Je stärker China mit Sanktionen belegt wird, desto mehr baut das Land seine Macht in Asien aus. © MediaPioneer

Drei Grafiken illustrieren die Grössenordnungen der Machtblöcke

Gabor Steingart / 04. Nov 2019 - Die von China initiierte Freihandelszone Asiens stellt sich denen in Amerika und in Europa entgegen. Ein augenfälliger Vergleich.

Red. Gabor Steingart war Wirtschaftsjournalist in Berlin und Miteigentümer der deutschen Handelsblatt-Gruppe. Heute gibt er den Newsletter «Morning Briefing» heraus, aus dem wir folgenden Beitrag entnehmen.

In Asien plant man die Zukunft

Die Briten träumen vom Brexit, so wie die Deutschen von der Schwarzen Null. In Italien spukt wieder Berlusconi, in Polen noch immer der Heilige Geist. Und alle Europäer zusammen mobben ihren russischen Nachbarn Wladimir Putin, den man mit vagen Verdächtigungen, handfesten Wirtschaftssanktionen und Nato-Manövern an seiner Westgrenze piesacken will.

In anderen Teilen der Welt plant man derweil die Zukunft, zum Beispiel in Asien. Nahezu unbemerkt von den politischen Eliten in Europa versuchen die grossen Wirtschaftsnationen der Region, darunter China, Indien, Indonesien und Malaysia, sich zum mächtigsten Wirtschaftsblock der Weltgeschichte zu vereinen. Die schiere Grösse der RCEP, die Abkürzung steht für «Regional Comprehensive Economic Partnership», stellt alle bisherigen Freihandelszonen in den Schatten:

In den 16 Staaten des neuen Binnenmarktes leben über drei Milliarden Menschen, sechsmal mehr als in der Europäischen Union.

Europa

Die Volkswirtschaften dieser 16 Staaten stehen für etwa 40 Prozent des Welthandelsvolumens. Der EU-Binnenmarkt beherbergt nur 15 Prozent des globalen Warenaustausches.

Amerika

«Asia first»

Gelingt das von China betriebene Abkommen – Indien möchte noch nachverhandeln – würde sich die Abhängigkeit von den USA weiter verringern. Infolge des Handelsstreits mit Washington stieg der Warenhandel zwischen China und den anderen RCEP-Staaten im ersten Halbjahr 2019 um mehr als zehn Prozent – und überholte erstmals seit 1997 den Warenaustausch mit den USA.

Überall in Asien nutzt man die Selbstbeschäftigung des Westens für die eigene Ertüchtigung: Asia first. Mit Erfindergeist und unfassbarem Fleiss wird für den Aufstieg des Kontinents gearbeitet:

► Von den weltweit 2018 angemeldeten 3,3 Millionen Patenten kommt inzwischen fast jedes zweite aus China. Das sind fast dreimal mehr Anmeldungen als aus den USA, berichtet der soeben veröffentlichte Report World Intellectual Property Indicators.

► Ein durchschnittlicher Chinese schuftet 8,4 Stunden pro Woche länger als ein durchschnittlicher Deutscher. Oder um es mit Ephraim Kishon zu sagen: «Die Asiaten haben den Weltmarkt mit unlauteren Methoden erobert – sie arbeiten während der Arbeitszeit.»

Der Vorgang besitzt weit über das Ökonomische hinaus Relevanz, auch wenn kein Bundestag sich bisher mit den geopolitischen Auswirkungen der neuen Allianz je beschäftigt hat: Die Zeit westlicher Dominanz geht zu Ende.

Der Mittelpunkt der Welt wanderte nach zwei Weltkriegen von Europa nach Amerika, um sich nun in Richtung Asien zu verschieben. Eine neue Topografie der Macht bildet sich heraus. Wir sollten mit Respekt nach Fernost blicken, aber frei von Naivität. Es findet dort nicht eine Fortsetzung unserer Gegenwart statt, sondern der Beginn einer neuen.

********************************************

Infosperber-DOSSIER:

Pro und Contra Freihandelsabkommen

********************************************

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Ihre Spende macht es möglich:

Mit Kreditkarte oder Paypal - oder direkt aufs Spendenkonto für Stiftung SSUI, Jurablickstr. 69, 3095 Spiegel BE
IBAN CH0309000000604575581 (SSUI)
BIC/SWIFT POFICHBEXXX, Clearing: 09000

Ihre Spenden können Sie bei den Steuern abziehen.

Einzahlungsschein anfordern: kontakt@infosperber.ch (Postadresse angeben!)

8 Meinungen

Damit ist auch der massive Handelskrieg der USA erklärt.

siehe auch
https://de.wikipedia.org/wiki/Die_einzige_Weltmacht:_Amerikas_Strategie_der_Vorherrschaft

"Die einzige Weltmacht: Amerikas Strategie der Vorherrschaft (The Grand Chessboard: American Primacy and Its Geostrategic Imperatives, 1997) ist der Titel einer geopolitischen Monographie Zbigniew Brzezińskis. Ziel dieses Buches ist es, „im Hinblick auf Eurasien eine umfassende und in sich geschlossene Geostrategie zu entwerfen“. Die Vereinigten Staaten als „erste, einzige wirkliche und letzte Weltmacht“ nach dem Zerfall der Sowjetunion müssen ihre Vorherrschaft auf dem „großen Schachbrett“ Eurasien kurz- und mittelfristig sichern, um so langfristig eine neue Weltordnung zu ermöglichen. «


und

https://de.wikipedia.org/wiki/Second_Chance:_Three_Presidents_and_the_Crisis_of_American_Superpower

"Second Chance. Three Presidents and the Crisis of American Superpower ist eine politikwissenschaftliche Analyse Zbigniew Brzezińskis, die am 5. Mai 2007 erschien. «
Dieter Gabriel, am 04. November 2019 um 14:27 Uhr
Das Problem ist nicht die westliche Dominanz, die zu Ende ist.
Sondern China möchte die USA als Alphatier ablösen.
Seit Urzeiten folgt die Herde dem Alphatier.
Wenn die Herde China folgt, hat das erhebliche Konzequenzen.
Zum Beispiel Embargos der US, gehen nach hinten los.
Firmen deren Stärke auf globale Marktmacht beruhen, brechen zusammen wie ein Kartenhaus.
Es können sich viele Länder zusammentuen und ein internationalen gerichtshof fordern, der nicht im Sinne der USA ist.
usw.
Der Handelskrieg gegen China, ist der verzweifelte Versuch, sich gegen den Wechsel zu wehren.
Dieter Gabriel, am 04. November 2019 um 22:29 Uhr
Verzweiflung, Untergang, sich zur Wehr setzen, Machtzerfall, Weltmacht, Dominanz, Konkurrenz ….
gehören zu einer untergehenden Philosophie bzw. Psychopathologie.

Falls wir als Menschheit eine Zukunft haben wollen auf Mutter Erde, dann braucht es bestmögliche Kooperation und Planung, um unser gemeinsames Überleben zu sichern.

Es braucht eine neue planetare Ethik.

Dafür braucht es keine Rüstung und Kriege mehr.

Dafür umso mehr Versöhnung, Respekt, Verantwortung und vor allem Kooperation und Gewaltfreiheit.

Wir sehen dazu keine Alternative.
https://www.friedenskraft.ch/
Dr. med. Paul Steinmann, am 05. November 2019 um 09:34 Uhr
Die Filterblase des «Westens» ist die narzisstische Selbstbeweihräucherung, was ausserhalb des «Westens» geschieht, interessiert niemanden.

China will bis 2025 technologisch unabhängig sein, die Folge ist ein gewaltiger Technologie- und Know How Transfer nach China. Sogar Airbus lieferte das know how, damit China mit deren C919 den Aibus konkurrenzieren kann ;-)

Bis 2049 will China die führende Weltmacht sein - wenn es so weiter geht, werden sie das Ziel vorher erreichen.

Dass China auch das 17+1 Handelsabkommen mit den osteuropäischen EU-Staaten abschloss und auch dort die Kontrolle übernimmt, wird ebenfalls tunlichst ignoriert.
Peter Herzog, am 05. November 2019 um 15:41 Uhr
Politische «Eliten» in Europa...Wenn damit die EU gemeint ist (Europa ist noch immer ein Kontinent) dann hätte ich die gerne mal gesehen.Wer soll das sein?Ich sehe da nur Vasallen von VSA und keine die ihrem Land verpflichtet sind.Salvini nehme ich mal aus.Der hat das was man Eier nennt.Sonst nur Wüste !
Helmut Nater, am 05. November 2019 um 16:27 Uhr
es gibt zu China einen entscheidenden Unterschied, der MACHT. Sie wird nicht mittels militärischer Macht und Eroberungskriegen durchgeführt. China hat kein BLUT an den Händen, wie es die USA/NATO zur Genüge hat.

Günther Wassenaar, am 06. November 2019 um 20:30 Uhr
Werter Dieter, wenn mit Deinem Ausspruch » ... China möchte die USA als Alphatier ablösen.» gemeint ist, dass die Chinesen dieses Amt in gleicher Art und Weise fortführen wollen, zeigt es dass die Menschen hierzulande nur noch in derartigen Strukturen denken können. Dass sie ALLEN unterstellen gierig und korrupt zu sein. Dem sollte nicht so sein - ich bin jedenfalls davon überzeugt.
Günther Wassenaar, am 07. November 2019 um 17:19 Uhr
In dem Artikel sind zwei weitere zentrale Säulen der neuen chinesisch-geprägten Weltordnung noch gar nicht genannt: Die Neue Seidenstrasse und die AIIB (Asian Infastructure Investment Bank). Ersteres ist eine Vision eines gigantischen Handelsgebiets auf ganz Asian, Afrika und Europa - nicht in erster Linie administrativ mit Freihandel, sondern operativ mit Handelswegen, Infrastruktur, Bahn- und Schiffsrouten, Häfen, Flughäfen etc. Letzteres ist ein Finanzierungsinstrument um die nötige Infrastruktur zu bauen.
Das dritte unerwähnte Thema sind Stipendien, insbesondere für Afrikanische Studenten in China. Nach Frankreich hat kein anderes Land mehr Afrikanische Unistudenten als China. UK und USA zusammen haben wenige Afrikanische Studenten als China allein. Und Frankreich hat praktisch nur frankophone Afrikaner an seinen Unis. China hat pan-Afrikanische Studenten. Afrika hat ein Durchschnittsalter von 19 Jahren. Das Image bei den Studenten bestimmt die Zukunft der Kooperation dieses Kontinents. Ich habe grosse Hoffnung, mit China wird das Zeitalter der US-Kriege zuende gehen.
Harald Buchmann, am 03. Dezember 2019 um 07:18 Uhr

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein. Wir gestatten keine Meinungseinträge anonymer User. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern. Meinungen schalten wir neu 9 Stunden nach Erhalt online, damit wir Zeit haben, deren Sachlichkeit zu prüfen. Wir folgen damit einer Empfehlung des Presserats. Die Redaktion behält sich vor, Beiträge, welche andere Personen, Institutionen oder Unternehmen beleidigen oder unnötig herabsetzen, oder sich nicht auf den Inhalt des betreffenden Beitrags beziehen, zu kürzen, nicht zu veröffentlichen oder zu entfernen. Über Entscheide der Redaktion können wir keine Korrespondenz führen. Zwei Meinungseinträge unmittelbar hintereinander sind nicht erlaubt.