Covid Impfproduktion

Nur 50 Prozent der mRNA müssen intakt sein, damit eine Covid-Impfstoff-Charge freigegeben werden darf. © solarseven / Depositphotos

Forscher wollen Moratorium für mRNA-Impfstoffe und -Medikamente

Martina Frei /  Bei den Covid-Impfungen seien etablierte Standards verwässert und Substanzen gespritzt worden, über die zu wenig bekannt sei.

Im ersten Teil dieses Interviews legten die beiden Chemie-Professoren Andreas Schnepf und Martin Winkler dar, wie gross die erlaubten Toleranzbreiten bei der Herstellung der mRNA-Impfstoffe sind. Sie hegen Zweifel, ob die Impfstoffe vor dem Verabreichen qualitativ gut genug geprüft wurden. Martin Winkler ist Professor im Forschungsbereich Polymere Beschichtungen an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Andreas Schnepf ist Professor für Anorganische Chemie an der Universität Tübingen. 

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Martin Winkler
Professor Dr. Martin Winkler

Zusammen mit drei Professoren-Kollegen stellen Sie den Behörden und Herstellern seit Beginn der Covid-Impfkampagne hartnäckig Fragen. Was treibt Sie um, Herr Winkler und Herr Schnepf?

Zuerst fiel uns auf, dass der Impfstoff von Pfizer/Biontech vom Hersteller als «grau bis cremeweiss» beschrieben wurde. Eine solche Farbvariation ist bei Nanopartikeln ungewöhnlich, denn bei ihnen hängt die Farbe davon ab, in welchem Winkel man die Lösung betrachtet. Also müssten die Hersteller angeben, bei welchem Betrachtungswinkel ihr Impfstoff welche Farbe hat. Sollte die Substanz einen grauen Farbton besitzen, ist das unseres Erachtens ein klarer Hinweis, dass die Nanopartikel zu gross sind. Uns hat das stutzig gemacht, deshalb haben wir beim Paul-Ehrlich-Institut nachgefragt.

Wie lautete die Antwort?

Sie war unbrauchbar. So wurde uns zum Beispiel auf eine unserer Fragen als Antwort etwas zum Erweichungspunkt von Zäpfchen übermittelt. Da haben wir uns schon gefragt, was in der Behörde los ist. Diese Antwort hatte überhaupt nichts mit unserer Frage zu tun. Das, was wir wissen wollten, hat uns das Paul-Ehrlich-Institut noch immer nicht mitgeteilt.

Andreas Schnepf
Professor Dr. Andreas Schnepf

Gibt es aus Ihrer Sicht weitere offene Fragen zu den Covid-Impfstoffen?

Ja, etliche. In den Zulassungsstudien wurde vieles nicht wirklich geklärt. Nach einigen Monaten wurden sie «entblindet» und die Placebogruppen geimpft. So haben wir keine Möglichkeit, die Langzeitwirkungen durch eine randomisierte, placebokontrollierte Studie zu untersuchen. Damit fehlt uns der Goldstandard der evidenzbasierten Medizin. 

Hätten Sie es stattdessen in Kauf nehmen wollen, dass die Menschen in der Placebogruppe ungeimpft weiter als «Versuchskaninchen» dienen?

Und stattdessen werden Milliarden geimpfte Menschen – um Ihren Begriff aufzunehmen – zu «Versuchskaninchen»! Hier stellt sich die Frage nach der Einwilligung. Diese Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer haben bewusst für sich entschieden, an einem Experiment teilzunehmen. Das ist ehrenwert, denn nur so bekommt man «harte Fakten». Die Milliarden Menschen, die geimpft wurden, haben zwar auch eine Einwilligung gegeben, aber den meisten war nicht klar, dass die grosse Impfstudie, die eigentliche Phase 3-Studie, vorzeitig abgebrochen wurde und sie nun Teil der sogenannten «Postmarketing-Studie» geworden sind. Das ist rechtlich mehr als problematisch. Die Aussagefähigkeit einer solchen Studie reicht nicht an die Aussagekraft einer Doppelblindstudie heran. Eigentlich sollte man aber bei einer Substanz, die Milliarden Menschen verabreicht wird, die bestmöglichen Standards verwenden. Diese Impfstoffe wurden sehr rasch freigegeben, obwohl sie Substanzen enthalten, über die teilweise gar nicht viel bekannt ist. 

Zum Beispiel? 

In der sogenannten Pharmakopöe sind die Qualitätsvorschriften für alle Arzneimittel und für die Hilfsstoffe festgelegt. Die Lipid-Nanopartikel im modRNA-Impfstoff sind aber in keiner Pharmakopöe enthalten. Bei den Lipid-Nanopartikeln gibt es keine toxikologischen Daten, keine Daten, ob sie Embryonen schädigen können, kein Wissen zum Gefährdungspotenzial – man hat sie trotzdem Milliarden von Menschen verspritzt.

Der Leiter des Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek, hat dem schon 2021 widersprochen: Die toxikologischen Untersuchungen zu den Nanopartikeln seien durchgeführt worden, sagte er gegenüber dem «MDR», und er beruhigte auch: Der Grossteil der mRNA verbleibe nach der Covid-Impfung im Muskel. Kleinste Mengen, die ins Blut oder die Organe gelangen, seien dort unbedenklich, es habe auch in den Studien nach der Zulassung «keine Hinweise darauf gegeben, dass das in irgendeiner Form schädlich für Organe oder Gewebe wäre». Weshalb behaupten Sie trotzdem etwas anderes?

Im Pfizer-Report nach der bedingten Zulassung wurde schon im Februar 2021 gezeigt, dass es eine riesige Anzahl an Nebenwirkungen von besonderem Interesse gibt – neun Seiten des Berichtes sind damit dicht beschrieben. Wenn das keine Hinweise auf Schädigungen sind – was dann? Die toxikologischen Studien zu den Nanopartikeln würden wir gerne mal sehen. In den sogenannten «Rolling Reviews» der EMA haben wir nichts dazu gefunden. Über das Verbleiben des Impfstoffs im Muskel haben wir bereits gesprochen (siehe Teil 1 dieses Interviews). Die Nanopartikel wurden bewusst so designt, dass sie ihre Fracht vor allem in das lymphatische System transportieren. Dieses spielt eine herausragende Rolle im Immunsystem.

Können derart winzige Mengen von Zusatzstoffen wirklich schaden?

Bei krebserregenden Stoffen reichen schon winzige Mengen aus, um Schaden anzurichten. Zudem ist «winzig» ein relativer Begriff, es kommt ja auch immer auf die Giftigkeit einer Substanz an. Bei den modRNA-«Impfstoffen» wird zwar wenig Substanz verabreicht. Aber da damit auch sehr kleine Nanopartikel aufgebaut werden, ist deren Zahl riesig: Eine Impfdosis enthält Billionen Partikel.

Warum steht in der Pharmakopöe nichts zu den Nanopartikeln, die bei den mRNA-Impfungen verwendet werden?

Das haben wir die deutsche Zulassungsbehörde, das Paul-Ehrlich-Institut, gefragt. Die Antwort war sinngemäss: Wenn die Nanopartikel Bestandteil eines zugelassenen Produkts sind, dann sind sie automatisch zugelassen. So eine Auslegung ist völlig neu. Bisher musste jeder einzelne pharmazeutische Hilfsstoff geprüft werden und in der Pharmakopöe gelistet sein, damit man ihn verwenden darf. Ein Beispiel ist das Lipid ALC-0315. Laut dem Sicherheitsdatenblatt des Herstellers darf es nur für Forschungszwecke verwendet werden und es ruft Entzündungen hervor. Bis vor kurzem stand dort auch der Hinweis, dass es krebserregend sei, wobei dieser Hinweis aktuell verschwunden ist. Trotzdem diente und dient ALC-0315 als Hauptkomponente zur Herstellung der Nanopartikel im Impfstoff «Comirnaty» von Pfizer/Biontech.

Laut dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) wurde sehr wohl geprüft, ob die Hilfsstoffe in den mRNA-Impfungen für die Anwendung beim Menschen geeignet sind. Die «Pharmazeutische Zeitung» bezeichnete das Infragestellen von ALC-0315 sogar als «absurd».

Dies entspricht nicht unserem Stand des Wissens, denn das PEI hat in seiner Kommunikation mit uns nie erwähnt, dass diese Stoffe geprüft worden wären, sondern nur die eben genannte Erklärung angeboten. Wenn dem so ist, dass die Hilfsstoffe für die Anwendung am Menschen geprüft wurden, dann sollte man die entsprechenden Ergebnisse zugänglich machen und auch das Sicherheitsdatenblatt entsprechend anpassen! Der mögliche krebserregende Charakter von ALC-0315 liegt auf der Hand. 

Weshalb?

Wenn eine Substanz darauf optimiert wurde, dass sie die modRNA umhüllt, dann kann sie dies auch mit anderen Substanzen mit einem ähnlich aufgebauten «Gerüst» wie zum Beispiel der Erbsubstanz DNA tun. Vor diesem Hintergrund ist vielleicht eher die Aussage der «Pharmazeutischen Zeitung» absurd. Toxizitätsstudien können hier sicher Licht ins Dunkel bringen und wären dringend angeraten. Solche Toxizitätsprüfungen hätte Pfizer ursprünglich nachliefern sollen, aber diese Forderungen – wie übrigens viele andere auch – wurden dann bei der regulären Zulassung der Impfstoffe einfach fallen gelassen. Die Begründung war sinngemäss: Diese Substanzen wurden jetzt milliardenfach verimpft, ohne dass grosse Nebenwirkungen beobachtet worden wären, deshalb seien die geforderten Studien nicht mehr nötig.

Die Behörden, die das alles überwachen, sahen und sehen keinen Grund zur Sorge. Haben Sie kein Vertrauen in die Behörden?

In den letzten Jahren haben wir wiederholt festgestellt, dass seitens der Behörden nicht viel Transparenz geschaffen wird. Entweder werden unsere Fragen nicht beantwortet, oder es wird gemauert, oder die Behörden verweisen wechselseitig darauf, dass sie nicht zuständig seien. Dieses Verhalten schafft nicht unbedingt Vertrauen. Weiterhin gehen die Behörden offensichtlichen Sicherheitssignalen, wie einer Übersterblichkeit seit Beginn der Impfkampagne beziehungsweise einer deutlich höheren Zahl an Nebenwirkungsmeldungen im Vergleich zu sonst, um nur zwei zu nennen, nicht wirklich nach. 

Haben Sie den Eindruck, man lässt Sie auflaufen?

Ja, so kann man das sagen. Das ist nicht vertrauensbildend. Bei früheren Impfungen wurde in Deutschland bei 0,07 von 1000 Impfdosen der Verdacht einer Impfnebenwirkung gemeldet. Nun sind es etwa 20-mal so viele: Beim Impfstoff von Pfizer/Biontech rund 1,6 pro 1000 Impfdosen und sogar 0,3 schwere Nebenwirkungen pro 1000 Impfdosen. Die wahre Anzahl liegt noch höher, denn Spontanmeldesysteme erfassen in normalen Zeiten bis zu 90 Prozent der unerwünschten Wirkungen von Arzneimitteln nicht. Weshalb reagieren die Behörden nicht auf diese deutliche Erhöhung der gemeldeten Impfnebenwirkungen?

Sie fordern nun sogar einen Stopp der mRNA-Technik. Warum?

Die modRNA-Technik ist unseres Erachtens noch nicht so ausgereift, dass man sie auf andere Medikamente ausweiten sollte. Früher sind Medikamente vom Markt genommen worden, weil es wenige Todesfälle gab. Nun gibt es Tausende schwer geschädigter Menschen und deutlich mehr Todesfälle im Zusammenhang mit der Impfung – und man macht einfach weiter. Das kann nicht sein. Wir müssen zuerst eine echte, wissenschaftliche Diskussion führen und die offenen Fragen aufarbeiten, bevor wir damit weitermachen. Momentan spricht man nicht miteinander, sondern nur übereinander, das hat nichts mit einem wissenschaftlichen Diskurs zu tun. Ein solcher wäre aber dringend geboten.

In verschiedensten Gebieten der Medizin werden gegenwärtig RNA-Medikamente erprobt. Die Hersteller sehen darin ein grosses Potenzial. Sie werden sich gegen das von Ihnen vorgeschlagene Moratorium wehren.

Wenn man sieht, was alles passiert ist, halten wir es für eine menschliche Pflicht, etwas zu unternehmen. Während der Pandemie wurden die geltenden Standards verwässert und bewährte Regelmechanismen ausser Kraft gesetzt. Das muss wieder viel strikter gehandhabt werden und wir müssen die etablierten hohen Standards der randomisierten Studien bei der Zulassung neuer Medikamente und gerade auch neuer Impfstoffe einhalten. Weiterhin ist es dringend nötig, die Verstrickung von pharmazeutischer Industrie und Behörden aufzulösen, um die Einflussnahme der Industrie auf die Behörden zurückzudrängen. Möglicherweise hat man deshalb nicht sauber hingeschaut. Die Gefahr ist, dass dies nun der normale Massstab wird und dass es sich wiederholen wird. Das muss verhindert werden. Die aktuell zu beobachtende Übersterblichkeit spricht hier Bände. Wahrscheinlich wird ein Moratorium abgelehnt. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

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2 Meinungen

  • am 14.08.2023 um 11:47 Uhr
    Permalink

    Wie gehabt, schon Peter Doshi, Mitherausgeber vom British Medical Journal, bemängelte die entbundene Covid-19-Impfstudie von Pfizer Biontech, im Oktober 2020. Seine fundierten Einwände wurden einfach weggewischt. Die Schweizer Wissenschaftsjournalisten der TX-Group, der NZZ und der SRF plapperten einfach die Ansichten der Impfstoffforschenden nach und Ringier-Boss mahnte aufgrund von BAG-Vorinfos seine Mannen zur wohlwollenden Berichterstattung.
    Auf der anderen Seite gab es dann leider auch die Sars-CoV-2-Leugner, die sogar glauben machten, die Hochfinanz jüdischer Herkunft, habe Covid-19 erfunden, um womöglich die Weltherrschaft zu erlangen.
    Dank deshalb an Martina Frei, die hier immer wieder kritische Stimmen zu Wort kommen lässt.

  • am 14.08.2023 um 11:58 Uhr
    Permalink

    Herzlichen Dank zu diesem Bericht. Es tut gut am Montag etwas zu lesen was so fundiert und so informativ ist. Klärung hilft mir auch über den erlittenen Verlust von zwei nahestehenden Menschen hinweg, wo der Verdacht einer Post-Vac Reaktion besteht. Das Vertrauen in Pharmaprodukte und in kompetente sowie auch unabhängige Kontrollmechanismen muss wieder hergestellt werden. So etwas darf sich nie wieder wiederholen. Auch wäre eine Transparenz über die Geldflüsse, insbesondere solcher welche das Ziel hatten, Konsumenten in falscher Sicherheit zu wiegen, wichtig. Unlauteres Marketing hat den USA auch die Oxycodon-Seuche beschert. Der Schaden ist immens. Unethisch arbeitende Pharmaunternehmen werfen durch ihr Verhalten auch Schmutz auf verantwortungsbewusste Forschung und verantwortungsbewusste Pharmazeuten.

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