Es waren Frauen, welche die frohe Botschaft verkündeten

«Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?» war der Schrei des Karfreitags.
Jean Paul, der Dichter der Romantik, der ein gläubiger Mensch war, hat diesen Schrei ernst genommen und literarisch in einem Alptraum radikalisiert: Christus selbst verkündet da, dass es keinen Gott gibt. Der Text heisst «Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab». Es herrscht Endzeitstimmung, die Toten erwarten ihr Urteil. Der tote Christus sinkt auf den Altar herab, die Toten fragen «Ist kein Gott?» und er antwortet: «Ist keiner.» Er habe ihn überall gesucht und nicht gefunden.
Die Kinder werfen sich vor ihn und fragen: «Haben wir keinen Vater?» Und er antwortet unter Tränen: «Wir sind alle Waisen, ich und ihr, wir sind ohne Vater.» Es folgt ein kosmischer Zusammenbruch. Christus schaut ins zersplitterte Nichts und spricht es an. Aber das Nichts bleibt starr und stumm. Am Ende des Alptraums erwacht der Träumende – und seine Seele «weint vor Freude, dass sie wieder Gott anbeten konnte». Das ist kein Gottesbeweis ex negativo. Das ist eine poetisch-spektakuläre Prozession, die vom Alptraum, vom immerwährenden Karfreitag, zurückführt in einen Zustand seliger Gottesbeziehung.
Ostern ist für die christlichen Religionen und Kirchen so etwas Ähnliches: Eine Prozession auf dem festen Boden des Glaubens, eine spirituelle Selbstvergewisserung. Diese Prozession führt von der Verzweiflung des Karfreitags zu einer feierlichen Entzweiflung.
Vor allem in der katholischen Kirche hat diese Prozession aber ein manifestes Defizit. Sie erkennt nicht, in welch bedeutsame Position die Frauen in der biblischen Ostergeschichte gerückt werden: Sie begleiten Jesus bis zum Kreuz und sie sind es dann, die seine Auferstehung verkünden.
Während viele Jünger bei der Kreuzigung aus Angst fliehen, bleiben die Jüngerinnen in der Nähe. Sie sind es dann auch, die als Zeuginnen am leeren Grab stehen und denen als erste die Verbreitung der Frohen Botschaft anvertraut wird. Sie werden von der Ostergeschichte als Glaubensbotinnen ernst genommen. Das relativiert die patriarchalen Muster, die den Katholizismus immer noch dominieren. Ostern ist also auch ein feministisches Fest. Das ist eine beglückende Erkenntnis, die Hoffnung macht.
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Eine längere Fassung dieses Beitrags erschien in der Süddeutschen Zeitung.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.








Es ist schon ergreifend, wie Herbert Prantl sich dem Feminismus andient. Soll er – es ändert aber nichts an der Tasache, daß es heißt «INRI» und das R bedeutet nun mal Rex,nicht Regina. Die Frauen sind das anbetende Beiwerk und dieses Grundkonzept ist eine Säule des Christentums, jedenfalls des päpstlichen.In anderen Mythologien ist das ganz anders – die Frau tritt da als gleichstarke Konkurrentin des Mannes in Erscheinung . Erfolgsmodell sind beide Varianten bis heute nicht – leider.Vielleicht ist es aber ganz einfach :Der Geschlechter-Dualismus stellt die für die Evolution notwendige Instabilität dar, denn wie schon der Biochemiker Prof. Eigen formuliert hat, ist ein stabiles Gleichgewicht langfristig mit dem Leben nicht vereinbar Über diese Feststellung muß ich gerade in unserer Zeit nachdenken.
Herr Prantl konstruiert aus einer wahrscheinlich rein fiktiven Geschichte, deren Autor zudem bis heute unbekannt ist und dessen Originaltext nie gefunden wurde, einen neutestamentarischen Feminismus um damit der katholischen Kirche, die mit dem Urchristentum des 1. Jhdts. soviel zu tun hat wie die heutige VR China mit Karl Marxens Kommunismus, etwas reinzureiben. Wenn man das NT ernst nimmt, dann ging es Jesus – wahr oder ahistorisch – vor allem um den MENSCHEN. Geschlecht spielte keine Rolle. Bringt man Logik in die Kreuzigungsgeschichte, so waren die männlichen Jünger wahrscheinlich auf der Flucht, weil sie verfolgt wurden und gefährdet waren, während die Frauen sich vielleicht freier bewegen konnten.
Jesus Christus hat gerufen: «Mein Gott- warum hast du mich verlassen!»
Er hat NICHT ausgerufen: «Ich erkenne jetzt: Es gibt keinen Gott!»
Ein großer Unterschied…ein entscheidender sogar…
Das Bild hat mich ins Grübeln gebracht. Warum wird ein Beitrag über die katholische Kirche mit einer irgendwie östlichen (oder pseudo-östlichen Ikone illustriert? Warum erfahren wir von diesem Bild nur, dass es irgendwie «@pixaby,com CC9 1. 0.» ist, aber nichts über Titel, Herkunft, Bedeutung, Datierung? Eine Bildersuche im Netz ergibt, dass diese Ikone anscheinend auf katholischen Websites ein Eigenleben führt, durchweg ebenfalls ohne nähere Angaben zur Provenienz , der Titel «Myrrheträgerinnen» , der ohnehin auf dem Bild steht, lässt sich eruieren,, KI weiss: neobyzantinischer Stil des 19. Jh. und: Repliken solcher Bilder werden in spezialisierten Werkstätten hergestellt. Das löst das Rätsel nicht, wie die Redaktion zu dieser Auswahl kommt und was sie uns damit sagen will. Es gäbe unendlich viel Bildmaterial zum Thema aus dem Bereich des lateinischen Christentums. Wenn es darum geht, einen merkwürdigen Topos auf katholischen Websites zu thematisieren, warum steht das nicht dabei?