Nach zwei Bombardierungen: Mindestens 140 Tote und Hunderte Verletzte © cc

Es brauchte zwei Bombenangriffe auf Beerdigung

Red. / 12. Okt 2016 - Erst jetzt berichten grosse Medien auch über andauernde Gräueltaten in Jemen – der saudischen, von den USA unterstützten Luftwaffe.

Die saudische Luftwaffe führt seit anderthalb Jahren Krieg gegen Jemen. Infosperber hatte einige Male darüber berichtet (zuletzt am 6.10.16 «Zerstörung, Hunger und Massenflucht in Jemen»).

Die grossen Medien informierten erst in den letzte Tagen breiter über die grauenhaften Folgen dieses Krieges, nachdem die saudische Luftwaffe am 8. Oktober zweimal hintereinander eine Beerdigung in der Hauptstadt Sanaa gezielt bombardiert hatte. Unter den über tausend Trauergästen sind nach Angaben der UNO mindestens 140 getötet und über 500 verletzt worden. Unter den Opfern befanden sich Retter, die zum Ort liefen und vom zweiten Angriff getroffen wurden.

NZZ: «Saudische Kriegsverbrechen»

Monika Bolliger, NZZ-Korrespondentin in Beirut, schrieb am 11. Oktober ohne Umschweife von «saudischen Kriegsverbrechen»*. Sie zitiert Kritiker, wonach sich die Waffen und Logistik liefernden USA und Grossbritannien «in den Augen vieler Jemeniten zu Komplizen machen».

«Das Kriegsverbrechen vom Wochenende war bei weitem nicht das erste», berichtete Bolliger in der NZZ. «Beide Seiten haben wiederholt Spitäler und zivile Einrichtungen attackiert». Die Korrespondentin präzisiert, dass «eine Mehrheit der Todesopfer auf das Konto von Luftangriffen der (saudischen) Koalition gehen». Das bringe «die USA, welche die Saudis mit Waffen beliefern, die saudischen Kampfflugzeuge betanken und dem Königreich Informationen zur Bestimmung militärischer Ziele liefern, in ein Dilemma».

Riad stritt zuerst ab

Wie in solchen Fällen üblich, habe Saudi-Arabien die Angriffe zuerst abgestritten. Weil die Gegner jedoch über keine operationelle Luftwaffe verfügen, sei das Abstreiten wenig glaubwürdig gewesen.

Das Blutbad vom 8. Oktober dürfte den Huthis «behilflich sein bei der Rekrutierung neuer Kämpfer», meinte die NZZ. Unter den Toten seien auch politische Exponenten gewesen, die bei der Umsetzung eines Friedensprozesses eine Rolle spielen sollten.

Die Trauerhalle nach dem Anschlag

Frühere Informationen auf Infosperber:

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

*Online-Version des NZZ-Artikels von Monika Bolliger vom 11.10.2016

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Eine Meinung

Werden nach dem Luftangriff auf ein Begräbnis in Sanaa die Waffenexporte der Schweiz nach Saudiarabien und an kriegführende Nato-Staaten eingestellt? Die Bestimmungen der Kriegmaterialverordnung sind seit Jahrzehnten klar. Seit 1973 hat der Bundesrat versprochen Kriegsmaterialexporte sehr restriktiv zu bewilligen, schon gar nicht Waffenexporte an kriegführende Staaten zu erlauben. Diese «heiligen» Versprechungen Berns wurden 1973 abgegeben, um der Volksinitiative für ein Verbot der Kriegsmaterialexporte den Wind aus den Segeln zu nehmen, die nach dem Bührle Skandal damals gewisse Chancen hatte angenommen zu werden. Dass mit Bührle Kanonen damals auf Flugzeuge des Internationalen Roten Kreuzes in Nigeria geschossen wurde, war doch vielen Schweizern zu viel des «Guten».

Wie sehen heute die Bestimmungen der Kriegsmaterialverordnung aus, am 1. Oktober 2015: In Artikel 5 dieser Verordnung wird festgehalten, dass Kriegsmaterialexporte verboten sind »wenn das Bestimmungsland in einem internen oder internationalen bewaffneten Konflikt verwickelt ist»;
Der Verkauf von Rüstungsgütern an Kriegsparteien, an Saudiarabien und an kriegführende Nato-Staaten, stellt deshalb ein krasser Verstoss gegen die Kriegsmaterialverordnung dar.

Bei den konventionellen Bombardierungen, sei es durch die Saudis, sei es durch unserer Nato Waffen-Kunden oder von Russland kommen fast unvermeidlich zu 90 – 95 Prozent Zivilisten um, sowohl wenn russische, saudische oder NATO Bomben fallen.
Heinrich Frei, am 13. Oktober 2016 um 17:43 Uhr

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