Die meisten Wärmepumpen können Häuser auch kühlen
Ob Wärmepumpen mit Luft, Wasser oder Erdsonden betrieben werden, ist egal. Im Sommer können oder könnten die meisten auch kühlen. Einzige Bedingung: Das Haus oder die Wohnungen sollten eine Bodenheizung haben und keine Radiatoren.
Schliesslich sind Wärmepumpen auch für Kühlschränke im Einsatz. In beiden Fällen wird mit Hilfe von Strom Wärme aus einem Bereich entzogen und in einen anderen Bereich abgegeben. Beim Kühlschrank wird Wärme mit einem Kompressor aus dem Innern entzogen und über die Rückseite an die Küche abgegeben. Die Küche wird also minimal erwärmt, während es im Kühlschrank kalt bleibt.
Umgekehrt nimmt eine Haus-Wärmepumpe Wärme aus der Umgebung auf (Luft, Erdreich oder Wasser) und pumpt sie ins Haus, sodass es im Haus warm wird und die Umgebung minimal abgekühlt wird.
Passive und aktive Kühlung
Man unterscheidet zwischen einer aktiven und einer passiven Kühlung.
Bei der aktiven Kühlung funktioniert die Anlage mit der Wärmepumpe wie ein Kühlschrank. Sie führt die warme, verbrauchte Luft von innen nach aussen und holt mit der Flüssigkeit in den Rohren kältere Temperaturen ins Haus. Bereits mit wenig Stromverbrauch kann man die Innentemperatur um 3 bis 6 Grad senken.
Für eine aktive Kühlung braucht eine Wärmepumpe für ein Einfamilienhaus etwa 2 bis 6 Kilowattstunden Strom pro Tag, je nach Gebäude, Wetter und gewünschter Temperaturabsenkung. Luft/Wasser-Wärmepumpen brauchen bei hohen Aussentemperaturen mehr Strom als Grundwasser-Wärmepumpen.
Doch Sommerstrom für den Eigenverbrauch produziert eine eigene Photovoltaik-Anlage praktisch gratis. Die Elektrizitätsunternehmen zahlen für die Einspeisung von Tagesstrom im Sommer fast nichts mehr.
Bei der passiven Kühlung läuft die Wärmepumpe selber nicht, sondern nur die Umwälzpumpe. Deshalb ist der Energieverbrauch deutlich geringer. Die Pumpe hält lediglich den Kreislauf der Rohrflüssigkeit mit dem Erdreich oder dem Grund-, Fluss- oder Seewasser in Gang. Dort gibt die Flüssigkeit Wärme aus dem Haus ab und kommt etwas kühler zurück. Allerdings ist die passive Kühlung weniger effizient als die aktive.
Aufpreis zwischen 0 und 3000 Franken
Die Wärmepumpen zum aktiven Heizen im Sommer müssen lediglich über eine Umkehrfunktion verfügen. «Eine Wärmepumpe heizt primär, ein Klimagerät kühlt primär. Aber das zugrunde liegende Prinzip ist das gleiche. Deswegen kann man, – wenn man den Kältekreislauf umkehrt –, mit einer Wärmepumpe kühlen», erklärte Tim Gessler, Redakteur der Fachzeitschrift «SBZ Sanitär.Heizung.Klima». Wärme wird der Innenluft des Hauses oder der Wohnung entzogen und nach aussen geleitet. Die Wärmepumpe funktioniert quasi wie eine Klimaanlage.
Der Aufpreis für eine reversible Wärmepumpe ist gering, wenn sie mit Luft oder Wasser läuft. Das Haustechnik-Unternehmen Meier-Tobler erklärte Infosperber, für neue Wärmepumpenmodelle mit zusätzlichen Ventilen, die auch aktiv kühlen können, «keinen Aufpreis» zu verlangen. Die Doppelfunktion sei heute Standard.
Nur reversible Anlagen mit Erdsonden würden etwa 3000 Franken mehr kosten, weil es einen zusätzlichen Plattenwärmetauscher und eine zusätzliche Pumpe brauche. Dafür geben diese im Sommer Wärme ins Erdreich ab, die dann im Winter nützlich ist.
Auch eine Nachrüstung bestehender Wärmepumpen ist möglich. Man kann bestehende Heizungsanlagen hydraulisch und regelungstechnisch so anpassen, dass ein Kühlbetrieb möglich ist.
Nachholbedarf bei bestehenden Häusern
Das Grosshandels-Unternehmen Meier-Tobler installiert Wärmepumpen nicht selbst. Nach seinen Angaben werden heute nur noch wenige Modelle von Wärmepumpen verkauft, die nicht auch aktiv kühlen können – egal, ob es sich um Neubauten oder bestehende Häuser mit Fussbodenheizung handelt.
Etwas andere Angaben macht das Solothurner Unternehmen Helion Energy, das Wärmepumpen vor allem in bestehenden Häusern selber installiert: Im Jahr 2025 waren es mehr als 400 Anlagen, davon 90 Prozent in Einfamilienhäusern und nur rund 10 Prozent in Mehrfamilienhäusern mit Wohnungen. In allen diesen Häusern und Wohnungen mit Fussbodenheizung hat Helion Energy nach eigenen Angaben Wärmepumpen-Anlagen installiert, von denen nur eine von zehn auch aktiv kühlen kann.
Als Grund für den schwachen Absatz von Wärmepumpen mit Umkehrfunktion nennt Helion Energy die Zurückhaltung der Hausbesitzer: Die Kühlung der Raumtemperatur um 2 bis 3 Grad sei vielen zu wenig: «Nicht alle sehen den Nutzen als ausreichend gross.»
Zu wenige Hausbesitzer denken offensichtlich auch an den Sommer, wenn sie eine Wärmepumpen-Anlage für den Winter kaufen. Jedenfalls wird bei Sanierungen von bestehenden Häusern mit Fussbodenheizung in der Schweiz deutlich seltener eine Wärmepumpe mit aktiver Kühlfunktion installiert als eine reine Heiz‑Wärmepumpe. Eine gesamtschweizerische Statistik dazu ist allerdings nicht verfügbar.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
_____________________
➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren SPENDEN möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.
Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:
_____________________
Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.








Ihre Meinung
Lade Eingabefeld...