1999: Die Nato bombardiert Belgrad © ec

20 Jahre Nato-Angriff auf Serbien: Örtlich gebombt

Andrej Ivanji / 31. Mär 2019 - Vor 20 Jahren trieb die rot-grüne Regierung Deutschland in den Nato-Kosovokrieg. Ein Präzedenzfall, der die Welt veränderte.

Red. Der Autor ist Korrespondent der taz und des MDR. Er lebt in Belgrad.

Der 24. März 1999 war in Belgrad sonnig und warm. Ich sass am Nachmittag in einem Café mit Blick auf die Donau. Ein Freund rief mich auf meinem Handy an, teilte mir mit, dass er mit Zigaretten, Wasser und Sprit vorgesorgt habe, und fragte mich, was ich denn so tue. „Ich warte auf die Bomben der Nato“, antwortete ich und legte auf.

Ich musste grinsen, so surreal klang das. Wir wussten, dass es in wenigen Stunden losgehen würde – der Krieg gegen die Nato. Besser gesagt, der Nato gegen Serbien. Ich befand mich in einem Zustand erwartungsvoller Ungläubigkeit. Wie soll das aussehen, wenn die Nato, wenn wieder einmal Deutschland, Serbien bombardiert? Wenn Briten, Franzosen, Italiener, Amerikaner, die Deutschen mich bombardieren? Irgendwie nahm ich das persönlich. Und nicht nur ich.

Am Abend hörte ich zum ersten Mal das Heulen des Fliegeralarms. Heute vermischen sich in meiner Erinnerung die Geräusche des Luftkrieges: Das tiefe Brummen unsichtbarer Bomber, das Zischen der Marschflugkörper, die ihr Ziel suchen, das Knattern der serbischen Flak, die dumpfen oder grellen Explosionen, die darauf folgten. Und die nächtliche Bildkulisse: helle Spuren der serbischen Flugabwehrraketen auf schwarzem Himmel, orange-rötliche Flammen nach dem Einschlag der Bomben.

Wir lernten Begriffe wie: „Grafitbomben“, „Lenkwaffen“, „Tarnkappenflugzeuge“, „Uranmunition“, „Streubomben“. Als ob wir auf einem Testgelände für die Präsentation des Nato-Waffenarsenals gewesen wären.

Und „Kollateralschaden“. Das war mein Lieblingsbegriff. Er wurde verwendet, wenn die Nato eine Kolonne albanischer Flüchtlinge im Kosovo, einen zivilen Zug, den Bauernmarkt in Niš, die neurologische Klinik oder die chinesische Botschaft in Belgrad getroffen hatte.

Das alles prägte sich im kollektiven Gedächtnis der Serben ein, denen heute eine „EU-Perspektive“ in Aussicht gestellt wird.

Zerbombtes Vertrauen

Nach 78 Tagen, 2'300 Luftschlägen und rund 50'000 abgefeuerten Projektilen lenkte Serbiens Herrscher Slobodan Milošević ein, aber erst als ihn Moskau unter Druck setzte. Die Zahl der Opfer schwankt zwischen 1'200 und 2'500, darunter 79 Kinder. Jedes Jahr gedenkt man in Serbien der Menschen, die die Nato umgebracht hat.

Am 9. Juni 1999 wurde in der mazedonischen Stadt Kumanovo ein Abkommen unterzeichnet, das die Operation Allied Force beendete. Serbische Streitkräfte zogen sich aus dem Kosovo zurück, internationale Friedenskräfte marschierten in das Kosovo ein, die südliche serbische Provinz wurde unter UN-Obhut gestellt. Am 17. Februar 2008 rief Pristina die Unabhängigkeit aus, die Serbien bis heute nicht anerkennt.

Während das serbische Heer und die ­politische Spitze ungeschoren davonkamen, waren nach den Luftangriffen serbische Infrastruktur und Wirtschaft zerbombt. Zerbombt war auch das Vertrauen der westlich und demokratisch orientierten serbischen Opposition in den Westen, vor allem in die Europäische Union. Die Serben betrachten, ich betrachte das Bombardement als Schandtat, die die USA mithilfe von Tony Blair und Gerhard Schröder der EU aufgedrängt haben.

Die Folgen sind heute noch nicht nur in Serbien, sondern in der gesamten Weltpolitik zu spüren. Die Luftangriffe der Nato auf die Bundesrepublik Jugoslawien (Serbien und Montenegro) ohne UN-Mandat waren ein Präzedenzfall, der die Nachkriegsordnung veränderte. Es folgte der Irakkrieg der „Koalition der Willigen“ im März 2003, da war Deutschland jedoch nicht willig mitzumachen; die Argumentation für den Kriegseinsatz (angebliche chemische Waffen von Saddam Husein) war ebenso unglaubwürdig und das ganze Vorhaben völkerrechtswidrig wie im Falle der Bundesrepublik Jugoslawien.

Verhöhnung der Vereinten Nationen

Es war nämlich ein Angriffskrieg der Nato auf ein souveränes Land, der im Widerspruch zur eigenen Charta stand. Es war der erste Kriegsein­satz der deutschen Bundeswehr nach dem Zweiten Weltkrieg und widersprach dem deutschen Grundgesetz – 14 deutsche Tornados wurden für die Luftaufklärung eingesetzt und bekämpften serbische Flugabwehrstellungen. Eine Verhöhnung der Vereinten Nationen und des Völkerrechts. Der „Kosovokrieg“ öffnete die Tür für die Kriegseinsätze im Irak, in Libyen, Syrien, Jemen.

Obwohl Serbien heute mit der Europäischen Union über seine Mitgliedschaft verhandelt, ist wegen der Luftangriffe eine serbische Mitgliedschaft in der Nato ausgeschlossen. Das verdüstert die EU-Perspektive Serbiens, denn kein einziges osteuropäisches Land trat der EU bei, bevor es Nato-Mitglied geworden war.

Der beliebteste ausländische Politiker in Serbien ist Wladimir Putin. Die Serben lieben die Russen, denn „die Russen waren immer auf unserer Seite, und die Nato hat uns bombardiert, um uns das Kosovo, die Wiege des Serbentums, wegzunehmen“; und die Deutschen „wollten sich für zwei verlorene Kriege rächen“. Obwohl die bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Serbien heute sehr gut sind, schweben über ihnen noch immer deutsche Tornados.

Eine der Folgen der Luftangriffe der Nato von 1999 ist auch, dass Serbien, neben der serbischen Entität in Bosnien, Republika Srpska, das letzte russische Standbein auf dem Balkan geblieben ist.

Was die Nato zum Anlass für den „Kosovokrieg“ nahm (ein angebliches Massaker an albanischen Zivilisten in dem kosovarischen Dorf Račak), hat sich als Fake News entpuppt, so wie später auch die angebliche Existenz von chemischen Waffen von Saddam Hussein.

„Nie wieder ­Auschwitz“

Wenn ich an den Ausruf „Nie wieder ­Auschwitz“ des damaligen grünen Aussenministers Joschka Fischer beim Parteitag der Grünen am 13. Mai 1999 im Zusammenhang mit dem Kosovokrieg denke, wird mir übel. Es war eine Unverschämtheit, den Holocaust zu instrumentalisieren, ein billiger Propagandatrick, um gegen die nachlassende Begeisterung der Deutschen und der Grünen für den Kriegseinsatz zu steuern.

Da muss ich auch an die glatten Lügen des damaligen Verteidigungsministers Rudolf Scharping denken, der zum Beispiel eine klapprige Brücke über die Donau zum „legitimen Kriegsziel“ erklärte oder von einem angeblichen serbischen „Hufeisenplan“ schwafelte, die Albaner durch ethnische Säuberung aus dem Kosovo zu vertreiben.

Und die Fernsehansprache von Bundeskanzler Gerhard Schröder: „Wir führen keinen Krieg, aber wir sind aufgerufen, eine friedliche Lösung im Kosovo auch mit militärischen Mitteln durchzusetzen.“ Wir bombardieren, aber wir führen keinen Krieg. Wir sind für friedliche Konfliktlösung, aber wir sind bereit, einige Tausend unschuldige Menschen umzubringen. Waren damals eigentlich alle übergeschnappt?

Sollte man heute Jerusalem wegen Palästina bombardieren? Hätte man London wegen Nordirland bombardieren sollen?

Ich kann mich noch an Schröders unverhohlene Erleichterung erinnern, als Wiktor Tschernomyrdin, der Sonderbeauftragte von Boris Jelzin, die Nachricht aus Belgrad brachte, dass Milošević zum Einlenken bereit sei. Der Spuk eines in Erwägung gezogenen Bodeneinsatzes der Nato in Serbien war vorbei. Und die Unterstützung der Deutschen für den ganzen Kriegsschlamassel schwand dramatisch.

Das „Friedensprojekt Europa“

Um es noch einmal festzustellen: Ja, serbische Streitkräfte und paramilitärische Einheiten haben Albaner systematisch aus dem Kosovo vertrieben – aber erst nach den ersten Nato-Bomben. Und nein, es gab keine Konzentrationslager im Kosovo, von wegen Auschwitz.

Es steht ausser Frage, dass das Regime Milošević die serbische Soldateska in Kroatien und Bosnien und Herzegowina unterstützte und für serbische Kriegsverbrechen in Vukovar, Sarajevo oder Srebrenica sowie für die gegen Albaner gerichtete Repression im Kosovo direkt oder indirekt verantwortlich war, wie ich auch für die taz in den 1990er Jahren in etlichen Artikeln geschrieben habe. Aber das rechtfertigt noch lange nicht die Luftschläge auf die zivile Infrastruktur eines souveränen Staates, dessen Diktator man wegfegen wollte, während ich, meine Freunde und Kollegen Kopf und Kragen riskiert hatten im Kampf gegen dieses Regime.

In diesem Fall hat die Nato unter der Führung der USA nicht nur in einem Bürgerkrieg, einem Krieg für die Sezession eines Territoriums, Partei ergriffen, sie hat die Infrastruktur eines Landes zerbombt und einen Schaden von über 30 Milliarden Euro angerichtet. Es war eine Machtdemonstration.

Die Kriegslust der rot-grünen deutschen Regierung war für mich eine riesige Enttäuschung. Mehr noch als die Tatsache, dass Günter Grass, der mit meinem Vater befreundet war, den Nato-Krieg gegen mein Land unterstützte. Als ob alle örtlich betäubt gewesen wären. Grass gestand später seinen Fehler, Putins Freund Schröder und Fischer taten das nie. Zumindest nicht öffentlich.

Der Kriegseinsatz der deutschen Luftwaffe gegen die Bundesrepublik Jugoslawien 1999 ist in Deutschland im Grossen und Ganzen untergegangen. Für mich ist es erstaunlich, dass das keine grössere gesellschaftliche Debatte ausgelöst hatte. Punktuell, unmittelbar nach dem Kosovokrieg, das schon, aber ein weit und tief greifendes öffentliches Thema ist es nie geworden.

Ich würde gern wissen, was Genosse Schröder, oder Joschka Fischer oder die heutigen Parteispitzen der Grünen und der Roten darüber denken. Halten sie den Kosovokrieg auch jetzt noch für gerechtfertigt? Sind sie sich dessen bewusst geworden, dass sie das „Friedensprojekt Europa“ für viele unglaubwürdig gemacht haben? Nicht die Nato-Bomben haben das Regime Milošević einknicken lassen, die Bürger Serbiens haben es letztendlich zu Fall gebracht.

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Dieser Beitrag erschien in der Berliner taz.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Andrej Ivanji ist Redaktor des serbischen Magazins „Vreme“, taz- und MDR-Korrespondent. Er lebt in Belgrad 100 Meter entfernt von den Ruinen des zerbombten Staatsrundfunks entfernt.

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9 Meinungen

Schon wieder FakeNews? Im Artikel vom Herrn aus Belgrad fehlt gänzlich, die unmenschliche Belagerung von Sarajewo 1992 - 1996 (!) wo 4 Jahre lang selbst auf Hunde geschossen wurde vom Hügel herab…
Rolf Raess, am 31. März 2019 um 12:43 Uhr
Eine hervorragende Einschätzung und Information für den Leser! Danke für diese journalistische Leistung.
Hans Rudolf Knecht, am 31. März 2019 um 12:47 Uhr
Angesichts des damaligen Krieges in Jugoslawien schlug ich damals den Friedenspolitische Initiativen, dem Schweiz. Friedensrat, dem Centre Martin Luther King, der Erklärung von Bern, der BODS, der SPS in Bern vor:

"dass die Friedenspolitischen Initiativen öffentlich den Bundesrat dazu aufrufen, die Kriegmaterialexporte an alle Nato Staaten sofort zu stoppen zu lassen, unter anderem nach Deutschland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Belgien, Grossbritannien, Dänemark, Norwegen, Portugal, Spanien, Griechenland, Polen, Tschechien, Ungarn, Kanada und die USA.

Auch die laufenden Rüstungslieferungen in das Pulverfass des Nahen Ostens, nach Israel, Jordanien, Saudiarabien, Quatar, Bahrein, die Arabischen Emirate und Oman, sollte der Bundesrat sofort einstellen lassen.

Es gehört, leider nur rhetorisch, zu den Grundsätzen der Aussenpolitik der Schweiz den Frieden aufrechtzuerhalten, und nicht Öl in das Feuer von Konflikten zu giessen. Wie früher auch schon, exportiert die Schweiz gerade heute den grössten Teil der Rüstungsgüter an kriegführende Staaten und in Spannungsgebiete. Das Kriegsmaterialgesetz wird so verletzt.

Nach Staaten die in bewaffnete Konflikte verwickelt sind, in Spannungsgebiete und nach Ländern die Menschenrechte verletzen, dürften auch nach dem neuen Kriegsmaterialgesetz keine Rüstungsgüter exportiert werden."

Die Schweizer Waffenexporte an die kriegführenden Nato Staaten in Jugoslawien wurden damals vor 20 Jahren bekanntlich nicht eingestellt.
Heinrich Frei, am 31. März 2019 um 16:44 Uhr
Ich glaube, Schröder hat es als ein Fehler zugegeben, am Kosovo-Krieg teilgenommen zu haben. Aber vor Kriegen wird immer gelogen. Besonders im Irak war es deutlich. Und führende Politiker, auch in den uUSA, haben die Lüge zugegeben. Übrigens: Oppositionsführerin Angela Merkel hat in einer Rede im deutschen Bundestag heftig FÜR den Irak-Krieg plädiert. Ob sie deshalb im Wahlkampf von der Presse unterstützt wurde?
Gerhard Hampel, am 31. März 2019 um 20:00 Uhr
Ohne dass ich jetzt weitere Recherchen angestellt hätte, fehlt mir in dem Artikel etwas: die Begründung der Nato für den Bombereinsatz. So rein zufällig, nur weil man ein Waffentestgelände suchte, hat man das unbeliebte Serbien ja nicht bombardiert. Könnte es sein, dass da mal wieder ein Täter versucht, auf Opfer zu machen?
Peter Oertel, am 31. März 2019 um 22:49 Uhr
Von 28 EU Mitgliedstaaten sind nur 5 (kleine) Staaten nicht in der NATO. 4 dieser Staaten sind jedoch im NATO PfP. Zypern ist nicht im PfP, strebt aber danach Mitglied zu werden. Die Schweiz ist Mitglied des NATO PfP Bündnis.
Die Schweiz deklariert sich als neutral, als Land mit humanitärer Tradition. Wenn es ohne Opfer oder Nachteile geht, mag man diesem Motto auch folgen. An oberster Stelle steht jedoch der Gewinn, das Business, die Wirtschaft. Der «Umgang» den man dabei pflegt, ist völlig egal und wird wenn nötig von Zeitungen und SRF schön geschwätzt und geschrieben. Die Schweiz pflegt beste Beziehungen zu umliegenden Staaten, die in blutigster Weise das Völkerrecht mit Füssen treten (Deutschland, Frankreich, etc.). Sie bietet Konzernen unterschlupf, die sich ebenso verhalten. Dabei verdient man bestens und unterstützt die Aufrechterhaltung dieser Ideologie als Gastgeberland des WEF.
"Mitgegangen, mitgehangen"! Es ist nicht möglich «saubere Hände» zu behalten, wenn man sich mit solchem Umgang gemein macht. Wo bleibt die Kritik? Wo bleibt die Verweigerung gewisser Geschäfte, gewisser Verträge? Wo bleibt das Engagement auf der Seite solcher Staaten, die einen weiteren Krieg - diesmal in Venezuela - verhindern wollen?
Man muss die Zusammenarbeit mit solchen Verbrecherbanden verweigern! Deshalb bin ich gegen ein Rahmenabkommen mit der EU und werde um Schengen in trouble zu bringen, am 19. Mai ein strategisches JA in die Urne werfen.
Patrick Jetzer, am 01. April 2019 um 09:26 Uhr
Dieser Artikel ist ein einseitiger proserbischer Kommentar. Er hilft zwar, Sichtweisen zu verstehen und zu verstehen, wie ein Angriff von aussen auch zerstrittene Kräfte im Inneren zusammenschweisst, aber den Fokus auf Deutschland zu setzen zeugt von einem tiefen, inneren Hass gegen die Deutschen genauso wie die Kriegsgräuel, die von allen Parteien begangen wurden, nur en passant zu nennen. Fakt ist auch: Das Morden auf dem Balkan wurde durch den Nato-Einsatz gestoppt.

Frage: Wenn Andrej Ivanji auch gegen das damalige serbische Regime kämpfte, wieso konnte er die Nato nicht als Verbündeten betrachten?
Stefan Moser, am 01. April 2019 um 13:37 Uhr
Der Artikel blendet wichtige Tatsachen aus. Das Massaker von Racak ist nicht als Fake News entlarvt, sondern umstritten. Immerhin fanden sich unter den Opfern auch Frauen und alte Männer, was eher gegen die These spricht, dass dort UCK-Kämpfer zu Tode kamen.

Der Schlussatz ist so sicher nicht richtig. Natürlich wurde Milosevic durch die NATO-Bomben zum Einlenken gebracht. Und auch durch die mangelnde Unterstützung Russlands, auf die Milosevic gezählt hatte.
Thomas Neuenschwander, am 02. April 2019 um 20:46 Uhr
Wann genau die systematische Vertreibung der Kosovo-Bewohnerinnen und -bewohner aus ihren Häusern begann, weiss ich nicht mehr. Meiner Erinnerung nach hat jedenfalls der damalige serbische Generalstabschef diese systematische Vertreibung etliche Tage vor dem Nato-Eingriff öffentlich am Fernsehen angekündigt. - Ich war im August 1990 im Kosovo und habe dort ein besetztes und bedrängtes Land vorgefunden. Schon damals war es den Kosovo-Albanern verboten, in ihrer Sprache Schulunterricht zu erhalten oder mit irgendwelchen staatlichen Stellen zu verkehren, und zahlreiche Kosovo-Albaner wurden aus dem Staatsdienst entlassen, weil sie ihr Recht auf ihre Muttersprache nicht aufgeben wollten (später auch einfach weil sie ethnische Albaner waren). Dieses Recht hatten sie bis 1989 besessen, Milosevic hatte es ihnen genommen. Nun kann man, wie das im Balkan (und auch andernorts) oft der Fall ist, nochmals einen Schritt zurückgehen und Misshandlungen und Morde auch dem jeweils anderen vorwerfen, oft zu Recht. Mit solchen Schritten rückwärts landet man bald einmal in der Zeit der osmanischen Eroberung. Es ist eine hoffnungslose Suche, die nach DEM Schuldigen. Jedenfalls ist der Beginn dieser traurigen Geschichte nicht einfach bei der Bombardierung durch die Nato zu suchen.
Kurt Schwob, am 08. April 2019 um 11:58 Uhr

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