Kernmantel im KKW Mühleberg © pd

Kernmantel im KKW Mühleberg

AKW Mühleberg: Ein Riss geht durch ganzen Stahl

Red. / 06. Jul 2011 - Am Kernmantel wurde erstmals ein wanddurchdringender Riss entdeckt. Behörden wiegeln ab. Neue Fakten im Blog von Thomas Angeli.

Bei der Aufsichtsbehörde Ensi sah man nicht einmal einen Anlass, den Durchriss im Jahresbericht zu erwähnen: Dieser sei zwar bei einer Prüfung mit einem Ultraschallmessgerät festgestellt wor­den, bestätigt Peter Flury, Abteilungschef Betriebsüberwachung beim Ensi. «Bei der vi­suel­len Überprüfung war jedoch kein Riss zu erkennen.» Um einen Durchriss zu erkennen, sei die visuelle Prüfung zuverlässiger als die Ultraschallprüfung, meint Flury.

«Vorsichtshalber von Durchriss ausgehen»

Solange man die betroffene Stelle nicht mit einem dritten Verfahren untersucht habe, müs­se man «vorsichtshalber da­von ausgehen, dass ein Durchriss vorhanden ist», urteilt hingegen der Nuklear­sicher­heitsspezialist Christian Küppers vom Öko-Institut Darm­stadt: «Der Durchriss bestärkt uns in unserer Forderung, dass der Kernmantel ausgetauscht werden muss und nicht bloss geflickt werden sollte.»

In seinem Blog angelisansichten.ch berichtet der auf Kernkraftwerke spezialisierte Journalist wie folgt weiter:

Über den Zustand des Kernmantels im AKW Mühleberg spricht weder die Betreiberfirma BKW noch das Nuklearinspektorat (Ensi) gerne. Schliesslich ist der rund neun Meter hohe Stahl­zylinder ein wichtiges Element für die Sicherheit des AKWs. Durch ihn fliesst das Kühlwasser. Und in seinem Innern befinden sich die Befestigungen für die Brennelemente und die Steuerstäbe, mit denen die Reaktorleistung reguliert wird.

Geheim gehaltene Aussagen liegen dem Beobachter vor

1990 stellte man am Kernmantel erstmals Risse fest. 1996 liess die BKW deshalb vier Zug­anker montieren, die den Stahlzylinder sichern sollten. Bis Ende 2010 musste die BKW dem Ensi zudem ein Instandhaltungskonzept für den Kernmantel vorlegen. Ausschnitte daraus, die dem Beobachter vorliegen, zeigen nun, dass sich der Zustand des Kernmantels weiter verschlechtert hat. Zum einen sind die Risse mittlerweile total 3,5 Meter lang. Bei der Jahresrevision 2009 stellten Techniker zum anderen an der Schweissnaht Nummer 4 erstmals einen Riss fest, der die Wand des Kernmantels vollständig durchdringt.

Das sei ein «völlig neues Gefahrenmoment», sagt Jürg Aerni von Fokus Anti-Atom. Durch einen beschädigten Kernmantel seien sowohl die Brennelemente als auch eine sichere Schnellabschaltung und Notkühlung gefährdet.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Weiterführende Informationen

Zum Blog von Thomas Angeli
«Streit um Risse im Kernmantel». Artikel in der Berner Zeitung vom 19.3.2011
Zum Bericht im Schweizerischen Beobachter

Eine Meinung

Ein paar Fakten gibt's hier: http://www.ensi.ch/index.php?id=439
Andrea Müller, am 09. Juli 2011 um 18:09 Uhr

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