Lage am AKW Saporischja spitzt sich zu
Es war ein gezielter Drohnenangriff auf das Dienstfahrzeug, in dem der Chefingenieur des von Russland besetzten Atomkraftwerks von Saporischja sass. Sowohl er als auch sein Fahrer starben am vergangenen Mittwoch. Der Direktor der Internationalen Atomenergieagentur IAEA, Rafael Grossi, verurteilte den Vorfall auf X. Er vermied es jedoch, die Täter zu benennen. Russland macht die Ukraine dafür verantwortlich.
Es handle sich um einen inakzeptablen Angriff auf das Kraftwerk und seine Führung und gefährde die nukleare Sicherheit ernsthaft, so Grossi. «Die IAEA fordert ein sofortiges Ende aller Angriffe auf oder in der Nähe von Nuklearanlagen und ihr Personal», forderte er. Das verlangt der Direktor der IAEA schon seit Jahren.
«Ich appelliere dringend an die militärischen Entscheidungsträger, sämtliche Aktionen zu unterlassen, die gegen Prinzipien zum Schutz nuklearer Anlagen verstossen», hatte er beispielsweise im April 2024 gefordert. Als im Mai 2026 eine Drohne das Turbinengebäude traf, warnte Grossi: «Angriffe auf nukleare Anlagen sind wie das Spiel mit dem Feuer.» Doch Grossis Mahnungen scheinen in den Wind gesprochen.
Zehn komplette Stromausfälle in den letzten drei Monaten
Am Mittwoch wies die IAEA erneut auf die prekäre, sich weiter zuspitzende Lage rund um das grösste Atomkraftwerk Europas hin. Dies, nachdem tags zuvor zum 22. Mal seit Kriegsbeginn der Strom am AKW Saporischja vollständig ausgefallen war. «Allein in den letzten drei Monaten traten zehn solcher Ausfälle auf, was die sich verschlechternde Zuverlässigkeit des Stromnetzes unterstreicht», schreibt die IAEA in ihrer Medienmitteilung.
Die Lage am AKW Saporischja sei weiter eskaliert. Verfügte das AKW vor dem Krieg über zehn externe Stromleitungen, die Strom zuliefern konnten, sei es jetzt nur noch eine einzige. Von ihr hängt alles ab. Denn das Kraftwerk benötige – auch im derzeitigen Stilllegungszustand – «einen zuverlässigen und stabilen Netzanschluss, um seine wesentlichen Sicherheits- und Schutzfunktionen aufrechtzuerhalten».
Fällt diese Leitung aus – am vergangenen Dienstag angeblich infolge eines Gewitters – springen automatisch 19 Notstromdieselgeneratoren an, um die notwendigen Funktionen, inklusive der Reaktorkühlung, bereitzustellen. Laut der IAEA gibt es in der Nähe des Atomkraftwerks ein Diesellager, das über Kraftstoffvorräte «für mehr als zehn Tage» verfüge. «Aus Sicherheitsgründen» sei dem IAEA-Team jedoch der Zugang dort verweigert worden.
Mitarbeiter und ihre Familien akut bedroht
Auch die Mitarbeitenden des Atomkraftwerks und ihre Familien werden beschossen: «In den letzten Tagen meldete das Kernkraftwerk Saporischschja mehrere Drohnenangriffe in Enerhodar, wo viele Mitarbeiter des Kraftwerks leben. Am 12. Juli sollen Drohnenangriffe mehrere Opfer gefordert haben, darunter auch Mitarbeiter des Kernkraftwerks Saporischschja und Subunternehmer», so die IAEA. «Am 13. Juli richteten sich weitere Angriffe Berichten zufolge gegen Wohngebäude, die städtische Feuerwehrwache, Lebensmittelgeschäfte und das Krankenhaus von Enerhodar, das trotz Schäden an einem Dienstfahrzeug und einem Dieselgenerator weiterhin in Betrieb blieb.» Am 14. Juli sei ein Transportfahrzeug für Mitarbeiter unter Drohnenbeschuss geraten, ohne, dass es Verletzte gegeben habe. Tags darauf wurde dann der Chefingenieur des AKW getötet.
Laut dem Generaldirektor von Rosatom, der russischen Firma, die das AKW seit der Annektierung führt, wurden seit Anfang Mai 13 Menschen getötet und 48 verletzt. Es bestehe «die reale Gefahr eines massiven nuklearen Zwischenfalls in weiten Teilen Russlands, der Ukraine und Europas».
«Die Mitarbeiter des Kernkraftwerks Saporischschja arbeiten weiterhin unter extrem schwierigen Umständen. Militärische Aktivitäten in Enerhodar können den Druck auf sie und ihre Familien zusätzlich erhöhen. Dies steht in direktem Zusammenhang mit der nuklearen Sicherheit und den sieben unverzichtbaren Säulen der IAEA, wonach das Betriebspersonal in der Lage sein muss, seine Aufgaben zu erfüllen und Entscheidungen frei von unangemessenem Druck zu treffen. Ich fordere erneut grösstmögliche militärische Zurückhaltung in der Umgebung von Kernkraftwerken, um jegliches Risiko eines nuklearen Unfalls zu vermeiden», sagte IAEA-Generaldirektor Grossi.
Russland ging Grossis Stellungnahme zum Tod des Chefingenieurs nicht weit genug. Maria Sacharowa, die Sprecherin des russischen Aussenministeriums, forderte von der IAEA eine «klare und deutliche Erklärung, in der dieser Mord verurteilt wird».
Strahlenüberwachung zu zwei Dritteln ausgefallen
Infolge von Stromausfällen oder Beschädigungen scheinen laut der IAEA auch «mehr als zwei Drittel der externen Strahlungsüberwachungsstationen des Kraftwerks keine Daten zu übermitteln». Noch könne die Strahlungsüberwachung zwar aufrecht erhalten werden, es bestehe jedoch eine «verminderte Ausfallsicherheit und Redundanz». Die IAEA-Mitarbeiter würden nun untersuchen, ob die Strahlungsüberwachung im Notfall noch funktioniere.
Das Gelände des früheren Atomkraftwerks Tschernobyl wird offenbar ebenfalls mit Drohnen ins Visier genommen: Zwischen dem 9. und 14. Juli seien dort insgesamt acht Drohnenflüge innerhalb der Überwachungszone des Geländes registriert worden. «Die anhaltende Präsenz von Drohnen in der Nähe von Kernkraftwerken ist ein weiterer Hinweis auf die Risiken, die dieser Krieg für die nukleare Sicherheit und Sicherung mit sich bringt», sagte Generaldirektor Grossi.
«Es wäre furchtbar»
«Es wäre furchtbar», wenn in Saporischja etwas passieren würde, «insbesondere auch für die Bevölkerung vor Ort», sagte der frühere Chef der Nationalen Alarmzentrale Gerald Scharding schon 2023 gegenüber «SRF». Da das AKW heruntergefahren sei, wäre die Menge an radioaktiven Stoffen, die freigesetzt werden könnte, jedoch «deutlich geringer als bei einem Kernkraftwerk in Vollbetrieb».
Meist würden die Hauptwinde von der Ukraine nicht in Richtung Schweiz wehen. «Nur in etwa 20 Prozent der Fälle bewegen sich die Luftmassen aus der Ukraine auf mehr oder weniger direktem Weg in die Schweiz.» Scharding rechnete deshalb nicht damit, dass im Fall eines Nuklearszenarios in Saporischja in der Schweiz die Einnahme von Jodtabletten oder der Aufenthalt im Haus oder in Schutzräumen nötig würden. Das gilt laut dem Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) weiterhin. Scharding hatte 2023 jedoch von möglichen Ernte- und Weideverboten in jenen Schweizer Gebieten gesprochen, die am meisten betroffen wären.
Inzwischen sei die Menge an vorhandenem und potentiell freisetzbarem radioaktiven Material in Saporischja viel geringer als vor drei Jahren, antwortet ein Mediensprecher des VBS nun auf Anfrage von Infosperber. Würde in Saporischja Radioaktivität austreten und der Wind stünde ungünstig, habe die Schweiz eine Vorlaufzeit von mindestens 24 bis 48 Stunden. Falls eine radioaktive Wolke die Schweiz erreichen würde, wäre «nur die Lebensmittelsicherheit oder der Importbereich» betroffen, so der VBS-Mediensprecher.
Zur Erinnerung: Die fruchtbaren Ackerböden in der Ukraine wurden vor dem Krieg die «Kornkammer Europas» genannt.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.










…und deshalb wollen unsere Politiker neue AKWs, dass die Vorwarnzeit bei einem Zwischenfall keine 24h dauert sondern gegen Null strebt. – Ueberhaupt sind Ausgaben für AKWs und fürs Militär eine Multiplizierung der Verwundbarkeit: Mit den AKWs wird man verwundbarer und mit den Waffen reizt man den Gegner, wenn er sich bedroht fühlt. Da braucht der Angreiffer nicht einmal mehr Atomwaffen, die vorhandenen AKWs tuns auch.
Der Täter ist klar, da gibt es keine Zweifel. Unglaublich wie sich der Westen windet, Terroristen als solche zu benennen. Aber solange ein Melnik mit Staatsehren begraben werden darf, erstaunt mich nichts mehr.
Zu Saporischja – VBS – Zitat: «Falls eine radioaktive Wolke die Schweiz erreichen würde, wäre «nur die Lebensmittelsicherheit oder der Importbereich betroffen»
Da scheint der Mediensprecher des VBS nicht auf dem aktuellen Stand des Wissens zu sein. «Linear non threshold» ( Linear ohne Schwellenwert) gilt und das bedeutet: Es gibt keine gesundheitlich ungefährliche ioniserende (radioaktive) Strahlung. Wenn dazu noch die Lebensmittelsicherheit betroffen ist und wir unsere selber produzierten Lebensmittel essen, wird auf alle Fälle unsere Gesundheit betroffen sein.
Zum Thema Schädlichkeit ionisierender Strahlung. Der Bundesrat antwortete am 31.1.2024 auf eine Interpallation 18.4107 von NR Irène Kälin, dass sein Faktenblatt aus dem Jahr 2018 angepasst werden müsse. Der Bundesrat ist sich seither dessen bewusst, dass keine noch so tiefe Dosis ionisierender Strahlung schadlos an uns Lebewesen vorbeigeht und dass die wissenschaftliche Evidenz für diese Tatsache klar gegeben ist.
Seit Jahren schiessen die Ukrainer auf Saporischja oder schicken Drohnen.
Und der Westen schweigt.
Oder unsere Super Medien behaupten noch, die Russen beschiessen «ihr» Kernkraftwerk selber…
Dann fliegen sie (die Ukrainer) ihre Drohnen gezielt in zivile Wohnungen oder Fahrzeuge.
Aber die Kriegsverbrecher sind die Russen.
Der Infosperber scheint ähnlich «neutral» zu sein, wie Herr Grossi – man könnte es auch «blind» nennen: Bloß nicht auf den Elefanten im Raum zeigen. Das AKW befindet sich im Hoheitsbereich der Russen und wird ständig beschossen. Von wem denn wohl? Von den Russen vermutlich nicht – die haben es ja schon! Von Jaques Baud bis Erich Vad behaupten wissende Menschen, daß die Ukraine seit Jahren versucht, die NATO aktiv in den Krieg zu ziehen. Eine kleine Atomkatastrophe käme da vermutlich nicht ungelegen. Und da die Ukraine auch eher Westwindgebiet ist, würde der radioaktive Regen ja sowieso überwiegend die Moskalis treffen – sozusagen eine «schmutzige Bombe» in groß.
Bei der Recherche für den Artikel habe ich keine offizielle Stellungnahme der Ukraine gefunden, dass sie die Vorwürfe Russlands in diesem Fall zurückweist. Wer der oder die Täter waren, weiss ich nicht mit Sicherheit.
Lieber Herr Witten, da muss ich im Gegensatz zu Ihnen die Frau Frei loben. Sie berichtet über das AKW Saporoschje, wie ich es bei einem Bericht erwarte. Journalismus alter Schule. Der Leser kann seine Meinung selber bilden und soll das auch machen. Für unsere Meinungen gibt es ja dann die Kommentarspalte. Da dürfen wir dann unseren Senf dazu geben und ich bin sogar gleicher Meinung. Die Russen wussten genau, weshalb sie das grösste AKW in Europa unter ihren Schutz stellten.
und warum benennt infosperber wie auch grossi die offensichtlich ukrainischen täter nicht?
Ursache ist die EU, die den Akteuren endlose Milliarden hineinstopft.
Und wer ist Ursache der EU? Die Wähler? Sind das nicht die, denen es sogar egal zu sein scheint, dass der «Westen» (Appendix EU/NATO unter Oberbefehl USA) seit langem auf einen Krieg hinarbeitet (nach Napoleon, 1WK, 2WK, der vierte und ultimative Anlauf gegen Heartland wie damals gegen die Indianer)?
Apropos: «Die IAEA fordert ein sofortiges Ende aller Angriffe auf oder in der Nähe von Nuklearanlagen und ihr Personal», Das verlangt der Direktor der IAEA schon seit Jahren.
Wen interessierts?
Es sind die Milliarden der Steuerzahler (nicht das persönliche Geld von Merz, Kiesewetter, Strack-Zimmermann, Baerbock & Co.), die für Angriffe auf Atomanlagen und letztlich für einen Atomkrieg verwendet werden. Das verarmende Volk schweigt, hält still, schaut weg? Fehlkonstruierte Demokratie? Fehlt zwingende Haftung für Wahlgrundlage Parteiprogramm und Fristlose Kündigbarkeit?
Natürlich weist die Ukraine «alle Vorwürfe zurück». Aber wer sonst sollte das unter russischer Kontrolle stehende KKW beschießen und den Chef ermorden? Die Russen halten unter enormem Aufwand den Notbetrieb aufrecht. Es kommt nur die Ukraine infrage, oder gibt es einen dritten Kriegsteilnehmer dort?
Den gibt es und heisst NATO…
Wenn Drohnen oder Racketen in Drittländern einschlagen, weisen die Medien sofort die Schuld auf Russland zu. Wenn sich später herausstellt, dass es die Ukraine war, dann wird geschwiegen. In diesem Falle ist die Situation von Anfang an klar: Es war die Ukraine, aber niemand wagt es auszusprechen.
Wenn wir ein zweites Tschernobyl haben werden, wird uns das VBS wieder raten, das Gemüse gründlich zu waschen?
Unterstützt Schweiz seit Juli 2022 ukrainische Angriffe auf AKW Saporischja?
Rundmail SP Schweiz 15.7.26 GEGEN Neutralitätsinitiative:
Im September stimmen wir über Blochers «Neutralitätsinitiative» ab. Mit dieser sollen Schweizer Sanktionen gegen andere Staaten unmöglich werden. Doch mit Neutralität hat die Initiative wenig zu tun – in Wirklichkeit ist sie eine Pro-Putin-Initiative.
Meine Antwort:
Weil einzig Trump & Co. mich beunruhigen (Angriffskriege, Ankündigungen, Gesamthistorie), meine Frage:
Ihr schreibt: «Blocher hat sie als Reaktion auf die Sanktionen gegen das Putin-Regime lanciert.»
Welche Sanktionen bestehen gegen die USA?
Falls keine:
Warum kämpft SPS nicht für Gleichberechtigung, das heisst, WEIL keine Sanktionen gegen USA, ERST RECHT keine gegen Russland?
Schweizheute.ch 18.7.2026 — Ex-Aussenministerin Calmy-Rey: «Ich befürchte, dass wir in das Lager der EU- oder Nato-Turbos gedrängt werden» Weshalb sie als Linke auf Stimmen für die Neutralitätsinitiative der SVP hofft.
««Ich appelliere dringend an die militärischen Entscheidungsträger, sämtliche Aktionen zu unterlassen, die gegen Prinzipien zum Schutz nuklearer Anlagen verstossen»»
Genausogut könnte Hr. Grossi von einem Wahnsinnigen verlangen, doch bitte nicht wahnsinnig zu sein.
Wie Martina Frei schreibt, spitzt sich die Lage beim AKW Saporischja zu. Es wird in der Ukraine weiter geschossen, trotz des Risikos, dass einer der 15 Atomreaktoren in diesem Land beschädigt wird. Es droht eine Katastrophe wie in Tschernobyl, Fukushima oder wie 1969 beim Versuchsreaktor in der Schweiz, in Lucens.
Die Ukraine wird, auch wenn der Krieg aufhört, während Jahrzehnten viele landwirtschaftlich genutzte Flächen wie in Vietnam, Kambodscha, auf dem Balkan, im Irak sehr lange nicht mehr nutzen können. Viele Felder sind vermint, nicht explodierte Sprengkörper liegen herum, giftige Uranmunition.
Die Schweiz dürfte Nato-Staaten kein Kriegsmaterial mehr liefern. Denn Nato-Staaten sind mit ihren Waffenlieferungen an die Ukraine Kriegspartei. «Auslandsgeschäfte nach Artikel 22 des Kriegsmaterialgesetzes und Abschlüsse von Verträgen nach Artikel 20 werden nicht bewilligt, wenn: a. das Bestimmungsland in einen internen oder internationalen bewaffneten Konflikt verwickelt ist.