Die «NZZ am Sonntag» macht Werbung im redaktionellen Teil
«3 Kilo 77 Gramm sind möglich.» Unter diesem Titel veröffentlichte die «NZZ am Sonntag» kürzlich einen Artikel über «Ultralight»-Wanderausrüstung. Oder tat jedenfalls so. Denn im Grunde genommen war es kein Artikel, sondern Werbung.
Doch beginnen wir von vorne. Einleitend kündigte der Autor Marc Leutenegger an, er werde erklären, «worauf beim Kauf zu achten ist». Das tat er – wenn auch etwas oberflächlich – tatsächlich. Trotzdem beschlich einen als Leser schon bald ein ungutes Gefühl.
Denn Leutenegger empfahl ganz bestimmte Produkte: zuerst den Rucksack «Agilist» der Firma Weitläufer. Dann die Wanderschuhe «Ducan II High GTX» von Mammut. Und die Daunenjacke «Plasma 1000 Down Jacket» von Montbell.
Weiter empfahlen Leutenegger und die «NZZ am Sonntag»: eine Regenjacke, ein T-Shirt, ein Paar Wanderhosen, ein Sackmesser, ein Paar Wanderstöcke, einen Wasserfilter und einen Hüttenschlafsack. Alles mit Marken- und Modellname.
Es roch immer mehr nach Werbung.
Und im letzten Satz stand dann tatsächlich: «Die vorgestellten Produkte wurden auf Anfrage der ‹NZZ am Sonntag› von den Herstellern zur Verfügung gestellt.»
Es roch also nicht nur nach Werbung; es war Werbung.
Bleibt noch die Sache mit den im Titel erwähnten 3,077 Kilo für eine Wanderausrüstung. Autor Marc Leutenegger räumt ein, dass darin «Unterwäsche, Proviant und Wechselkleidung» nicht enthalten sind.
Man könnte nun ergänzen: Auch die Socken fehlen. Die Ersatzwäsche. Eine Tasse oder eine Flasche. Mütze oder Hut. Die Sonnencrème. Die Toilettenartikel. Die Apotheke. Und und und.
Mit anderen Worten: Eine Wanderausrüstung mit einem Gewicht von bloss 3,077 Kilo lässt sich auch mit «Ultralight»-Produkten nicht zusammenstellen. Aber immerhin haben wir Leser und Leserinnen erfahren, dass die «NZZ am Sonntag» Produkte erhalten hat, die zusammen gut drei Kilo wiegen. Wie schwer eine leichte Wanderausrüstung tatsächlich ist, wissen wir allerdings auch nach der Lektüre des Artikels nicht.
Und wir fragen uns, ob die «NZZ»-Verantwortlichen wirklich meinen, mit solchem Journalismus die Leser halten zu können.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.










Ich finde, statt dass sich Infosperber über «seltsame Blüten» bei der NZZ am Sonntag «wie sich Abonnenten nicht halten lassen» mokiert, wie wärs mit ähnlich kritischen Fragen an den Infosperber selbst? Seitens Lesern, sofern sie veröffentlicht wurden, las ich einige Kritiken und Vorschläge. Aber geht Infosperber darauf ein? Stattdessen erhalte ich von Infosperber 11.5.2026 Spendenaufruf-Rundmail: «Zum ersten Mal erreichten uns im ersten Drittel des Jahres deutlich weniger Spenden als im Vorjahr. Das beunruhigt uns, weil wir unsere redaktionelle Arbeiten ausschliesslich mit Spenden finanzieren.»
Nein, damit wird die NZZaS keine Abonnenten halten können. Im Gegenteil. Die NZZaS schafft sich damit selber ab. In the long run. Zwar hat NZZaS wahrscheinlich was bekommen von den Firmen, der Journalist kann sich auf die Schulter klopfen und der Chefredaktor Beat Balzli wird ihm für die Idee gratulieren. Aber mit gutem Journalismus hat das nichts zu tun. Und das merken die zahlenden Leser. Nachhaltig ist das nicht. Nur Qualität wird sich für die Zukunft lohnen.