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Patientinnen und Patienten wissen meist nicht, ob Medikamente PFAS enthalten. Ärztinnen und Ärzte sollten die Wahl haben, ob sie Medikamente mit oder ohne PFAS verschreiben möchten. © cc-by Marco Verch, CCNull

PFAS in Medikamenten müssen nicht sein

Daniela Gschweng /  Ewigkeitschemikalien in Arzneimitteln lassen sich ersetzen, Ärzte könnten bevorzugt Alternativen verschreiben.

Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, besser bekannt als PFAS, finden sich überall. Auch in Medikamenten. PFAS in Medikamenten sind von gesetzlichen Einschränkungen ausgenommen und gelten als «essenzielle» Anwendung. Die gute Nachricht: Die meisten lassen sich ersetzen.

Ein internationales Team der Universität Freiburg im Breisgau hat sich im Auftrag des deutschen Umweltbundesamts auf die Suche nach PFAS in Arzneimittelstoffen gemacht und 111 davon gefunden. 97 davon (87 Prozent) lassen sich durch PFAS-freie Substanzen ersetzen. Für fast alle anderen befänden sich Alternativen in Entwicklung, schreiben die Autorinnen und Autoren. In Deutschland seien 70 PFAS-haltige Wirkstoffe zugelassen, für die es 61 PFAS-freie Alternativen gebe.

«Ein eindeutiger Hinweis darauf, dass eine Per- beziehungsweise Polyfluorierung aus pharmakologischer Sicht nicht zwingend erforderlich ist», sagt Michael Müller, Professor am Institut für Pharmazeutische Wissenschaften der Universität Freiburg gegenüber «Öko-Test».

Vorläufer einer Substanz, die der Fortpflanzung schadet

Die Autorinnen und Autoren betonen, dass ihr Gutachten niemanden dazu bewegen soll, Medikamente abzusetzen. Im Vordergrund steht der therapeutische Nutzen. Insgesamt ist die PFAS-Belastung durch Medikamente eher gering. Da die Bevölkerung aber weiter altert, nimmt aber auch der durchschnittliche Medikamentenkonsum zu.

Die Umweltbelastung durch PFAS, die als Wirkstoffe, Hilfsstoffe, Stabilisatoren oder in der Produktion von Medikamenten verwendet werden, kann jedoch erheblich sein und summiert sich. Von den 111 pharmakologisch wirksamen Bestandteilen (Active Pharmaceutical Ingredients, APIs), die das Gutachten bewertet, seien 84 Prozent potenzielle Vorläufer von Trifluoracetat oder TFA, einem PFAS, das gerade als fortpflanzungsschädigend eingestuft wurde (Infosperber: «Trifluoracetat (TFA) als fortpflanzungsschädigend eingestuft»). Sie verteilten sich über alle Bereiche und alle Indikationen.

Folgende Medikamentengruppen können PFAS enthalten:

  • Antidepressiva und Psychopharmaka enthalten zum Beispiel das PFAS Fluoxetin.
  • Antibiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone wie Ciprofloxacin. Ciprofloxacin enthält ein Fluoratom, gilt aber nicht in allen Definitionen als PFAS.
  • Aerosole und Asthmasprays nutzen teilweise fluorierte Gase als Treibmittel.
  • Cholesterinsenker (Statine)
  • Krebsmedikamente
  • Säureblocker
  • Augentropfen
  • Narkosegase wie Isofluran, Sevofluran und Desfluran. Bei diesen spielt auch ihre zum Teil ausserordentlich grosse Klimawirkung eine Rolle. Desfluran wird deshalb immer seltener verwendet.

Diese Aufzählung ist nicht erschöpfend. Swissmedic, das für die Zulassung von Medikamenten in der Schweiz zuständig ist, publiziert derzeit keine Liste von Arzneimitteln mit PFAS. Das teilte das Schweizerische Heilmittelinstitut auf Nachfrage von «Infosperber» mit und verwies auf die Packungsbeilage. Patientinnen und Patienten hätten ausserdem die Möglichkeit, die entsprechende Information bei der Schweizer Zulassungsinhaberin anzufordern.

Ärztinnen und Ärzte könnten sich in Zukunft für umweltfreundlichere PFAS-freie Medikamente entscheiden, wenn der therapeutische Nutzen das erlaubt. Dazu müssen sie wissen, welche Medikamente PFAS enthalten. Das Umweltbundesamt arbeitet dazu an einem «Arzneimittelindex Umwelt», der Ärztinnen und Apothekern Orientierung bieten soll. Für Laien ist es wenigstens zeitaufwendig wenn nicht direkt schwierig, herauszufinden, ob ein Medikament PFAS enthält oder TFA abspalten kann.

PFAS werden im Pharmabereich nicht nur als Wirk-, sondern auch als Hilfsstoffe eingesetzt. Sie sorgen für die Stabilität und Verteilung der Wirkstoffe im Körper. Für den erwünschten medizinischen Effekt sind sie oft gar nicht verantwortlich. PFAS finden sich zudem in Verpackungen, werden in der Produktion eingesetzt oder sind Teil von Produktionsanlagen wie Ventilen oder Schläuchen.


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