US-Jagdbomber F-35 von Lockheed

Der US-Kampfbomber F-35 des Rüstungskonzerns Lockheed © zvg

Der F-35A ist ungeeignet – SVP drängte auf Bestellung

Albert Stahel /  Warum setzte die SVP so sehr auf den F-35? Wer waren Viola Amherds Influencer? Diese Fragen müsste eine PUK klären.

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Albert Stahel

1986 entschied das Pentagon, für die US-Luftwaffe 750 Mehrzweck-Kampfflugzeuge des Typs F-22 Raptor zu entwickeln und in Dienst zu stellen. Diese Stealth-Kampfflugzeuge (mit Tarnkappen-Fähigkeit) sollten vor allem auf den Stützpunkten in Japan stationiert werden.

In einem Krieg gegen China sollten die F-22 im Luftkampf (Air-to-air combat) die chinesischen Luftstreitkräfte niederringen und anschliessend im Luft-Boden-Einsatz (Air-to-ground combat) deren bodengestützte Luftverteidigung ausschalten.

In den 1990er Jahren setzte aufgrund der gewonnenen Erfahrungen mit dem Projekt F-22 die Entwicklung der F-35 ein. Neben der Air-Force sollten auch die Navy und das Marine-Corps Varianten dieses Typs erhalten. Die Navy F-35C und das Marine-Corps F-35B.

USA mussten sparen

Mit dem Feldzug gegen die Taliban 2001 und dem Angriff gegen den Irak 2003 mussten die USA zwei kostspielige Kriege gleichzeitig finanzieren. Zwecks Einsparungen musste die Zahl der Indienststellung von F-22 oder von F-35 reduziert werden.

Bedingt durch Zusagen an die europäischen Alliierten und der damit verknüpften Verpflichtungen zum F-35-Projekt entschied der damalige Verteidigungsminister der USA, Robert M. Gates, 2009 die Produktion der F-22 auf 187 zu beschränken: «The most significant was probably my decision to cap the F-22 stealth fighter at 187 aircraft.»(1)

Teilweise als Kompensation für die verzögerte Produktion der F-35C und auch als Ausgleich zu gewissen Defiziten der Leistungen (Aktionsradius) beschloss Gates, für die Flugzeugträger eine weitere Anzahl an Kampfflugzeugen F/A-18E/F Super Hornet in Dienst zu stellen: «… buy more F/A-18 fighters to keep the Navy’s carrier wings fully equipped ….»(2)

Dieser Entscheid dürfte dazu geführt haben, dass auch heute noch ein Superträger wie die Gerald R. Ford mit Kampfflugzeugen des Typs F/A-18E/F ausgerüstet ist.

Zu wenig Mehrzweckflugzeuge

Die US-Luftwaffe verfügt heute über eine wachsende Zahl an F-35A (die insbesondere für den Einsatz Air-to-ground konzipiert sind), aber nur über eine kleine Flotte an Mehrzweckflugzeugen (sowohl für Air-to-air- als auch für Air-to-ground-Einsätze).

Dies dürfte mit ein Grund sein, warum die F-15-Flotte der US-Luftwaffe und der Air-National-Guard durch modernere Mehrzweck-Kampfflugzeuge F-15EX Eagle II ergänzt und ersetzt wird.

Weiter ist zu erwähnen, dass trotz der elektronischen Superausrüstungen die F-35A Nachteile aufweisen, so die Geschwindigkeit von Mach 1,6 bei einer maximalen Waffenzuladung sowie der begrenzte Aktionsradius. Des Weiteren verfügen F-35A entgegen der Philosophie der US-Luftwaffe nur über ein Triebwerk, und die Besatzung besteht aus einem Mann. Mehrzweck-Kampfflugzeuge wie die F-22 werden hingegen von einem Piloten und einem Waffenoffizier geführt.

F-47 zum Ausgleich der Defizite

Zum Ausgleich dieser Defizite wird heute mit hoher Priorität das neue Mehrzweck-Kampfflugzeug F-47 der sechsten Generation als Ersatz der F-22 entwickelt. Der F-47 soll sehr bald eingeführt werden.

Bei der US-Navy macht sich auch zunehmend die Beschädigung der für den Stealth-Einsatz entscheidenden Beschichtung der F-35C durch Salzwasser bemerkbar.

Was die Luftwaffe der Schweiz betrifft, so wird diese in absehbarer Zeit – bedingt durch die eskalierenden Kosten – mit einer kleinen Flotte an F-35A ausgerüstet werden. Entgegen dem Ziel des Schutzes des Luftraumes durch Air-to-air-combat-Einsätze wird eine Flotte, die eigentlich für Air-to-ground-Einsätze konzipiert ist, verfügbar sein.

Da stellt sich die Frage nach dem Sinn dieser Flotte für die Schweiz. Gegen welchen Gegner soll sie in einem Ernstfall eingesetzt werden und diesen bombardieren? Wichtig wäre zu wissen, wer im VBS den Entscheid zur Evaluation dieses Flugzeugtyps beeinflusst hat.

Notorische Sympathien für US-Produkte

Welche Funktion hatte die Beamtenschaft der Armasuisse mit ihren notorischen Sympathien für US-Rüstungsprodukte und für lukrative Abkommandierungen in die USA? Haben externe Berater wie frühere Kommandanten der Luftwaffe sowie Parlamentarier mit Piloten-Sympathien die Evaluation, die zu diesem Entscheid geführt hat, beeinflusst? Interessant wäre auch die Antwort auf die Frage, warum sich unter den Parteien vor allem die SVP für den F-35A einsetzt. Dies könnte ein Hinweis auf die Influencer sein.

Was die ehemalige Bundesrätin Viola Amherd betrifft, so dürfte sie als Luftwaffen-Novizin durch einen Kreis von Influencern regelrecht geführt worden sein.

Alle diese Aspekte müssten durch eine Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) abgeklärt werden. Dazu gehört auch die bisher durch die Armasuisse verhinderte Einsichtnahme in die Unterlagen der unklaren Evaluation.

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1 Gates, R.M., Duty, Memoirs of a Secretary at War, WH Allen, New York, 2014, S. 318
2 Gates, R.M., S. 318

Weiterführende Informationen


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine. Der Professor, Sicherheitsexperte und SVP-Politiker Albert Stahel war langjähriger Dozent für Strategische Studien an der Universität Zürich.
Dieser Artikel erschien zuerst auf «Inside Paradeplatz».
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