Kommentar

kontertext: Eine widerliche Karikatur

Felix Schneider © zvg

Felix Schneider /  Unternehmer kämpfen mit allen Mitteln für das Kriegsmaterialgesetz

Am Anfang stand der Schreck bei der Begegnung mit diesem ganzseitigen Inserat der Swissmem (Verband der Tech-Industrie) in der gestrigen NZZ:

Antisemitismus
Ganzseitiges Inserat auf Seite 4 in der «NZZ» vom 17. April 2026

Nase und Ohren sind riesig.  Er lächelt hinterfotzig. Die sprechenden Hände falten sich zu einer verlogenen Bittgeste. Klein ist der Mann und hässlich, aber gut gekleidet, Banker vielleicht, jedenfalls mächtig. Sein Interesse, das er sorgfältig verbirgt, ist es, die Welt in Brand zu stecken. Über und neben ihm die schrecklichsten Waffen, hinter ihm das Feuer. Er kommt aus der Hölle. Und man sieht es ihm an. Er hat den naiven jungen Mann verhext. Der ist unser Sohn, sympathisch eigentlich, aber er verschenkt unser Land an den Teufel.   

Diese Bildsprache ist zwar karikaturhaft, aber sie gibt sich realistisch, als käme sie aus dem vorletzten Jahrhundert. So sind die, sagt sie, das sieht man doch auf den ersten Blick.  

Diese Bildsprache kommt aus der Tradition der antisemitischen Karikatur. Aber gemeint ist doch „Täterchen Putin“, wie der WoZ-Redaktor Kaspar Surber in einer Diskussion auf Facebook witzig sagt. Wohl schon, nur trägt er Netanjahus Elefantenohren. Und eine Freundin schreibt gar, wer bei jedem händereibenden Troll gleich den ewigen Juden sehe, müsste den Fehler vielleicht mal bei sich selbst suchen. 

Liegt der Antisemitismus nun in der Karikatur oder im Auge bzw. dem Geist des Betrachters? Oder, und das scheint mir am wahrscheinlichsten, haben wir es hier mit einer derzeit aktuellen, breiteren Erscheinungsform des Antisemitismus und Rassismus zu tun? Bewusst oder unbewusst kommt die antisemitische Bildtradition hoch und wird genutzt, aber gleichzeitig auch durch Zensur unter dem Deckel gehalten. Selber schuld, wer hier den Juden sieht. Das scheint eine Methode zu sein. Der Schriftsteller Guy Krneta erinnert an das SVP-Plakat mit den Schafen. Schon damals hätte man sagen können: Selber schuld, wer bei schwarzen Schafen an Ausländer denkt. Hier wie dort: Im Zweifel hat niemand irgendetwas Anrüchiges direkt gesagt oder gezeichnet. Die Unschärfe ist gewollt. 

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Unter «kontertext» schreibt eine externe Gruppe von Autorinnen und Autoren. Sie reflektiert Diskurse der Politik und der Kultur, greift Beiträge aus Medien kritisch auf und pflegt die Kunst des Essays. Zurzeit schreiben regelmässig Silvia Henke, Mathias Knauer, Michel Mettler, Felix Schneider und Beat Sterchi.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
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