Kindle E-Reader

Amazon hängt ältere Kindle-Modelle am 20. Mai ab. © Amazon

Kindle-Nutzer empört: Viele Geräte werden nutzlos

Esther Diener-Morscher /  Alte Kindle-Lesegeräte verlieren den Zugang zu Amazons Online-Bibliothek. Ein Fachmann rechnet mit Hunderten Tonnen Elektroschrott.

«Mein Kindle funktioniert einwandfrei. Und plötzlich soll er zu alt sein?»: So wie diese Nutzerin reagierten in den letzten Tagen viele Besitzer eines elektronischen Lesegeräts von Kindle.

Der Grund: Amazon kappt am 20. Mai bei allen älteren Kindle-Modellen die Verbindung zu den Amazon-Diensten. Das bedeutet: Ab diesem Datum lassen sich auf allen Kindles, die 14 oder mehr Jahre alt sind, nur noch jene E-Books darstellen und lesen, die im Speicher des Geräts vorhanden sind. Wird das Gerät abgemeldet oder auf die Werkseinstellungen zurückgesetzt, verschwinden auch die gespeicherten Bücher auf Nimmerwiedersehen, und das Gerät lässt sich endgültig nicht mehr verwenden.

Gekauft aus ökologischen Gründen

Das Vorgehen von Amazon stösst auf Unverständnis. Viele Leser und Leserinnen haben sich einst ein Kindle-Gerät angeschafft, weil sie damit die aufwändige Herstellung von gedruckten Büchern ersetzen wollten – und nicht, weil sie fasziniert waren von neuster Technik.

Diesen Leserinnen und Lesern bringt es wenig, dass moderne Geräte mehr Speicher haben, schneller reagieren und kontrastreicher darstellen können. Denn auch die alten Kindles erfüllten ihre Aufgabe bisher problemlos – oder je nach Vorliebe sogar besser. Denn die alten Kindles lassen sich noch über Tasten bedienen, statt über einen Touch­-Screen.

Amazon hat Kunden in der Hand

Doch Amazon will keine Kunden und Kundinnen mehr, die ihrem alten Gerät noch länger treu bleiben wollen. Das Unternehmen spart sich künftig den Aufwand, die Software den alten Geräten anzupassen.

Dabei wäre dieser Aufwand gering. Ein enttäuschter Kindle-Besitzer schrieb auf «X»: «Ein Kindle ist wahrscheinlich eines der einfachsten technischen Geräte, die je produziert wurden. Warum also gibt es keine Unterstützung mehr? Warum wird man grundlos zu neuen Geräten gezwungen? Ein Kindle ist ein Text-Gerät. Es braucht keine Updates. Text ist Text!»

Trotzdem zwingt Amazon die treuen Nutzerinnen und Nutzer nun dazu, ihren alten Kindle zu entsorgen und einen neuen zu kaufen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Amazon ältere Geräte ihrer Funktion beraubt. Das Unternehmen hat auch den Fire-TV-Blaster, einen Infrarot-Sender für Alexa-Lautsprecher, aus der Ferne abgeschaltet.

Das ist aus ökologischer Sicht völlig unsinnig. Ugo Vallauri ist Co-Direktor des britischen «Restart-Projekts», das die Reparatur von Elektronik fördert. Gegenüber BBC kritisierte er, dass die bessere Leistung von neuen Geräten kein guter Grund dafür sei, Millionen von immer noch funktionierenden Geräten nicht mehr zu unterstützen.

Vallauri sagte, dass laut Amazon die Änderung drei Prozent der derzeitigen Benutzer betreffe. Das könnten schätzungsweise zwei Millionen Geräte sein, die nun plötzlich veraltet sein sollen und möglicherweise über 624 Tonnen Elektroschrott erzeugen.

Doch das ist noch nicht alles. Eine Kindle-Nutzerin, die ihr Gerät trotz einwandfreier Funktion nicht mehr brauchen kann, bestellte sich widerstrebend bei Amazon ein neues samt Hülle. Der Kindle kam einige Tage später per Post, die Hülle drei Tage danach – mit einem Planzer-Lastwagen.

Das können Kindle-Besitzer nun tun:

Die Nutzer und Nutzerinnen der nicht mehr unterstützten Kindle-Lesegeräte haben vier Möglichkeiten:

1. Sie brauchen den Kindle noch möglichst lange weiter. Dann müssen sie vor dem 20. Mai möglichst viele Bücher auf den E-Reader laden, die sie noch lesen möchten.

2. Sie kaufen einen neuen Kindle. Amazon bietet Besitzern eines alten Geräts als Entschädigung 20 Prozent Rabatt auf ein neues Gerät an.

3. Sie kaufen einen E-Reader der Konkurrenz. Die E-Reader von Amazon-Konkurrenten wie Pocketbook oder Tolino haben den Vorteil, dass sie nicht auf einen einzigen Buchladen festgelegt sind. Es lassen sich alle E-Books im sogenannten Epub-Format laden und lesen – auch E-Books von öffentlichen Bibliotheken. Der Nachteil: Die Amazon-Bibliothek des alten Kindles kann man bei einem Systemwechsel nicht mitnehmen.

4. Sie lesen die erworbenen E-Books aus der Amazon-Bibliothek ohne Reader auf der Kindle-App oder im Browser auf einem Smartphone, Tablet oder Computer. Allerdings fehlt beim Lesen auf diesen Geräten dann das kontraststarke, blendfreie, papierähnliche E-Paper-Display – also der Hauptgrund, warum sich viele Menschen überhaupt einen E-Reader kaufen.

Diese Modelle sind betroffen

Folgende Kindle-Produkte funktionieren ab 20. Mai nicht mehr:

  • Kindle 1 bis 5 (Baujahr 2007 bis 2012)
  • Kindle DX und DX Graphite (2009 und 2010)
  • Kindle Keyboard (2010)
  • Kindle Touch (2011)
  • Kindle Paperwhite 1 (2012)

Auch Tablets der Kindle-Fire-Serie werden nicht mehr unterstützt: Kindle Fire (2011/2012), Kindle Fire HD 7 (2012) und Kindle Fire HD 8.9 (2012). Solche Tablets sind allerdings kaum mehr in Gebrauch.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

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4 Meinungen

  • am 24.04.2026 um 11:40 Uhr
    Permalink

    Als bei Einführung der Reader und E-Books noch aktiver Inhaberin einer Buchhandlung, habe ich diese Entwicklung befürchtet.

    EIN EINMAL GEKAUFTES BUCH BEHÄLT SEINEN WERT UND SEINE BESTÄNDIGKEIT.

    Leider ist durch den Umstieg vieler Leute auf E-Books das Angebot an NORMALEN BÜCHERN – insbesondere Taschenbüchern – verkleinert worden.
    Nachdem nun das Buchangebot ausgedünnt worden ist, werden jetzt die E-Books, welche zum Einstieg extrem günstig abgegeben wurden ( «als Umstiegsdroge»), im Preis etwa verdoppelt.

    Zudem läuft durch die neuen Konsumgewohnheiten – und trotz vieler Literaturpreise – die Entwicklung ein bisschen weg vom guten Buch in Richtung eher trivialer Literatur.

    Wie sich das alles auf die Entwicklung und Preise der Buch-Branche auswirkt ist noch ungewiss.

  • am 25.04.2026 um 16:57 Uhr
    Permalink

    Auch Apple Produkte werden von Apple aus dem Betrieb genommen!

  • am 26.04.2026 um 07:41 Uhr
    Permalink

    Woher die Überraschung? Die Entwicklung des Kindle war, eine Fehlentwicklung. Zumindest aus Sicht der Investoren. Es ist geschäftsschädigend. Versuchen die Welt zu retten (z.b durch den Kauf eins Kindle mit den wirklich zutreffenden Argumenten) ist naiv. Daran haben die Mächtigen kein Interesse und der kleine nichts zu sagen.
    Es geht nicht über das echte Buch. Mit echten Seiten. Uns wurde vor 15 Jahren gesagt, Bibliotheken seien tot. Gemessen an Ausleihzahlen und Benutzern wachsen sie immer noch. Mit physischen Büchern (auch wenn das Angebot natürlich durch elektronische Medien erweitert wurde).

  • am 26.04.2026 um 17:10 Uhr
    Permalink

    Der Grund für die Abschaltung ist, dass mit den alten Geräten der Kopierschutz der Bücher umgangen werden kann, war auch rege gemacht wird. Aber 14 Jahre sind in der IT eine lange Zeit, da darf man sich schon mal ein neues Gerät leisten.

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