Primär-Energieverbrauch weltweit gemäss BP Statistical Review © BP/Guggenbühl

Allein seit dem Erdgipfel von 1992 in Rio stieg der globale Energieverbrauch um 67 %.

Klima hin, Paris her – der globale Energiekonsum wächst stetig

Hanspeter Guggenbühl / 22. Jun 2018 - Hiobsbotschaft zwei Jahre nach dem Klimaschutz-Vertrag von Paris: 2017 hat der fossile Energiekonsum weltweit weiter zugenommen.

Wer Zeitungen liest, Radio hört oder fernsieht, hat das Gefühl, die Energiewende habe Fahrt aufgenommen. China etwa, das bevölkerungsreichste Land der Erde, das am meisten Kohle verheizt und verstromt, wandle sich nach Deutschland zum Vorreiter in Sachen Solar- und Windenergie. Allein in den letzten 12 Monaten, so zeigt das Schweizer Medienarchiv, gab es über hundert Artikel, in denen über China im Zusammenhang mit Sonnenenergie berichtet wurde.

Erneuerbare: Plus 17 Prozent, aber ...

Es stimmt: Die Nutzung von Solar-, Wind und anderen erneuerbaren Energieträgern erzielte in den letzten Jahren zweistellige Wachstumsraten, nicht nur in China oder Deutschland, sondern auch weltweit. So stieg der Konsum von erneuerbarer Primärenergie (exklusive Wasserkraft) allein im Jahr 2017 gegenüber dem Vorjahr global um 17 Prozent. Das zeigt die am 13. Juni veröffentlichte Weltenergie-Statistik, die der Erdölmulti BP jährlich erstellt. Doch dieser vermeintliche Erfolg verdeckt drei Probleme:

  • Die zweistelligen Wachstumsraten der erneuerbaren Energieträger fussen auf einer winzigen Basis: Gemessen am gesamten globalen Primärenergie-Verbrauch betrug der Anteil der kommerziell genutzten erneuerbaren Energie (Sonne, Wind, Biomasse, aber ohne Raubbau von Holz in Urwäldern) erst drei Prozent; dazu kamen Wasserkraft (8 %) und Atomenergie (4 %) mit einem Anteil von zusammen zwölf Prozent.

  • Der Anteil der fossilen Energie (Kohle, Erdöl plus Erdgas) am weltweiten Primärenergieverbrauch beträgt damit immer noch 85 Prozent, im eingangs erwähnten China etwas mehr. Und die Verbrennung dieser nicht erneuerbaren Energieträger hat 2017 ebenfalls zugenommen. Prozentual wuchs dieser fossile Verbrauch zwar "nur" um 1,8 Prozent, in absoluten Zahlen (gemessen in Erdöl-Equivalent) aber dreimal stärker als die Nutzung von erneuerbarer Energie.

  • Die Verbrennung von Kohle, Erdöl und Erdgas erzeugt das Treibhausgas CO2, das Hauptursache ist für die von Menschen verursachte Klimaerwärmung. Dieser energiebedingte CO2-Ausstoss stieg gegenüber dem Vorjahr um 1,4 Prozent. Die Zunahme beim CO2 ist deshalb etwas geringer als bei der fossilen Energie insgesamt, weil sich die Nachfrage nach fossiler Energie verlagerte: Der Einsatz von Kohle und Erdöl nahm etwas weniger stark zu als der Einsatz des kohlenstoffärmeren Erdgases.

    Klimapolitik und Energieförderung im Widerspruch

    Insgesamt stieg der gesamte Primärenergieverbrauch im Jahr 2017 gegenüber dem Vorjahr um 2,2 Prozent, zeigt die BP-Weltenergie-Statistik, der nicht erneuerbare fossile Verbrauch allein wie erwähnt um 1,8 Prozent. Damit geht die Plünderung der Energievorräte, die sich seit dem Zweiten Weltkrieg vervielfachte, ungebremst weiter. Dieser Trend, der die Energiewirtschaft freut, steht auch den Zielen des Klimaschutzes diametral gegenüber.

    So akzeptierten die an der Klimakonferenz in Paris teilnehmenden Staaten das Ziel, die Erwärmung des Klimas auf weniger als zwei Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Würden die Regierungen dieses Ziel ernst nehmen, so müssten sie nicht die CO2-Emissionen mit komplizierten Gesetzen oder Emissionshandels-Mechanismen begrenzen, sondern sie müssten die Verbrennung von Kohle, Erdöl und Erdgas verbieten, schreibt der Wissenschaftsjournalist Marcel Hänggi in seinem neuen Buch "Null Öl, Null Gas, Null Kohle". Oder noch besser: Die Zufuhr von Kohlenstoff unterbinden, indem ab sofort kein Öl, kein Gas und keine Kohle aus dem Boden mehr gefördert wird.

    Weltenergie-Konsum: kein Medienthema

    Doch diese Konsequenz blenden die Unterzeichnerstaaten ebenso aus wie die meisten Medien. Die gleichen Redaktionen, die seitenlang über den Erfolg des Klimavertrags von Paris berichteten, sorgen sich in ihren Konjunktur- und Rohstoffberichten, wenn der Preis pro Barrel Rohöl mangels zusätzlicher Förderung steigt. Bemerkenswert ist deshalb, dass bisher keine Deutschschweizer Zeitung über die neuste, jetzt auch schon zehn Tage alte Weltenergiestatistik und ihr katastrophales Resultat berichtet hat. Resultate, also düstere Wahrheiten, interessieren offensichtlich weniger als Prognosen und Absichtserklärungen.

    *

    Schweizer Endenergieverbrauch 2017 leicht gesunken

    Der Endverbrauch an Energie (Heizöl, Treibstoff, Strom, etc.) in der Schweiz ist 2017 gegenüber dem Vorjahr um 0,4 Prozent gesunken. Das zeigt die am 21. Juni veröffentlichte Medienmitteilung des Bundesamtes für Energie (BFE) zur nationalen Gesamtenergie-Statistik (die vollständige Statistik wird später publiziert). Dieser leichte Rückgang ist primär auf die etwas wärmere Witterung im Jahr 2017 gegenüber 2016 zurück zu führen.

    Noch deutlicher, nämlich um 1,3 Prozent, sank 2017 im Inland der Pro-Kopf-Konsum an Endenergie, der für die Umsetzung der nationalen Energiestrategie massgebend ist (siehe dazu den Infosperber-Artikel vom 20. April: "Warum der Energiekonsum in der Schweiz seit 2010 sinkt")

    Der End-Energieverbrauch eines Landes ist nicht identisch und darum nicht vergleichbar mit dem Primär-Energieverbrauch (Erdöl, Erdgas, Kohle, Atombrennstoffe, Wasserkraft, übrige Erneuerbare), welche die globale Statistik erfasst. Denn beim Endverbrauch sind die Umwandlungs-Verluste (zum Beispiel von Uran zu Atomstrom oder von Rohöl zu Benzin, etc.) bereits abgezogen.

  • Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

    keine

    Weiterführende Informationen

    o Dossier: Klimapolitik kritisch hinterfragt
    o Dossier: Energiepolitik ohne neue Atomkraftwerke
    Der reale Energiemarkt macht die Politik wirkungslos (auf Infosperber)

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    2 Meinungen

    "Allein seit dem Erdgipfel von 1992 in Rio stieg der globale Energieverbrauch um 67 %», schreibt Hanspeter Guggenbühl. Auch «zwei Jahre nach dem Klimaschutz-Vertrag von Paris von 2017 hat der fossile Energiekonsum weltweit weiter zugenommen», vermerkt Guggenbühl weiter.

    Es wäre an der Zeit, dass in der Schweiz etwas gemacht wird. Statt für Milliarden neue Kampfjets zu kaufen und jährlich fünf Milliarden Franken in die unnütze Armee zu stecken könnte in alternative Energien investiert werden. (Wenn alle Ausgaben für das Militär berücksichtigt werden sind es 10 Milliarden Franken die für die so genannte militärische Landesverteidigung vergeudet werden)
    Heinrich Frei, am 24. Juni 2018 um 16:21 Uhr
    Heinrich Frei: Am besten Sie schaffen gleich den Menschen ab. Somit gäbe es keine Kriege mehr, die Dinos könnten ein Revival erleben, die Natur würde nicht mehr belastet.
    Leider sind das Träumereien. Statt alle Massnahmen aufs CO2 zu reduzieren, sollten die grösseren Probleme angegangen werden: Weltweite Familienplanung zur Reduktion der Menschheit, Raubbau an der Natur, Abholzen der Regenwälder, Verschmutzung der Meere durch die grossen Schiffe mit Abfällen jeglicher Art, Chemieabfälle feste und flüssige, usw, Leerfischen der Meere, Mikroplastik verbieten, das sich in fast allen kosmetischen und vielen weiteren Produkten befindet und so ins Wasser und in die Meere geschwemmt werden. Herstellen vieler Produkte, die eine längere Lebenszeit hätten und reparabel wären um Material zu schonen . Drastische Reduktion des Abfalls generell, weltweite Wiederverwertung vieler, verbrauchter Materialien!
    CO2 ist ein praktisches Vehikel. Man kann es messen, alle Fahrzeuge sind nummeriert, haben Adressen der Besitzer, die man zur Kasse bitten kann, im Glauben das Klima werde sich dadurch nicht mehr erwärmen. Natürlich ist es sinnvoll, jeglichen Verbrauch von Energie und anderen Ressourcen zu minimieren, was, wie kaum in einer anderen Branche, beim Auto in den letzten Jahrzehnten erfolgt ist! Ich ahne, dass wir uns irgendwann nochmals verteidigen werden müssen - ohne Armee geht das allerdings nicht! Wir könnten uns natürlich auch aufgeben!
    Willy Brauen, am 26. August 2018 um 12:57 Uhr

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