China und Indien: Mehr Strom ohne Kohle und Öl
Die Welt braucht Strom, immer mehr davon. Besonders grossen Energiehunger haben E-Fahrzeuge und Rechenzentren, berichtete die Internationale Energieagentur (IEA) Ende April in einem Report zur globalen Energiewirtschaft. Der weltweite Strombedarf sei 2025 langsamer gewachsen als 2024, aber noch immer um 1,3 Prozent.
Die fossilfreien Energien spielen dabei eine immer grössere Rolle. Drei Fünftel des Wachstums hätten erneuerbare Energiequellen und Kernkraft aufgefangen, ein Viertel allein Solarkraftwerke. Der Thinktank Ember macht in einer ähnlichen Analyse den wachsenden Strombedarf im vergangenen Jahr bei plus 2,8 Prozent und 849 Terawattstunden fest. Davon habe Solarenergie 75 Prozent abgedeckt. Ember hat dafür Daten aus 91 Ländern ausgewertet, die nach eigenen Angaben 93 Prozent des weltweiten Bedarfs ausmachen.
China senkt Kohlestromanteil – trotz Kraftwerksausbau
Erneuerbare Energien deckten laut Ember 2025 erstmals mehr als ein Drittel des globalen Energiebedarfs. Sie haben damit Kohle als Energiequelle knapp überholt – ein Meilenstein. Laut IEA haben beide den gleichen Anteil am globalen Strommix.
Wesentliche Treiber dieser Entwicklung waren China und Indien. Trotz anhaltenden Wirtschaftswachstums verzeichneten sie nur einen minimal höheren oder sogar rückläufigen Bedarf an Kohle und Öl. Beide Länder treiben den Ausbau erneuerbarer Energien seit Jahren voran.
China, das mehr Kohle verbraucht als der Rest der Welt zusammen, senkte den Anteil des Kohlestroms im Land um 1,5 Prozent (IEA). Ember stellt heraus, dass der Anteil des aus fossilen Rohstoffen generierten Stroms in China um 0,9 Prozent fiel, obwohl die Weltwirtschaft im gleichen Zeitraum wuchs.
Überraschend daran: 2025 hatte China Kohlekraftwerke mit rund 80 Gigawatt Leistung ans Netz genommen, so viel wie zuletzt 2016. Laut IEA vor allem, um Bedarfsspitzen abzufedern. Doch der Ausbau im Bereich der Erneuerbaren ist deutlich grösser und hält an. 2025 installierte China nach IEA-Zahlen 315 Gigawatt Solarkapazität (Ember: 378 Gigawatt) und 119 Gigawatt Windkraftkapazität (beide).
Chinesische Abkehr von Kohle hat strukturelle Gründe
Hauptgrund ist der nachlassende Immobilienboom in China. Die Stahl- und Zementindustrie Chinas verbraucht weniger Kohle. Das spricht dafür, dass der Rückgang von Dauer sein könnte. Mehr Kohle benötigte China jedoch in der chemischen Industrie und zur Herstellung von Plastik.
Auch Öl lief 2025 nicht gut. Trotz stetig fallender Erdölpreise während des Jahres 2025 konnten von den Erdölprodukten in China nur noch Flugzeugtreibstoffe zulegen. Das Land hat zudem grössere Ölreserven angelegt, um von den globalen Märkten unabhängiger zu werden; die Nachfrage dürfte überschaubar bleiben.
In Indien Glück, in China nach Plan?
Indien hatte ausser Solarpaneelen 2025 auch Glück mit dem Wetter – die früh einsetzende und lange Monsunsaison reduzierte den Energiebedarf für Kühlanlagen erheblich. Viel Regen generierte zudem viel Wasserkraft.
In China nach Plan, in Indien mehr göttliche Fügung? Nicht ganz: Auch Indien hat massiv in Erneuerbare investiert. Und der Ölverbrauch im Land ist nach dem Ember-Bericht 2025 lediglich um 0,6 Prozent gewachsen. Vor allem deshalb, weil 2025 deutlich mehr Biotreibstoff getankt wurde, dessen Produktion die indische Regierung unterstützt.
Die einstige Kohlenation Indien ist laut «Utopia» inzwischen der drittgrösste Markt für erneuerbare Energien. Von April 2025 bis März 2026 baute das Land demnach 45 Gigawatt Solar- und 6 Gigawatt Windkraftkapazität zu.

Weltweit erstmals mehr als ein Drittel Erneuerbare
Mit einzelnen Ausnahmen und weniger ausgeprägt zeigt sich weltweit das gleiche Bild: Der Verbrauch fossiler Rohstoffe nahm im vergangenen Jahr nur wenig zu. Die Energieproduktion aus Fossilen sank um 0,2 Prozent. Erneuerbare Energien hatten erstmals seit mehr als 100 Jahren einen Anteil von mehr als einem Drittel am globalen Strommix. Inzwischen haben sämtliche OECD-Länder den Höhepunkt der fossilen Stromproduktion («Peak Carbon») überschritten. Der Anteil fossiler Energien am Energiemix der OECD insgesamt fällt bereits seit 2007.
Der Ölbedarf wuchs 2025 etwas langsamer als 2024 – laut IEA vor allem ein Resultat der wachsenden E-Mobilität, die den Bedarf im Strassenverkehr bremst. E-Fahrzeuge machen mittlerweile ein Viertel aller Neuwagen aus.
Die Welt verbrauchte ausserdem nur 0,4 Prozent mehr Kohle als 2024. Mit Ausnahme der USA, die Kohle vermehrt zur Stromproduktion einsetzten. Laut IEA trieb das den US-Verbrauch um 10 Prozent in die Höhe.
Der Gasverbrauch stieg trotz des kalten Winters in Europa nur um ein Prozent und damit weniger als 2024 (2,8 Prozent).
Das Zeitalter der Elektrizität
Dazu kommt der Siegeszug der Batteriespeicher, laut IEA die derzeit am schnellsten wachsende Energietechnologie, die zudem rasch günstiger wird. Einer der grössten Unsicherheitsfaktoren von Wind- und Solarenergie fällt damit zunehmend weg. Wenn nachts der Wind nicht weht, stellen Batteriespeicher Energie zur Verfügung.
Ember sieht sogar ein neues Zeitalter gekommen. «Wir kommen aus einer Phase der letzten Jahrzehnte, in der neues Wachstum der Stromnachfrage gleichbedeutend mit Wachstum bei der Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen war», sagte der leitende Datenanalyst bei Ember, Nicolas Fulghum, zur deutschen «Tagesschau». «Wir bewegen uns nun in eine Welt, in der das nicht mehr der Fall ist.»
Ein Jahr ist womöglich zu wenig, um das sicher sagen zu können. Der Verbrauch von Kohle, Öl und Gas könnte aber beginnen, sich vom Energiebedarf zu entkoppeln. Ein sehr positives Zeichen für die Entwicklung klimafreundlicher Energien, auch wenn diese in den Augen vieler Beobachter deutlich schneller gehen könnte.

Führend beim Ausbau von Batteriespeichern ist einmal mehr China, das seine Batteriekapazitäten 2025 deutlich ausbaute – deutlich mehr als die USA, die ebenfalls viele Batteriespeicher installierten. Gebraucht werden Batteriespeicher zunehmend auch als Sicherheitmassnahme in Rechnenzentren. Sie sollen dort Stromausfälle für einen kurzen Zeitraum überbrücken. Insgesamt seien Rechenzentren neben E-Fahrzeugen auch einer der Haupttreiber für den steigenden Strombedarf, resümiert der Bericht der IEA.
Der Thinktank Ember hebt eher den Bedeutungsverlust der Kohleverstromung in allen beobachteten Ländern hervor sowie das rapide Wachstum der Solarparks. Die einzige Weltregion, in der Kohle noch immer eine grosse Rolle spiele, sei Asien.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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