Terroranschlag auf Nord-Stream-Pipelines: Es war die Ukraine

«Die Zerstörung der Nord-Stream-Pipelines ist der grösste Sabotageakt der modernen Geschichte», erklärt «Wall-Street-Journal»-Journalist Bojan Pancevski in seinem Buch «Die Nord-Stream-Sprengung – die wahre Geschichte, die Europa erschütterte». Der Anschlag auf drei der vier Leitungen der Pipelines Nord-Stream-1 und Nord-Stream-2 erfolgte am 26. September 2022.
Über die Enthüllungen Pancevskis haben bisher in der Schweiz nur die «Weltwoche», «nau.ch» und – ausführlich mit einem Pancevski-Interview – die «NZZ» berichtet. Es besteht kein Zweifel mehr, dass eine ukrainische Spezialeinheit die Segeljacht Andromeda für den Anschlag gemietet hatte. Zivile Taucher brachten den Sprengstoff in 80 Metern Tiefe an den Leitungen an.
Ermittler der deutschen Bundespolizei konnten die Route des Schiffs bis ins kleinste Detail recherchieren. Mit einer akribischen Auswertung von Überwachungskameras konnten sie ein ukrainisches Fahrzeug, das zum Hafen fuhr, sowie sogar einen der Insassen identifizieren. Unterdessen haben sie gegen sieben Tatverdächtige Haftbefehle ausgestellt. Einer von ihnen sitzt in Deutschland in Untersuchungshaft, einer ist unterdessen gestorben und die übrigen liefert die Ukraine nicht aus. Sie gelten dort als Helden.

Nach den Informationen von Pancevski waren sowohl Selensky als auch Präsident Biden über den Sabotage-Plan informiert. Die USA behaupten, sich gegen den Plan ausgesprochen zu haben.
Sollte die Bundesanwaltschaft gegen den festgenommenen Ukrainer Klage erheben und es in Hamburg zu einem Prozess kommen, kann es für die deutsche Regierung, welche die Ukraine im Krieg massiv unterstützt, ungemütlich werden. Der Beschuldigte wird argumentieren, im Auftrag des Staates gehandelt zu haben.
Geheimdienste prangerten Russland an – Medien folgten
Obwohl Russland am Zerstören der Pipelines das geringste Interesse hatte, verbreiteten westliche Geheimdienste, Regierungsvertreter und Think-Tanks sogleich den Verdacht, hinter dem Terrorakt stehe Russland beziehungsweise Putin. Es passte zur gegenseitigen Kriegspropaganda.
Medien hatten diese faktenfreien Schuldzuweisungen verbreitet.
Am 27. September 2022 zitierte «Blick» Aussagen des polnischen Vize-Aussenminister Marcin Przydacz: «Leider verfolgt unser östlicher Nachbar ständig eine aggressive Politik. Wenn er zu einer aggressiven militärischen Politik in der Ukraine fähig ist, ist es offensichtlich, dass keine Provokationen ausgeschlossen werden können, auch nicht in Regionen, die in Westeuropa liegen.»
Ebenfalls am 27. September 2022 titelte die «NZZ» auf der Frontseite:
«Dänische Regierung geht bei Ostseepipelines von Sabotage aus Russland aus.»
Die Zeitung fragte weder nach der Quelle noch nach Beweis-Dokumenten.
Am 30. September verbreitete die Online-Zeitung «Republik» die Aussage «britischer Sicherheitskräfte», Russland habe die Pipelines bereits beim Bau verminen lassen.
Am 28. September zitierten Tamedia-Zeitungen wie «Tages-Anzeiger», «Der Bund» usw. einen nicht genannten «norwegische Militärexperten» und titelten auf den Frontseiten:
«Der Westen wirft Russland Sabotage vor.»
Dann weiter: «Der Westen hat Russland für die Lecks in den Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee verantwortlich gemacht. ‹Lecks an drei Orten, die so weit voneinander entfernt liegen, können nur die Folge von Sabotage sein›, erklärte ein norwegischer Militärexperte.»
Am 1. Oktober schrieb «Tages-Anzeiger»-Redaktor Stephan Israel in einem Leitartikel für die Tamedia-Zeitungen, Wladimir Putin sei der «Hauptverdächtige». Eine Quelle oder einen Beleg nannte Israel nicht. Es gehöre zur russischen Desinformationspolitik, dies abzustreiten. Der Leitartikel hob als Schlagzeile heraus: «Der Angriff auf die Nord-Stream-Pipelines ist auch eine indirekte Kriegserklärung an den Westen.»
Am 2. Oktober schrieb Auslandredaktor Markus Bernath in der «NZZ am Sonntag»:
«Der offenkundige Sprengstoffanschlag auf die Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee könnte von einer Spezialeinheit des russischen Militärs ausgeführt worden sein […] Der Anschlag auf die Nord-Stream-Pipelines – schreibt man ihn den Russen zu – hat noch eine andere, gefährlichere Botschaft: Moskau droht dem Westen damit indirekt weitere Sabotageakte gegen essenzielle Bereiche der Infrastruktur an. Datenleitungen oder andere Pipelines am Meeresboden, Bohrinseln im Meer, Cyberangriffe auf Windenergieanlagen. Vieles ist vorstellbar, vieles sehr verwundbar.»
Die «Sonntags-Zeitung» berief sich ebenfalls am 2. Oktober auf den ehemaligen Chef des deutschen Nachrichtendienstes BND sowie auf die Denkfabrik Rand Corporation, um die These zu unterstützen, dass wahrscheinlich Russland die Anschläge verübte. Die Rand Corporation arbeitet in den USA für das Militär.
Und am 5. Oktober der «Tages-Anzeiger» mit dem Titel:

Am 23. Oktober stellte «Infosperber» fest: «Die Geheimnistuerei der Bundesregierung leistet wilden Spekulationen Vorschub und verunmöglicht eine gründliche Aufklärung und Information der Bevölkerung zu einem derart sensiblen Thema im Kontext des Krieges von Russland gegen die Ukraine.»
Ein paar Monate später, im Februar 2023, schrieb «Infosperber», die meisten Indizien würden unterdessen für einen Terrorakt der USA sprechen. Präsident Biden hatte drei Wochen vor dem Anschlag angekündigt: «Wenn Russland einmarschiert, wird es kein Nord Stream 2 mehr geben, wir werden dem Projekt ein Ende setzen.» Als eine Reporterin fragte, wie genau er das zu tun gedenke, da das Projekt vor allem unter deutscher Kontrolle stehe, sagte Biden nur: «Ich verspreche, dass wir in der Lage sein werden, es zu tun.»
Infosperber zitierte auch Aussagen des US-Journalisten Seymour Hersh, wonach die USA verhindern wollten, dass Deutschland die Pipelines nutzen konnte.
Im Juli 2023 informierte «Infosperber» über neue Indizien. Der frühere schwedische Boeing-Ingenieur Eric Andersson habe versucht, die Sprengung zu rekonstruieren: Es sei nur wenig Sprengstoff nötig gewesen. Es sei möglich, dass ein kleines Team mit wenigen Tauchern an den Pipelines Sprengstoff angebracht haben.
«Infosperber» weiter: «Das passt auf die Segeljacht Andromeda, die zwei Ukrainern gehört und von einer polnischen Firma in Warnemünde gemietet wurde. Die Jacht hat sich nur wenige Tage vor der Explosion am Tatort aufgehalten. Deutsche Ermittler fanden verschiedene Indizien wie Sprengstoffspuren an Bord. Mehrere der sechs Insassen nutzten zudem falsche Pässe.»
Vom Terroranschlag auf die Nord-Stream-Pipelines am meisten profitiert hat die Ukraine. Doch nur wenige hatten der Ukraine diesen Anschlag ohne fremde Unterstützung zugetraut. Allerdings sollten die Medien, die mit Schlagzeilen Spekulationen verbreitet hatten, jetzt über die Tatsachen informieren.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
_____________________
➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren SPENDEN möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.
Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:
_____________________
Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.










Ihre Meinung
Lade Eingabefeld...