Öko-Test findet BPA in Babyflaschen
Die gute Nachricht zuerst: Die meisten Babyfläschchen sind unbedenklich und enthalten keine problematischen Chemikalien. Das gilt auch für günstige Produkte wie die «Babylove Weithalsflasche» vom Drogeriemarkt dm, die zu den Testsiegern gehört. Die schlechte gleich danach: Einige Schoppenfläschchen enthalten hormonwirksame und möglicherweise krebserregende Stoffe.
Die deutsche Konsumentenzeitschrift «Öko-Test» fand in 3 von 14 getesteten Babyfläschchen aus dem Detail- und Onlinehandel und einem Sauger die hormonwirksame Chemikalie Bisphenol A (BPA). Zwei der vier beanstandeten Produkte enthielten zudem potenziell krebserregende Kohlenwasserstoffe. Besonders stossend: Alle vier Produkte waren als «BPA-frei» bezeichnet.
Für Babys besonders schädlich
Bisphenol A, das einst als Ersatz für natürliches Östrogen entwickelt wurde, ist der Grundstoff des Kunststoffs Polycarbonat. Die Chemikalie wird auch vielen anderen Produkten zugesetzt und kann aus diesen austreten – vor allem dann, wenn der daraus hergestellte Gegenstand erhitzt oder mechanisch belastet wird oder bereits ein gewisses Alter hat. Babyflaschen werden täglich etliche Male erhitzt, abgekühlt und auch mal mit Schwung auf den Boden befördert.
Hormonaktive Stoffe wiederum sind für Babys und Kleinkinder besonders schädlich. Ihr Körper wächst in Riesenschritten und ist dabei auf Signale angewiesen. Hormone und hormonähnliche Substanzen sind solche Signale – Bisphenol A kann deshalb in die Entwicklung etwa der Organe, Hormondrüsen oder des Gehirns eingreifen. Auch eine kleine Menge kann für einen noch kleinen und leichten Menschen bereits eine hohe Dosis darstellen. Produkte für Babys sollten deshalb überhaupt keine hormonwirksamen Substanzen enthalten.
Babyflaschen gehörten aus diesem Grund zu den ersten Artikeln, in denen BPA verboten wurde. Seit 2011 dürfen sie in der EU kein Bisphenol A mehr enthalten, seit 2017 auch in der Schweiz nicht mehr. Praktisch heisst das: Unter festgelegten Testbedingungen dürfen nicht mehr als 50 Mikrogramm BPA pro Kilogramm Lebensmittel aus dem Fläschchen in den Inhalt übergehen.
«Öko-Test» vermutet Verschmutzung durch Kartonverpackungen
Ab Juli 2026 verringert sich dieser Grenzwert in der EU auf nur ein Mikrogramm pro Kilogramm. Hintergrund: Seit 2025 gilt dort eine weitreichende Beschränkung für alle Bisphenole in Materialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen. Im Juli endet die Übergangsfrist. «Öko-Test» hat für seine Bewertung den niedrigeren Grenzwert angesetzt.
Dieser gilt für alle Verpackungen mit Ausnahme von Papier und Karton – der wahrscheinliche Weg, wie BPA in die Fläschchen gelangt sein könnte, vermuten die Testerinnen und Tester von «Öko-Test». Dafür spricht auch, dass sich der BPA-Gehalt der Flaschen durch Auskochen deutlich reduzieren liess. Das enthebt die Hersteller aber nicht ihrer Verantwortung.
Gefunden hat «Öko-Test» BPA in den Produkten
- Babydream Trinklernflasche rosa, gekauft bei Rossmann
- Nuk First Choice+, Babyflasche grau von Mapa
- Mepal Babyflasche Mio, Regenbogen von Mepal
- Im Sauger der Nip Weithalsflasche Cherry Green, floral
In der Schweiz sind diese Flaschen zum Beispiel auch bei Galaxus erhältlich. Die Mepal-Flasche Mio haben wir bei Möbel Pfister und einer Online-Apotheke entdeckt, Migros.ch führt ebenfalls Produkte von Mepal.
In der beanstandeten Mepal-Flasche und dem Sauger von Nip fand sich zusätzlich noch Naphthalin, ein polyzyklischer aromatischer Kohlenstoff (Pak), der als vermutlich krebserregend gilt.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
_____________________
➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren SPENDEN möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.
Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:
_____________________
Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.








