Moshe Zuckermann © SRF
Moshe Zuckermann: Der allgegenwärtige Antisemit © Westend

Israel darf und muss kritisiert werden – sagt Moshe Zuckermann

Christian Müller / 19. Okt 2018 - Ein neues Buch zum Thema Antisemitismus klärt die Frage, ob Kritik an Israel, wie behauptet, die neue Form von Antisemitismus ist.

Das fach- und sachkundige Buch zur Frage, ob Kritik an Israel in jedem Fall eine neue – zu verurteilende – Form von Antisemitismus ist, oder eben nicht, und warum, war überfällig. Jetzt ist es erschienen. Der Autor, Moshe Zuckermann, ist für das Thema prädestiniert wie kaum ein anderer: Er ist der Sohn polnisch-jüdischer Holocaust-Überlebender, ist in Israel geboren, hat in Deutschland studiert (schreibt also selber in deutscher Sprache), war jahrelang Professor für deutsche Geschichte an der Universität Tel Aviv und kennt so Israel und Deutschland nicht nur als promovierter Wissenschaftler, sondern ebenso aus eigener langjähriger Lebenserfahrung.

Moshe Zuckermann spricht Klartext. Er kritisiert nicht nur, er verurteilt in harten Worten, was zumal in Deutschland zwischenzeitlich die Norm ist: dass «Israel» und «Zionismus» in höchst fahrlässiger Weise mit «den Juden» vermischt und – im Interesse Israels – de facto gleichgesetzt werden. Er kritisiert und verurteilt in harten Worten die neue Taktik der (vor allem deutschen) Antisemitismus-Jäger, Veranstaltungen, an denen es zu Kritik an Israel kommen kann, durch Kündigung der Veranstaltungsräume oder gar Auftrittsverbote zu verhindern – und er zählt konkret mehrere solche Machenschaften etwa im Jahr 2017 auf. Er kritisiert und verurteilt aufs schärfste die neue Methode, Israel-kritische Juden als Selbsthasser und sogar selber als Antisemiten hinzustellen. Viele Deutsche, sagt Zuckermann, glauben sich von der Schuld am Holocaust befreien zu können, indem sie sich jetzt mit Israel solidarisieren. Aber, so fragt Zuckermann:

    «Meint er (der sich mit Israel Solidarisierende, Red.) das säkulare (liberale oder sozialistische) Israel oder das religiöse (halachisch-orthodoxe beziehungsweise nationalreligiöse)? Das Israel einer aschkenasischen Hegemonie oder das eines in den letzten Jahrzehnten von orientalischen Juden in ganz andere Bahnen des Selbstverständnisses getriebene? Das ‹jüdische› Israel einer seit über siebzig Jahren systematisch betriebenen Diskriminierung und perpetuierten Unterprivilegierung eines Fünftels seiner Bevölkerung, der in Israel noch vor der Staatsgründung lebenden arabisch-palästinensischen Minderheit? Das Israel einer von Privatisierung und beschleunigt forciertem Sozialabbau gebeutelten Gesellschaft, die sich inzwischen durch eine sich immer bedrohlicher vertiefende sozial-ökonomische Kluft kennzeichnet? Das Israel der ultrarechten Siedlerbewegung, in der eine expansive Grossisrael-Ideologie, ein religiös-fundamentalistischer Messianismus und eine politisch wie militärisch durchwachsene Gewaltbereitschaft zur nahezu autonomen Wirklichkeit eines Staates im Staat geronnen ist? Das Israel der in den letzten Phasen ihres Untergangs begriffenen Kibbutz-Bewegung? Der gerade von der Arbeiterpartei zerschmetterten Gewerkschaften? Des durch die deteriorierte (geschwächte, Red.) ökonomische Lage ins Wanken geratenen Gesundheits- und Erziehungswesens? Das durch die in den Neunzigerjahren vom Staat organisierte Masseneinwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion demografisch und kulturell solchermassen transformierte Israel, dass es mit dem idealisierten ‹alten Israel› so gut wie keine Gemeinsamkeit mehr aufweist? – Vom Umgang mit den Hunderttausenden von Gastarbeitern aus verschiedenen Ländern der Zweiten und Dritten Welt, die ein oft entrechtetes Sklavendasein im ehemals sich sozialistisch gerierenden Israel fristen, soll hier geschwiegen werden. Immer länger liesse sich die Ausstaffierung der Liste eklatanter Widersprüche und innerer Ungereimtheiten der israelischen Gesellschaft fortsetzen, die aber letztlich allesamt auf eines hinauslaufen: Wer sich abstrakt mit ‹Israel› solidarisiert, segnet mutatis mutandis alle diese Widersprüche ab.»

Wer sein eigenes Land so darstellt, wie Moshe Zuckermann es tut, darf auch nach aussen kritisch sein. Zuckermann geht mit jenen, die zum Beispiel jüdische Intellektuelle, die Israel kritisieren, schon seit geraumer Zeit als Selbsthasser und Antisemiten bezeichnen, hart ins Gericht.

    «Die Frage spitzt sich zu, wenn Juden israelkritische Juden als Antisemiten beziehungsweise ‹sich selbsthassende Juden› diffamieren. Was meinen sie, dass diese kritischen Juden im Schilde führen? Und wie kommen sie dazu, von Selbsthass zu reden? Den Höhepunkt unüberbietbarer perfider Unverfrorenheit bilden in diesem Zusammenhang junge nichtjüdische Deutsche (Enkel der Tätergeneration), die israelkritischen Kritikern ihres Staates (womöglich Kinder von Holocaust-Überlebenden) Antisemitismus und Selbsthass vorwerfen. Schier unbegreiflich, welchen Abgründen ihre Anmassung entstammen muss. [ ] Nie kommt es den Urhebern des Vorwurfs in den Sinn, dass es den Kritikern Israels um die Bekämpfung der von Israel ausgeübten institutionalisierten Unterdrückung der Palästinenser gehen könnte, mithin um Emanzipation und Gerechtigkeit. Nie komt es ihnen in den Sinn, dass die ‹sich selbst hassenden Juden› eine genuine Sorge um ihr Land umtreibt. [ ] An der Realität der von Israel an den Palästinensern verbrochenen Besatzung lässt sich nichts deuteln.»

Und an anderer Stelle:

    «Denn wenn Israelkritiker als Antisemiten apostrophiert werden, wird ein Israel in Schutz genommen, welches die systematische Unterdrückung eines anderen Volkes betreibt, eine Unterdrückung, die Israel zum Täter werden lässt – mag es sich noch so sehr ideologisch selbstviktimisierend als Opfer darstellen.»

«Israel» ist nicht das gleiche wie «die Juden»

Unter dem Titel «Einsichten» hält Moshe Zuckermann fest:

  • «Judentum, Zionismus und Israel sind voneinander zu unterscheidende Kategorien.»

  • «Antisemitismus, Antizionismus und Israelkritik sind voneinander zu unterscheidende Kategorien.»

  • «Wer Israelkritik zwangsläufig für antisemitisch erachtet, ist ideologisch missgeleitet.»

  • «Wer als jüdischer Israeli Israelkritik zwangsläufig für antisemitsch erachtet, ist von der staatsoffiziellen israelischen Propaganda geprägt.»

  • «Wer als Deutscher Israelkkritik zwangsläufig für antisemitisch erachtet, ist von der staatsoffiziellen israelischen Propaganda geprägt.»

  • «Wer als Deutscher Israelkritik zwangsläufig für antisemitisch erachtet, mithin sein Deutsch-Sein als eine Last empfindet, eine Schuld, die er ‹wiedergutmachen› zu sollen meint, ist deutsch-befindlich pathologisch.»

    Konkrete Beispiele

    Moshe Zuckermann bleibt nicht bei der Rechtfertigung der Israelkritik. Er geht auch auf einige konkrete Fälle von ideologisch bedingter und realitätsfremder Israel-Solidarisierung ein, ausführlich etwa auf die Politik der Springer-Presse (Die Welt; Bild-Zeitung). Und er zeigt nachvollziehbar auf, wie Israel selber dafür sorgt, dass Kritik an seiner Politik als antisemitisch verurteilt wird.

    Ausführlich geht Moshe Zuckermann auf den «Fall» des Cartoonisten Dieter Hanitzsch ein, der im Mai 2018 nach jahrzehntelanger Zusammenarbeit einer vermeintlich antisemitischen Karikatur zum Eurovision Song Contest wegen, der nächstes Jahr in Israel stattfinden wird, von der Süddeutschen Zeitung in die Wüste geschickt wurde – völlig zu Unrecht, wie Moshe Zuckermann erklärt, denn die Karikatur hatte, absichtlich oder unabsichtlich, sehr viel mit der damaligen Situation in Israel zu tun (Man erinnert sich an die gezielte Erschiessung von Demonstranten an der Grenze von Gaza).

    Ein Beispiel dafür, wie Israel selber Kritik an Israel als Ausdruck von Antisemitismus zu deklarieren und zu diffamieren pflegt, ist die Verleihung des Genesis-Preises, den, wie das Time Magazine ihn einmal nannte, «jüdischen Nobelpreis». Der Preisträger erhält eine Million Dollar. Für das Jahr 2018 wurde als Preisträgerin die angesehene Hollywood-Schauspielerin und Regisseurin Natalie Portman nominiert. Das Preisgeld – in diesem Jahr vom israelischen Mäzen Morris Kahn um eine weitere Million Dollar auf zwei Millionen erhöht – sollte von Portman unter Programmen zur Förderung von Frauen in verschiedenen Bereichen – Gleichberechtigung, Erziehung, Wirtschaft, Gesundheit und Politik – aufgeteilt werden.

    In der Jury-Begründung für die Preisverleihung hiess es, so Zuckermann: «Die Oscar-Preisträgerin und Mutter zweier Kinder sei sozial engagiert und verkörpere die wichtigsten Werte des jüdischen Volkes: Beharrlichkeit und harte Arbeit, das Streben nach Spitzenleistungen, intellektuelle Neugier und der Herzenswunsch, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.» Für die Preisverleihung war Israels Premierminister Benjamin Netanjahu als Redner eingeplant. Doch dann geschah das Unerwartete: Natalie Portman liess ausrichten, dass sie Israel nicht boykottieren wolle, aber nicht daran interessiert sei, als Unterstützerin von Benjamin Netanjahu und seiner Politik aufzutreten. Darauf wurde ihr der Preis aberkannt, und die in Israel geborene Schauspielerin, auf die man bisher als beliebte Galionsfigur national «stolz» sein durfte, wurde von Karriere-Politiker und Minister Yuval Steinitz des Antisemitismus' bezichtigt. Der Likud-Parlamentarier Oren Hazan wollte ihr gar die israelische Staatsbürgerschaft absprechen. Dazu Moshe Zuckermann: «Wie konnte Natalie Portman da plötzlich zur Antisemitin werden? Die ‹wichtigsten Werte des jüdischen Volkes› und ‹Antisemitin›? Wie sehr kann sie sich in der Zeit zwischen ihrer Nominierung und der politischen Gesinnungsbekundung gewandelt haben, dass man Stolz und Bewunderung zu aggressivem Hass verkommen liess?

    Sehr kritisch – aber in jeder Hinsicht nachvollziehbar – berichtet Moshe Zuckermann auch über die Kippa-Trag-Aktion im April 2018, nachdem ein Kippa-Träger handgreiflich belästigt worden war und anlässlich dieser Aktion auch Nicht-Juden zum Zeichen der Israel-Solidarität eine Kippa trugen. Dazu Moshe Zuckermann:

      «Und es ist nun ausgerechnet die Kippa, ein religiöses Utensil, die zum Mittel der Solidaritätsbekundung erkoren wurde. So erhebt sich die Frage, wie nichtjüdische Deutsche eigentlich dazu kommen, ‹Juden› derart aufs Religiöse zu reduzieren. Die Juden sind keine Rasse mehr; das hat sich historisch erledigt. Sind sie aber nunmehr zur Religion mutiert? Wussten denn die deutschen Teilnehmer an der Demonstration nicht, dass die meisten Juden auf der Welt (auch die in Israel lebenden) nicht religiös sind oder ihren eventuell bestehenden Glauben nicht äusserlich demonstrieren wollen? Für einen säkularen Juden, einen atheistischen zumal, mag sich dies nachgerade als Affront ausnehmen. Wie kämen sich säkulare Deutsche vor, wenn man zum Zeichen der Solidarität mit ihnen (aus welchem Anlass auch immer) ein Kreuz, gar ein Kruzifix tragen würde?»

    In seiner «Schlussbemerkung» zitiert Moshe Zuckermann den deutschen, auf Antisemitismus spezialisierten Historiker Wolfgang Benz. «Gefragt, ob ein Anstieg an Antisemitismus in Deutschland zu verzeichnen sei, antwortete er: ‹Die Wissenschaft sagt, dass es keinen Anstieg gibt. Das widerspricht aber sicher emotionalen Empfindlichkeiten.› [] Benz wurde auch gefragt, ob man von einem neuen Antisemitismus auszugehen habe. Seine Antwort: ‹Nein, es gibt hier keinen neuen Antisemitismus. Es ist der alte, der Bodensatz in der Gesellschaft. Der wird nicht schlimmer, aber es ist schlimm genug, dass es ihn überhaupt gibt.› Auch hier darf man für die Klarstellung dankbar sein: Das Bedüfnis, die Realität nach befindlichkeitsgeschwängerter Wahrnehmung zu ordnen und zu definieren, wird in die Schranken gewiesen, ohne dabei die Realität per se beschönigen zu wollen.»

    Das Buch «Der allgegenwärtige Antisemit, oder Die Angst der Deutschen vor der Vergangenheit» von Moshe Zuckermann ist, inbesondere am Anfang, nicht immer einfach zu lesen. Zuckermanns Sprache ist oft reichlich akademisch. Aber es lohnt sich, sich durchzubeissen. Die zweihundert Seiten sind eine echte Hilfe, die von der Israel-Lobby propagierte Gleichsetzung «Israel» = «die Juden» durchschauen zu lernen.

    … und ein kleiner Nachtrag:

    Es ist zu befürchten, dass die Israel-Lobby insbesondere im deutschsprachigen Raum auch Moshe Zuckermann als Selbsthasser und Antisemiten zu diffamieren versuchen wird, wie es etwa das Israel-Lobby-Portal audiatur-online – nicht zum ersten Mal – anlässlich seines Auftrittes in Zürich Im Jahr 2015 versucht hat. Auch ein Interview mit ihm im Echo der Zeit im Jahr 2015 wurde beanstandet. Umso wichtiger ist es, dass seine Stimme wieder gehört wird.

    … und auch noch ein Lesehinweis:

    Die Zeitschrift Neue Wege (kürzlich auf infosperber vorgestellt) widmet ihre Ausgabe 10/2018 ebenfalls dem Thema Israel/Palästina. Zu Wort kommt darin unter anderen Amira Hass, die als Korrespondentin der israelischen Tageszeitung Haaretz in Westjordanland lebt. Das kleine Heft ist erneut lesenswert!

  • Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

    Zum Autor. Es gibt keine Interessenkollisionen.

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    9 Meinungen

    Danke für diesen Artikel. Er schärft den Verstand.
    Marco Demarmels, am 19. Oktober 2018 um 13:34 Uhr
    Etwas Redlichkeit könnte gut tun: Wir sind ungemein schlecht in der Lage (weil meist auch nicht bemüht) eine halbwegs saubere Trennlinie zwischen zwei assoziativ eng verknüpften Entitäten - wie hier: Staat (Israel) und Religion (Judentum) - zu ziehen. Eine Kritik dem Staate Israel gegenüber löst deshalb ein negatives/abwertendes Gefühl gegenüber der Person, also dem «Juden», wie auch der Religion aus.

    [Ebenso: Gute Gefühle gegenüber einer jüdischen Person wird Verständnis/gute Gefühle gegenüber dem Staat Israel erwirken. Ebenso: Kritik an der US-Regierung geht leicht einher mit Abwertung von US-Bürgern ("Amerikanern"). Dies obschon bekannt ist/sein könnte, dass die Mehrheit der Amerikaner weniger Einfluss auf «ihre» Regierung ausüben können als ein reicher Europäer oder europäisches Unternehmen.]

    Wichtiger noch: Nach der Machtergreifung füllten die Nazis die Zeitungen mit Berichten über die von Juden begangenen 'Schandtaten' ab. Angenommen die Berichte hätten den Tatsachen entsprochen. Zieht hier nun jemand den Schluss, dass solches doch nicht als antisemitisch bzw. als verbrecherisch erachtet werden dürfe, werde da «doch nur die Wahrheit berichtet"? Nur Naive haben noch nicht erfasst, dass die Meinungen ganz überwiegend aufgrund von Penetranz/Wiederholung/Aufmerksamkeit/Agendasetzung gemacht/erzeugt werden!

    Die Tatsache, detailliert über Verbrechen der Israelis informiert zu sein, und kaum über jene in anderen Ländern (Türkei/Kurden, Kongo usw.), lässt tief blicken ...
    Stan Kurz, am 20. Oktober 2018 um 01:11 Uhr
    @Kurz - Ihre Unterstellung , das wir scheinbar «detailliert über Verbrechen der Israelis informiert», aber «kaum über jene in anderen Ländern (Türkei/Kurden, Kongo usw.)» lässt eben nicht auf eine Prädisposition blicken. Dass der Zionismus eine europäische Erfindung war, lässt die Frage zu, ob wir die Messlatte der europäischen Aufklärung an diesen legen dürfen/sollen. Dass der Staat Israel zur Machterhaltung gleich Unrechtes wie z.B. die USA macht, macht das Unrecht nicht besser. Es stellt sich dennoch die Frage, wie eine bessere Welt aussehen könnte. Mit Adorno gesagt trifft wohl im Beispiel Israel die Feststellung zu, dass man das Gefühl haben kann, dass in der Verwirklichung der Utopien das Beste daran vergessen worden sei. Obwohl man auch sagen kann, dass aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, Israel höchst erfolgreich ist. Dieser Erfolg befragt die israelische Soziologin aus einem anderen Blickwinkel in ihrem Essay «Vom Paradox der Befreiung zum Niedergang der liberalen Eliten», wo sie nicht als einzige totalitäre Tendenzen in der gegenwärtigen Politik ausmacht, sozusagen als Vorläufer, was in Europa auf uns zukommen mag. Diese Einschätzung lässt tiefer blicken als die Ihrige.
    Andreas Hagenbach, am 20. Oktober 2018 um 11:19 Uhr
    Ein sehr guter Artikel, erstaunt das dieser nicht mehr kommentiert wird, warum auch immer.
    andi jung, am 20. Oktober 2018 um 19:48 Uhr
    Zitat Zuckermann: «Wer als Deutscher Israelkritik zwangsläufig für antisemitisch erachtet, ist von der staatsoffiziellen israelischen Propaganda geprägt.»
    Ohne Füllwörter: «Wer Israelkritik für antisemitisch erachtet, ist von der staatsoffiziellen (sic) israelischen Propaganda (sic) geprägt.»

    Zitat Müller: «Die zweihundert Seiten sind eine echte Hilfe, die von der Israel-Lobby (sic) propagierte (sic) ... Es ist zu befürchten, dass die Israel-Lobby (sic) ... wie es etwa das Israel-Lobby (sic) -Portal ..."

    Diese Herren wollen uns lehren:
    1. Was sie schreiben ist neutral/objektiv, was ihnen widerspricht ist «Propaganda». So die Definition.
    2. D.h.: Falls Israelkritik nicht zugestimmt wird, ist man ("staatsoffizieller israelischer") Propaganda erlegen - also ein manipulierter Dummkopf.
    3. Hüte dich vor der allmächtigen «staatsoffiziellen israelischen Propaganda"/"Lobby».

    Lässt es nicht (zu) tief blicken, wenn bei einem 'jüdischen Thema' (Israel) so unverhohlen Begriffe und Bilder verwendet werden, die kein anderes Gefühl zulassen, als dass hier perfide/sinistre, überragend mächtige Drahtzieher am Werke sind?

    Vergleich: Gibt es bei einem Kritiker der US-Politik/-Regierung auch nur den einen Reflex, wenn er auf einen Befürworter trifft: Dieser Mensch ist unfähig eigene Überlegungen anzustellen und ist eine Marionette der «staatsoffiziellen [US-amerikanische] Propaganda/Lobby"? [Vergleichbares kann auch für «Schweiz-Befürworter» usw. durchgespielt werden.]
    Stan Kurz, am 20. Oktober 2018 um 23:49 Uhr
    Zuckermann:
    «Judentum, Zionismus und Israel sind voneinander zu unterscheidende Kategorien.» Ich würde weitergehen und die Regierung unter Netanyahu als weitere Kategorie benennen!
    Wie es auf Seite Hamas unbelehrbare und friedensfeindliche Hitzköpfe gibt finden sich solche auch in der israelischen Regierung! Solange die Regierung Israels Land von den Palästinensern annektiert wird es keinen Frieden geben. Israel soll das gestohlenen Land zurückgeben und damit eine wahre Grundlage für Frieden im Nahen Osten schaffen. Hamas wären damit die Grundlagen für einen bewaffneten Kampf entzogen!
    Victor Brunner, am 21. Oktober 2018 um 09:28 Uhr
    Danke für den erhellenden und auch beruhigenden Artikel! Beruhigend, weil in der Israel-Frage anscheinend doch noch nicht alle Menschen vom Wahnsinn umzingelt sind.
    Und was will uns der Herr Kurz lehren: Auch wenn die Israel-Kritiker keine Antisemiten sind, dann sind sie es gerade deswegen!
    Paul Jud, am 22. Oktober 2018 um 13:18 Uhr
    Vielleicht will uns @Kurz sagen, dass es unschön «riecht», wenn jemand von sich behauptet, Israelkritik von negativen Gefühlen gegenüber Juden (plakativ: «Antisemitismus") abgrenzen zu können, es sich diese Person aber nicht verkneifen kann, unablässig das Wort «Israel-Lobby» zu verwenden. Dass so das altbekannte Bild von der «jüdischen Weltverschwörung» (der mächtige Juden mit seine dreckigen Fingern/Tentakeln) hervorrufen/reaktiviert bzw. insinuiert wird, ist Müller wohl nie bewusst geworden. Aber gerade das, dass dieser Gedanke nicht einmal zu Bewusstsein kommt, ist das ungemein Gefährliche/Bedrohliche!

    Zitat Müller:
    "Sehr kritisch – aber in jeder Hinsicht nachvollziehbar – berichtet Moshe Zuckermann auch über die Kippa-Trag-Aktion im April 2018, nachdem ein Kippa-Träger handgreiflich belästigt worden war und anlässlich der auch Nicht-Juden zum Zeichen der Israel-Solidarität eine Kippa trugen."

    Würde Müller gefühlsmässig nicht ständig ins «böse Israel = böse Juden» verfallen, hätte er geschrieben: «Solidarität mit den Juden» - und nicht: «Israel-Solidarität». Zudem: «Kippa-Träger handgreiflich belästigt» - warum heisst es hier nicht «tätlich angegriffen» (wie im Fall Schweizer versus Ausländer?

    Wenn sogar dem reflektierten Müller am Laufmeter solche «Freud'schen» unterlaufen, 'Israelkritik' offensichtlich nicht von negativen Gefühlen gegenüber den Juden (aka Antisemitismus) trennen kann, will ich nicht wissen, wie es bei weniger reflektierten Zeitgenossen aussieht ...
    Stan Kurz, am 23. Oktober 2018 um 17:26 Uhr
    Im neuen Buch von Prof. Rainer Mausfeld «Warum schweigen die Lämmer», spricht er verschiedene Propagandatechniken an. Er nennt das zusammengefasst Meinungsmanagement. Eine dieser Techniken bezeichnet er als Verklammerung. Es werden in einem Begriff verschiedene Dinge zusammengefasst (verklammert) um sie alle in einen gemeinsamen Kontext zu stellen. Als Beispiel der Begriff «Verschwörungstheoretiker»: Berechtigte (System-) Kritiker werden in diesem Begriff mit Leuten vermischt die seltsam anmutende Vorstellungen haben (z.b. Flatearththeorie etc) um so den berechtigten Kritiker die Glaubwürdigkeit zu nehmen. Solch eine Verklammerung passiert genau jetzt mit dem Begriff Antisemitismus. Es werden Kritiker der israelischen Politik mit Antijudaismus gleichgesetzt. Wer als Antisemit gilt, wenn er die Besatzungspolitik Israels kritisiert, überlegt sich die Kritik zwei mal. Das Ziel der Verklammerung wäre damit erreicht.

    Ebenso beschreibt Herr Mausfeld den Hofintellektuellen. Gut gebildete Menschen welche die vorherrschende Ideologie mit vorauseilendem Gehorsam verteidigen. Oft tut er das, in dem er peinlichst genau hinschaut und jedes noch so kleine Detail heran nimmt, um dem Anderen einen Strick zu binden.

    Vielen Dank Herr Müller für ihren Mut, auch unbequeme Themen an zu sprechen!
    Stöckli Marc, am 29. Oktober 2018 um 09:03 Uhr

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