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Da kann einem schwindlig werden: Die Guthaben auf den 3a-Konti schwinden und schwinden. © SRF

Das Geschäft mit der 3. Säule

Marco Diener /  Wer mit einem Konto der 3. Säule vorsorgt, macht rückwärts. Denn Banken und Versicherungen zahlen kaum Zins. Obwohl sie könnten.

Was sich die Swiss Life auf ihrer Website leistet, ist fast schon frech. Sie verspricht für ihr 3a-Konto: «Zuverlässige Verzinsung.» Und schreibt dann: «Es gilt aktuell ein Zinssatz von 0,0 Prozent.»

Die Swiss Life ist damit nicht alleine. Auch andere Banken und Versicherungen zahlen nur wenig oder keinen Zins. Bei der Bank Sarasin sind es ebenfalls 0,0 Prozent. Bei der Postfinance und der Aargauischen Kantonalbank immerhin 0,05 Prozent. Bei der UBS, der Luzerner und der Glarner Kantonalbank 0,10 Prozent.

Im Minus

Das ist nichts. Oder besser gesagt: weniger als nichts. Nehmen wir als Beispiel die Postfinance. Wer vor einem Jahr den Maximalbetrag von 7258 Franken einzahlte, kann sich über seither aufgelaufene Zinsen von 3.63 Franken «freuen». Nur hat die Teuerung 72.58 Franken weggefressen. Macht ein Minus von 68.95 in einem Jahr.

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Im Moment zahlt die Caisse d’épargne d’Aubonne im Waadtland den höchsten Zins: 1,00 Prozent. Das klingt in der heutigen Zeit nach viel, ist es aber nicht. Denn die Teuerung frisst im Moment den ganzen Zins weg. Mit anderen Worten: Ein 3a-Konto bei der Caisse d’épargne d’Aubonne ist ein Nullsummenspiel; bei den anderen Geldinstituten ist es ein Minusgeschäft.

Der Blick zurück

Das müsste eigentlich nicht sein, wie ein Blick in die Vergangenheit zeigt. Vor zehn Jahren waren Banken und Versicherungen in der Lage, im Schnitt einen Zins von 0,55 Prozent zu bezahlen, wie ein Dokument von Moneyland zeigt. Und dies mitten in der Negativzinsphase. Der Leitzins der Nationalbank lag damals bei minus 0,75 Prozent. Das heisst: Die 3a-Zinsen lagen damals 1,30 Prozent über dem Leitzins.

Heute liegt der Leitzins bei 0,00 Prozent. Die 3a-Zinsen betragen im Schnitt gerade noch 0,21 Prozent. Das heisst: Die 3a-Zinsen liegen heute nur noch 0,21 Prozent über dem Leitzins.

Aber interessanter ist, was den Leuten, die mit einem 3a-Konto vorsorgen, unter dem Strich bleibt. Denn das ist immer weniger:

  • 1996, vor 30 Jahren also, zahlten die Geldinstitute im Schnitt 4,13 Prozent für Guthaben auf 3a-Konti. Nach Abzug der Teuerung blieben immerhin noch gut 3,33 Prozent.
  • Vor 20 Jahren waren es nach Abzug der Teuerung immerhin noch 0,99 Prozent.
  • Und vor zehn Jahren, in der erwähnten Negativzinsphase, konnten sich die Sparer immerhin noch über ein Plus von 0,55 Prozent freuen.

Bekanntlich zügeln Sparer und Sparerinnen ihr Geld nur ungern von einer Bank zur anderen. Ist ja auch kompliziert. Und genau das nutzen die Banken aus: Sie zahlen kaum Zins und müssen trotzdem nicht fürchten, dass die Kundschaft abwandert.

Dabei könnten Banken und Versicherungen durchaus höhere Zinsen zahlen. Denn die Höhe der Guthaben ist sehr stabil. Und die Geldinstitute können das Geld langfristig anlegen. Die Sparer können ihr Konto nämlich nur unter strengen Bedingungen auflösen: wenn sie Immobilien kaufen oder Hypotheken amortisieren, wenn sie auswandern, wenn sie sich selbständig machen oder wenn sie höchstens fünf Jahre vor der Pensionierung stehen.

Die Rolle der Medien

Erstaunlicherweise haben Banken und Versicherungen auch noch manche Medien auf ihrer Seite. Erst kürzlich brachte das Konsumentenmagazin (!) «Espresso» von Radio SRF einen Beitrag über die mageren Zinsen.

Der Moderator erklärte dem Publikum: «Die niedrigen Zinse sind eine Folge der Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank. Seit Juni 2025 liegt der Leitzins bei 0 Prozent. Und das spüren jetzt mit einem bisschen Verspätung die Säule-3a-Sparerinnen und -Sparer.»

Dass das Unsinn ist, hat Infosperber oben dargelegt. Würden sich die Banken bei der Verzinsung tatsächlich nach dem Leitzins der Nationalbank richten, dann wären die 3a-Zinsen heute höher als vor zehn Jahren und nicht niedriger.

Verlust mit Fonds

Banken und Versicherungen verfolgen im Moment ganz offensichtlich eine Doppelstrategie:

  • Mit ihren Mickerzinsen profitieren sie maximal von Kunden, die sich an ebendiesen Zinsen nicht stören oder die zu träge sind, die Bank zu wechseln.
  • Und den anderen empfehlen sie alternative Anlagen.

Die UBS etwa verspricht: «Bei einem Wertschriftendepot bieten sich höhere Renditechancen. Sie können mehr aus ihrem gesparten Geld herausholen als mit einem tief verzinsten Konto.» Die Postfinance wirbt: «Statt nur zu sparen, investieren Sie in die Finanzmärkte.» Und die Migros-Bank rät: «Holen Sie mehr aus Ihrer Säule 3a heraus!» Und zwar mit «cleveren Investitionen» in Vorsorgefonds.

Clever sind die Investitionen vor allem für die Banken. Die UBS zwackt bei ihren aktiv verwalteten Fonds Gebühren von bis zu 1,71 Prozent ab. Für die Bank ist das hochrentabel. Für die Kundschaft weniger.

Das zeigt sich, wenn man die aktiv und die passiv verwalteten Fonds der UBS vergleicht. Die passiv verwalteten, für die es keine teuren Fonds-Manager braucht, rentierten in den letzten fünf Jahren durchwegs besser als die aktiv verwalteten – nicht zuletzt wegen der niedrigeren Gebühren.

Beim aktiv verwalteten Fonds mit dem Namen «Vitainvest World 25 Sustainable U» brachten es die UBS-Fondsmanager sogar fertig, in fünf Jahren einen Verlust von 3,81 Prozent einzufahren – Teuerung nicht eingerechnet!

Da schnitt sogar das 3a-Konto der UBS noch besser ab.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

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Zum Infosperber-Dossier:

Banken

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