Examen: «Kann man glücklich sein, wenn andere es nicht sind?»
An der diesjährigen Philosophieprüfung am 15. Juni in Frankreich hatten die 528’135 Maturanden im ganzen Land folgende drei gleichen Fragen zur Auswahl:
- Antwort auf die Frage: «Kann man glücklich sein, wenn andere es nicht sind?»
- Antwort auf die Frage: «Können wir kontrollieren, was wir sagen?»
- Einen Textauszug aus dem Buch «Menschliches, Allzumenschliches» von Friedrich Nietzsche interpretieren.

Philosophie ist für das französische Baccalauréat (Abitur, Matur) ein Pflichtfach. Fragen vergangener Jahre lauteten:
«Hängt unsere Zukunft von der Technik ab?»
«Kann die Wissenschaft unsere Suche nach Wahrheit befriedigen?»
«Schuldet uns er Staat etwas?»
«Muss, wer Frieden will, Gerechtigkeit anstreben?»
«Ist es Aufgabe des Staates zu entscheiden, was gerecht ist?»
«Entzieht sich das Unbewusste jeglicher Form der Erkenntnis?»

«Das Philosophie-Examen ist der Beweis dafür, dass gegensätzliche Ansichten und Debatten Kern der Erziehung in unserem Land sind», erklärte Frankreichs Erziehungsminister Édouard Geffray.
Den Stellenwert philosophischer Fragen in Frankreich zeigen auch zahlreiche Radiosendungen, in denen Philosophen wie Frédéric Worms von der École normale supérieure regelmässig zu Gast sind. Anne-Sophie Moreau, Herausgeberin des Berliner «Philosophie-Magazins», sagte: «Es geht um das kollektive Erörtern von Werten wie Gerechtigkeit, Freiheit, Staat und Demokratie. So werden die Studierenden gute Bürgerinnen und gute Bürger.»
Es gehe nicht um das Vermitteln der Geschichte philosophischer Theorien, sondern um «die Fähigkeit eines Menschen, Ideen zu verstehen und zu begreifen», erklärte der frühere Präsident der Gewerkschaft der französischen Philosophielehrer, Nicolas Franck. Er lehrte 35 Jahre lang an Gymnasien.
Oberste Geheimhaltungsstufe
Von Paris aus verteilten unauffällige Umzugswagen des Bildungsministeriums, flankiert von zwei Begleitfahrzeugen, die versiegelten Umschläge mit den Prüfungsfragen an alle Gymnasien des Landes. Dort verwahrten die Schulleitungen die Umschläge doppelt versiegelt in einem Tresor und öffneten sie erst am Morgen des Prüfungstags, als alle Maturanden an ihren Pulten sassen.
Wer Prüfungsfragen vorzeitig weitergibt, riskiert bis zu drei Jahren Gefängnis. In den letzten fünfzehn Jahren kam es etwa dreimal zu einem Leck. 2014 hatte eine Gymnasiastin Themenausschnitte wenige Minuten nach Prüfungsbeginn getwittert. Das Ministerium und die Gendarmerie reagierten jeweils schnell.Es mussten aber einzelne Prüfungen wiederholt werden.
Philosophie an Schweizer und deutschen Gymnasien
Laut eidgenössischem Maturitätsanerkennungsreglement (MAR) ist Philosophie schweizweit kein obligatorisches Fach. Es steht den Kantonen frei, Philosophie zusätzlich als obligatorisches Fach zu führen. Obligatorisches Schulfach für alle ist Philosophie jedoch nur im Kanton Luzern. Doch für die Maturaprüfung ist es auch dort nur ein Wahlfach.
Laut Wikipedia ist Philosophie auch in den Kantonen Genf, Jura, Neuenburg, Nidwalden und Obwalden ein kantonales Grundlagenfach, das jedoch bei der Maturaprüfung höchstens ein Wahlfach bleibt.
In Deutschland kann Philosophie zwar in vielen Bundesländern als Abiturfach gewählt werden, ist aber nirgends für alle verbindlich prüfungsrelevant.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.








Auf die Frage, wer Karl der Große und was seine Bedeutung gewesen sei, wird man bei heutigen Abiturienten in leere Gesichter blicken. Klassische deutsche Literatur wie «Faust» oder «Nathan, der Weise» wird nicht mehr gelesen – angeblich zu komplex für die heutige Jugend. Die schriftliche Division wird abgeschafft. Was sollen solche Schüler mit «Philosophie»? Seit meiner Schulzeit Ende der 90iger wird das Schulsystem und das Ideal des allseits klassisch gebildeten, in Naturwissenschaften beschlagenen Menschen planmäßig und fachmännisch zerstört – reden Sie einmal mit gestandenen Lehrern jenseits der 60! Da gibt es nur Enttäuschung, Bedauern und Fassungslosigkeit.
Pisa sei dank.
Heute reicht es wenn ein Schüler nach der 6. Klasse seinen Namen singen und tanzen kann.
Die stete Unterforderung der „Stärkeren“ weil wir auf Biegen und Brechen auch die Faulsten mitnehmen wollen führt zu viel Langeweile. Und mehr Bildschirmzeit.
Ein Kollege aus den USA berichtet das gleiche bezüglich der K-12 Tests.
Das Klagen über die Jugend ist so alt wie das Altern der Menschen. Es gibt sogar einen Fachbegriff dafür: Juvenoia. Die von Ihnen angesprochenen über 60-jährigen Lehrer haben bestimmt vergessen, dass ihre Lehrer vor 45 Jahren über sie als Jugendliche ziemlich exakt das Gleiche gesagt haben. So werden wir angeblich von Generation zu Generation dümmer. Blöd nur, dass die Zahl der Patente von Jahr zu Jahr steigt, dass wir seit dem Mittelalter einen unglaublichen Fortschritt erleben, dass das Wissen der Menschheit mit jedem Jahr wächst, dass die immer dümmeren Schüler Erfindungen manchen, von denen ihre Lehrer nicht mal zu träumen gewagt haben. Die nächste Generation wird Probleme lösen, von denen ich (über 60 und Lehrer) noch nicht einmal weiss, dass es sie gibt.
Ich bedaure sehr, dass Philosophie in der Schweiz kein Grundlagenfach ist, das an der Matur geprüft wird. Philosophie erlaubt es den Jugendlichen, sich mit grundlegenden Fragen tiefgründig auseinanderzusetzen. Wenn wir heute unsere Politiker und Medien hören und lesen, werfen sie z.Bsp. das Wort «Wert» in jede Runde, zählen vielleicht auch einige «Werte» auf, aber sie halten sich nicht dran. D.h. das Wort ist inhaltslos geworden. Heutzutage wird selten auf philosophischer Grundlage argumentiert,mit ein Grund, weshalb unsere Gesellschaften chaotisch geworden sind. Ein Politiker, der ehrlich nach seinen Werten lebte und politisierte, war der leider verstorbene Dick Marty.
Kann man glücklich sein, wenn es andere nicht sind? Eine äusserst interessante Frage an die französischen Maturand*innen. Ich hoffe, wir können später im Infosperber auch einige Antworten zu lesen bekommen. Denn das Glück ist eine komplizierte Sache. Glück gibt es nur im Vergleich mit Glücklosigkeit oder gar Unglück. Man kann nicht ein Leben lang glücklich sein, das verflüchtigt sich, wird mit der Zeit fade. Es ist wie ein Sommerregen: Erst wenn alles staubtrocken ist, weiss man einen Regentag so richtig zu schätzen!
Wahres Glück kann man nur in sich selbst finden. Im Vergleich mit anderen findet man eher das Unglück, den Neid, die Missgunst. Menschen tendieren dazu das was sie haben zu unter- und das was ihnen (vermeintlich) fehlt zu überschätzen. Vielleicht kommt auch daher der Ausdruck „neidlos glücklich“. Ich gebe Ihnen aber recht, dass das mit dem Glück eine komplizierte Sache ist. Siehe social media welches zu viel mehr Unglück und Depression führt als nicht.