BakeryBakeryLänggasse

Die «Bakery-Bakery»-Filiale an der Berner Länggassstrasse. © Esther Diener-Morscher

Die angeblich «bessere Welt» von «Bakery Bakery»

Esther Diener-Morscher /  Das ist vielen gar nicht bewusst: Die Vegan-Bäckereikette betreibt nur Ausbackstationen für tiefgekühlte Teiglinge.

Die Bäckereikette «Bakery Bakery» lässt sich feiern: in Bern, Zürich, Basel, Luzern und in Winterthur eröffnet sie Laden um Laden und bietet vegane Backwaren an.

Schwülstig lobt das Unternehmen sich und seine angeblichen «Werte»: Die vegane Bäckereikette sei gegründet worden, «um die Normen in Frage zu stellen und neu zu definieren, was eine Bäckerei sein kann.» Und weiter: «Wir treffen eine Entscheidung, die verantwortungsbewusst und ethisch ist und keine Kompromisse bei Qualität und Geschmack eingeht.»

Dann noch einen Zacken pathetischer: «Unser Ziel ist es, zu einer Zukunft beizutragen, in der Backwaren und der tägliche Konsum verantwortungsbewusste Entscheidungen sind, die dazu beitragen, eine bessere Welt für kommende Generationen zu schaffen.»

Website Bakery Bakery
Grosse Worte über Werte: Das schreibt «Bakery Bakery» auf ihrer Website.

Tiefgekühlte Teiglinge aus Wädenswil

Die Wirklichkeit sieht anders aus – weder «neu definiert», noch besonders verantwortungsbewusst. Und «Bakery Bakery» ist schon gar nicht daran, eine bessere Welt zu schaffen. Die Firma hat sich ganz profan dazu entschlossen, Backwaren genauso wie viele andere Bäckereiketten herzustellen – nämlich nicht selber, sondern industriell.

Lieferantin ist die Tiefkühl-Bäckerei Kern & Sammet in Wädenswil, die seit letztem Jahr zu Romer’s Hausbäckerei gehört. In einem Interview erklärt das Kevin Schmid, der Mitgründer von «Bakery Bakery», so: «Wir definieren uns nicht über das Bild des traditionellen Backhandwerks. Für uns zählen Qualität und die ressourcenschonende Planung und Produktion.»

Newsletter Balken gold

«Bakery Bakery» beschränkt sich also darauf, Teiglinge, die am Zürichsee hergestellt und schockgefroren worden sind, in die Filialen zu verteilen und dort aufzubacken. Gipfeli, zum Beispiel, werden in Vier-Kilo-Kartons zu je 60 Stück im Tiefkühllastwagen angeliefert. Sie sind 56 Tage ab Anlieferung haltbar. Sie heissen im Fachjargon der Tiefkühl-Bäckerei «Jet», weil sie vor dem Tiefkühlen schon aufgegangen sind. Sie müssen in der Filiale zuerst 20 Minuten angetaut und dann 25 Minuten bei 200 Grad gebacken werden.

Höherer Energieverbrauch

Mit ihrer Produktionsmethode verbraucht «Bakery Bakery» deutlich mehr Energie als für die traditionelle Produktion von Backwaren nötig ist. Und zwar zuerst für das Schockfrosten, dann für die Lagerung und den Transport bei minus 18 Grad. Und zuletzt für das Aufbacken der kalten oder sogar noch gefrorenen Teiglinge.

Kommt dazu, dass eine vegane Bäckerei eigentlich überflüssig ist. Denn die meisten klassischen Brotsorten wie Roggenbrot, Vollkornbrot, Sauerteigbrot, Baguette und einfache Mischbrote sind von Natur aus vegan. Der Unterschied: In einer richtigen Bäckerei werden diese Brote nicht aufwändig tiefgefroren, durch die Schweiz gefahren und dann aufgebacken.

Eröffnen – schliessen – eröffnen

Das Gründerpaar Kevin Schmid und Lycra Stattmann plant, einen Elektrolastwagen zu kaufen. Und sie kündeten gegenüber SRF an, «bis zu 30 Filialen» betreiben zu wollen. Dieses Ziel ist ehrgeizig. Als vor kurzem eine neue Filiale im Bahnhof Bern aufging, schrieben die Tamedia-Zeitungen zwar, es sei bereits die dreizehnte. SRF berichtete aber bloss von zwölf Filialen. Tatsächlich sind es derzeit elf. Denn eben erst hat die Kette ihren Standort an der Uni Bern geschlossen – sang- und klanglos.

Genauso still blieb es, als Infosperber um Antworten auf ein paar Fragen bat. Etwa die, ob die «Mission» der Vegan-Bäckerei, eine nachhaltigere und ethischere Welt zu schaffen», vereinbar sei mit der Art, wie sie ihre Produkte herstellen und über weite Strecken transportieren lässt.

Und die Anschlussfrage: Wissen das die Kundinnen und Kunden überhaupt?

Doch die Geschäftsleitung will «keine weiteren Medienanfragen bearbeiten». Man wolle sich wieder auf die Entwicklung des Unternehmens konzentrieren, schrieb die Mediensprecherin Nina Vogel zurück.

Was das heisst, dass sich «Bakery Bakery» «wieder auf die Entwicklung des Unternehmens konzentriert», wird klar, wenn man die euphorischen Zeilen auf der Website liest: In Zollikofen beginne nun eine neue Ära. «Neue Teams für IT, Grafik und Marketing wurden aufgebaut, das Büro vergrössert – und die 100-Mitarbeitenden-Marke geknackt.» Der Fokus sei klar: «Alles steht auf Wachstum.» Man möchte hinzufügen: Und rein gar nichts mehr steht für Nachhaltigkeit.

Weiterführende Informationen


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
_____________________
➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren SPENDEN möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.

Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:



_____________________
Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

War dieser Artikel nützlich?
Ja:
Nein:


Infosperber gibt es nur dank unbezahlter Arbeit und Spenden.
Spenden kann man bei den Steuern in Abzug bringen.

Direkt mit Twint oder Bank-App



Spenden


Ihre Meinung

Lade Eingabefeld...