Milliardenpleite der Stromer endlich untersuchen

Kurt Marti © ktm
Kurt Marti / 17. Apr 2015 - Zuerst machten die Strombarone Milliardengewinne und dann Milliardenverluste. Höchste Zeit für eine unabhängige Untersuchung.

Es ist wirklich ein unverschämtes Theater, das die Strombranche zur Zeit aufführt: Nachdem ihre Vertreter energisch bei der ständerätlichen Energiekommission UREK lobbyiert hatten, waren die UREK-Mitglieder Anfang April plötzlich der «Überzeugung», dass sie «über die Unterstützung der bestehenden Wasserkraftwerke» nachdenken müssen und «weitergehende Fördermodelle» prüfen wollen.

Bereits im letzten Jahr waren die Stromlobbyisten erfolgreich: Die eidgenössischen Räte machten 600 Millionen Franken für neue Wasserkraftwerke locker. Jetzt soll der Subventionsregen auch auf die bestehenden Wasserkraftwerke niedergehen. Orchestriert wird das Wunschkonzert von den Parlamentariern der Stromlobby, insbesondere der Aktion für vernünftige Energiepolitik Schweiz AVES.

Die Subventionen sollen indirekt den grossen Schweizer Stromunternehmen Axpo, Alpiq, BKW und Repower helfen. Denn ihnen geht es finanziell miserabel, nicht ihren Wasserkraftwerken, welche nach wie vor zu günstigen Kosten produzieren und die ihre Produktionskosten zu einem grossen Teil auf die im Monopol gefangenen Haushaltskunden abwälzen können (siehe Infosperber: Das PR-Märchen von der unrentablen Wasserkraft).

Das Wehklagen der Strombranche hat historische Gründe: In den Jahren von 2003 bis 2009 fuhren die Strombarone mit der Wasserkraft Milliardengewinne ein. Ein wesentlicher Teil davon verspekulierten sie in unrentablen Gaskraftwerken in Europa und in ebenso unrentablen Pumpspeicherkraftwerken in der Schweiz. Zudem kassierten die Eigentümerkantone der Stromkonzerne happige Dividenden und Gewinnsteuern sowie die Verwaltungsräte und CEOs grosszügige Entschädigungen.

Ab dem Jahr 2010 ging die Stromparty zu Ende und die Stromblase platzte. Die vier Stromkonzerne mussten in den letzten vier Jahren über 10 Milliarden Franken auf ihrem überdimensionierten Kraftwerkpark abschreiben und fuhren entsprechende Verluste ein. Weitere werden folgen, insbesondere wegen den steigenden AKW-Kosten. Deshalb sollen jetzt die Stromkunden die Zeche bezahlen, ohne dass jemand auf kantonaler und eidgenössischer Ebene die Ursachen dieser historischen Vernichtung von Volksvermögen untersucht und die Verantwortlichen klar benennt.

So geht es nicht! Aus dem Milliardendebakel müssen die Lehren für die Zukunft gezogen werden. Es ist höchste Zeit, dass das zuständige BFE einen unabhängigen Expertenbericht in Auftrag gibt, der die Vorgänge und Verantwortlichkeiten untersucht. Das Parlament und der Bundesrat dürfen keinesfalls zulassen, dass über dem Schlamassel der Strombarone der Mantel des Schweigens ausgebreitet und ihre katastrophalen Fehleinschätzungen mit Milliarden-Subventionen nachträglich noch abgefedert werden.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Kurt Marti war früher Geschäftsleiter, Redaktor und Beirat der Schweizerischen Energie-Stiftung (SES)

Weiterführende Informationen

Dossier: Die Politik der Stromkonzerne

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Eine Meinung

Ja, es ist wirklich ein absolut unverschämtes Theater. Theater wäre noch gut, das dauert nicht so endlos lange, unsre real existierende Plutokratie. Unsre schöne Demokratie.... Was für charakterlose Leute doch gewählt werden. Wir sind leider noch nicht demokratietauglich.
Es ist ein schamloser Adel am werkeln und wenn's nicht mehr geht, wechselt man in die economie suisse und schwafelt prominent und anerkannt weiter.
Bei der Bemessung der Saläre wird viel von verantwortungsvollen Aufgaben gesprochen, Kopfjäger züchten eine eingebildete und oft unfähige Klientel, wenn's schief läuft werden aus den Führernaturen Fluchttiere. Das (zu) einfache Volk will nicht wissen, was gespielt wird und wer die Rechnung wird zahlen müssen.
Es braucht nebst Interesse auch Phantasie, sich einen problematischen oder gar katastrophalen Verlauf vorstellen zu können.
Was können wir tun?
Urs Lachenmeier, am 17. April 2015 um 21:59 Uhr

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