Kommentar
Tamedia-Zeitungen: Der Schwede ist gut, der Russe ist böse
Fast schon im Wochen-Rhythmus berichten die vielen Tamedia-Zeitungen in letzter Zeit darüber, dass sich Russland in den Abstimmungs-Kampf zur Neutralitätsinitiative einmische. Manchmal ist die Kritik an der Einmischung offen ausgesprochen, manchmal bloss unterschwellig.
Am 31. Juli
Da lautete der spöttische Titel: «Russland erklärt der Schweiz auf 26 Seiten die Demokratie.» Weiter hiess es: «Mit dem Bericht mischt sich Moskau in den Abstimmungskampf zur SVP-Neutralitätsinitiative vom 27. September ein.»
Wenn sich die russische Botschaft über die Schweiz äussere, dann sei der Tonfall selten freundschaftlich. «Doch die jüngste Verlautbarung aus der von viel Stacheldraht umgebenen Villa der russischen Diplomaten in Bern sticht hervor.» Was der Stacheldraht zur Sache tut, erschliesst sich den Lesern und Leserinnen nicht.
Dabei legen die Russen den Finger durchaus auf einen wunden Punkt: dass wir nämlich über viele wichtige Fragen nicht abstimmen können. Etwa die Übernahme der EU-Sanktionen oder die Annäherung an die Nato.
Fazit der Tamedia-Zeitungen: «Russland mischt sich mit dem Bericht ziemlich unverhohlen in einen Abstimmungskampf ein, der am 27. September entschieden wird: Christoph Blocher will die Neutralität in der Bundesverfassung verankern.»
Am 8. August
Diesmal ging der Titel so: «Wie ‹Russia Today› Blochers Initiative kapert.» Und wieder: «Russische Akteure mischen sich in die Debatte über die Neutralitätsinitiative ein und verbreiten ‹falsche Fakten›.» Dabei ist «Russia Today» kein wirklich ernst zu nehmendes Medium, wie Infosperber schon im Februar darlegte.
Am 19. August
Der Titel diesmal: «Parlament probt Aufstand gegen russische Propaganda.» «Moskaus Einmischung bei der Neutralitätsinitiative» beunruhige «National- und Ständerat». Das Parlament wolle «den Kampf gegen Desinformation verstärken». Und bereits zum dritten Mal: «Russlands Aussenministerium und Staatsmedien mischen sich in den Schweizer Abstimmungskampf ein.»
Enttäuscht zeigen sich die Tamedia-Zeitungen von Bundesrat Ignazio Cassis. Der habe «lapidar» gesagt, die Bevölkerung sei «reif und intelligent genug», die Kommentare richtig einzuordnen. Cassis habe daran erinnert, dass es in der Schweiz vier Mal im Jahr Abstimmungen gebe und dass die ganze Welt darüber spreche.
Am 23. August
Da ging es für einmal nicht um die direkte Einmischung Russlands in den Abstimmungskampf, sondern um die Rolle von «prorussischen Stimmen» aus der Schweiz. Titel: «‹Ferdinow› aus Andermatt und die komplizierten Beziehungen zur Schweiz.»
Mit «Ferdinow» war der ehemalige Andermatter Gemeindepräsident Ferdinand Muheim gemeint. Weiter ist im Artikel von «prorussischen Netzwerken» die Rede, von der «Russland-Connection» und von einem «Sprachrohr für prorussische Propaganda».
Der gute Schwede
Ganz anders tönt es in den Tamedia-Zeitungen, wenn sich nicht der böse Russe in den Abstimmungskampf zur Neutralitätsinitiative einmischt, sondern der gute Schwede – und zwar in Person des ehemaligen Ministerpräsidenten und Aussenministers Carl Bildt. Mit ihm führten die Tamedia-Zeitungen ein ganzseitiges Interview.

Bildt erteilte der Schweiz Ratschläge: «Man sollte sich nicht die Hände binden für die Zukunft.» Oder: «Die Schweiz muss über genügend Ressourcen verfügen, um sich zu wehren. Glaubwürdige Streitkräfte, Sicherheits- und Nachrichtendienste.» Er äusserte auch Kritik: «Es war ehrlich gesagt peinlich für die Schweiz, dass sie die Ausfuhr von 35-Millimeter-Munition in die Ukraine verbot.»
Einmischung aus Schweden? Das war im ganzen Interview kein Thema.
Man würde sich von den Tamedia-Journalisten und -Journalistinnen ein bisschen mehr Gelassenheit wünschen, wenn sich jemand aus Russland zur Neutralitätsinitiative äussert. Und ein bisschen mehr Vertrauen in die Urteilsfähigkeit der Stimmberechtigten.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.









Wenn Sie nicht unterscheiden können, wo der Unterschied der jetzigen russischern Einmischung und der offen ausgesprochenen Meinung eines verdienten Politikers aus Schweden liegt, wird Ihre offenkundige und unterschwellig ständig verbreitete Sympathie für den missverstandenen Herrn Putin peinlich und ärgerlich.
Inwiefern hat sich denn Herr Bildt um die Schweiz verdient gemacht, dass er ein Recht hätte, sich in Schweizer Angelegenheiten einzumischen? Und halten Sie die Schweizer für so wenig selbstdenkend, dass russische Äusserungen den betreuten Denken unterworfen werden müssen? Sehen Sie die Heuchelei tatsächlich nicht, auch in Bezug auf andere Konflikte, bei denen man schön die Füsse stillhält, auch in der Schweiz?
Die einseitige Berichtserstattung bei unseren Medien ist man zwischenzeitlich gewöhnt.
Am meistens ist die TAMEDIA Gruppe dabei.
Ich empfehle jeden dieses Video anzusehen:
«Wer steuert die Schweizer Presse? Die unsichtbaren Drahtzieher»
Author VoGunte.
Der Artikel ist einfach zu finden im Internet.
Sollte sich die Schweiz in die russische Politik einmischen, wären die Folgen dramatisch. Führt Russland jedoch Sabotageakte in der EU und der Schweiz durch, wird dies erst abgeklärt, bis es im Sand verläuft.
In Russland werden kremlkritische Parteien von Wahlen ausgeschlossen und NGOs massenhaft verboten. Ein Medium wie die Weltwoche wäre dort längst verboten, der Chefredakteur im Straflager oder durch einen Sturz aus dem Fenster eliminiert. Sender, die nicht auf Parteilinie sind oder Halbwahrheiten verbreiten – wie es RT tut –, verlieren in Russland sofort ihre Lizenz.
Hierzulande garantiert man Meinungsfreiheit; in Russland existiert sie nicht. Das ist der entscheidende Unterschied.
Zudem nützt die Neutralitätsinitiative nur den Veto-Mächten im UN-Sicherheitsrat. Es käme somit nie zu einer UN-Resolution gegen Russland, China, die USA, Frankreich oder Grossbritannien. Egal, wie Völkerrechtswidrig diese sich verhalte. Darüber müssen wir uns eine Meinung bilden.
Man müsste redakteuren nur die Kommentarspalten verbieten
Lustig, die Schweden! Im 2. WK verdienten sie groß an der deutschen Rüstung; viel Erz und Kohle kam aus Schweden. Durch ihren neutralen Status konnten sie, wie Österreich, Finnland und die Schweiz, auch zur Zeit des Kalten Krieges profitieren. Schweden wurde kein einziges Mal von der UdSSR behelligt, obwohl man wegen des schwedischen Großmachtstrebens im 17. und 18. Jhdt. – Schweden kontrollierte Norddeutschland, Finnland und das Baltikum bis zum Ladogasee – eine Feindschaft unterstellen könnte. Erst Peter der Große konnte die Schweden vertreiben und an der Stelle des schwedischen Forts Nyenschanz entstand St. Petersburg. Ein Rätsel, warum sich die Schweden so vehement an der Kriegshetze gegen Russland beteiligen und sogar ohne je bedroht worden zu sein, ihre Neutralität aufgaben. Ein Rätsel auch, wie der erfahrene Altpolitiker Carl Bildt zu seinen Schlüssen gelangt und der Schweiz in punkto Munitionsexport die Leviten lesen möchte.