William L. Laurence und General Leslie R. Groves

William L. Laurence (links) und General Leslie R. Groves im September 1945 nach einer Pressereise zum Trinity Testgelände. © U.S. Army Corp of Engineers

Ein Wissenschaftsjournalist im Dienst der US-Propaganda

Josef Estermann /  William L. Lawrence arbeitete für die «New York Times» sowie für das US-Militär – und redete ab 1945 die Atombombenabwürfe schön.

Mehr als 80 Jahre nach dem Atombombenabwurf über Hiroshima und Nagasaki deckt der Dokumentarfilm «Bombshell» auf, wie ein Journalist half, eine für die damalige US-Regierung positive Geschichte zu konstruieren. Der frühere Wissenschaftsjournalist der «New York Times», William L. Lawrence, wusste jahrelang vom geheimen «Manhattan Project» der US-Armee zur Herstellung einer Atombombe – und er bestimmte bis weit über die nukleare Zerstörung der beiden japanischen Städte hinaus das in der Öffentlichkeit vorherrschende Bild.

Der Dokumentarfilm «Bombshell»

«Bombshell» – nicht zu verwechseln mit dem oscargekrönten Spielfilm «Bombshell: Das Ende des Schweigens» von 2019 – erhielt am diesjährigen «Uranium Film Festival» den Preis für den besten investigativen Dokumentarfilm. Er trägt den bezeichnenden Untertitel: «Sie schufen die Bombe, dann schufen sie die Story».

Der Dokumentarfilm handelt nicht direkt von der Herstellung der Atombombe im Zug des Zweiten Weltkrieges und vom Abwurf über Hiroshima und Nagasaki, auch wenn diese Geschichte dauernd präsent ist. Der eigentliche Fokus liegt auf der Art und Weise, wie die US-Regierung und die Verantwortlichen für das Atombombenprogramm («Manhattan Project») die Berichterstattung in den Medien kontrollierten, manipulierten und für ihre Zwecke umformten.

Der Film besteht aus vielen historischen Zeugnissen (Filmsequenzen, Fotos, Interviews), sowie einer Reihe von Kommentaren durch heutige Geschichtswissenschaftlerinnen, Journalisten und anderen Medienschaffenden. Eine Stimme aus dem Off verbindet die Sequenzen zu einem stimmigen Ganzen. «Bombshell» ist eine Produktion des US-amerikanischen Public Broadcasting Service und wurde am 6. Januar 2026 erstmals in den USA gezeigt.

«Hauptdarsteller» in diesem mit viel Aufwand recherchierten dunklen Kapitel der US-Geschichte sind General Leslie R. Groves, Verantwortlicher für das bis zum Atomabwurf 1945 geheim gehaltene Atombombenprogramm «Manhattan Project» der US-Regierung, sowie der Wissenschaftsjournalist William L. Lawrence, der bei der «New York Times» arbeitete, aber gleichzeitig insgeheim von Groves unter Vertrag genommen wurde. Angesichts des Wettrennens mit Nazi-Deutschland um die Herstellung der neuen «Wunderwaffe» wurde das Atombombenprogramm in den USA ab 1939 unter höchster Geheimhaltung und mit einem Budget von über zwei Milliarden US-Dollar vorangetrieben.

Gezielte Manipulation der öffentlichen Meinung

Die Rolle von William Lawrence war es, die Berichterstattung über die «Geheimwaffe» im Sinne der US-Regierung zurechtzurücken und gegenteiligen Medienberichten entschieden entgegenzutreten. Schon bei den ersten Atombombenversuchen in der Wüste von New Mexico, bei denen Lawrence als Beobachter dabei war, galt es, das Thema der radioaktiven Verseuchung zu leugnen oder zumindest herunterzuspielen. Die Bürgerinnen und Bürger der USA sollten den Eindruck bekommen, dass es sich nicht um eine «schmutzige» Waffe wie die deutschen Chemiewaffen (Senfgas) handle, sondern um eine gezielt gegen militärische Ziele einzusetzende Bombe mit hoher Wirkungskraft. 

Was Lawrence im Rahmen des «Manhattan Projects» als von der Regierung «gekaufter» Journalist praktisch ohne Widerrede kritischer Journalisten tun konnte, sollte sich schliesslich mit den beiden Abwürfen vom 6. und 9. August 1945 über den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki bewahrheiten. Präsident Trumann brach am 7. August 1945 die jahrelang aufrechterhaltene Geheimhaltung mit den Worten: «Vor sechzehn Stunden hat ein amerikanisches Flugzeug eine Bombe auf Hiroshima abgeworfen, einer wichtigen japanischen Militärbasis.» Diese Halbwahrheit sollte in den nächsten Jahren die offizielle Version der US-Regierung zu den Atombombenabwürfen in Hiroshima und Nagasaki bilden.

Zensur und versteckter Rassismus

Neben Lawrence wurden auch der Regierung gefügige Ärzte und Physiker herangezogen, welche die relative Ungefährlichkeit der neuen Waffe für den Menschen beweisen sollten. Trotz gegenteiliger Evidenz wurden die Auswirkungen des Atombombentests («Trinity Test») in New Mexico, der ausgerechnet am Tag vor der Potsdam-Konferenz (17. Juli bis 2. August 1945) stattfand, vom medizinischen Berater Stafford L. Warren heruntergespielt. Die US-Regierung unter Präsident Harry S. Truman sprach zunächst von der Explosion eines Munitionslagers, bis sie nach dem Abwurf von Hiroshima den Atombombentest zugab. Die beiden anderen Teilnehmer der Konferenz von Potsdam, Churchill und Stalin, waren ahnungslos.

Der Dokumentarfilm «Bombshell» zeigt eindrücklich, wie die öffentliche Meinung der US-Bevölkerung nach den beiden Abwürfen in Japan manipuliert worden ist. Schon im Vorfeld wurden die Japaner in rassistischer Art und Weise als «Monster» diskreditiert. Der afroamerikanische Journalist Charles Loeb äusserte schon bald die Vermutung, die erste Atombombe sei aus rassistischen Gründen nicht auf die «weissen» Nazi-Deutschen, sondern die «farbigen Japs» abgeworfen worden.

Leugnen und Verdrehen der Wahrheit

Die Berichterstattung aus Hiroshima und Nagasaki wurde einer strengen Zensur unterworfen. Bilder verletzter oder getöteter Menschen durfte die US-Bevölkerung nicht zu Gesicht bekommen. Berichte japanischer Berichterstatter wie jene des US-japanischen Journalisten Leslie Nakashima, dessen Mutter in Hiroshima wohnte, durften nur in Japan selber veröffentlicht werden. In den USA galten sie als «japanische Propaganda».

Die radioaktive Verstrahlung und deren Folgen wurden anfänglich geleugnet, von gesundheitlichen Langzeitfolgen war entgegen besseren Wissens keine Rede. Noch im November 1945 konnte Lawrence schreiben, dass ein Tod durch radioaktive Verstrahlung «relativ angenehm» (pleasant) sei, eine Ungeheuerlichkeit angesichts der Zeugnisse, die damals schon vorlagen. General Groves lud ausgewählte Journalisten zu einem Augenschein ins Testgelände von Los Alamos in New Mexico, um sich selber zu überzeugen, dass es «keine radioaktive Strahlung» gab. Dabei kannten die Farmer im näheren Umfeld bereits die Folgen für Vieh und Menschen. «Für seinen Augenzeugenbericht über den Atombombenabwurf auf Nagasaki und seine darauffolgenden zehn Artikel über die Entwicklung, Herstellung und Bedeutung der Atombombe» wurde Lawrence 1946 ein zweiter Pulitzer-Preis verliehen, den ersten hatte er bereits 1937 erhalten.

Von der Leugnung zum geringeren Übel

Allerdings sickerten aus Japan immer mehr Meldungen von schrecklichen Verletzungen und Tausenden von Toten an die Öffentlichkeit. Verschiedene Journalisten, die nach Hiroshima gereist waren, widersprachen den Aussagen von General Groves und dem Journalisten Lawrence. Es handle sich nicht um irgendeine Waffe mit grosser Wucht und Zerstörungskraft, sondern um eine, die Strahlung freisetze und über Jahre und Jahrzehnte Menschenleben fordere. Der Investigativjournalist John Hersey veröffentlichte 1946 im «The New Yorker» unter dem Titel «Hiroshima» eine ausführliche Reportage aufgrund von Zeugnissen von Betroffenen von Hiroshima. Sie war ein Bestseller.

Die US-Regierung konnte die wahre Art der «Wunderwaffe» nicht länger unter Verschluss halten und ging zum Gegenangriff über. Als Gegendarstellung zu Herseys Augenzeugenbericht veröffentlichte der Kriegssekretär Henry Stimson 1946 den Bericht «Why we dropped the atomic bomb?» (Warum haben wir die Atombombe abgeworfen?). Die Erzählung änderte sich nun insofern, als die radioaktive Strahlung und die menschlichen Opfer nicht länger geleugnet werden konnten. Allerdings wurden die Abwürfe gerechtfertigt mit dem Argument, das kleinere von zwei Übeln gewählt zu haben. Das grössere Übel wäre eine mögliche Verlängerung des Krieges in Fernost um mindestens ein Jahr gewesen, und damit weit mehr Opfer auf US-amerikanischer und japanischer Seite, als die Bomben in Hiroshima und Nagasaki gekostet hätten. 

«Kontrollierte Information» hält an

Die «kontrollierte Information» durch Leute wie General Groves und den Wissenschaftsjournalisten Lawrence sollte noch bis zum Ende der US-Besatzung von Japan 1952 andauern. Erst danach wurden fotografische und andere Zeugnisse von den Atombombenabwürfen in Hiroshima und Nagasaki publik. Doch die «Geschichte» von der relativen Harmlosigkeit und Alternativlosigkeit der Abwürfe hatte sich in breiten Kreisen der US-Bevölkerung bereits festgesetzt. Der Journalist William L. Lawrence trug mit seinem Doppelspiel nicht unwesentlich zu dieser Deutung bei, die der heutigen US-Regierung entgegenkommen dürfte.

Umso wichtiger ist ein Dokumentarfilm wie «Bombshell».

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6 Meinungen

  • am 6.07.2026 um 12:33 Uhr
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    William L. Laurence und General Leslie R. Groves könnten wohl Vorbilder von Mr. Trump sein, wie eine «kontrollierte Informationspolitik» funktionieren muss, wenn die Trump-Politik einen globalen GAU verursacht.
    Gunther Kropp, Basel

  • am 6.07.2026 um 13:40 Uhr
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    Nun ja, was lehrt uns das? Besonders im Krieg wird der Pöbel mit Lügen überflutet. Der Feind ist der Böse (3. Grundsatz der Kriegspropaganda nach Ponsonby). Noch heute sprechen vor allem die USA bei Waffeneinsätzen von «chirurgischen oder Präzision-Schlägen». Im Widerspruch dazu gibt es dann massenhaft «Kollateralschäden». Heute redet die Kamarilla gar von «schmutzigen» Atomwaffen, dabei ist jeder Krieg schmutzig, nicht die Waffen. Vergebens sucht man in der Bildberichterstattung von aktuellen Kriegen (Ukraine, Iran, Naher Osten) nach zerfetzten Körpern von Erwachsenen und Kindern oder abgerissenen Gliedmaßen. Das alleine würde vielleicht schon Millionen Menschen bewusst machen, was mit ihnen passieren kann und den Friedenswillen der Massen stärken. Krieg ist immer auch eine Propagandaschlacht. Fotos von zerstörten ukrainischen Häusern und Anlagen werden uns täglich geliefert, selten von russischen. Da sehen wir nur Rauchfahnen am Horizont.

  • am 6.07.2026 um 13:55 Uhr
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    Durch die A-Bombenabwürfe erzwangen die USA die schnelle Kapitulation Japans und verhinderten so eine sowjetische Invasion der jap. Inseln, die nach dem Ende der Operation Auguststurm mit Sicherheit erfolgt wäre. Außerdem demonstrierten die USA ihre absolute waffentechnische Überlegenheit und Hegemonialanspruch. Stalin wusste bereits in Potsdam dank der umfangreichen Spionagetätigkeit seiner Dienste über die us-amerikanischen A-Waffen bescheid, und reagierte mit der für ihn typischen enigmatischen Gelassenheit. Über den NKWD-Führungsoffizier A.A. Jazkow lieferten die am Manhattan-Projekt beteiligten Physiker Klaus Fuchs, Harry Gold und Theodore Alvin Hall alle Details in die UdSSR. Unterschätzt wurde dort aber die ungeheure Zerstörungskraft der neuen Waffe – deswegen erhielt das eigene A-Waffenprogramm erst nach Hiroshima höchste Priorität und wurde durch Berija energisch und erfolgreich vorangetrieben – 1949 detonierte die erste sowjetische A-Bombe.

  • am 6.07.2026 um 18:19 Uhr
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    William L. Laurence 1945. Inzwischen perfektionierten USA das weltweit.
    Tages-Anzeiger 12.2.2009: «27’000 PR-Berater polieren Image der USA» – Ein Chefredaktor beklagt den immensen Einfluss des amerikanischen Verteidigungsminsteriums auf seine Journalisten. Jetzt ist ihm der Kragen geplatzt: Er enthüllt schier unglaubliche Fakten über die PR-Arbeit des Pentagons.

  • am 8.07.2026 um 11:49 Uhr
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    Mainstreammedien Trueman Show. Medien wie Globalbridge.ch (aktuell: «Die erschreckenden Lehren aus 250 Jahren amerikanischer Geschichte» – und: neues Buch von Werner Rügemer: «Broken USA: 250 Jahre Kriege, Unterdrückung und Lügen»), TheIntercept.com, Infosperber.ch Red Pills.
    Aber: Das «Drehbuch» der Bösen irrwitzt weiter, obwohl Martin Luther King jr. warnte: «Diejenigen, die den Frieden lieben, müssen lernen, sich ebenso effektiv zu organisieren wie diejenigen, die den Krieg lieben.»
    Leser lesen. Aber wer TUT («Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es»)?
    Vergleiche Patient, der ärztliche Diagnosen/Prognosen liest, aber nicht behandelt/heilt.

  • am 8.07.2026 um 20:32 Uhr
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    EU «gegen Fakenews» via «Digital Services Act, DSA». Aber fluten uns nicht die grossen Medien, insbesondere «Öffentlich-rechtlichen» seit langem damit (und wie war es während Napoleon, 1WK, 2WK gegen Heartland, wie berichteten da Medien)?
    «US-Sender» ZDF lässt ETH (USA) «Prof.Dr. Marcus Keupp» (seit Jan. 2013 an Militärakademie ETH Zürich, Ausbildungsstätte für Berufsoffiziere Schweizer Armee) sagen: «Ukraine greift militärische Ziele an, also die Ukraine hält sich ans Kriegsvölkerrecht, Russland nicht, mit seinem zivilen Beschuss.» Ich finde das das Gegenteil von Logik («Spezielle Militäroperation» statt «Krieg»), Fakten inkl. Fallbeispiel 22.5.2026 das Lehrgebäude und das Wohnheim der Pädagogischen Hochschule in Starobelsk (Lugansk) siehe: Prof. Pascal Lottaz – «Stimmung in Russland kippt: Neue Kriegsrealität (& Bären)» Youtube.

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