Abhängige Wissenschafter im Auftrag von Pestizidherstellern © k_millo/Flickr

Abhängige Wissenschafter im Auftrag von Pestizidherstellern

Syngenta zahlt Unbedenklichkeits-Studien selbst

Red. / 15. Mai 2013 - Um drohende Verbote seiner Pestizide zu verhindern, setzt der Chemiemulti Syngenta auf Wissenschafter, die nicht unabhängig sind.

Der Schweizer Agrochemiemulti Syngenta kommt nicht zur Ruhe. Nachdem der Konzern wegen des aggressiven Lobbyings gegen das EU-Verbot von bienengefährdenden Pestiziden in die Kritik geriet, kommen jetzt neue, pikante Details über das Gebaren des Konzerns ans Licht - in Österreich.

Wie das Nachrichtenmagazin «Profil» berichtet, beteiligten sich die drei weltweit führenden Pestizidhersteller Bayer, BASF und Syngenta mit 115'000 Euro an einer Studie der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) über das Bienensterben in Österreich. Das Ergebnis der Studie fiel für die Konzerne enstprechend vorteilhaft aus: Das Bienensterben werde «mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht durch insektizide Beizmittel verursacht», stellte die 2012 präsentierte Studie fest. Im Kapitel «Maßnahmen für die Zukunft» empfahl die AGES die «Zulassung neonicotinoider Wirkstoffe», jener Wirkstoffe also, die laut einer Studie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) die Flug- und Navigationsfähigkeiten von Bienen beeinträchtigen.

Wegen des Geklüngels zwischen der staatlichen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit und der Chemieindustrie gerät jetzt auch der österreichische Umweltminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP) unter Beschuss.

Abhängige Forschung gegen Krebsverdacht

In die Kritik gerät Syngenta auch in der Schweiz. Am Wochenende machte die Zeitung «Schweiz am Sonntag» publik, dass sich Syngenta gegen das in den USA drohende Verbot seines Herbizids Atrazin mit einer Studie zur Wehr setzt, die vollumfänglich vom Konzern selbst bezahlt wurde – und das Herbizid selbstredend für unbedenklich erklärt. Zuvor hatten unabhängige Studien gezeigt, dass das Herbizid Krebs verursachen kann.

Jack Mandel, Hans-Olov Adami, Colin Berry und Paolo Boffetta, die vier Autoren der Atrazin-Studie, sind laut «Schweiz am Sonntag» seit Jahren eng mit dem Basler Konzern verflochten. Mandel und Adami verfassten im Jahr 2002 im Auftrag von Syngenta eine Studie, gemäss der es keine Beweise gibt, dass Atrazin bei Mitarbeitern einer Syngenta-Fabrik Prostatakrebs verursacht. Unabhängige Forscher hatten einen Zusammenhang nicht ausgeschlossen.

2011 schrieben die beiden Wissenschaftler im Auftrag von Syngenta eine Studie, in dem sie den Zusammenhang von Pestiziden und Parkinson herunterspielten. Auch in diesem Fall widersprach das Ergebnis den Resultaten unabhängiger Forscher. Adami gehört zudem industriellen und wissenschaftlichern Vereinigungen an, die von Syngenta finanziert werden, so zum Beispiel der industrienahen britischen Scientific Alliance, die sich für gentechnisch veränderte Nahrungsmittel einsetzt und den Klimawandel leugnet. Auch Mandel ist keineswegs unabhängig, wie Recherchen zeigen. Er ist Angestellter von Exponent, einer kalifornischen Beratungsfirma, die für die Pharma- und Biotechindustrie Auftragsstudien zur «Product Defense» (Produktverteidigung) erstellt. Paolo Boffetta organisierte im Jahr 2009 einen Workshop des European Centre for Ecotoxicology and Toxicology of Chemicals. Dieses erstellt für die Chemie- und Pharmaindustrie wissenschaftliche Studien. Zu den Finanzgebern gehörte unter anderem Syngenta.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

Wie Syngenta gegen den Bienenschutz lobbyiert
Bienensterben: EU verbietet Syngenta-Gift - Schweiz zieht nach
Wie die NZZ die Argumente von Syngenta nachplappert
Krebsverdacht: Wie Forscher Syngenta weiss waschen

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Eine Meinung

Danke für den interessanten Artikel. Etwas genauer wäre aber teilweise wünschenswert gewesen. Wenn eine von Syngenta bezahlte Studie zeigt (oder behauptet), dass es «keine Beweise gibt, dass Atrazin [...] Prostatakrebs verursacht", steht das ja z.B. nicht direkt im Widerspruch zum Resultat anderer Forscher welches scheinbar einfach «einen Zusammenhang nicht ausgeschlossen» hat; einen Zusammenhang 'nicht ausschliessen' zu können, heisst nicht, einen Zusammenhang zu beweisen..
Florian Habermacher, am 20. Mai 2013 um 18:13 Uhr

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