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Von Ravioli bis Erbsen: «Öko-Test» hat zahlreiche Lebensmittel in Dosen auf Bisphenole getestet. © Depositphotos

«Öko-Test» findet erste BPA-freie Konserven

Daniela Gschweng /  Das EU-Verbot hormonstörender Bisphenole beginnt zu wirken. Zwei von 52 Dosenprodukten kamen im Test ohne aus.

«Öko-Test» hat es wieder getan. Die Redaktion des Magazins hat Lebensmittel auf Bisphenole getestet, diesmal solche aus Dosen. Gesucht haben die Testerinnen und Tester dabei das schon lange als hormonschädlich bekannte Bisphenol A (BPA) und seine nahen Verwandten Bisphenol S (BPS) und Bisphenol F, mit denen BPA häufig ersetzt wird.

Von 52 getesteten Lebensmitteln waren dabei 42 «hoch» oder «sehr hoch» mit Bisphenolen belastet. Das heisst, in einer Menge, welche die Empfehlung der EU-Lebensmittelagentur Efsa für die maximale tägliche Aufnahme (Tolerable Daily Intakte, TDI) um mehr als das 100-fache übersteigt. Allerdings gab es auch zwei Dosenprodukte, die gar keine Bisphenole enthielten.

«Endlich!» jubelte eine «Öko-Test»-Redaktorin. Bisphenole in Lebensmittel-Kontaktmaterialien sind in der EU seit Anfang 2025 verboten. (Was das genau bedeutet lesen Sie weiter unten). Lebensmittel aus Dosen galten lange als Hauptquelle von BPA für den Menschen. Das seit anderthalb Jahren geltende Verbot beginnt also zu wirken.

42 Lebensmittel mit «hoher» oder «sehr hoher» Bisphenol-Belastung

Derzeit laufen noch Übergangsfristen, illegal sind BPA, BPS und BPF im Essen also nicht. Unter den getesten 52 Dosenkonserven waren 10 Linseneintöpfe, 6 Ravioli, 9 Mal Erbsen mit Karotten und 11 Mal Ananasscheiben. Dazu kamen 10 Heringsfilets und 6 Softdrinks, beides in Aludosen.

Vier Produkte waren dabei gering, zwei gar nicht mit Bisphenolen belastet. Ein paar enthalten Spuren von BPA, BPS und BPF. Die Belastung von 42 Lebensmitteln stufte «Öko-Test» als «hoch» oder «sehr hoch» ein. Bei einigen fanden die Testerinnen und Tester sehr hohe BPA-Konzentrationen.

Wenn man die Efsa-Empfehlung von 0,2 Nanogramm Bisphenol A pro Kilogramm Körpergewicht und Tag zum Massstab nehme, habe eine 60 Kilogramm schwere Person mit einer Portion Ravioli aus der Maggi-Dose schon so viel Bisphenol A zu sich genommen, dass sie für die nächsten beiden Jahre keines mehr zu sich nehmen dürfte. Die Portion enthalte 833-mal den TDI-Wert. «Mamma Mia!», schreibt «Öko-Test».

Jedes zweite Produkt enthielt BPS und BPF, für die es noch keinen TDI gibt. Die Testerinnen und Tester legten die Efsa-Empfehlung für BPA an. BPS ist derzeit als «vermutlich reproduktionstoxisch» eingestuft, bei BPF werde diese Einstufung demnächst erwartet. Die Negativ-Liste umfasst Ravioli von Maggi, die bekannten «Erbsen und Möhrchen» von Bonduelle und der Penny-Eigenmarke Greenland, sowie zwei Linseneintöpfe von Sonnen Bassermann und Aldi Süd.


Sechs Produkte gering oder gar nicht belastet

Die vier «sehr gering» belasteten Produkte verteilten sich über alle Kategorien: Gut & Günstig Ananas-Scheiben in eigenem Saft von Edeka, das Getränk Uludag Gazoz, Golden Seafood Heringsfilets in Tomatencreme von Aldi Nord und Nixe Zarte Heringsfilets in Tomatensauce von Lidl.

Zwei Produkte enthielten kein Bisphenol: Bio Primo Linseneintopf rustikal (Müller Drogerie) und Sea Gold Heringsfilets geteilt in Tomatensauce von Netto aus der Aludose.

Auffallend in den Testprotokollen: Bei sämtlichen Softdrinks ausser Uludag Gazoz war der Bisphenol-F-Gehalt «stark erhöht», darunter bei Getränken von Coca-Cola, Pepsico und auch dem bekannten Paulaner Spezi. Deren Dosen dürfen bereits kein BPA mehr enthalten, es wurde also vermutlich einfach durch Bisphenol F ersetzt.

Verboten heisst nicht weg – Übergangsfristen

Warum diese Dosen und keine anderen? Es ist leider kompliziert. Bis eine Chemikalie tatsächlich aus den Läden verschwindet, dauert es. Selbst dann, wenn sie verboten ist. Deshalb ein paar Worte zum Bisphenol-Verbot und wann endgültig keine Bisphenole mehr in Verpackungen und damit in Lebensmittel stecken werden:

Seit Januar 2025 sind in der EU alle Bisphenole in Materialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, verboten. «Verboten» heisst aber nicht weg. Es bedeutet, dass seit dem 20. Januar 2025 Übergangsfristen für Hersteller von Konservendosen, wiederverwendbaren Getränkeflaschen und Küchenartikeln gelten. Für Papier und Karton, beispielsweise Pizzaboxen, gilt das Verbot nicht.

Seit dem 21. Juli 2026 dürfen für einige Lebensmittel keine Dosen und Verschlüsse mehr in Verkehr gebracht werden, deren Innenbeschichtung mehr als Spuren von BPA enthält. Befüllt werden dürfen die «alten» BPA-haltigen Dosen aber noch ein Jahr lang. Abgelaufen war die Frist beim «Öko-Test»-Versuch nur für Getränkedosen.

Ab dem 21. Januar 2028 dürfen gar keine Konservendosen mehr in Verkehr gebracht werden, die BPA enthalten, einschliesslich solchen für Obst, Gemüse und Fisch, die 2026 noch zu den Ausnahmen gehören. Und auch im Aussenlack dürfen keine Bisphenole mehr vorkommen.

Bis 21. Januar 2029, also ein weiteres Jahr lang, dürfen leere BPA-haltige Dosen mit diesen Lebensmitteln noch befüllt werden. Das fertige Produkt darf dann so lange verkauft werden, bis die Bestände aufgebraucht sind. Da Konserven lange haltbar sind wird es …

ungefähr ab 2034 dann wirklich keine BPA-haltigen Lebensmittel in Dosen mehr geben, wenn man von einer maximalen Haltbarkeit von fünf Jahren ausgeht. Bei einzelnen Konserven kann es auch länger dauern.

Die Sache mit der Aussenbeschichtung

Ebenfalls bemerkenswert: Als «Öko-Test» vor drei Jahren Tomatenkonserven auf BPA testete, fanden die Testerinnen und Tester in allen Dosentomaten BPA. Nur solche aus dem Glas enthielten die Chemikalie nicht. Die Hersteller reagierten verwundert, denn ihre Dosen waren mit BPA-freien Lacken beschichtet – allerdings nur auf der Innenseite. Bei der Produktion kann Bisphenol aus dem Aussenlack aber anscheinend nach innen gelangen, beispielsweise beim Stapeln der Dosen. Das sei zwar nicht der einzige Weg, auf dem BPA ins Essen gelangen könne, aber ein anscheinend relevanter, schreibt «Öko-Test».

Immerhin: Bei der Innenbeschichtung ist BPA-freier Lack inzwischen Standard, das zeigten Nachfragen bei den Herstellern. Die Entwicklung des Aussenlacks ziehe sich bei einigen Herstellern hin. Ab 2028 ist BPA wie erwähnt auch im Aussenlack verboten.

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