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Alles gefilmt, alles gestellt, nur die Wut ist echt: Colin Schaffner (links), Tobias Lingg (Mitte) und Manuel Corchia (ganz rechts) von der Jungen Tat bei einem Flashmob in Basel 2026. © Screenshot Junge Tat

«Es wird keine Versöhnung geben»

Daniel Ryser /  Manuel Corchia von der Jungen Tat will Remigration. Zuerst trifft es Illegale. Am Ende auch Schweizer in dritter Generation.

Vergangene Woche publizierten wir den ersten Teil des Gesprächs mit Manuel Corchia von der Jungen Tat. Dieser Text ist der zweite Teil. Das alles im Rahmen unserer Serie «Sommer, Sonne, Remigration» über die extreme Rechte in der Schweiz und Europa, von den Achtzigerjahren bis heute.

In einer Pause unseres Gesprächs in einer Bar im Thurgau macht mir Manuel Corchia einen Vorschlag: Er gewähre mir Zugang zur Jungen Tat, wenn ich dafür in seinem Podcast auftrete. Mit Gesicht und Name. Das sei der Deal.

Die Strategie, um aus der extrem rechten Ecke zu kommen: Seinem Kollegen Martin Sellner von den Wiener Identitären ist es im September geglückt, den früheren Bundesbanker und SPD-Politiker Thilo Sarrazin vors Mikrofon zu holen, «16 Jahre Abschaffung?» hiess die Folge.

Inzwischen hat Sellner auf X eine öffentliche Interview-Anfrage an den ehemaligen «Welt»-Chefredaktor Ulf Poschardt gerichtet, der kürzlich auf X gepostet hatte, wir seien noch nicht unversöhnlich genug, was ein Verweis auf Götz Kubitschek war, den Vordenker der Neuen Rechten, der die «Unversöhnlichkeit mit den Verhältnissen» ins Zentrum seiner Ideologie stellt.

Corchia sagt im Gespräch immer wieder, wir bräuchten Diskurs, Diskurs, Diskurs. Auf Youtube hält er stundenlange Monologe, will debattieren und dabei recht behalten, er ist (noch) isoliert am rechten Rand, die NZZ beschreibt seine Auftritte als «Videobotschaft, direkt aus einem Paralleluniversum»: «Es ist die Erzählung einer Schweiz, die im Untergang begriffen ist: Eltern, ‹verblendet› von der ‹Gender-Ideologie›; die Zürcher Landeskirchen, ‹lächerlich›, weil sie einen LGBTQ-Gottesdienst durchführen; der zuständige Zürcher Staatsanwalt – bekannt als Jäger von Linksextremen –, angeblich selbst von linksextremen Motiven getrieben.»

Zu Gast bei Bireweich

Sein bisheriger Höhepunkt beim Versuch, die Isolation in der Rechten zu durchbrechen, war ein Auftritt beim Podcaster Bireweich Anfang Oktober, und immer wieder geht es dabei um die Frage, wer im Land bleiben darf und wer nicht, um Remigration also, 2023 in Deutschland noch zum «Unwort des Jahres» gekürt, aber heute aus dem politischen Diskurs nicht mehr wegzudenken. Dass Begriffe wie Remigration in den Mainstream rücken, darin sieht Corchia als «Mann des Vorfelds», wie er sich selbst bezeichnet, seine politische Mission.

Diese Mission trägt Früchte. Das Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich (FÖG) hat diese Woche seinen jährlichen Bericht zum Zustand der Medien vorgestellt. 40,5 Prozent der Schweizer Bevölkerung finden es demnach «sehr plausibel bis eher plausibel», dass politische Eliten die Einwanderung nach Europa förderten, um die Bevölkerung «zu verändern». Corchia spricht im Interview immer wieder von «Ersetzungsmigration».

Und damit sickert auch die Theorie des Grossen Austauschs des rechtsextremen Denkers Renaud Camus (über den wir hier berichtet haben) langsam aber sicher in den gesellschaftlichen Mainstream. Das Mittel gegen diesen Austausch, so Martin Sellner, der Camus Theorie als Ausgangspunkt seines Aktivismus nimmt, sei die Remigration. Sellner benennt in seinem Buch «Remigration: Ein Vorschlag» drei Zielgruppen: Asylsuchende, andere Ausländer und «nicht assimilierte» Eingebürgerte. Und das wären dann allein in Deutschland bis zu 9,5 Millionen Menschen, überwacht, so stellt es sich Sellner vor, von einem «Assimilationsmonitor». Wer nicht gehen will, landet in einer «Musterstadt» in Nordafrika.

Welche Definition von Remigration gelten soll, darüber wird auch AfD-intern gestritten, zwischen dem völkischen Lager um Björn Höcke, das Sellner nahesteht, und Leuten wie dem Anwalt Maximilian Krah, die vor Sellners Konzept warnen, weil es auch Staatsbürger treffe.

Fakt aber ist: Geht es nach der in Umfragen stärksten Partei Deutschlands, dann soll Remigration Regierungsprogramm werden. Die Frage ist bloss, in welcher Variante. In jedem Fall aber würde das Programm das Ende der Genfer Flüchtlingskonvention bedeuten.

Die Steppenreiter

Manuel Corchia, der 24-jährige Mitgründer und Videofachmann der Jungen Tat, sagt, er wünschte sich, dass sich immer mehr Menschen die Frage stellten, wer sie eigentlich seien. «Bin ich ein Schweizer? Was ist ein Schweizer? Bin ich ein Europäer? Und welche politischen Schlüsse ziehe ich daraus? Ich weiss, dass es nicht ohne ethnokulturelles Fundament geht. Es gibt eine entscheidende ethnische Komponente. Und nur durch diese ethnische Komponente können wir demokratisch leben.»

Ich frage ihn, was er mit «ethnokulturellem Fundament» meine. Er sagt: «Es ist die Schweiz, wie sie über Jahrhunderte, Jahrtausende gewachsen ist, in Wechselwirkung zwischen Natur und Kultur. Die Schweiz, wie wir sie bis vor 50 Jahren gekannt haben, war nur möglich, weil wir seit knapp 3000 bis 4000 Jahren ein genetisches Fundament hatten, das uns aufgrund seiner Homogenität Kulturschaffung ermöglicht hat. Die letzte fundamentale genetische Veränderung war der Yamnaya-Feldzug, aus der kaukasischen Steppe circa 3500 vor Christus. Selbst diese Veränderung war nicht so gross, wie es durch die Ersetzungsmigration aus Nordafrika und anderen Regionen der Fall ist.»

Ein paar Minuten zuvor – siehe Teil 1 – hatte Corchia den aufstrebenden, aus den USA stammenden neonazistischen Active Clubs, die auch in der Schweiz Fuss fassen, «absolutistischen Biologismus» vorgeworfen. Jetzt sitzt er da und erklärt die Schweiz anhand ihrer Gene: «Was ist ein Europäer? Das kann man klar definieren. Aber ist der Süditaliener noch einer? Dort beginnt es zu fransen. Populationen im Süden, die sich historisch kulturell wie ethnisch mit nordafrikanischen Völkern vermischt haben.»

Ich frage ihn, was das für meine sizilianische Verwandtschaft bedeute, und er sagt: «Das kommt darauf an. Höchstwahrscheinlich heisst es, dass du, wie übrigens auch ich, europäische Verwandte hast, die ethnisch näher am Nordafrikaner sind, dafür kulturell näher am Europäer.»

«Ein Käfig, in dem wir uns nicht äussern können»

In den Achtzigerjahren prägte der französische Politologe Pierre-André Taguieff den Begriff des «differenzialistischen Rassismus». Damit beschreibt Taguieff das Konzept des Ethnopluralismus, das die Grundlage der Ideologie der Jungen Tat liefert: ein Rassismus, der nicht mehr von besser und schlechter spricht, sondern von anders, und der sich in der Sprache des Antirassismus bedient, um anschlussfähiger zu werden.

Der Antirassismus sagt: Jeder Mensch hat ein Recht auf seine Kultur. Der Ethnopluralismus sagt: Jede Kultur muss ihre Eigenart bewahren – und dazu muss sie unter sich bleiben, und zwar wir hier, und die anderen dort, wo sie hergekommen sind.

Ich frage Corchia, wie viele Menschen in seinen Augen die Schweiz verlassen müssten.

«Erstens, das sagen wir in jedem Interview: Wir sind keine Juristen, keine Staatspolitiker. Wir sind Aktivisten und teilweise Denker, die das Overton-Fenster verschieben, den Bereich des Sagbaren. Warum man nicht konkreter wird? Ich bin gerade in Deutschland wegen Volksverhetzung angeklagt. Uns droht Knast, weil wir Remigration sagen. Ihr Linken schafft einen Käfig, in dem wir uns rein taktisch nicht äussern können. Ich sage es im Schweizer Kontext: Illegale und Kriminelle werden ausgeschafft. Das ist selbstverständlich.» (Nachdem im Mai 2023 im Mercedes-Werk in Sindelfingen ein türkischer Arbeiter zwei Landsleute erschossen hatte – vor Gericht sagte er, er habe sich gemobbt gefühlt –, sollen Corchia und vier weitere Identitäre vor dem Werk ein Banner aufgestellt und Flugblätter verteilt haben. Auf dem Banner stand: «Remigration statt Mord am Fliessband».)

Im Remigrationsmusterland

«Wir haben das Problem zu grossen Teilen bereits importiert und eingebürgert», sagt Corchia dann.

«Was ist mit Leuten, die vor 30 Jahren gekommen sind, eingebürgert sind, arbeiten, nie kriminell waren?», frage ich.

«Die können laut jetzigem Staatsrecht bleiben. Und ich opponiere dem auch nicht.»

«Nochmals: Wer muss gehen?»

«Ich will auch nicht von acht Millionen friedlichen, integrierten, steuerzahlenden Migranten ersetzt werden. Die Situation haben wir aber nicht. Wir haben ein grosses Problem mit oberflächlich Integrierten und Eingebürgerten der zweiten und dritten Generation. Albanische Clans, türkische Clans, arabische Clans, der durchschnittliche Dönerladen, Haarsalon, Sonnenstudio, Spielsalon. Das sind meistens bereits offizielle Schweizer, die das betreiben.»

«Und die müssen alle gehen?»

«‹Alle› ist immer ganz gefährlich. Aber natürlich braucht es dort scharfe Überprüfungskriterien. Es braucht eine neue Denkweise, wo Juristen und Politiker darüber diskutieren: Was ist, wenn du seit drei Generationen eingebürgert bist, aber immer noch kulturfremde Grundsätze über unsere Schweizer Demokratie stellst? Was passiert mit dem?»

Zwei Antworten vorher konnten Eingebürgerte noch bleiben. Dazwischen kamen der Dönerladen, der Haarsalon, das Sonnenstudio. Jetzt sollen Schweizer in dritter Generation überprüft werden. Wie diese Überprüfung funktionieren soll, zeigt wieder Martin Sellner, quasi der Vorprescher.

Ende August, wenige Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, gründete der österreichische Rechtsextreme in Deutschland eine Firma, das «Institut für Remigration Martin Sellner (NGO) UG» mit Sitz in Magdeburg, Geschäftsadresse in einem Haus in Chemnitz, das als Treffpunkt der Identitären Bewegung bekannt ist.

Das Institut verbreitete ein 49-seitiges Strategiepapier mit dem Untertitel «Umkehr des Bevölkerungsaustauschs in Sachsen-Anhalt». Die FAZ berichtete. Sachsen-Anhalt soll zum «Remigrationsmusterland» werden, und zu den «Zielgruppen», die «remigriert» werden sollen, gehören neben Ausreisepflichtigen und Ausländern, die straffällig geworden sind oder Deutschland «kulturell» oder «wirtschaftlich» belasten, auch deutsche Staatsbürger, bei denen eine «erhebliche sprachliche, kulturelle oder gesellschaftliche Distanz zur Mehrheitsgesellschaft fortbesteht».

Die Staatsbürgerschaft entziehen könne man ihnen zwar nicht, heisst es im Papier, Ziel sei es deshalb, «einen strukturellen Pushfaktor» herzustellen, diesen Menschen das Leben also so ungemütlich zu machen, dass sie von selbst gehen. Das alles hat Sellner in seinem Buch «Remigration – Ein Vorschlag» schon beschrieben, aber jetzt will er den Theorie-Praxis-Transfer lancieren, und flankiert wird er dabei zum Beispiel von der rechtsextremen AfD-Politikerin Lena Kotré, mit der er im Januar in Brandenburg gemeinsam über Remigration referierte.

Totalitär sind immer die anderen

Der «Assimilationsmonitor», den Sellner in seinem Buch vorschlägt, will die Sprache und die Freundeskreise und die Religion und das Wahlverhalten der Menschen erfassen, und damit all das möglich ist, soll dieser «Monitor» in unsere privatesten Bereiche vordringen, um festzuhalten, welche Sprache wir daheim im Wohnzimmer miteinander sprechen, und mit wem wir sprechen. Sellner schwebt ein Stasi-Staat vor, der uns alle komplett durchleuchtet.

«Habe ich nicht das Recht, privat die Musik zu hören, die ich will, zum Coiffeur zu gehen, zu dem ich will, die Sprache zu reden, die ich will?», frage ich.

«Ich unterstelle dir den marxistischen Trugschluss von der Gleichheit des Menschen. Armin Mohler hat gesagt, der Liberale geht von einem Menschenbild aus, das nur um drei Uhr morgens möglich ist, wenn man aus dem Schlaf aufwacht und nicht begreift, wer man ist. Der Mensch ist nie einfach ein Individuum, das privat etwas macht und draussen Regeln befolgt. Er ist immer eingebunden in ein ethnokulturelles Konstrukt. Es gibt nicht diesen Menschen, es gibt zum Beispiel die Gruppe C, wie Sellner sie beschreibt, die auch in dritter oder vierter Generation nicht assimiliert ist. Ich unterstelle ihnen nichts Böses. Nur das Ausleben dessen, was sie sind.»

«Ausleben, was man ist: Das ist die Grundlage eines liberalen Rechtsstaats.»

«Ich lehne das Liberale ab, weil es die Demokratie, die Volksherrschaft, zersetzt. Die Maxime des Liberalismus ist die maximale Freiheit des Individuums. Der Liberalismus anerkennt kein organisches Kollektiv wie das Volk. Recht folgt der Politik und nicht umgekehrt. Mein Volk, auch meine schweizerische Demokratie, ist mir einiges mehr wert als irgendwelche von linker oder liberaler Seite konstruierten Asylrechte.»

Mit Totalitarismus habe das alles nichts zu tun, sagt Corchia dann. Totalitär seien die Linken, die sich einer totalitären, autoritären Taktik bedienten, «gemäss dem Toleranzparadoxon nach Marcuse und eben nicht jenem nach Karl Popper» – so redet Corchia wirklich –, wonach man keine Toleranz mehr zeigen dürfe, sobald intolerant gedacht werde, «darum reden die Linken ja nicht mit Rechten». Im Gegensatz dazu werde die Neue Rechte Remigration nicht mit Angst und Schrecken durchsetzen, «nicht mit totalitären Machenschaften, sondern mit Diskurs, metapolitischer Verschiebung und schlussendlich der Akkumulation von staatspolitischer Macht. Die Linke macht das mit Angst, Hetze, Ausgrenzung, physischem Terror. Sie ist totalitär und universell. Sie will den Menschen dort hineinzwängen, wo es ihr passt.»

«Keine Versöhnung»

Und dann kommt Corchia schliesslich selbst auf die Unversöhnlichkeit zu sprechen, die er während zwei Stunden unter dem Wort Diskurs versteckt hatte. Was dahinter zum Vorschein kommt, ist ein Kampf um Alles oder Nichts.

«Die nächste Generation», sagt Manuel Corchia, «das kann ich dir schon jetzt sagen, wird nicht liberal sein. Sie wird entweder links oder rechts sein. Ich spreche dabei nicht von der Masse, sondern von dem Teil der Jugend, der politisch formend ist. Das ist historisch oft eine Minderheit. Aber du brauchst die Mehrheit in dieser Minderheit, um politisch etwas zu verändern. Wie bei der 68er-Revolution oder in der Kriegseuphorie vor dem Ersten Weltkrieg. Du brauchst Herz und Hirn dieser 20 Prozent. Und das werden keine Liberalen sein, keine Egalitären. Und das begrüsse ich. Es wird keine Versöhnung geben. Sondern eine klare Entscheidung zwischen Freund und Feind, egal in welche Richtung. Es wird kein liberales Wischiwaschitum mehr geben. Keinen egalitären Menschheitsbegriff.»

Am Erscheinungstag dieses Textes eröffnet das Bezirksgericht Zürich sein Urteil gegen Corchia und vier weitere Mitglieder der Jungen Tat, die einen Pride-Gottesdienst und eine Dragqueen-Lesung für Kinder gestört haben sollen. Die Staatsanwaltschaft fordert 15 Monate Freiheitsstrafe, davon sechs unbedingt.

Sommer, Sonne, Remigration – die Serie

Diese Serie erzählt von der rechtsextremen Szene in der Schweiz und ihren Akteuren, von den Achtzigerjahren bis heute. Wer die rechtsextreme Gruppe «Junge Tat» für einen Internet-Flashmob hält, unterschätzt die Rolle, die vor allem Manuel Corchia mit seinen Videos in der Identitären Bewegung und damit in der extremen Rechten spielt. Wer seinen österreichischen Kollegen Martin Sellner für einen Spinner am Rand hält, übersieht, dass dieser junge Mann den Begriff Remigration, 2023 in Deutschland zum «Unwort des Jahres» gekürt, aus der Nische geholt hat. Das Weisse Haus benutzt ihn inzwischen. Rechte Parteien in halb Europa benutzen ihn. Auf der Plattform X ist «Remigration» im rechten Diskurs allgegenwärtig.

«Sommer, Sonne, Remigration» fragt, was Sellner tatsächlich will und welche Rolle der Winterthurer Manuel Corchia dabei spielt. Um diese Gegenwart zu verstehen, geht die Serie zurück in die Vergangenheit: zu Jürg Frischknecht, dem Journalisten, dessen Recherchen zum Schweizer Rechtsextremismus bis heute massgebend sind, versammelt in seinem Buch «Schweiz wir kommen», das man heute nicht mehr in der ursprünglichen Art auflegen könnte, weil darin viele Namen stehen, die nicht mehr an die Öffentlichkeit gehören. Unter anderem sein Privatarchiv liefert den historischen Unterbau für verschiedene Kapitel dieser Serie, jeweils in mehreren Teilen erzählt. Sie zeigen, wann die erste Generation der neuen extremen Rechten in der Schweiz auftauchte und was sie vom heutigen rechtsextremen «Vorfeld», wie sich die Szene selber verstanden haben will, unterscheidet. Die Serie erscheint wöchentlich über die kommenden Monate.

Wie gross dieser Unterschied ist, zeigt sich schon im Auftreten: Die Rechtsextremen kamen früher mit Hitlergruss und dem Kofferraum voller Schusswaffen. Sie kamen besoffen am Samstagabend, auf der Suche nach einer Schlägerei im Zürcher Niederdorf. Sie jagten Menschen anderer Hautfarbe durch die Strassen und legten Brände.

Die Generation, die heute kommt, die sich zur Identitären Bewegung zählt, will von alldem – zumindest offiziell – nichts mehr wissen. Sie kommt geschniegelt und betont, Gewalt nur zur Selbstverteidigung anzuwenden. Sie kommt mit Videos auf der Plattform X und auf Telegram, mit Demonstrationen und Kundgebungen und Flashmobs und mit einem sehr klaren politischen Programm und einem Wort, das sie überall wiederholt: Remigration.

Die Recherche stützt sich auf Gerichts- und Polizeiakten, Jahresberichte der Bundespolizei, Material des Schweizerischen Sozialarchivs und weiterer Institutionen, auf zeitgenössische rechtsextreme Schriften und Videos, Interviews, Telegram-Chats. Dieser Text und der vorangegangene stützen sich vor allem auf ein Gespräch mit Manuel Corchia.

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Sommer, Sonne, Remigration – die Serie

Die extreme Rechte in der Schweiz und Europa: von Handgranaten in den Achtzigern bis zu Videos und Remigration heute.

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