In der Schweiz wird so viel geflogen wie nie zuvor
Reisen verbindet Menschen und Völker – aber Reisen belastet die Umwelt; vor allem Flugreisen tragen viel zum Ausstoss von Treibhausgasen und damit zur globalen Erhitzung bei.
Und Flugreisen boomen: Laut dem Portal Flightradar24.com fanden am 6. Juli 2026 weltweit 134’400 kommerzielle Flüge statt – so viele wie noch nie, seitdem das Portal 2006 begann, die globalen Flugaufzeichnungs-Daten auszuwerten. Zeitweise waren an diesem Tag mehr als 20’000 Flugzeuge gleichzeitig in der Luft, wie watson.ch berichtet.
Auch in der Schweiz wird geflogen wie nie zuvor: Im ersten Halbjahr 2026 stieg die Zahl der Reisenden am Flughafen Zürich auf 15,8 Millionen, ein Plus von 6 Prozent im Vorjahresvergleich und ein neuer Halbjahres-Rekord. Im Juli dann waren es 3,3 Millionen, ein Plus von 2,4 Prozent, wie der Flughafen Zürich mitteilt.
Trotz Hitzesommer und ungeachtet steigender Flugpreise wegen des teureren Kerosins wird so viel geflogen wie nie. Zwar sind laut dem neusten Freizeit-Preisindex des Vergleichsdienstes Comparis die Flugtickets seit 2021 im Schnitt um 70 Prozent teurer geworden, doch das scheint die Fluglust nicht zu dämpfen. Entsprechend dürfte auch eine moderate Flugticket-Abgabe, wie sie derzeit diskutiert wird, kaum nennenswerte Auswirkungen haben. Und auf einen bundesrätlichen Appell, weniger ins Ausland zu fliegen, dem Klima und dem heimischen Gastgewerbe zuliebe, hat man auch dieses Jahr vergeblich gewartet. Stattdessen bleibt die Luftfahrt weiterhin direkt und indirekt subventioniert – etwa in dem keine Mehrwertsteuer auf internationale Flugtickets erhoben und das Kerosin nicht besteuert wird.
Fliegen verursacht ein Viertel des Klimaschadens
Anderseits verursachten Flüge von und nach der Schweiz im Jahr 2024 rund 5,5 Millionen Tonnen CO₂, wie das Bundesamt für Umwelt festhält. Das ist rund ein Sechstel der gesamten Schweizer CO₂-Emissionen. Addiert man weitere klimaschädliche Wirkungen des Fliegens hinzu (etwa die Kondensstreifen sowie die Tatsache, dass die Emissionen zumeist in grosser Höhe in der Atmosphäre stattfinden), dann verantwortet die Luftfahrt in der Schweiz gar mehr als ein Viertel der klimaschädlichen Auswirkungen, wie der Lausanner Ökonom und Physiker Sascha Nick schätzt, der an der EPFL und an der Management-Schule IMD tätig ist.
Wie könnte also das Ziel erreicht werden, dass weniger geflogen wird – und dass trotzdem nicht nur die reichsten Prozente der Bevölkerung sich das Fliegen noch leisten können? Eine Idee, die Nick zusammen mit Professor Philippe Thalmann von der EPFL entwickelt hat, heisst: individuelle CO₂-Budgets.
«Individuelle CO₂-Budgets bedeuten, dass jede Person eine bestimmte Menge an CO₂-,Emissionsrechten’ zugeteilt erhält, die er oder sie für den persönlichen Konsum einsetzen kann», erläutert Nick. Bei jedem Einkauf, von Lebensmitteln über Kleider und Unterhaltungselektronik bis zur Ferienreise, würde die entsprechende CO₂-Menge dem jeweiligen CO₂-Budget belastet. «Wer einen klimafreundlicheren Lebensstil pflegt, kann profitieren, sein Budget fürs laufende Jahr entlasten und etwas fürs nächste Jahr ‹ansparen›. Innerhalb des Budgets kann jeder selbst entscheiden, wofür er es einsetzt: Besonders CO₂-intensive Aktivitäten wie Fliegen oder ein hoher Fleischkonsum würden es allerdings sehr rasch ausschöpfen.»
Jedes Jahr würden die persönlichen CO₂-Budgets entlang eines mit dem Netto-Null-Ziel kompatiblen Pfads reduziert, erklärt Nick weiter. Ein solches individuelles Budget könne helfen, Emissionen fair zu begrenzen. «Es ist aber kein Ersatz dafür, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu verändern, die unseren Konsum überhaupt erst ermöglichen oder erzwingen.»
Individuelle CO₂-Budgets, eine interessante Idee oder mehr?
Solche individuellen CO₂-Budgets sind derzeit noch eher ein wissenschaftliches als ein gesamtgesellschaftliches Diskussionsthema. «Das individuelle CO₂-Budget ist ein spannendes Konzept, das freilich auch Fragen aufwirft: Sollen diese CO₂-Budgets handelbar sein oder nicht? Wenn ja, dann könnten sich die Wohlhabenden weiterhin einen Lebensstil mit mehr CO₂-Ausstoss leisten, während sich die Ärmeren stärker einschränken müssten», argumentiert Sascha Nick. Und ein weiterer Diskussionspunkt: «Wir können unseren eigenen Lebensstil nur beschränkt beeinflussen, da wir vielerlei systemischen Zwängen unterworfen sind, vom Wohnen über den Arbeitsweg bis zum Angebot an Lebensmitteln im Laden, wo nachhaltigere Produkte oftmals teurer sind.»
Eine ökologischere Lebensmittelproduktion, gut sanierte Gebäude oder Quartiere, in denen die wichtigsten Dienstleistungen zu Fuss in wenigen Minuten erreichbar sind: Solche Veränderungen müsse die Gesellschaft als Ganzes organisieren. Nick spricht etwa von «8-Minuten-Quartieren»: Sie könnten Wege und Energieverbrauch stark reduzieren und gleichzeitig den Alltag angenehmer machen. «Das Entscheidende ist, dass wir durch kollektive Veränderungen sehr viel CO₂ einsparen und zugleich die Lebensqualität verbessern können, unabhängig davon, ob wir zusätzlich individuelle CO₂-Budgets einführen.»
Beim Fliegen habe der Einzelne zwar etwas mehr unmittelbaren Entscheidungsspielraum, sagt Nick. «Aber auch hier löst individuelles Verhalten allein das Problem nicht.» Zwar sei der Verzicht auf das Fliegen die einzelne Massnahme mit dem grössten CO₂-Einsparpotenzial, erklärt Nick. Wer 10’000 Kilometer fliegt – also etwa von Zürich nach Dubai und zurück –, stösst 1,7 Tonnen CO₂ aus, laut dem Fussabdruck-Rechner von myclimate. Das ist halb so viel wie der durchschnittliche Schweizer CO₂-Ausstoss pro Kopf und Jahr.
Klimaziele sind nur mit weniger Flügen erreichbar
Es gehe nun aber nicht darum, überhaupt nicht mehr zu fliegen, sondern darum, das insgesamt sehr knappe klimaverträgliche Flugvolumen sinnvoll und fair zu nutzen. «Wer Verwandte in Übersee besuchen will, kommt nicht ums Fliegen herum; aber besser wäre es in dem Fall, die Verwandten weniger häufig und dafür für etwas längere Zeit zu besuchen», schlägt der Forscher vor. Wer einige Jahre lang sein individuelles CO₂-Budget nicht ausschöpfe, könne so auf eine längere Flugreise hin sparen.
Um das Ziel Netto Null bis 2050 zu erreichen (auf das sich auch der weltweite Branchenverband IATA und die UNO-Luftverkehrs-Organisation ICAO verpflichtet haben), komme die Luftfahrt-Industrie aber nicht darum herum, ihr Geschäftsmodell zu überdenken. «Die Luftfahrt hat ihre selbstgesteckten Klimaziele bisher nie erreicht und sie immer wieder hinausgeschoben, weil die Zunahme der Flüge sämtliche Fortschritte bei der Effizienz oder bei den sogenannten nachhaltigen Flugtreibstoffen wieder zunichte gemacht hat. Ein nachhaltiges Wachstum ist im Flugverkehr langfristig nicht möglich», ist Nick überzeugt. Nur wenn weniger geflogen werde, könne die Luftfahrt ihr Klimaziel erreichen.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.







Zitat: «Entsprechend dürfte auch eine moderate Flugticket-Abgabe, wie sie derzeit diskutiert wird, kaum nennenswerte Auswirkungen haben.»
Wird nicht diskutiert, sondern das Thema ist mit einer Initiative «Für einen starken öffentlichen Verkehr und faire Flugpreise (Mobilitätsbon-Initiative)» nun lanciert. Woher der Autor wissen will, dass es kaum Auswirkungen haben werde, ist mir schleierhaft.
Bitte die Mobilitätsbon-Initiative unterschreiben, das Ziel ist, noch dieses Jahr einzureichen.
Sehr schade, dass der Autor das ausgerechnet im InfoSperber einfach auslässt.
Ein ansehnlicher Teil des Volkes will keine Einschränkungen und weiterhin in Saus und Braus leben. Deshalb wird Rechtsbürgerlich gewählt, die wehren sich gegen jegliche Einschränkungen.
Kennen Sie eine Partei, die den Klimawandel nicht mit «Geld und Technik» aufhalten möchte, sondern unmissverständlich klarstellt: «Ohne konsequente Reduktion des individuellen Konsums gibt es keinen Klimaschutz!» – ich wäre an dieser Parteiempfehlung wirklich interessiert. Auch die Grünen und Roten reisen in der Welt herum und ja: auch die Zugreise verursacht erhebliche CO2-Emissionen. Es gibt keinen emissionsfreie Herstellung von Strom, da auch bei jeder grünen Energieerzeugung massenhaft Grauenergie aus Kohle, Öl, Gas, etc. drinnen steckt. Wer ernsthaft CO2-Emissionen verhindern will, verzichtet also auch auf den besser bezahlten Job, für den er weiter pendeln muss, dafür mehr konsumieren kann.
Der Verzicht hat zwei Seiten: Wir können auf Konsum verzichten. Die Wirtschaft kann auf die Produktion verzichten. Warum immer nur die kleinen Leute beschuldigen. Wachstum der Wirtschaft zu 100% besteuern. Steuererlass für Investition in nachhaltige Entwicklung.Das sind totalitäre Massnahmen. Aber die Klimaerwärmung ist das ebenso. Überleben ist auch ein Grundrecht, vielleicht noch wichtige als Fleisch essen und Fliegen.
Goethe schrieb ein paar Jahre vor seinem Tod:
«Willst du immer weiter schweifen?
Sieh, das Gute liegt so nah.
Du musst nur das Glück ergreifen.
Denn das Glück ist immer da.»
Die Worte dieses weisen Mannes gelten heute noch.
Eine solche individuelle Gebühr würde nur eine Riesenbürokratie auslösen. Die Schweiz muss vorangehen im schrittweisen Verteuern der Treibstoffpreise und vor allem auch der Flughafengebühren, damit auch Ausländer mitbezahlen.
Bravo. Endlich jemand, der sich traut so etwas vorzuschlagen. Der Wurm liegt im Detail. Eine allgemeine CO2 Rationierung scheint mir wegen des unklaren CO2 Gehalts kaum machbar. Für Flüge ist es einfach. Die Identität der Passagiere ist bekannt. Vorschlag: 10 % der Flugkilometer au die gesamte Bevölkerung verteilen. Wer nicht fliegt, kann verzichten und erhält eine Entschädigung. Nicht gebrauchte Flugrechte werden im folgenden Jahr verkauft, z.B. für professionelle Flüge, um die Entschädigung zu bezahlen..Einstweilen gilt die Regelung nur auf Schweizer Flugplätzen. De Bund promoviert die Regelung in möglichst vielen Ländern.
Ein schöner Traum. Die Mehrheit der Leute betrachtet Fliegen wie auch die automobile Mobilität oder den Fleischkonsum als Grundrecht (bei den beiden Letzteren besteht immerhin Hoffnung, das E-Mobilität oder Laborfleisch als Alternative bereitstehen). Dies nur schon einzuschränken wird kaum möglich sein. Werden Verlustängste erzeugt, macht das enorme Kräfte frei (Loss Aversion). Dies auch in der übersättigten Hyperkonsum-Gesellschaft in der Schweiz.
Die 1.7 Tonnen CO2 sind dazu nur die Hälfte der Pro-Kopf-Emissionen in der Schweiz, der konsumbezogene Ausstoss ist weit höher, dies aber nur ein Detail
Eine schöne Idee aber einfach nicht praktikabel…. Jedes grosse Reisebüro ist europaweit oder weltweit tätig, … Buchungen und Abflugorte sind online veränderbar. Somit kann nur wer ab der Schweiz abfliegt für die erste Strecke mit einem CO2 Kontingent belangt werden …. Wie lange müsste ich in London Ferien verbringen, bis ich in die Karibik weitefliege?
Im Kern ist das das Prinzip der vollständigen Erfassung des Resourcenvebrauches (jeder Art)jeder Person – und das ist ohne Zweifel richtig gedacht. Ich sehe aber eine kaum zu überwindende Hürde : der organisatorische Aufwandt der Datenerfassung – selbst wenn man mal alle Argumente des Datenschutzes beiseite läßt. Mit anderewn Worten : das ist unrealistisch.So kommt man dem Problem nicht bei, sondern nur mit einem generalisierten Gesinnungswandel. Beispiel : Verwandte in USA – muß man per Flug besuchen. Muß man ? Nein, muß man nicht. Schon früher haben Familien ihren Ernährer im Ausland jahrelang nicht sehen können und haben es auch überlebt. Heute stehen potente Kommunikationsmöglichkeiten zur Verfügung – wieso soll das nicht reichen! Es muß reichen und das muß den Menschen einleuchten – Gesinnungswandel eben.Zu vermitteln bereits in der Schule. Wenn dann aber die Werbetrommel genau in die andere Richtung (ver)-führt, dann ist alle Mühe vergebens.
«Ein EPFL-Forscher schlägt nun individuelle CO₂-Kontingente vor.»
Die Idee ist alles andere als neu, aber noch genauso totalitär. Und absolut populististisch, wäre diese Massnahme absolut ungeeignet, den globalen CO2 Ausstoss zu reduzieren.
Langsam geht mir das Klima Problem auf dem Keks.
Uberall auf der Welt wird bomberdiert was das Zeug haelt und dann will man uns ein schlechtes Gewissen aufbuerden. $$Klima und dem heimischen Gastgewerbe zuliebe, hat man auch dieses Jahr vergeblich gewartet.% Wintersport Flims, Tageskarte 100sfr Park 20 sfr ein paar Tage mit Hotel und Essen =???? Da nimt ein junger Mensch die Offerte nach der Karibik zu fliegen und die Sonne zu geniessen, und das fuer weniger Stress.
Solange im Amazonas 10 Km Naturwald fuer die Klimakonfernz gerodet wurde, (um vom Konferenz Haus in die Hotels zu Kommnen) Sowie 90 % der Leute mit dem Privat Jet angeflogen sind (die BRD mit 4 Mitglieder aber jeder mit dem Privatjet angeflogen kam.
Also die Einwohner der Schweiz dürfen dann nicht mehr fliegen und die ausländischen Gäste bleiben ohne Kontingent? Was ist dann mit Flügen, die im Ausland starten, masst sich dann die Schweiz dann an, Bürger extraterritorial vom Fliegen abhalten zu wollen?! Was ist mit einem Privatflugzeug, bekommt dieser Pilot dann Flugverbot nach einer Stunde oder seinem Flugzeug wird der Saft abgestellt im Flug?!
Zudem führt die Kontingentierungsidee – herzliche Gratulation – direkt in den umfassenden kontingentierenden Überwachungsstaat, in dem CH-Einwohner irgendwann durchschnittlich soviel Strom, Wasser, Wohnraum, Nahrung, Gesundheitsversorgung etc. zugute haben. Wir können uns dann Sozialistische Eidgenossenschaft nennen, die individuelle Freiheit können wir so vergessen. Es gibt ein ganz einfaches Prinzip, das kontingentlos, ohne begleitetes Denken auskommt, es nennt sich Preis! Wenn ein Fliegen teurer wird, dann wird es weniger gekauft…