, Mauersegler und Schwalben

Die Zählung ist nicht repräsentativ, wird aber seit 20 Jahren durchgeführt. Da viele Zählende mitmachen, kann sie Trends aufzeigen. In der Schweiz führt Birdlife die «Stunde der Gartenvögel» durch. Auch hier zählten Schulklassen und Privatpersonen mehr Amseln, Grünfinken und Girlitze als in den Vorjahren. Ihre Zahl ist in beiden Ländern aber vermutlich nur deshalb gestiegen, weil sie in den Jahren zuvor unter Krankheiten litten.

Die Anzahl der Mauersegler, Rauch- und Mehlschwalben ging zurück. Die Vogelbeobachterinnen und -beobachter in Deutschland entdeckten um ein Viertel (25 Prozent) weniger Mauersegler und 12 Prozent weniger Schwalben. Einer der am häufigsten gezählten Vögel ist nach wie vor der Spatz. Dennoch gab es 9 Prozent weniger Spatzen als 2025.

Insektenschwund und Gebäudesanierung

Schwalben und Mauersegler werden häufig verwechselt und besetzen ähnliche Lebensräume. Es ist auch gar nicht so einfach, sie zu unterscheiden, wenn sie in der Dämmerung um die Häuser schwirren. Als Faustregel gilt: Wenn es im Flug sichelförmig aussieht, ist es ein Mauersegler. Was einen hellen Bauch hat, ist wahrscheinlich eine Schwalbe.

Beide Arten leiden unter den gleichen Problemen: Sie ernähren sich von immer weniger Insekten und brüten in Gebäudenischen, von denen es immer weniger gibt.

Unterschied Schwalben und Mauersegler-Grafik-LBV-59a3sxzkv4jd1w0
Schwalben und Mauersegler werden häufig verwechselt. Der Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e.V. führt auf, wie man sie unterscheidet.

Die Zahlen vor allem der Mauersegler können dabei von Jahr zu Jahr schwanken. Mauersegler sind Zugvögel, die einen grossen Teil ihres Lebens in der Luft verbringen und für die Brutsaison nach Europa kommen. Sie gelten als Boten des beginnenden Sommers. In der Schweiz brüten sie vor allem im Mittelland. Ihre Zahl ist abhängig davon, wie das Wetter im Frühjahr ist, wann die Zugvögel zum Brüten nach Norden ziehen und wie erfolgreich die kurze Brutsaison ist. Schlechtes Wetter kann sie abhalten, nach Norden zu fliegen.

Das Wetter in Deutschland und der Schweiz war nach einem kalten Jahresanfang bisher aber aussergewöhnlich warm, sehr sonnig und sehr trocken. In der Schweiz sind Mauersegler streng geschützt, verlieren durch Gebäudesanierungen aber immer mehr Nistplätze. Wer saniert, muss zwar Ersatz für den verlorenen Brutplatz schaffen, kann den Rückgang damit aber nur bremsen. Dass die Vögel ihrem Nistplatz in der Regel treu sind, kommt erschwerend hinzu.

Negativtrend setzt sich fort

«Der Negativtrend der vergangenen Jahre setzt sich leider fort», bilanzierte Martin Rümmler, Vogelschutzexperte beim Deutschen Naturschutzbund (Nabu), gegenüber der Deutschen Presseagentur DPA. Sorgen macht er sich neben den Mauerseglern vor allem um einst häufige Vogelarten wie den Spatzen. Deren Rückgang sei insgesamt kein gutes Zeichen. «Wenn so häufige Arten wie der Haussperling weniger gemeldet werden, könnte das ein Alarmsignal für den Zustand der Natur in unseren Siedlungen sein», erklärt der Vogelexperte.

Laut dem Nabu wurden in Deutschland 2018 noch durchschnittlich 33,79 Vögel pro Garten gemeldet, 2026 aber nur noch 28,43. Birdlife bittet derweil die Bevölkerung um Hilfe – vor allem in Sachen Gartengestaltung. In naturnahen, nicht ganz so aufgeräumten Gärten mit einheimischen Sträuchern und Blumenwiesen liessen sich deutlich mehr Vogelarten nachweisen als in Gärten mit Einheitsrasen und exotischen Pflanzen, schreibt die Organisation.

Weiterführende Informationen


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
_____________________
➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren SPENDEN möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.

Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:



_____________________
Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

Zum Infosperber-Dossier:

Schmetterling Mathisa

Artenvielfalt / Biodiversität

Genetische Vielfalt und ökologische Stabilität sind überlebenswichtig. Doch zu viele Tiere- und Pflanzenarten sterben zu rasch aus.

War dieser Artikel nützlich?
Ja:
Nein:


Infosperber gibt es nur dank unbezahlter Arbeit und Spenden.
Spenden kann man bei den Steuern in Abzug bringen.

Direkt mit Twint oder Bank-App



Spenden


Ihre Meinung

Lade Eingabefeld...