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In Spanien spricht der öffentlich-rechtliche TV-Sender Klartext und verharmlost männliche Gewalt nicht als «Sorgerechtsstreit» oder «Beziehungsdelikt». © TVE

Der Begriff «Sorgerechtsstreit» vernebelt Gewalt 

Barbara Marti /  «Sorgerechtsstreit» statt «Gewalt von Männern»: Medien verschleiern, wie gefährlich es für Frauen in Trennung ist.

Im Sommer erschoss ein Mann in Deutschland in einer Mutter-Kind-Einrichtung sechs Sozialarbeiterinnen und -arbeiter. Seine Frau, die in der Einrichtung im niedersächsischen Stade gelebt hatte, blieb unverletzt.

Medien verharmlosen Gewalt

In den Medien war die Rede von «Sorgerechtsstreit», «Familientragödie», «Beziehungstat» und «privatem» Hintergrund. All diese Begriffe entlasten den Täter. Sie suggerieren, dass die Opfer mitschuldig an den Morden seien. Autorin Alexandra Zykunov schrieb im «Spiegel» (Bezahlschranke), die Polizei in Stade habe diese Begriffe in ihren Medienmitteilungen verwendet. Aufgabe der Medien wäre es gewesen, sie nicht einfach zu übernehmen und damit die Morde zu verharmlosen. Patriarchale Gewalt müsse man als solche benennen.

Zudem müsse man aufzeigen, dass Männer nach einer Trennung besonders oft Gewalt ausüben. Gefährdet seien nicht nur die Partnerin und die Kinder, sondern auch deren persönliches Umfeld, Anwältinnen und Sozialarbeitende. Es gehe um männliche Gewalt und nicht um einen «Sorgerechtsstreit» oder einen «privaten Hintergrund» in einem Einzelfall, so Zykunov. «Deutsche Medien müssen endlich aufhören, männliche Gewalt sprachlich zu verharmlosen.»

Kontrolle über Frau und Kinder

Sozialarbeiterin Leo Lührs schrieb auf Instagram: «Ich habe nicht wegen Beziehungs- oder Sorgerechtsstreitigkeiten eine Notfallpfeife am Schlüsselbund, sondern wegen patriarchaler Gewalt.» Familienrechtsanwältin Asha Hedayati sagte in einem Interview mit der «Zeit» (Bezahlschranke), dass viele Männer nach einer Trennung versuchen, ihre Macht und Kontrolle über Frau und Kinder mit Gewalt zurückzugewinnen. Statistisch sei die Trennungssituation einer der gefährlichsten Momente für eine Frau, da männliche Gewalt dann häufig eskaliere.

Vorbild Spanien

In Spanien hat ein Umdenken stattgefunden. Auslöser war der Mord an einer Frau, die ihrem Mann in einer TV-Sendung vorgeworfen hatte, sie jahrelang geschlagen zu haben. Mittlerweile ist jeder Frauenmord die erste ausführliche Meldung in den Hauptnachrichten des öffentlich-rechtlichen Senders TVE. In den Schlagzeilen ist von geschlechtsspezifischer Gewalt, Macho-Gewalt oder männlicher Gewalt die Rede und nicht verharmlosend von einem «Sorgerechtsstreit». Zykunov: «Geschlechtsspezifische Gewalt, patriarchale Gewalt, männliche Gewalt – diese Worte findet man in der deutschen Berichterstattung um Stade viel zu selten.»


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