Kommentar
kontertext: Vierviertel statt 10 Millionen!
Mein Kollege Felix Schneider untersuchte jüngst in einem «kontertext» den emotional klamm machenden Begriff «Dichtestress» als «Nebelgranate» gegen real existierende soziale Probleme. Der Verkehr, die Wohnungsknappheit, die hohen Mieten sind solche Probleme, doch sie haben nichts mit dem Gefühl zu tun. Aber die vollen Züge, die Badeanstalten, die Asylsuchenden, die vielen Wanderer und Baustellen, die Obdachlosen, das lange Warten in Arztpraxen et cetera et cetera?
Alles Gugus, würde meine liebe Mutter sagen. Sie ist tot, aber ich spreche oft mit ihr. Lieber als mit der KI. Meine Mutter kannte keinen Dichtestress, sie suchte die Menschen auf, wo sie konnte, sie liebte es, unter Menschen zu sein und sie hatte Geduld mit allen. Ob auf dem Campingplatz, in ihrem Schrebergarten oder im Tram: Nie hörte ich sie sagen, dass da zu viele seien. Im Gegenteil, sie litt zuletzt arg unter Einsamkeit und als Schwerhörige unter Nicht-Zugehörigkeit. Meine Mutter hatte wie mein Vater und somit auch wie ich eine Migrationsgeschichte.
Migration und Zugehörigkeit
Wer mit Zahlen Mauern baut, hat Angst vor der Migration. Die SVP verkauft dies als naturwüchsigen Instinkt. Auch in diesem Onlinejournal folgte auf den Text von Felix Schneider eine Replik von Werner Vontobel, in welcher dieser den Begriff «Dichtestress» verteidigt, diesmal nicht mathematisch, sondern mit emotionaler und biologischer und tendenziell fremdenfeindlicher Begründung: Die Empfindung von Dichte sei sehr wohl abhängig davon, ob man «unter sich» sei, unter «Gleichgesinnten.» Man würde sich unter Gleichgesinnten einfach wohler fühlen, meint er.
Spätestens hier klingelte etwas in meinem Kopf. Natürlich suchen wir uns Freunde, Freundinnen und Bekannte eher aus dem gleichen sozialen Milieu. Aber daraus entsteht noch nicht der Gemeinsinn, aus welchem Gesellschaften gebaut sind. Im Gegenteil: Wenn die Gesellschaft in Gemeinschaften abgeschottet und parzelliert wird, zerfällt sie. Keine Gesellschaft, kein «Nationalstaat» kann sich sinnvoll entwerfen ohne ein plurales Verständnis von Bevölkerung, welche die Voraussetzung bildet von Solidarität und Demokratie. Deshalb wäre jetzt schon Zeit, den Fokus zu wechseln – weg von der falschen Millionen-Diskussion und dem notorischen Stress der SVP, hin zur Demokratieinitiative zu einer Vierviertel-Schweiz, welche Zugehörigkeit und Teilhabe möglich machen will. Ohne Geschrei.
Einbürgerung und Teilhabe
Die Demokratie-Initiative für eine Vierviertel-Schweiz sieht eine erleichterte Einbürgerung vor. Sie definiert sich nicht über Zahlen, sondern über die Art und Weise des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Ihr Beweggrund ist einfach: Wer schon nach fünf Jahren den rot-weissen Pass haben kann (weil er oder sie die Bedingungen dazu erfüllt), wird nicht mehr Ausländer:in sein. Das heisst: Er oder sie werden sich auch nicht mehr als Ausländer:innen verhalten müssen. Er und sie werden dazugehören. Familien werden sich befreunden, Ausbildungen werden gestärkt durch Perspektiven, Fachkräfte werden sich weiter qualifizieren, politische Rechte werden aktiv wahrgenommen, Vereine können auf Zuwachs zählen.

Wenn ich dieses positive Bild der Einwanderung zeichne, dann auch deshalb, weil ich es erlebt habe. Meine Eltern mussten nach ihrer Eheschliessung in Basel 1960 16 Jahre warten, bis sie die Einbürgerung «bestanden». Wir mussten als Familie in den 60er-Jahren den unglaublichen Stress der «Überfremdungsinitiative» überstehen, meine Eltern hatten den unbedingten Wunsch, uns den Status des Ausländerseins zu ersparen.
Sie boten sich nach der endlich gelungenen Einbürgerung sofort als Hilfe im Wahlbüro an, so sehr freuten sie sich über ihre erworbenen demokratischen Rechte. Sie engagierten sich im Turnverein, in der Altenpflege, sie unterstützten Initiativen, Nachbarschaften und lasen jeden Tag die «National-Zeitung». Mein Vater bedauerte es zeitlebens, dass er keinen Militärdienst leisten konnte, dafür war es zu spät. Er hätte der Schweiz gern zurückgegeben, dass sie ihm Heimat war, als in Deutschland der Krieg und der Faschismus das Familienleben bestimmten. Er wollte ein richtiger Schweizer sein.
Zwei Klassen Ausländer
Das seit 2014 gültige Bürgerrechtsgesetz dient solchen Bestrebungen weiterhin nicht, es ist restriktiver als das alte in seinen Anforderungen und enthält neue Schwellen. So zeigen die statistischen Auswertungen einer Studie auf, dass im Zeitraum von 2018 bis 2020 – im Übergang vom alten zum neuen Bürgerrecht – der Anteil der ordentlich eingebürgerten Personen mit Hochschulabschluss (sowohl Personen der ersten Generation wie auch ihre Nachkommen) sprunghaft anstieg, von 33,5 Prozent auf 57 Prozent.
Der Anteil der Personen, die nach der obligatorischen Schule keine weiterführende Ausbildung absolviert haben, sank entsprechend von 23,8 Prozent auf 8,5 Prozent. Das neue Bürgerrecht wirkt sich also insbesondere durch die sprachlichen Anforderungen an die Einbürgerungswilligen direkt diskriminierend aus und ist verantwortlich dafür, dass es Ausländer:innen erster und zweiter Klasse gibt. Daraus ergeben sich nicht unbedingt das Zusammengehörigkeitsgefühl und die Integration, die man sich wünscht unter schweizerisch «Gleichgesinnten». Dagegen will die Initiative angehen. Allein ihr Zustandekommen ist ein Wunder, konnten doch jene, die es betrifft, nicht unterschreiben. Wie damals beim Frauenstimmrecht, als die Betroffenen nicht abstimmen durften.
Der Gemeinsinn und die Lust auf Zugehörigkeit
Lust auf Zugehörigkeit ist keine Einbahnstrasse. Zugehörigkeit heisst eigentlich Zusammengehörigkeit. Die Schweiz erlebt diese immer wieder überraschend wie ein Ufo, das auftaucht bei den Siegen der postmigrantischen «Schweizer Fussballnati» und dann wieder verschwindet. Doch hat Zusammengehörigkeit nicht nur mit Gefühlen und Siegen zu tun, sondern mit Rechten und mit wirklicher Teilhabe. Und natürlich auch mit den Regulationen des Gemeinsinns.
Die oft ins Feld geführte Wohnungsnot infolge der Zuwanderung liesse sich zum Beispiel regulieren, wenn die Immobilien- und Bodenspekulation drastisch eingeschränkt würde und wenn die Kantone, Städte und Gemeinden mehr Boden kaufen und genossenschaftlich, sozial verträglich verwalten würden. Millionäre, die in Schweizer Städten leben wollen, könnten – ob mit oder ohne Schweizer Pass – auch in Genossenschaftswohnungen leben. Deshalb könnte das Angebot für Zuzüger lauten: Lust auf die Schweiz? Dann beginne doch einmal mit einer Genossenschaftswohnung statt mit einer Villa und zwei SUVs. Das würde auch beitragen zu Vontobels skizzierter «Gemeinschaft von unten».
Angst vor der Zukunft
Wer sich gestresst fühlt, hat in der Regel Angst. Angst vor der Zukunft ist für unsere Zeit und ihrem «Ende der Utopien» bekannt und weit verbreitet. Ein weiterer Satz bei Vontobel muss deshalb aufhorchen lassen. Er schreibt: «Aktuell geben 37 Prozent der Jugendlichen an, sich gestresst zu fühlen. Seit 1980 hat sich der Anteil der psychischen Erkrankungen an allen Arbeitsausfällen verdreifacht. Auch die tiefe Geburtenrate von 1,3 Kindern pro Frau kann als Zeichen von Stress gewertet werden.»
Da Vontobel gerne die KI fragt, sei ihm hier von einer Fachperson, die seit vier Jahrzehnten mit jungen Menschen arbeitet, heftig widersprochen: Ja, die psychischen Belastungen haben zugenommen, Tendenz steigend, wie die Zahlen der IV zeigen. Das muss die Politik alarmieren, aber doch nicht, indem man auf die Fremden zeigt! Die mehrfach belastete Generation Z hat, weiss Gott (besser als die KI) andere Sorgen als die «Fremden».
Natürlich gehören zu ihren Sorgen auch Wohnungsnöte, in Deutschland das Kollabieren des öffentlichen Verkehrs, bei vielen das Misstrauen in das patriarchale System «Familie». Sie zu verstehen, heisst: zu erforschen, worunter sie tatsächlich leiden. Und das ist zurzeit Aufgabe der Politik, der Medizin und der Soziologie in dieser Generation, für diese Generation. Einer Generation, die sich zu Recht in grossen Teilen um ihre Zukunft betrogen sehen muss. Angesichts des beständig steigenden Leistungsdrucks, den menschenfernen Rationalisierungen in allen Lebensbereichen, den anhaltenden Druckversuchen aus dem Patriarchat, dem politischen Versagen in Bezug auf Klima und Völkerrecht (auch in der Schweiz!) und dem Totaleinbruch einer moralischen Weltordnung durch die Autokratien, braucht es einen anderen Frühling als jenen, den die SVP verspricht, und der, anders als viele vermuten, nicht in der KI aufblüht.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine. Silvia Henke ist Literatur- und Kulturwissenschaftlerin und Publizistin. Sie unterrichtet an der Hochschule Luzern Design & Kunst u.a. Kunst und Politik und visuelle Kultur. Forschungsschwerpunkte sind Kunst und Religion, künstlerisches Denken, transkulturelle Kunstpädagogik. Sie interessiert sich grundsätzlich für die Widersprüche der Gegenwart, wie sie auch in der Medienlandschaft auftauchen, und veröffentlicht regelmässig Texte und Kolumnen in Magazinen und Anthologien.
Unter «kontertext» schreibt eine externe Gruppe von Autorinnen und Autoren. Sie greift Beiträge aus Medien auf, widerspricht aus journalistischen oder sprachlichen Gründen und reflektiert Diskurse der Politik und der Kultur. Zurzeit schreiben regelmässig Silvia Henke, Mathias Knauer, Michel Mettler, Felix Schneider und Beat Sterchi.
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.









NEIN zur „Demokratie-Initiative“: Einbürgerung ohne Anstrengung?
Der Zweck dieser Initiative ist eigentlich nur, neue Wählerschichten zu rekrutieren. Man weiss von früheren Untersuchungen der Universität Lausanne, dass Ausländer:innen parteipolitisch wie auch in Sachfragen weiter links stehen als Schweizer:innen. Folglich gehen Linke und Grüne davon aus, dass die «neuen Schweizer:innen» vor allem ihren Wähler:innen-Anteil erhöhen werden.
Die Bedingungen dieser Initiative sind von vornherein frei von jeglichem Geist der Anstrengung Schweizer:in zu werden. Sie wird zweifellos in der Volksabstimmung scheitern
Absolut völlig komplett falsch. Dass es Menschen gibt, die ein und denselben «Gegenstand» (Sachverhalt) dermassen auf den Kopf gestellt propagieren, beweist doch am besten, dass «Ungleiche» NICHT zusammenpassen, dass das im alltäglichen Zusammenleben einzig Reibereien, Kontraproduktion gäbe, wo wir doch punktgenaue Kooperation – in Gruppen – für maximale Ergebnisse benötigen wie nie zuvor auf unserem Notplaneten.
Ich finde, Werner Vontobel hat recht, Felix Schneider hat unrecht.
Wohnenimmissionen:
Silvia Henke, wenn Ihre Mutter unter Einsamkeit litt, wenn überhaupt Menschen das «Bad in der Masse» therapeutisch benötigen, ist das ihr individuelles Problem, was sie jedoch nicht berechtigt, das kollektivierend allen anderen aufzuzwingen.
Ob man Schweizerpass «erwarb» oder nicht, egal, man ist eh dieselbe Person. Im Gegenteil, solange man den Pass nicht hat, wird man sich mehr anstrengen korrekt aufzutreten, um «Mitglied» werden zu dürfen. Auch Verkehrsfluten Wohnungsnot heilt Pass nicht.
Lassen Sie mich eins vorausschicken. Ich sehe auch, dass man nicht alle Menschen der Welt in der Schweiz oder in Deutschland aufnehmen kann. Dass man aber unter anderem mit niedrigen Steuersätzen gezielt die Reichen der Welt anlockt, sich dann aber über Dichtestress und darüber beschwert, dass diese die Filetstücke der Schweiz kaufen, diese Logik verstehe ich nicht ganz. Ich möchte auch nicht die Klagen der Schweizer über lange Wartezeiten in den Wartezimmern hören, wenn sie nur noch von in der Schweiz geborenen Ärzten behandelt werden könnten. Und die SUVs, welche die Schweizer Strassen verstopfen, gehören auch in den seltensten Fällen ausländischen Pflegekräften.
Auf InfoSperber gibts keinen «Like-Button», sondern die Frage: «War dieser Artikel nützlich?».
Es ist allerdings offensichtlich, dass die Nutzer die Funktion faktisch gleich verwenden wie einen Like-Button andernorts, nämlich um spontan Einverständnis oder Ablehnung mit der Autorin, dem Autor auszudrücken.
Dass hier unter einem Artikel, der im Wesentlichen ausdrückt, wir könnten es in der Schweiz doch MITeinander versuchen, statt GEGENeinander, der sich mithin auf so einen urschweizerischen Wert wie die Solidarität beruft, achtmal auf Ablehnung gedrückt würde und, mich inklusive, nur fünfmal auf Zustimmung, das gibt mir schon zu denken. Besonders am 1. Mai.
In drei Monaten ist 1. August. Hoffentlich verstehen die «Ablehner» bis dahin, wie unschweizerisch ihr Denken ist. Unabhängig davon, ob und wie lange schon sie den roten Pass mit dem weissen Kreuz haben.
Lieber Herr Wacek, normalerweise antworte ich nicht auf Kommentare, aber hier möchte ich Ihnen beipflichten: die Option nützlich/unnützlich für die Beurteilung eines Textes wird oft falsch verstanden. Sinnvoller wäre eine Beurteilung der Qualität eines Textes – Fundiertheit, Stil, Relevanz, Genauigkeit. In diesem Sinn ist es erfreulich, dass Stimmen wie Ihre auch in den Kommentarspalten auftauchen. Ich erhalte üblicherweise die zustimmenden Meinungen per E-Mail, also nicht öffentlich, das verzerrt das Bild der Rezeption schnell. Die E-Mails sind in der Regel differenzierter und freundlicher als die Kommentare.
mit besten Grüssen, Silvia Henke
@Daniel Wacek – Ich finde Ihren Text mehrfach falsch. Ich sehe in vielen Medien «Likes, Dislikes», irreführend, ob sie das Veröffentlichtwerden per se oder einen Missstand, über den berichtet wird, betreffen. Daher finde ich es genial, dass Infosperber es RICHTIG macht: «nützlich, nicht nützlich». Sie finden Solidarität urschweizerisch. Auch hier dasselbe Problem: Solidarisch mit wem? Mit Umwelt und Urschweizern (insbesondere Kranken, Hilfsbedürftigen, in Zeiten von Wohnungsnot sogar Obdachlosen)? Oder mit Immigration Openend?
Noch irreführender als «Like, Dislike» finde ich den Vorschlag von Silvia Henke: Beurteilung «der Qualität eines Textes – Fundiertheit, Stil, Relevanz, Genauigkeit».
Meine Beurteilung: Zum Haareraufen.
Vielen Dank für diesen Artikel, Frau Henke.
Ergänzend möchte ich darauf hinweisen, dass der wirtschaftliche Erfolg der Schweiz historisch eng mit der Zuwanderung verknüpft ist. Ein prominentes Beispiel ist die Uhrenindustrie: Sie entstand massgeblich durch das Know-how der Hugenotten, die im 16. und 17. Jahrhundert als Glaubensflüchtlinge aus Frankreich nach Genf und in den Jurabogen kamen. Ohne diesen Wissensimport wäre einer unserer heute wichtigsten Industriezweige wohl nie entstanden.
Das tönt ja alles schön und richtig, was Silvia Henke schreibt, auch über das Unwort «Dichtestress». Er ist aber aus der Perspektive einer Kulturschaffenden geschrieben, die nicht verstehen will, dass dieser Fokus auf die «Ausländer», wenns um Probleme wie steigende Mieten und Preise, hohe Krankenkassenprämien usw. geht, für viele von uns nichts anderes übrig bleibt, als einer fragwürdigen Initiative wie «der 10 Millionen Schweiz» zuzustimmen. Ich jedenfalls drücke mit meinem Ja meinen Protest gegen das Verharren in alten Mustern und dem daraus folgenden Stillstand aller linken und rechten (wirklich aller) Parteien aus. Das ist nichts als Wut, die sich gegen die da oben wendet, die immer noch meinen, so weiter fahren zu können wie bisher. Trump lässt grüssen.
Vierviertel sind ein „Ganzes“, unbesehen der Zahlengrösse. Wenn ich zu Vierviertel zum Hausarzt gehe, weil meine Körperfülle immer mehr wird und die Kleider aus den Nähten platzen, zudem ich mich in meinem Korsett nicht mehr wohl fühle, dann rät mir der Arzt abzuspecken. Dies auch, weil meine Infrastruktur (Organe) gesundheitliche Schäden unter dem „Dichtestress“ davontragen. Eine nüchterne Tatsache, die Schweiz kann auch nicht über ihre Grenzen hinaus wachsen.
Wenn aber die Zuwanderung zur Verdrängung wird, wie wir sie zB. in Deutschland beobachten können, dann wird‘s gefährlich. Dass Migranten die deutsche Gesetzgebung ablehnen, weil für sie die Scharia gilt, oder gar ein Kalifat fordern, dann ist sowas der Kuschelpolitik geschuldet. Wollen wir tatsächlich unsere abendländische Kultur und unsere Werte der Zuwanderung opfern? Wenn ich ins Ausland reise, dann wird von mir verlangt, dass ich dessen Hausordnung respektiere. So lässt‘s sich auch problemlos (ohne Ghettos) zusammenleben.
Ich kenne viele Menschen mit Migrationsgeschichte, die null Interesse haben an der Schweiz und sich keinesfalls einbürgern lassen möchten.
10 Jahre lang Versuche einer Genossenschaft in Zürich, Flüchtlinge, Ausländer und Secondos mit «Locals» zusammenzubringen, inkl. Fond für Wogeno-Anteile und finanzielle Unterstützung, scheiterten kläglich. Niemand wollte seine heimatvermittelnden Landsleute mit Menschen aus anderen Nationen oder der CH tauschen.
Ist es hilfreich, nicht-einbürgerungs-interessierten Menschen die CH-Bürgerschaft aufzudrücken, damit sie sich nicht mehr als Ausländer verhalten können?
Der ganze Stolz des österreichischen Ehemannes meiner Gotte (Schweizerin) begründete auf seinem Nationalstolz. Er wollte zeitlebends nicht eingebürgert werden, nicht einmal geschenkt!
Die Mehrheit der Menschen kommt wegen des Geldes oder der Arbeit in die Schweiz. Vielleicht weil es zuhause nicht so rund läuft. Oder wegen der Liebe. Kaum wegen der CH-Bürgerschaft.
«Dichtestress» hängt nicht nur von der Anzahl Personen pro Fläche ab, sondern auch von deren Verhalten, z. B.: Wenn in einem stark besetzten Zug man die schon sitzenden Passagiere explizit aufforden muss, den von ihren Handtaschen besetzten Platz gefälligst freizumachen, so entsteht Stress und Unmut. Bei gegenseitiger Rücksichtnahme- «Gleichgesinnte» in Bezug auf soziales Verhalten 🙂 – wäre die Stimmung schon wesentlich entspannter und der «Dichtestress» geringer. Und dies ist keine Frage des Farbe des Passes.-
«… Totaleinbruch einer moralischen Weltordnung durch die Autokratien…» Dieser Einbruch findet bei uns hier statt, z.B. wenn unliebigen Journalisten ohne Anklage, Prozess und Urteil durch Sanktionen die Existenzgrundlage entzogen wird (Jacques Baud und andere). Solche Willkür macht effektiv die Gesellschaft kaputt, oder die Doppelmoral hinsichtlich Israel und Russland. Schuld daran sind aber nicht die «Autokraten» anderswo.
Etwas vom Gescheitesten, was ich bis jetzt gelesen habe zum Thema Migration, Zugehörigkeit und Zugang zur Schweizer Staatsbürgerschaft. Ich schätze Werner Vontobel sehr, aber beim Thema Migration bringt er es nicht auf die Reihe. Er argumentiert tatsächlich unterschwellig fremdenfeindlich, für mich unverständlich.
Nur nebenbei: Mein Nachname kommt aus Solwenien, aber es war mein deutsch sprechender Urgrossvater, der zu Zeiten des KK-Reichs in die Schweiz kam. Ich habe einen ähnlichen familiären Hintergrund wie SVP Übervater Christoph Blocher, dessen Vorfahren aus Deutschland in die Schweiz kamen.
Zur Aussage im Artikel: «Wer mit Zahlen Mauern baut, hat Angst vor der Migration. Die SVP verkauft dies als naturwüchsigen Instinkt. Auch in diesem Onlinejournal folgte auf den Text von Felix Schneider eine Replik von Werner Vontobel, in welcher dieser den Begriff «Dichtestress» verteidigt, diesmal nicht mathematisch, sondern mit emotionaler und biologischer und tendenziell..»
Eine Meinung: Möglich, dass die SVP und viele in der Schweiz die Sorge haben könnten, dass Europa und somit auch die Schweiz, – laut Schätzung der Weltbank – die bis zu 831 Millionen Menschen, die weltweit in absoluter Armut leben müssen nicht aufnehmen kann. Und auch keine Lösungsvorschläge, wie die weltweite Armut bekämpft werden kann. präsentieren könnnen und so entstand wohl das Wort «Dichtestress». Möglich, dass das Thema der Ueberaltung noch zu wenig beachtet wird. SRF 07.07.25: «Fast jede fünfte Person in der Schweiz ist über 65 Jahre alt»
Gunther Kropp, Basel