Sperberauge

Doch noch lernfähig?

Christian Müller © aw

Christian Müller /  Die «Schweiz am Sonntag» macht eine Kehrtwende. Sie interessiert sich für den Blick von draussen.

«Der Blick von aussen ist erhellend.»

Der dies sagt, oder vielmehr schreibt, schwarz auf weiss, in der heutigen Ausgabe der Schweiz am Sonntag, am heutigen Tag der Ecopop-Abstimmung, ist kein geringerer als deren Chefredaktor.

Mir verschlägt es die Sprache. Patrik Müller hat eine ausländische Zeitung gelesen? Und erst noch die linksliberale Süddeutsche Zeitung aus München? Der Schweizer Meister in politischer Nabelschau ist fremdgegangen?

«Der Blick von aussen ist erhellend.»

Vor Jahresfrist, im November 2013, hat das Europa Forum Luzern im KKL eine zweitägige Veranstaltung durchgeführt. Thema: Swiss Images; Blicke auf die Schweiz. Zahlreiche namhafte Persönlichkeiten aus dem Ausland – Wissenschafter, Politiker, Medienleute – gaben Antworten auf die Frage, wie die Schweiz aus ihrem Land aussieht, wie ihre Landsleute zuhause die Schweiz sehen, was sie über die Schweiz denken.

Die Schweizer Medienszene glänzte an diesem Forum durch Abwesenheit. Was interessiert es schon zu erfahren, was Andere über die Schweiz denken? Es sind ja nur Ausländer. Auch die Schweiz am Sonntag hatte keinen Journalisten, keine Journalistin, die da Zeit hatte, reinzuhören.

(Immerhin: Infosperber informierte, wie so oft, wenn die grossen Zeitungen keinen Bock auf ein Thema haben. Sogar ausführlich: So wird die Schweiz von aussen gesehen.)

Und jetzt also das:

«Der Blick von aussen ist erhellend.»

Patrik Müller, Chefredaktor der Schweiz am Sonntag, hat einen Bericht in einer deutschen Zeitung gelesen. Und ist erhellt!

Man soll Hoffnungen nie aufgeben. Auch Journalisten, die zu lesen man eigentlich schon aufzugeben geneigt war, sind ja vielleicht noch lernfähig:

«Der Blick von aussen ist erhellend.»

Übrigens: Der von Patrik Müller erwähnte, erhellende Artikel in der Süddeutschen Zeitung analysiert die Schweiz als gefährdet, den inneren Zusammenhang zu verlieren. Die ebenfalls in München herauskommende Vierteljahreszeitschrift DIE GAZETTE vom März dieses Jahres widmete diesem Thema ebenfalls einen Beitrag. Dort ist auch nachzulesen, wer für diese gefährliche Entwicklung verantwortlich ist. Siehe unter weiterführende Informationen unten: Die Schweiz bleibt ein Sonderfall.


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5 Meinungen

  • am 30.11.2014 um 14:29 Uhr
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    Da sind wir doch glücklich! Ich erinnere mich vor ein paar Jahren machte ich als Freier zusammen mit einem italienischen Kollegen einen kleinen Beitrag zur Haltung der Römer zu den Schweizer Banken für das «Echo der Zeit». Der Beitrag bestand hauptsächlich aus Strasseninterviews. Der Beitrag wurde von Caspar Selg damals abgelehhnt, da er zu kritisch gegenüber den Banken sei… So dreht sich eben doch jeder nach dem Wind….

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  • am 30.11.2014 um 19:25 Uhr
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    Man kann von Geri halten, was man will. Aber einen Menschen so zu demontieren, wie es Patrik Müller getan hat, ist unmenschlich.

    0
  • am 2.12.2014 um 08:43 Uhr
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    In die Resultate der Abstimmung vom letzten Wochenende werden nun die wildesten Interpretationen, je nach der politischen Ausrichtung, verbreitet. Selbst angeblich «hochintelligente» Professoren (Hohe Einkommen bis ans Lebensende garantiert) sind der Ansicht man müsse das Volk mit einer neuen Abstimmung umpolen!? (von einem angeblichen «Zufalls-JA zu einem Zufalls-Nein?) Dabei wäre zu erkennen, dass das Volk keine Extremen will! Was aber sicher ist, dass das Volk die Zuwanderung reduzieren will! Dazu eignet sich die Abstimmung vom 9.2.2014, wenn sie richtig umgesetzt wird, gut genug. Frage: „Sind Zuwanderung von jährlich 80’000 statt den versprochenen 8’000 nicht extrem“? Ich denke, das könnten auch die Professoren erkennen! Eine Frage der Zumutbarkeit für ein kleines Land.

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  • am 2.12.2014 um 08:48 Uhr
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    Hat der Beitrag von Willy Brauen irgend etwas mit diesem Infosperber-Beitrag zu tun?

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  • am 2.12.2014 um 12:11 Uhr
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    Ja, Herr Muschg, der Artikel hätte anderswo hingehört. Danke für die Aufmerksamkeit!

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