Portraits Donald Trump und Vladimir Putin. Halftone collage effect.

US-Präsident Trump führt Krieg gegen den Iran; davon profitiert Vladimir Putin. © weyo/Depositphotos

«Der Iran-Krieg kam für Russland genau zum richtigen Zeitpunkt»

Markus Mugglin /  Russland profitiert doppelt vom Iran-Krieg: durch hohen Ölpreis und zunehmenden Mangel an Patriot-Raketen für die Ukraine.

Auch nach fast fünf Wochen Krieg gegen den Iran wird gerätselt, welche Ziele US-Präsident Donald Trump verfolgt. Will er die Atomanlagen zerstören, auch die Raketenarsenale, will er ans Öl oder strebt er vielleicht doch den Regime-Wechsel an? Wagt er eine Bodeninvasion, oder schreckt er doch zurück? Will er die Strasse von Hormus freikämpfen? Finden wirklich Verhandlungen statt? Was US-Präsident Trump will, ist auch nach fünf Wochen Angriff so unklar, wie es zu Beginn des Krieges war. Nur etwas scheint gewiss zu sein. Vasily Astrov vom Wiener Institut für internationale Wirtschaftsvergleiche WIIW formulierte es jüngst pointiert: «Der Iran-Krieg kam für Russland genau zum richtigen Zeitpunkt.» Astrov sagte es am 27. März in der bisher neusten Ausgabe des «Die Presse»-Podcast zur russischen Wirtschaft.

Einige kritische Beobachter ahnten oder befürchteten schon früh, dass Russland ein Gewinner des Krieges sein könnte. Jetzt ist es offensichtlich. Der Sicherheitsexperte Wolfgang Richter, Oberst a.D. der deutschen Bundeswehr und Associate Fellow am Genfer Zentrum für Sicherheitspolitik, und Vasily Astrov, Russlandexperte des WIIW, erläutern im Podcast die Vorteile, die Russland aus dem Krieg zieht.

Vor dem Iran-Krieg war die Lage des Staatsbudgets Russland, so Astrov, «wirklich kritisch, besorgniserregend». Der Finanzminister sagte drei Tage vor dem Krieg, die Staatsausgaben müssten gekürzt werden. Die Militärausgaben wären davon verschont geblieben, ebenfalls Sozialabgaben. Doch bei den meisten Budgetposten schlug der Minister eine Kürzung um zehn Prozent vor.

Ölpreisschock füllt die Staatskasse auf

Mit dem Iran-Krieg haben sich die Vorzeichen geändert. Von Kürzungen spricht der Finanzminister nicht mehr. Die hohen Ölpreise machten es möglich, von denen auch Russland und damit auch die Staatskasse stark profitiert. Vasily Astrov: «Von jedem Dollar des Öls kommen 60 Cents direkt in die Staatskasse.»

Für Russlands Wirtschaft kommt der Krieg auch deshalb zum richtigen Zeitpunkt, weil die Wirtschaft stockt. Im Januar aufs Jahr hochgerechnet rutschte sie ins Minus. Der sogenannte Geschäftsklima-Index ist im März auf den tiefsten Wert seit Oktober 2022 gesunken.

Wie stark der massiv gestiegene Ölpreis die Staatsrechnung entlasten wird, lässt sich noch nicht voraussagen. Eines ist gewiss: Je länger der Krieg dauert, umso höher fällt der Geldsegen aus. Es hängt auch davon ab, ob die USA die Sanktionen gegen russisches Öl nur vorübergehend oder auf Monate hinaus lockern und den Export russischen Öls erleichtern, um einen noch höheren Preisaufschlag als schon heute zu verhindern. Sollte der Krieg sechs Monate dauern, beziffert Vasily Astrov die Extraeinnahmen auf etwa 50 Milliarden Dollar. Oder anders gesagt. Der russische Staat müsste sich nicht neu verschulden.   

Raketenabwehr der Ukraine wird geschwächt

Das ist nicht der einzige Vorteil, den Russland aus dem Iran-Krieg zieht. Darauf verweist im Russland Podcast der österreichischen Zeitung «Die Presse» der Sicherheitsexperte Wolfgang Richter: «Jede Patriot-Rakete, die im Iran-Krieg verfeuert wird, fehlt für die möglichen Lieferungen und Käufe von Europäern, die sie an die Ukraine weiter liefern.» Die USA haben in der Golf-Region Tausende von Patriot-Batterien, die Golfstaaten mehrere hundert davon. Wenn die alle im Einsatz sind, könne man schnell hochrechnen, dass nicht nur Hunderte, sondern Tausende Raketen verschossen werden. Das Pentagon habe bereits die Notbremse gezogen und gebe nichts mehr ab, fülle stattdessen nun die eigenen Lager wieder auf. Die Folge, so Richter: «Da ist nichts mehr übrig für die Ukraine.»

Das bedeutet: «Die Möglichkeiten für die Abwehr für die Ukraine werden immer schwächer und Russland hat mehr Chancen, die Energieinfrastruktur, aber vor allem auch die Drohnenproduktion der Ukraine zu treffen und mit den Raketenangriffen durchzukommen.» Da Russland umgekehrt nicht mehr von Drohnenlieferungen aus dem Iran angewiesen ist, wie noch zu Beginn des Ukraine-Krieges, müsse es auch keine negativen Folgen befürchten. Es produziert inzwischen selber die Drohnen, die es im Krieg in grosser Zahl losschiesst.   

Als kompletten «Game-Changer» im Ukraine-Krieg schätzt Wolfgang Richter den Iran-Krieg zwar nicht ein, meint aber doch, dass er sich für Russland günstig auswirken werde.    

Ein Gewinner des Iran-Krieges steht offensichtlich bereits fest. Der Moderator des Podcast der Tageszeitung «Die Presse», Eduard Steiner, langjähriger Russlandkorrespondent, meint, wenn man es zynisch formuliere: «Etwas Besseres hätte Putin nicht passieren können.»


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12 Meinungen

  • am 2.04.2026 um 12:05 Uhr
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    Trump arbeitet mit Putin bestens zusammen.

    • am 3.04.2026 um 00:11 Uhr
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      Ja – Pack schlägt sich, Pack verträgt sich……

  • am 2.04.2026 um 15:13 Uhr
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    immerhin können die russen ihre kriegskassen nicht füllen, wenn sie das öl nicht auf den markt bringen können, aufgrund der ukrainischen zerstörung der transportstrukturen.
    (siehe argumentation und belege von mark reicher auf youtube resp freetube vom 30.4. oder paul warburg auf youtube vom 28.4.25)

  • am 2.04.2026 um 16:10 Uhr
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    Allerdings lese ich etliche Berichte über vermutete Finanzströme aus den Golfstaaten in die Ukraine. Beispiel: «Diplomaten in Brüssel gehen davon aus, dass Kyjiws verstärkte Zusammenarbeit mit den Golfstaaten neue Finanzmittel erschließen ….»

  • am 2.04.2026 um 17:29 Uhr
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    Wenn damit der Ukraine Krieg schneller als erwartet zu Ende ist, umso besser. Nicht optimal für die ukrainischen Kriegsführer, aber positiv für die Männer, beiderseits der Front, die dann nicht mehr sterben müssen.

  • am 3.04.2026 um 00:02 Uhr
    Permalink

    Infosperber: «Russland profitiert doppelt vom Iran-Krieg»
    Ich sehe das Gegenteil: UNO als Papiertiger; Zivilcourage, Wahrheit auf absteigenden Ast. Jeder und jedes Land gegen den Hegemon, das fällt (Iran, Kuba, Panama, Grönland, Kanada etc.), ist ein Verlust für uns alle, insbesondere Russland (samt China), die ich als letztes Immunsystem von Mutter Erde betrachte.
    Ich «heutiger Indianer» fürchte mich einzig vor der «einzigen unverzichtbaren Nation».
    ►Buch «Verhängnisvolle Freundschaft – Wie die USA Europa eroberten» Dr. iur. Wolfgang Bittner: Friedensnobelpreisträger Präsident Obama führte sieben Kriege und bezeichnete in Rede vor Militärakademie Westpoint die USA als «einzige unverzichtbare Nation».
    ►Infosperber Helmut Scheben 14.6.24: US-Aussenministerin Madelaine Albright sagte 1998: «Wenn wir Gewalt anwenden müssen, dann deshalb, weil wir Amerika sind. Wir sind die unersetzliche Nation.»
    Bloodiest History. Manic Street Preachers: «If You Tolerate This Your Children Will Be Next».

    • am 3.04.2026 um 13:05 Uhr
      Permalink

      Richtig, nur die USA mit ihren ca. 850 Militärbasen überall auf der Welt zetteln weltweit Kriege an, weder Russland noch China sind derart aggressiv. Der Ukrainekrieg ist eine Folge der westlichen Ostexpansion, die Russlands Sicherheit von Jahr zu Jahr mehr gefährdet hat. Die Ukraine in der NATO wäre sicherheitspolitisch für Russland der Supergau gewesen, deshalb gab es keine Bereitschaft zu Gesprächen von westlicher Seite. Letzter russischer Versuch im Dezember 21. Der Westen wollte diesen Krieg! Russland will Sicherheit an der Westgrenze, die NATO das Gegenteil.

  • am 3.04.2026 um 21:14 Uhr
    Permalink

    Da muss man kein hochbezahlter «Analyst» oder «Fellow» sein um zu erkennen, dass Russland u.U. hier gewaltig profitieren könnte: dieses Land kann Rohstoffe, Grundstoffe, petrochemische, chemische und metallurgische Produkte in rauen Mengen exportieren dass uns hier nur so die Ohren schlackern. Die Gas- und Ölfelder laufen nur auf halber Kraft. Die neuen arktischen LNG-Terminals sind noch gar nicht richtig in Betrieb. Allein an der BAM lagert genug Steinkohle, um die halbe Welt zu versorgen. Russland leidet nur unter zwei Sachen: seiner sehr niedrigen Bevölkerungsanzahl im Verhältnis zu Fläche und Bedarf und unter den extremen geologischen und klimatischen Bedingungen. Wer sich Russland ohne Not zum Feind macht, handelt kurzsichtig.

    • am 4.04.2026 um 15:28 Uhr
      Permalink

      Ja, gilt besonders für die Schweiz…
      Pssssttt….Ganz leise:

      Ich sage nur: Glencore, Gunvor, Trafigura, …….
      Darüber laufen grosse Teile des globalen Rohstoffhandels

      Auch interessant: Rosatom (hochinteressanter Bericht: Die Nuklearfalle – Putins Deals mit dem Westen)

  • am 4.04.2026 um 12:21 Uhr
    Permalink

    Es ist so gekommen,wie es kommen musste.Die USA geben gewaltige Summen für das Militär aus,Geld welches sie nicht haben und Schulden welche sie nie mehr begleichen können,sie müssen Zuschlagen bevor sie diese Schulden erdrücken.Mit dem vor allem von den USA gewollten Ukraine-Krieg,wollten sie Russland schwächen,bevor sie sich China vornehmen und nebenbei auch Europa schaden zufügen.Während Europa in die Falle getappt ist,haben Russland und andere Länder diesen Plan durchschaut und entsprechende Massnahmen getroffen.Es ist nicht unbedingt Russland welches als Gewinner aus dieser Situation hervorgeht,aber bestimmt gehören die USA zu den Verlierern.Dank den unsinnigen Handlungen von Donald Trump ist die glaubwürdigkeit der USA auf einem Tiefststand, das wird Wirkungen haben,weder Grönland noch alle anderen Länder welche mit Strafzöllen belegt wurden,werden das so schnell vergessen.Sollten die USA auch aus der NATO austreten,hat Europa auch da nichts mehr zu verlieren.

  • am 4.04.2026 um 16:44 Uhr
    Permalink

    Deutschland hat sich Rußland nicht bewußt zum Feind gemacht, sondern sich von den USA in einen Konflikt treiben lassen, an dem aber Rußland nicht ganz unschuldig ist durch seine aggressive ,undiplomatische Reaktion gegenüber den westlichen Strategien. Die Einsicht, daß man auf beiden Seiten es hätte besser machen können, verlangt souveränes Denken und Mut zum Neuanfang. Ich bin überzeugt, daß das möglich ist, wenn Deutschland sich aus dem Sog des Ukrainekriegs löst und durch die Möglichkeit der Reparatur der Ostseepipeline ein glaubwürdiges Zeichen sowohl an Rußland wie auch an die Ukraine sendet. Jedenfalls sollte das versucht werden anstatt den Konflikt durch immer weitere Waffenproliferation zu zementieren. Deutschlands Widerstand gegen den Trumpschen Druck im Irankrieg ist schon mal ein Schritt in die richtige Richtung; jedenfalls könnte man das Rußland gegenüber als Symptom politischen Wandels deklarieren.

    • am 5.04.2026 um 09:20 Uhr
      Permalink

      Die Weltgeschichte hat uns gelehrt, dass Länder, welche zu mächtig geworden sind, ihren Preis zahlen mussten. Ich denke da ans alte Rom, an Napoleons Eroberungen und natürlich an Hitlers «Reich» usw.
      Ich hoffe, dass es bald an der Zeit ist, dass mit den USA dasselbe geschieht.

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