Sperberauge
Zuwanderungsturbos für «Keine 10-Millionen-Schweiz»
Die Urner «Mitte»-Ständerätin Heidi Z’graggen sieht das Erfolgsmodell Schweiz durch massive Zuwanderung gefährdet. Der Zuger SVP-Finanzdirektor Heinz Tännler meint: «Es kann so nicht mehr weitergehen.» Beide werden für die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» stimmen, taten sie gegenüber der «NZZ am Sonntag» kund.
Überraschend wäre das nicht, hätten sich die beiden bisher nicht als Zuwanderungs-Turbos hervorgetan. Die Urner Ständerätin Heidi Z’graggen war noch als Regierungsrätin – wie es die «Neue Zürcher Zeitung» am 19. Oktober 2018 formulierte – «Wegbereiterin von Samih Sawiris» in Andermatt. Und der langjährige Zuger Finanzdirektor Heinz Tännler – so die «NZZ am Sonntag» – hat mit seiner Tiefsteuer-Strategie Firmen aus der ganzen Welt angelockt. Ihr Wirken hinterlässt tiefe Spuren in Zuwanderungsbilanzen.
Andermatt – Ausländeranteil vervielfacht
In Andermatt nahm die Wohnbevölkerung seit dem Start des Sawiris-Projekts vor 20 Jahren wegen der Zuwanderung um 40 Prozent zu. Der Anteil von Ausländerinnen und Ausländern hat sich von weniger als 10 auf jetzt 37 Prozent vervielfacht und liegt damit weit über dem nationalen Durchschnitt.
Die von ihr geförderte Zuwanderung bezeichnete die Ständerätin gegenüber der «NZZ am Sonntag» trotzdem als «geradezu geniales Projekt». Es gründet auf «sehr tiefen Steuern» und «sehr hohen Immobilienpreisen», oder anders formuliert, es lockt Wohlhabende an, die sich eine teure Bleibe leisten können und mit tiefen Steuern und zuweilen Pauschalbesteuerung honoriert werden.
Längst nicht für alle ist das Projekt «geradezu genial». Die ETH-Studie «Andermatt wiederbelebt» stellte schon 2022 fest, dass sich viele junge BewohnerInnen gezwungen sehen, trotz eines Arbeitsplatzes in Andermatt, «das Dorf zu verlassen, weil sie keinen preiswerten Wohnraum mehr finden».
Im Kanton Zug ist die Entwicklung nicht anders. Die Wohnbevölkerung erhöhte sich in den letzten 20 Jahren um 27 Prozent, der Ausländeranteil aber um fast doppelt so viel. Vor 20 Jahren lag er bei 20, seither hat er sich auf gut 30 Prozent erhöht. Die Tiefsteuerstrategie lockte die Zuwanderer und Zuwandererinnen an, für die laut «NZZ am Sonntag» «der SVP-Mann Tännler wie kein anderer steht».
Jetzt stimmen Tännler und Z’graggen für die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz». Doch wie halten sie es mit ihrem Erfolgsrezept – tiefe Steuern für hohe Zuwanderung reicher und sehr reicher Ausländerinnen und Ausländer? Gilt auch diesbezüglich die Losung des Zuger Finanzdirektors «es kann so nicht mehr weitergehen»? Eine andere Steuerpolitik anstelle der «künstlichen Befeuerung der Zuwanderung» durch spezielle Steuerregimes, die selbst der wirtschaftsnahe Think Tank «Avenir Suisse» vor mehr als zehn Jahren kritisierte, läge doch nahe – oder etwa nicht? Sie hätte auch den Vorteil, dass sie ziemlich schnell umgesetzt werden könnte.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.










Natürlich wäre es der klügste Ansatz, auf aktive Förderung der Zuwanderung durch Steuerrabatte und sogenannte Standortförderung zu verzichten. Leider hört man solche Ideen von den Gegnern der Initiative nur sehr selten. Die versteifen sich lieber darauf, jede Zuwanderung als grossen Segen darzustellen.
Haben Sie für diese Aussage Belege? Nicht vergessen, unsere Regierung war immer bürgerlich. Aber die Linken und Grünen sind an allem schuld! Wer fördert die Einwanderung mit Tiefsteuerpolitik? Lesen Sie den Artikel im der Republik «Wie die SVP Hunderttausende Arbeitskräfte in die Schweiz holte».
Die Zuwanderung hat, wie die meisten Begebenheiten für die Bevölkerung positive und negative Aspekte. Es trifft aber zu, dass im Artikel erwähnte politischen Positionen der beiden bürgerlichen Politiker ziemlich widersprüchlich sind. Es trifft aber auch zu, dass Teile der politischen Linken negative Aspekte der Zuwanderung ausblenden. Die Bevölkerung in der Schweiz wächst für meinen Geschmack auch zu schnell, doch auf der Fläche des Kantons Zürich (1.8 Mio) leben in London 13 Millionen Menschen. Ähnlich, wie der Kanton Zürich wird die Einwohnerzahl Londons weiter wachsen. So schlimm, scheint die Lebensqualität an beiden Orten von viele Menschen nicht wahrgenommen zu werden.
10 Millionen Millionäre sind eindeutig zu viel. Die Schweiz betreibt aktive agressive Wachstumspolitik. Die Bevölkerung spürt vor allem den Preis dieses Wachstums. Horrende Mietzinse, überfüllte Strassen und Züge. Definitiver Verlust von Landwirtschaftsland etc. Unter der Führung des SVP wehrt sie sich mit der dümmsten Methode gegen diese Entwicklung.
Die SVP entlarvt sich selbst. Tiefsteuerpolitik fördert die Einwanderung und die «Chaos-Initiative» will das Gegenteil. Vordergründig. Nimmt die Initiative ein Missbehagen der Bevölkerung auf, das andere Parteien verdrängen, leider. Das Missbehagen der SVP ist aber die Beziehung zur EU. Sie will die Bilateralen III torpedieren. Sie will keine Reglementierungen der EU, damit ihre Milliardäre weiter fast regellos ihren Geschäften nachgehen können.
Im Fall Andermatt wäre zu ergänzen: Von 2017 bis 2026 hat sich der Zweitwohnungsanteil der Gemeinde von 53,5 auf 61,6% erhöht.