Die neue Präsidentin hat sich schon disqualifiziert
«Mich persönlich stört, dass ein grosser Teil der Pensionierten keine 13. AHV-Rente bräuchte. Diesen Menschen geht es finanziell sehr gut.» So liess sich die neue Pro-Senectute-Präsidentin Alenka Bonnard am Tag nach ihrer Wahl von den Tamedia-Zeitungen in einem Interview zitieren. Was sie wohl damit meinte? Dass es ihr lieber wäre, wenn es mehr arme Rentner gäbe?
Auch sonst hinterliess die 41-Jährige einen zwiespältigen Eindruck. So kritisierte sie das Ja zur 13. AHV-Rente. Sie sagte: «Wir können dazu nur sagen, dass wir eine Stärkung der Ergänzungsleistungen als wirkungsvolleres Instrument gegen die Altersarmut betrachten.»
In der Verfassung
Dabei müsste die Juristin ja unsere Verfassung der Spur nach kennen. Dort ist in Artikel 112 festgeschrieben: «Die Renten haben den Existenzbedarf angemessen zu decken.» Das ist heute weder mit einer maximalen Einzelrente von 2520 Franken pro Monat noch mit einer maximalen Ehepaarrente von 3780 Franken gewährleistet. Geschweige denn mit einer niedrigeren AHV-Rente.
In Artikel 113 steht zudem: «Die berufliche Vorsorge ermöglicht zusammen mit der Alters‑, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung die Fortsetzung der gewohnten Lebenshaltung in angemessener Weise.» Auch das dürfte angesichts laufend sinkender Pensionskassenrenten nicht mehr gegeben sein.
Nachfolgerin von Widmer-Schlumpf
Alenka Bonnard folgt als Pro-Senectute-Präsidentin auf die einstige Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf. Widmer-Schlumpf ist 70-jährig, Bonnard erst 41-jährig. Doch das sei kein Problem, sagt Bonnard im Interview: «Ich selbst habe Eltern und viele Bekannte in diesem Alter.»
Und anschliessend behauptet sie sogar: «Es ist keine Frage des Alters, die Wünsche, Anliegen und Probleme der älteren Generation zu verstehen.» In diesem Punkt würden ihr wohl viele ältere Menschen widersprechen – weil sie selbst erst spät erfahren haben, welche Probleme das Alter wirklich mit sich bringt.
Bonnard legt im Laufe des Interviews gleich selber Zeugnis davon ab, dass sie sich nicht wirklich in die Leute versetzen kann, die sie vertreten wird. Sie spricht darüber, dass man beispielsweise Parkgebühren häufig nur noch mit Karte oder Handy bezahlen könne, aber nicht mit Bargeld. Doch sie findet, das sei kein Problem – weil «mittlerweile 89 Prozent der über 65-Jährigen online sind und daher nur ein kleiner Teil Mühe mit bargeldlosem Zahlen hat». Die restlichen 11 Prozent sind ihr offenbar egal.
Die alten Egoisten!
In seinem Interview mit der neuen Pro-Senectute-Präsidentin Alenka Bonnard sagt Tamedia-Bundeshaus-Korrespondent Konrad Staehelin grossmundig: «Wir müssen die Fakten benennen: In letzter Zeit haben ältere Generationen überwiegend eigennützig gestimmt und damit Abstimmungen gewonnen: die 13. AHV, die Erhöhung des Rentenalters, der Eigenmietwert. Nehmen sich die Alten, was sie wollen?»
Der Vorwurf der Eigennützigkeit ist gleich mehrfach falsch. Denn:
- AHV: Laut der Vox-Analyse haben nicht nur die Alten der 13. Rente zugestimmt, sondern alle Altersgruppen ab 40 Jahren.
Zudem kommt die 13. Rente nicht nur den Alten zugute, sondern sämtlichen künftigen Rentnern. - Rentenalter: Gemäss der gleichen Analyse haben alle Altersgruppen die Erhöhung des Rentenalters abgelehnt, nicht nur die Alten.
Das höhere Rentenalter beträfe die Alten ohnehin nicht mehr. - Eigenmietwert: Laut der Vox-Analyse waren alle Altersgruppen ausser den 30- bis 39-Jährigen für die Abschaffung, nicht nur die Alten.
Mit dem Eigenmietwert wurde auch der Schuldzinsabzug abgeschafft. Je nach Höhe der Hypothekarzinsen ist die Abschaffung von Eigenmietwert und Schuldzinsabzug für Wohneigentümer ein Minusgeschäft.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
_____________________
➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren SPENDEN möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.
Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:
_____________________
Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.









gerade WEIL ich Eltern über 70 habe, weiss ich, dass ich nicht für Alte sprechen kann. Ich habe ja gesehen, wie sie sich ändern im Alter, und gehe davon aus, dass es mit ihrer Erfahrung und ihrem Erleben zu tun hat. Ich könnte Punkte aufgreifen, die Alte Leute beschäftigen. Das ist etwas ganz anderes. Die Frage ist, will man Fürsorge oder Repräsentanz bei pro Senectute. Will man ein Sprachrohr alter Menschen sein, oder jemanden anstellen, der sich um alte Menschen beruflich kümmert und darüber spricht. Ich finde die Kritik von Infosperber berechtigt, zumal IS genau die Zeitung ist, die wie keine andere über «Pensionierte» (die nicht aufhören können – zum Glück für uns) in der Schweiz Bescheid weiss.
Guter Artikel. Ein kritischer Hinweis. Die Pensionkassenrenten weisen meines Wissens keine rückläufigen Trend aus. Nur die Verzinsung desKapitals ist rückläufig oder mindestens deutlicher tiefer als früher.
Die Pensionskassen haben ihre Umwandlungssätze in den letzten Jahren laufend gesenkt. Laut dem Vermögenszentrum sind die überobligatorischen und umhüllenden Umwandlungssätze seit 2010 von 6,74 auf 5,30 Prozent gesunken. Das heisst: Wer 2010 pensioniert wurde, bekommt pro 100’000 Franken Altersguthaben eine Rente von 6740 Franken pro Jahr. Wer heute pensioniert wird, lediglich 5300 Franken.
Da hat sich bei mir ein sprachlicher Fehler eingeschlichen. Es sollte Pensionkassenrenditen heissen und nicht Pensionkassenrenten.
Für die 13. AHV-Rente musste man doch stimmen, weil das Prinzip der Existenzbedarfsdeckung verraten worden ist: Die sich’s leisten können, bauen eine private Rente (2. Säule) für ihresgleichen auf und vertrösten die anderen auf Sozialhilfe. Das ist genau die Desolidarisierung, die man mit der AHV vermeiden wollte.
Alenka Bonnard hat den wichtigsten Grundsatz der Finanzierung der AHV nicht verstanden! Alle zahlen gemäss ihren Kräften ein, aber alle bekommen ungefähr gleich viel Rente ausbezahlt. Das heisst, dass die Reichen zu einem guten Teil die AHV finanzieren. Wenn man, wie dies Frau Bonnard vorschlägt, nur noch den Ärmeren eine Rente auszahlen würde, würden die besser Verdienenden aussteigen. Die AHV würde das nicht überleben! In all ihren Vorschlägen lässt Frau Bonnard soziales Verständnis und soziale Verantwortung vermissen.
Si tacuisses, philosopha mansisses
Gut getroffen, Herr Knupfer-Müller!
Unglaublich mit welcher Einstellung man diese Position erhält.
Das muss man hier deutlich sagen.
Alenka Bonnard passt in den Geist der Zeit, wo soziales Denken zum Schimpfwort wird und der Staat beinahe überflüssig werden soll, um die Steuern der Unternehmen zu senken, auf dass die Besitzer ihre Taschen weiter auf Kosten der Arbeitnehmer füllen können. Trump macht’s vor: Für meinen Clan den Profit, fürs Volk ein bisschen Faschismus, wo sie sich zu Hause und Heimat fühlen können. War als Softvariante Blochers Idee schon seit langem.
Ich glaube, Pro Senectute und Frau Bonnard sind absolut kompetent, solche Fragen zu beurteilen. Das JA zur 13. AHV-Rente war zum grossen Teil ein Protest gegen die öffentliche und private Obrigkeit, welche oben schamlos abgrast und sich bereichert. Da haben sich viele Rentner gesagt: Weshalb nur die da oben? Weshalb wir nicht auch, soweit wir ein Bisschen vom Kuchen erhaschen können?
Der grossen Mehrheit der Rentner geht es finanziell gut bis sehr gut. Und die Minderheit, die nur von der zugegeben nicht existenzsichernden AHV leben muss, hat Anspruch auf EL (etwas mehr als 10%). Und dann geht es auch der Minderheit gut.Sprechen wir über die grossen Mehrheiten und rücken wir nicht immer Minderheiten in den Vordergrund.
Schauen wir doch zum Vergleich in unser Nachbarland im Norden, was dort abgeht!
Hinzu kommt, dass seit einiger Zeit die bezogenen Ergänzungsleistungen von den Erben wieder zurück bezahlt werden müssen.
Das kann dazu führen, dass recht wohlhabende Leute, welche noch lange im Altersheim leben, der letzte Rest vom Vermögen, d.h. das eigene Haus an Zahlung geben müssen. Die Freigrenze liegt bei Fr. 40’000.– . Da kann die 13. AHV doch etwas an finanzieller Erleichterung beitragen.
Nur die Superreichen sind davon nicht betroffen. Von denen erwarte ich, dass sie zum Beispiel die nicht benötigte AHV als Spenden weiter geben.
Der mittlere Absatz Ihres Kommentars ist falsch.
Erst die Erben sind zur Rückerstattung der EL aus dem Nachlass verpflichtet. Keine Rede von «das eigene Haus an Zahlung geben müssen». Die Erben müssen einfach von dem, was nach dem Tode des Zweiversterbenden noch vorhanden ist, bis auf 40’000.– die EL zurückzahlen, ungeachtet dessen, wieviel Vermögen verbraucht wurde.
Wie ich es auch drehe, sooft ich auch versuche, alle Seiten zu beleuchten, aber DIESE Wahl, diese Ernennung verstehe ich beim besten Willen nicht. Wie kann jemand mit so einer Einstellung Chefin von Pro Senectute werden? Ich möchte von Pro Senectute KEINE solchen Worte und Belehrungen hören, von Pro Senectute erwarte ich Einfühlsamkeit, ein grosses Fachwissen und langjährige Erfahrung (!) hinsichtlich der Probleme alter Menschen, besonders von der Chefin. Oder vom Chef. Sie oder der sollte ein gewisses Alter haben!
Wird das schweisstreibende Präsidium von Pro Senectute noch immer wie zu den Zeiten des geschäftstüchtigen Sozialdemorkaten Hugo Fasel mit 400’000 Franken belohnt?
Soviel ich weiss, war Hugo Fasel Mitglied der CSP und nicht der SP.
An Herrn Graf-Prenner:
Erlebe es im Bekanntenkreis, dass die Kinder nicht mehr wissen, wie viel nach dem Tod der Eltern von einem ehemals grossen Vermögen noch übrig bleibt. Zur Zeit liefert als letztes das Haus das Geld für die Kosten des Altersheims. Sie können selber ausrechnen, wie viel nach Jahren dann von einem stattlichen Haus noch vorhanden sein wird…
Für den Pfarrer, lief ich als Bub von Tür zu Tür und sammelte Spenden für das Asyl Gottesgnad.
Für die Oberländer gab es die Verpflegungsanstalt Utzigen bei Bern. Die Emmentaler kamen ins alte Kloster Frienisberg und Bieler wurden ins Worbenbad deportiert.
Würdige Berner Greise kamen in die Grünegg, der Rest wurde nach Kühlewil verfrachtet.
Wer in Kühlewil etwas leistete,wurde mit Wein belohnt, aber gegessen wurde aus Blechgeschirr.
Im Beobachter stand, im Appenzell sei es Brauch, alte Hunde dem Heim zu stiften,damit die Heimbewohner auch einmal Fleisch hatten.
Liebe Frau Bonnard, haben wir es wirklich nötig zu solchen Zuständen zurück zu kehren ?
Wenn sich die Jungen so für die Alten ein setzen, müssen wir Alten wohl oder übel auf die Strasse und dafür sorgen, dass das Geld statt in die Rüstung in die AHV fliesst.