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Josef Ackermann: Von 2002 bis 2012 Sprecher und dann CEO der Deutschen Bank © cm

Auch darum fühlen sich viele Leute ohnmächtig

Urs P. Gasche /  Sein «Verhalten war völlig inakzeptabel» sagt Deutsche-Bank-Chef John Cryan. Doch Ackermann will die Riesenboni nicht zurückzahlen.

Millionenboni erhalten Konzernchefs nicht nur, wenn das Geschäft kurzfristig gut läuft, sondern selbst wenn Verluste geschrieben werden. Das war bei der UBS der Fall. Das Gegenstück zu Boni, nämlich Mali, also Abzüge im Falle ungenügenden Managens, gibt es nicht. Ein wunderbares Regelwerk, das Konzerne in ihrer viel gepriesenen «Eigenverantwortung» eingeführt haben.

Ein krasser Fall sind der ehemalige CEO der Deutschen Bank, Josef Ackermann, und seine engsten Manager-Kollegen. Zu dessen Zeit sei das «Verhalten [der Bank] völlig inakzeptabel» gewesen. In einem am 3. Februar veröffentlichten Entschuldigungsschreiben an die Bankkunden entschuldigt sich der heutige Deutsche-Bank-Chef John Cryan für das «frühere Fehlverhalten» der Bank:
«Seit ich vor anderthalb Jahren Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank wurde, mussten wir insgesamt rund fünf Milliarden Euro für Rechtsfälle aufwenden, deren Ursachen zum großen Teil viele Jahre zurückliegen.»
Schwerwiegende Fehler beträfen zum Beispiel die Hypothekengeschäfte auf dem US-Markt in den Jahren von 2005 bis 2007.

Dieses Entschuldigungsschreiben veröffentlichte die Deutsche Bank auch in grossen Inseraten.
Josef Ackermann will Boni nicht zurückgeben
Die Deutsche Bank hat zwar 3,5 Millionen an Ackermann noch nicht ausbezahlte Boni zurückbehalten. Dazu meinte Ackermann laut Spiegel online im November 2016, es werde diskutiert, ob Bonus-Teile, die bislang nicht ausgezahlt wurden, «freiwillig in der Bank gelassen werden».

Die bisher im Laufe der Jahre bereits ausbezahlten Boni und sogenannten «variablen Vergütungsteile» in mehrfacher Höhe will Ackermann [jährlich kassiertes Gehalt rund 10 Millionen Franken] nicht zurückerstatten. «Dafür gibt es keine rechtliche Grundlage», sagte Ackermann der Süddeutschen Zeitung. Es ist überhaupt nicht die Rede davon, Boni zurückzuzahlen», sagte Ackermann laut Spiegel online im November in Berlin.
Schäuble kritisiert Ackermann

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble habe Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann für dessen Absage an einen Verzicht auf Bonuszahlungen kritisiert, berichtete die Berliner Zeitung. Dessen Erklärung, man könne mit Rücksicht auf andere Manager nicht auf die Auszahlung der auf Eis gelegten Boni verzichten, sei eher etwas für die Fasnacht, sagte Schäuble bei einer Politik-Konferenz der Deutschen Presse-Agentur – ohne Namen und Institut zu nennen: «Leider ist das kein Witz, sondern es ist zum …»
Der Bundesfinanzminister hat sich allerdings nie für eine Gesetzgebung eingesetzt, welche Exzesse der Entschädigungspolitik von Konzernen verbietet.
Gefühl der Ohnmacht
Viele Normalbürgerinnen und Normalbürger schütteln nur verständnislos den Kopf, wenn man sie über Milliardenbussen und schwerwiegendes Fehlverhalten von Konzern-Managern informiert und dabei so getan wird, es handle sich um einen fast normalen Vorgang. Ob Millionen oder Milliarden spielt keine Rolle mehr – es ist eine entfremdete Welt weitab vom erlebten Alltag.
Ein Gefühl der Ohnmacht breitet sich aus. Für «die da oben» scheinen andere Regeln zu gelten, auf die man eh keinen Einfluss hat. Zusammen mit der Immigration aus kulturfremden Ländern schafft dies den Nährboden für Protestbewegungen wie «Cinque Stelle» in Italien, die AfD in Deutschland und den «Front National» in Frankreich.
Im Fall der USA werden die anti-establishment getrimmten Trump-Wählenden insofern wieder betrogen, weil Milliardäre, Konzern- und Wallstreet-Vertreter die politische Führung mehr denn je übernommen haben.

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Zum Infosperber-Dossier:

Banken

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3 Meinungen

  • Avatar
    am 7.02.2017 um 11:54 Uhr
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    Und wenn Josef Ackermann noch in einer CH-Grossbank wär,
    dann würd er sich für die USRIII einsetzen wie ein Bär.

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  • Avatar
    am 7.02.2017 um 12:17 Uhr
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    Guter und sehr treffender Artikel!

    Dieses an sich tragische und täglich anzutreffende Phänomen ist bisher in der Gesellschaft kaum bekannt. Die angelsächsische Forschung (insbes. aus Kanada) hat in den letzten Jahren viele hilfreiche Erkenntnisse geliefert. Für Interessierte ist ein aktueller Artikel abrufbar unter: http://www.tatortarbeitsplatz.ch.

    0
  • Avatar
    am 7.02.2017 um 22:40 Uhr
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    Rechtlich mag Herr Ackermann recht haben. Der Begriff «sozialer Frieden» scheint ihm und anderen Personen in den oberen Etagen fremd zu sein. Soziale Kompetenz ist offenbar nur etwas für soziale Berufe.

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