Sperberauge

Bots versuchten, neues Anti-Tabak-Gesetz zu sabotieren

Sperber 2025 © Bénédicte

Martina Frei /  Unbekannte Absender beeinflussten die Vernehmlassung massiv. Doch der Plan wurde durchkreuzt.

Im Oktober 2023 wollte die britische Regierung von der Bevölkerung unter anderem wissen, ob Einweg-Vaping-Produkte stärker reguliert werden sollen. Diese vorgeschriebene Vernehmlassung bestand aus einem ganzen Katalog von Fragen rund um ein geplantes Gesetz. Es soll helfen, eine «rauchfreie Gesellschaft» zu etablieren. 

Von den rund 119’000 Antworten, die eingingen, stammten fast 91’000 von Bots. 99,9 Prozent der Bot-Antworten stimmten gegen eine Beschränkung.

Doch das britische Gesundheitsministerium bemerkte den Schwindel, unter anderem, weil die Bots nur auf drei Multiple Choice-Fragen antworteten und diese Antworten mit hoher Frequenz von wenigen Computeradressen abgeschickt worden waren. Weitere Details legte das Ministerium nicht offen. Wer die Absender der Bots waren, ist ebenfalls unklar. 

Grosse Tabakfirmen hätten früher schon versucht, öffentliche Vernehmlassungen zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Daran erinnern zwei Gesundheitswissenschaftler in der Zeitschrift «Tobacco Control», die nun über die versuchte Beeinflussung durch die Bots berichten.

Wäre der Täuschungsversuch nicht aufgeflogen, hätte das Gesundheitsministerium annehmen müssen, dass die Abstimmenden mit überwältigender Mehrheit gegen eine Beschränkung von Einweg-Vaping-Produkten votierten. Nachdem die Bot-Antworten ausgeschlossen wurden, habe sich jedoch gezeigt, dass das Gegenteil der Fall gewesen sei: Die Mehrheit war für eine Beschränkung. 

Die Bots konnten das Ruder in diesem Fall nicht herumreissen: Seit Juni 2025 sind solche Wegwerf-Vaping-Produkte in Grossbritannien verboten. Ab dem 1. Januar 2027 verbietet das Gesetz auch den Verkauf von Tabakprodukten sowie Zigarettenpapier an alle Personen, die am 1. Januar 2009 oder danach geboren wurden. 

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