«Schwarzfahren» wird abgeschafft

Heinz Moser © zvg

Heinz Moser /  In München und Berlin gibt es kein Schwarzfahren mehr.

Neuerdings werden in München alle Plakate ausgetauscht, auf denen der Begriff «Schwarzfahren» steht. Die öffentlichen Nahverkehrsbetriebe (MVG) haben beschlossen, auf den Begriff Schwarzfahren zu verzichten. Das erinnert daran, dass in Zürich die Mohren als Anschrift von Häusern im Stadtbild verschwinden.

Diese neue Massnahme der deutschen Bürokratie heisst natürlich nicht, dass – wie es in den 80er Jahren gefordert wurde – der öffentliche Verkehr gratis wird. Die Veränderung bleibt rein sprachlich, indem als Massnahme für eine «zeitgemässe Kommunikation» die Aufschrift «Schwarzfahren kostet 60 Euro» ersetzt wird. Auf Plakaten heisst es jetzt neutral: «Ehrlich fährt am längsten».

Auch die Berliner BVG haben «Schwarzfahren» aus ihrer Kommunikation verbannt. Die BVG will nicht in Rassismus-Verdacht geraten, nachdem der rot-grüne Berliner Senat vor einem Jahr ein sogenanntes «Diversity-Programm» beschlossen hatte. Man will sich jetzt auf das Wording «Fahren ohne gültigen Fahrschein» beschränken. Doch wie weit hat «Schwarzfahren» überhaupt etwa mit Rassismus tun? Bei den vergangenen Diskussionen um einen kostenlosen öffentlichen Verkehr spielte jedenfalls der Begriff des Schwarzfahrens keine Rolle.

So wichtig die Diskussion um #Black Lives Matter ist, es gibt eine Grenze, wo die Sprachkritik ins Leere läuft. Sprachwissenschaftler wie Erich Fuss von der Universität Bochum betonen, der Ausdruck «Schwarzfahren» komme von dem jiddischen Wort „shvarts“ (Armut). Es bezeichne also Menschen, die zu arm sind, um sich ein Ticket zu kaufen – und keine Dunkelhäutigen. Nicht immer bezeichnet der Begriff «schwarz» Menschen mit einer dunklen Hautfarbe. Den Begriff «schwarz» als solchen abzulehnen, ist jedenfalls nicht sinnvoll.



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14 Meinungen

  • am 11.07.2021 um 12:04 Uhr
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    Irgend ein hyperaktiver Schlaumeier aus der ‹Black lives matter›-Fraktion wird einen neutralen Ersatzbegriff für «SCHWARZgeld» herausfinden.

    Wie geht die Familie SCHWARZmann mit dieser vertrackten Situation um?

    Fragen über Fragen.
    Bin mal gespannt, welche Vorschläge hier kommen.

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  • am 11.07.2021 um 12:07 Uhr
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    Oh je, wie bei der «Debatte» über gendergerechte Sprache wird die Relevanz der Psycholinguistik wieder ausgeblendet. Die Stigmatisierung von Schwarz in eurozentrischen Kulturen ist klar belegbar. Es wäre daher eine kultur-pädagogische Aufgabe einen neuen Umgang mit dem Begriff zu finden. Da die Referenzkultur oder In-culture nicht von den Auswirkungen solcher Formulierungen gar nicht betroffen ist, kann sie sich erlauben vorgeschlagene Anpassungen als willkürlich und weniger sinnvoll zu erachten. Es ist halt schwierig mit den Out-cultures und noch schwieriger, wenn sie Veränderung einfordern. Ausserdem wird wohl fast niemand an eine Ableitung des jiddischen Wortes denken, oder gar davon wissen, wenn es traditionsgemäss mit negativen Gedankengut in Verbindung gebracht wird.

    3
  • am 11.07.2021 um 13:59 Uhr
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    Die Welt spinnt !

    «Schwarzfahren» ein rassistischer Begriff ? – Was für ein hanebüchener Blödsinn !
    Glücklich die Gesellschaft, welche über Zeit und Ressourcen verfügt, sich mit solch weltbewegenden Problemen herumzuschlagen !

    Bin gespannt, wann auch Begriffe wie «Schwarzgeld», «Schwarzarbeit», «Schwarzbier» und «Schwarzbrot» ins Visier einer amoklaufenden Sprachpolizei geraten … und auch noch der Verzehr von schwarzer Schokolade als Bekundung von Rassismus gewertet wird …

    Sehe schwarz bezüglich einer Wiederbesinnung auf den gesunden Menschenverstand in der zurzeit völlig aus dem Ruder laufenden öffentlichen Rassismusdiskussion …

    1
  • am 11.07.2021 um 15:04 Uhr
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    Ein schöner Aufhänger, die Überschrift! Tatsächlich assoziierte ich, man wolle vielleicht erste Schritte hin zum kostenfreien öffentlichen Nahverkehr wagen. Zugleich weckte Unglauben meine Neugier und wurde nicht enttäuscht, denn auf den wahren Anlass wäre ich nicht mal im Traum gekommen; er lässt mich einigermaßen fassungslos zurück! Kranke Hirne an der Macht belästigen uns mit ganz abwegigen Ideen, finde ich und bin sicher, dass auch Menschen mit dunkler Haut, die nicht hier geboren sind und Deutsch als Fremdsprache erlernen, das Fahren ohne Fahrschein nicht mit sich selbst in Verbindung bringen, nur weil es Schwarzfahren heißt. Sie könnten sie sich viel eher dadurch diskriminiert fühlen, dass man ihnen so viel sprachliche Tumbheit zutraut. Und ich, um es auf den Punkt zu bringen, erkenne nun, aufgeklärt über die mir vorher unbekannte jiddische Herkunft des Wortes Schwarzfahren, in Berlin und München erschreckende Akte eines perfiden Antisemitismus! – Das sollte ein augenzwinkernder Sarkasmus sein; doch je länger ich dem nachsinniere, desto unsicherer bin ich, womöglich unbeabsichtigt ins … hoppla, also ins Schwarze getroffen zu haben. So heißt es nun mal auf Deutsch! PS. Wie ich in der ZEIT lese, begrüße „die Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland … den Schritt, … denn der Begriff hat für Schwarze Menschen einen negativen Anklang (da) Schwarzes für etwas Negatives steht.“ Da interessierte mich doch sehr, ob die ISD für eine Mehrheit der angeblich Betroffenen spricht.

    1
  • am 11.07.2021 um 16:16 Uhr
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    Irgendwann gibt es dann keine Kleider, keine Autos usw. mehr in der Farbe Schwarz. Da muss man dann wohl Dunkelweiss dazu sagen. Diese Diskussion wird einfach immer hirnloser.

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  • am 11.07.2021 um 16:54 Uhr
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    Marshall Rosenberg würde das ebenso gefallen wie mir. Die Sprache, so lernte dieser bekannt gewordene Psychologe, Friedensforscher, Autor, Kommunikationsspezialist, beeinflusst und formt das Denken schon in der Kindheit. Er bezeichnete unsere Sprache als verbal gewalttätig, ausgelegt auf Belohnung und Bestrafung, ebenso direkt oder indirekt entwertend oder Verachtung erzeugend. Eine grundsätzlich gewalttätige Gesellschaft indoktriniert in ihre Kinder eine verbal gewalttätige Sprache. (Buch: M. Rosenberg. Die gewaltfreie Kommunikation, eine Sprache des Lebens.) Rosenberg zeigte auf, wie man jenseits dieser verbalen Gewalt denken und kommunizieren kann. Schwarz mit unehrlich zu koppeln ist genau so daneben wie schwul sein mit Schwäche zu verbinden. Wird ein Wort lange genug mit einem Wert oder einer Wertlosigkeit zusammen verknüpft, verliert das Wort die Neutralität. Wir sehen dies beim Wort Verschwörungstheoretiker. Es wurde umgeformt zu einem entwertenden Schimpfwort, obwohl es eine wichtige Tätigkeit beschreibt welche Wertneutral ist. (Z.B. Ermittler von organisierter Kriminalität, Korruption, Bandenwesen, diese müssen Theorien von verschworenen Gruppierungen aufbauen und prüfen, falsifizieren, usw.) Unsere Sprache entwickelt sich, und das ist gut so. Ein weiteres Unwort ist «getürkt». Es erzeugt den Anschein, das jeder Mensch mit türkischer Nationalität ein Betrüger sein könnte oder ist.

    5
  • am 11.07.2021 um 17:01 Uhr
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    Ich denke am einfachsten untersagt man die Verwendung der Wörter gelb, rot, weiss und schwarz.

    2
  • am 11.07.2021 um 17:11 Uhr
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    Seit diesen #Black Lives Matter Diskussionen/Demonstrationen nimmt das Ganze um die schwarzen Meschen kuriose Züge an. Es wird einfach überall masslos übertrieben. Diese Diskussion von wegen Schwarzfahren zeigt einfach die galoppierende Verblödung der Menschheit an.

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  • am 11.07.2021 um 20:32 Uhr
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    Vielleicht müsste man schwarz auch als Trauerfarbe abschaffen. Schwarz = Tod: Rassenhass könnte man krasser kaum ausdrücken. Ende der Ironie. Nüchterner gesagt: Dem Autor Heinz Moser ist zuzustimmen.

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  • am 11.07.2021 um 21:10 Uhr
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    Als Solothurner Schwarzbube habe ich nun ein Problem und auch der Schwarzwald und die Schwarzwälder Torte sind wohl inkorrekt. Wie weit links-grüne, gender-militante Verblödung noch führen kann? Was kommt wohl als nächstes?

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  • am 12.07.2021 um 14:31 Uhr
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    Ich finde den Sprach- und Gender-Wahn gezielte Ablenkung (so wie die US-Störsender gegen Kuba damals), siehe meinen Kommentar: http://www.frauensicht.ch/Artikel/Politik/Gezielte-Kampagnen-gegen-Politikerinnen
    Tatsächlich sehe ich (gegenteilig dazu) pogromartige Hetze gegen die HEUTIGEN «Native Americans» aka Indianer: Russland (das grösste Land der Erde, das die USA seit jeher rauben wollen und mit dem die ganze Restwelt steht und fällt, ebenso wie Snowden):
    Auswandern nach Russland:
    https://www.youtube.com/watch?v=tbA907XpB_w
    Western Media Accuses Putin on Wanting to Rule the World – Putin’s Response Is Priceless!
    https://www.youtube.com/watch?v=Z7r-VRngrvA
    Merke: Russland hat Ressourcen im Überfluss, war die ganze Historie stets Angriffs-Opfer. Das Gegenteil die USA, seit jeher Raubmörder (vergleiche Definition von Oberinspektor Derrick):
    https://www.exlibris.ch/de/buecher-buch/deutschsprachige-buecher/haeuptling-seattle/wir-sind-ein-teil-der-erde/id/9783843600415

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  • am 12.07.2021 um 23:21 Uhr
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    Super! Was soll ich nun folgern, wenn von «schwarzen Zahlen» die Rede ist (und die dann so dargestellt werden, im Gegensatz zu den «roten Zahlen»)? Soll man sie in «weisse Zahlen» umtaufen. Was wird die Farbe des Papieres sein, auf das diese Zahlen dann gedruckt werden, damit man sie lesen kann? Oder evtl. trotzdem weiterhin weisses Papier und schwarze Schrift, mit dem Hinweis, dass weiss mitgemeint ist?
    Sie spinnt wirklich, die Welt.

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  • am 13.07.2021 um 10:23 Uhr
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    Lieber Hannes. Da hast Du wohl recht. Im übrigen haben nach meiner Auffassung Afrikaner mehrheitlich eine braune Hautfarbe, während Weisse, wenigstens nach einem etwas längeren Aufenthalt in Afrika eher als «pink» oder anderswie nicht besonder gesund erscheinen.

    Dass viele weisse Damen alles daran setzen, etwas weniger «weiss» zu erscheinen, gehört wohl auch zur Ironie dieser Gender-Gap Geschichte. Jedenfalls bleibt ein Weisser ein «musungu», selbst, wenn er etwas sonnengebräunt ist.

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