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Das gefällt den Banken nicht: Am meisten sparen Hausbesitzer, wenn sie ihre Hypothek tilgen. © Depositphotos

Banken warnen vor Rückzahlung der Hypothek – aus Eigennutz

Esther Diener-Morscher /  Sonst fehlt das Geld zum Leben: So jagen Banken den Hausbesitzern Angst vor dem Amortisieren der Schulden ein.

«Sie laufen Gefahr, dass Ihnen nach der Pensionierung Geld zum Leben oder für Unvorhergesehenes fehlt»: So warnt das Vermögenszentrum seine Kunden vor einem angeblichen Fehler. Es sei falsch, nach dem Wegfall des Eigenmietwerts die Hypothek zurückzuzahlen, behaupten die Hypothekar-Experten.

Das ist eine neue Argumentation der Vermögensverwalter und Banken. Bisher konnten sie ihr Hypothekar-Kunden einfacher bei der Stange halten. Sie warnten vor den höheren Steuern, welche die Abzahlung der Hypothek zur Folge hätte. Je kleiner die Hypothek, desto höher die Steuerbelastung, lautete die einfache Gleichung während Jahren.

Heute können Eigenheimbesitzer die Schuldzinsen für eine Hypothek noch von den Steuern abziehen – ein Privileg, das sie künftig nicht mehr haben werden. Denn voraussichtlich 2028 wird der Eigenmietwert abgeschafft. Dann lassen sich in der Steuererklärung auch keine Hypothekarzinsen mehr als Abzug geltend machen.

Die Rechnung war schon seit Jahren falsch

Was die Bankberater schon immer verschwiegen haben: Bevor die Hypothekarzinsen vom steuerbaren Einkommen – und nicht etwa vom Steuerbetrag – abgezogen werden können, müssen sie bezahlt werden. Und zwar der Bank. Dieser Betrag ist immer weit höher als die Steuerersparnis, die daraus resultiert.

Ein Beispiel für eine Hypothek von 500’000 Franken, die zu 2 Prozent Zins 10’000 Franken kostet: Bei einem steuerbaren Einkommen von 100’000 Franken lassen sich in Zürich mit dem Abzug von 10’000 Franken Hypothekarzins ungefähr 2000 Franken Steuern beim Bund und beim Kanton sparen.

Schon bisher lohnte es sich also, eine Hypothek zurückzuzahlen. Denn die Steuern für den Staat sind viel tiefer als die Zinsen für die Bank.

Künftig können die Banken aber nicht einmal mehr mit einer – wenn auch geringen – Steuerersparnis für ihre Hypotheken werben. Deshalb schlagen sie nun einhellig neue Töne an, und diese lauten: Wer seine Hypothek abzahlt, sei nicht mehr liquid – ja schlimmer, drohe sogar arm zu werden.

«Es könnte eng werden»

Viele Medien beten diese neue Doktrin der Banken nach: Die «Schaffhauser Nachrichten» fragen in einem Artikel besorgt: «Gibt es überhaupt noch Steuersparpotenzial, und wenn ja wo?» Dann darf ein Kantonalbank-Experte warnen: Wenn das angesparte Vermögen zum Tilgen genutzt werde, könnte es später eng werden.

Doch eng könne es vor allem werden, wenn man dem Rat der Banken und der Vermögensverwalter folgt. Ihr Tipp lautet nämlich nun, die Hypothek weiter laufen zu lassen und das Geld anzulegen, statt damit die Schuld zu tilgen.

Wer diesen Rat befolgt, geht hohe Risiken ein. Die Geldinstitute gehen ganz selbstverständlich davon aus, dass mit Geldanlagen – im obigen Beispiel wären es 500’000 Franken – so viel Gewinn zu erzielen sei, dass sich damit locker die Hypothekarzinsen begleichen liessen. «Die Vermögenserträge sind häufig höher als die Hypozinsen – auch nach Steuern», schreibt etwa das Vermögenszentrum. Dass die versprochenen Vermögenserträge aber ausbleiben oder die Geldanlagen gar zu Verlusten führen können, steht nicht.

Dabei ist diese Gefahr besonders für Anleger, die ihr Geld nicht mehr für mehrere Jahrzehnte anlegen, gross. So hat der Leitindex der Schweizer Börse SMI im März innerhalb einer Woche 6,6 Prozent verloren. Ob und wann dieser Verlust wieder wettgemacht wird, weiss niemand.

Jedenfalls können Pensionierte herbe Verluste einfahren, wenn sie ihr Erspartes auf Rat ihrer Bank in Wertschriften investieren, statt damit ihre Schulden zu tilgen. Von der versprochenen Liquidität haben sie in einem solchen Fall nichts. Stattdessen müssen sie sich Sorgen darüber machen, was mit ihrem Vermögen passiert.

Dafür verdienen die Banken und Vermögensverwalter gleich mehrfach mit ihrem angeblich guten Rat: Sie kassieren weiterhin Hypothekarzinsen, verdienen mit dem Wertschriftenhandel ihrer Kunden und können diese Wertschriften dann auch noch gegen Entgelt verwalten.

Dabei gäbe es einen ganz einfachen Tipp zum risikolosen Sparen: Die Hypothek zurückzahlen, weniger Schuldzinsen zahlen und ruhig schlafen.

Variable Hypotheken: Besonders einträglich für die Banken

Die Rückzahlung von Schulden auf dem Eigenheim lohnt sich insbesondere bei einer variablen Hypothek. Die Banken bewerben dieses Modell damit, dass es flexibler sei als eine Festhypothek. Das stimmt: Es gibt weder eine feste Laufzeit noch einen festen Zinssatz. Und das nützen die Banken aus: Variable Hypotheken kosten derzeit (März 2026) 2,5 bis 3 Prozent Zins pro Jahr und können jederzeit auch teurer werden. Hypotheken mit fester Laufzeit und fixem Zins sind hingegen bereits ab 1 Prozent zu haben.


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4 Meinungen

  • am 26.03.2026 um 11:37 Uhr
    Permalink

    Bin vollkommen mit ihnen einverstanden. Danke für den informativen Text.

    Liess mich schon vor 40 Jahren auslachen, weil ich in meine «Hausruine» nur dann investierte, wenn ich Geld hatte. Habe so während 25-Jahren ein halbe Million verbaut. Wenn ich das Geld dafür aufgenommen hätte, hätte ich der Bank im gleichen Zeitraum rund eine halbe Million an Zinsen bezahlt und die Schulden wären jedoch heute noch vorhanden. (Habe einen Durchschnittszins von 5% gerechnet, da das Zinsniveau anfangs 8% betragen hat.)
    Die Rechnung ist – wie Frau Diener aufzeigt – eigentlich ganz einfach.
    Habe dem VZ angeboten, als ich ihre Reklame erhielt, dass ich bei ihnen einen Vortrag über meine «alternative» Methode halte. Seither werde ich von dieser Werbung verschont.

  • am 26.03.2026 um 13:27 Uhr
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    VZ wird in Medien oft als unabhängiger Experte dargestellt. Ganz so unabhängig ist diese Sicht jedoch nicht. Das VZ verdient an Vermögensverwaltung, Anlagen und Finanzberatung. Es liegt daher in der Natur des Geschäftsmodells, dass Kunden ihr Geld investiert lassen statt Schulden abzubauen. Wer amortisiert, reduziert nicht nur die Hypothek, sondern häufig auch das verwaltete Vermögen – und damit die Einnahmen des Beraters.

    Das bedeutet nicht, dass die Empfehlungen falsch sind. In vielen Fällen kann es tatsächlich sinnvoll sein, Vermögen investiert zu lassen statt die Hypothek zurückzuzahlen. Aber es sollte transparent sein, dass auch hinter solchen Empfehlungen wirtschaftliche Interessen stehen.

    Wirklich unabhängig ist eine Beratung nur dann, wenn sie weder an Hypotheken noch an Vermögensanlagen verdient.

  • am 26.03.2026 um 15:52 Uhr
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    Es kommt sehr auf die persönliche Situation an, z.B. ob die Kreditwürdigkeit bei der Verlängerung der (Saron-)Hypothek noch gegeben ist. Die Rentenhöhe nach Lohneinkommen, bei längerer Arbeitlosigkeit oder Arbeitsunfähigkeit ist die oft nicht mehr gegeben. Bei einer relativ hohen Hypothek für die eigengenutzte Immobilie und nur einem Lohneinkommen ist die Höhe der Tilgung doch eine Überlegung wert.
    Andererseits macht eine möglichst hohe Hypothek Sinn. Denn die Überlegung im Artikel fehlt, wie legt man das Geld am Kapitalmarkt an, statt es für Tilgung zu verwenden ?
    Hier sind Renditen zu erzielen, schon bei den Dividenden, die weit über den Saronzinsen liegen.
    Zwischenzeitliche Kursverluste bei Aktien, bedeuten noch lange keine viel niedrigeren Dividenden.
    Hier bieten sich «physisch replizierenden Dividendenstarke ETFs» an, weil die Aktien da im Sondervermögen des Anbieters liegen. Bei «syntetischen» ETF bestehen hohe Risiken in einer Schwächephase, kaum Kapital für Austeiger vorhanden.

    • am 28.03.2026 um 11:26 Uhr
      Permalink

      Der Börsenguru bzw. Börsenphilosoph André Kostolany hat in seinen Schriften ebenfalls in erster Linie für eine Rückzahlung der Hypotheken plädiert. Wenn nachher noch ein paar 100’000 Franken übrig seien, könne man einen kleineren Teil davon mal an der Börse einsetzen.

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