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Falsch: «Wir müssen weniger ausgeben für Medikamente»

Tagesschau fällt auf Pharmastudie herein

Urs P. Gasche / 18. Mai 2011 - Ein ETH-Konjunktur-«Forscher» präsentierte eine von der Pharma bezahlte Studie, ohne dass die Tagesschau dies transparent machte.

Infosperber hatte aufgedeckt, dass die Tagesschau von sinkenden Medikamentenkosten berichtete, obwohl diese weiter steigen. Jan-Egbert Sturm, Leiter der Konjunkturforschungsstelle der ETH, durfte erklären, warum die gesamten Gesundheitskosten in der Schweiz im laufenden Jahr wahrscheinlich «nur um 3,4 Prozent» (!) zunehmen, nämlich hauptsächlich dank gesunkener Medikamentenpreise.

Tagesschau verschweigt den Auftraggeber und Finanzierer

Infosperber bezeichnete dies als «einen PR-Auftritt erster Güte, den die Tagesschau unkritisch den Zuschauerinnen und Zuschauern präsentierte». Unterdessen hat ein Leser Infosperber die Studie zugestellt, auf welche sich der ETH-«Forscher» und die Tagesschau abgestützt hatten. Auf der zweiten Seite ist zu lesen, dass der Pharmakonzern Merck MSD die Studie nicht nur finanziert, sondern auch in Auftrag gegeben hat.

Bei der Information über Studien und Gutachten gehört es zur gundlegenden Sorgfaltspflicht, die Auftraggeber und Finanzierer zu nennen. Jan-Egbert Sturm, Leiter der Konjunkturforschungsstelle, weist darauf hin, dass die ETH-Forschungsstelle in ihrem Communiqué deklariert hat, dass der Pharmakonzern Merck MSD die Studie «unterstützte».

Auf die Frage, weshalb die Tagesschau den Pharmakonzern nicht genannt hat, räumte Tagesschau-Leiter Thomas Schäppi den Fehler ein: «Es wäre wichtig gewesen, transparent zu machen, wer der Auftraggeber dieser Studie ist.»

Eigene Prognosen verglichen – nicht tatsächliche Kosten

Der Moderator der Tagesschau hatte die Entwicklung der Gesundheitskosten als «gute Nachricht» verbreitet. Die Kostensteigerung habe «abgeschwächt werden können».

Die frohe Botschaft erhärteten die ETH-Konjunkturforscher im folgenden Beitrag der Tagesschau nicht etwa mit Vorjahreszahlen, sondern mit früheren eigenen Prognosen. Eine Grafik der Tagesschau zeigte, dass die «Forscher» für das Jahr 2010 ein Wachstum der Gesundheitsausgaben von 3,4 Prozent vorausgesagt (!) hatten. Tatsächlich betrage es jedoch «nur» 2,7 Prozent. Für 2011 hatten die ETH-Prognostiker ein Wachstum von 3,7 Prozent vorausgesagt, während sie jetzt mit «nur» 3,4 Prozent rechnen.

Im Klartext lautet die News: Wir ETH-Forscher hatten falsche Prognosen in die Welt gesetzt. Die Gesundheitskosten werden aber im 2011 höchst wahrscheinlich viel stärker zunehmen als im letzten Jahr: Von «guter Nachricht» keine Spur.

Angeblich vor allem tiefere Medikamentenkosten

Jan-Egbert Sturm, Leiter der Konjunkturforschungsstelle der ETH, durfte mehrmals auf die tieferen Medikamentenkosten hinweisen, um das angeblich tiefere Wachstum zu begründen – ohne eine einzige kritische Gegenfrage der Tagesschau. Der Auftraggeber MSD Pharma kann sich freuen. Und die Tagesschau setzte noch einen drauf und behauptete: «Die Medikamente sind günstiger geworden...Die Schweizer müssen weniger zahlen für Medikamente». Doch selbst ETH-«Forscher» Sturm hatte lediglich gesagt, dass die Medikamentenpreise «weniger stark ansteigen« als auch schon. Also muss man immer noch mehr und nicht weniger zahlen für Arzneimittel.

Schweizer Krankenkassen müssen am meisten zahlen

Die Krankenkassen mussten und müssen für Medikamente jedes Jahr mehr ausgeben. In keinem andern Land Europas brauchen die Krankenkassen ein ganzes Viertel ihrer Ausgaben für Medikamente (einschliesslich Medikamenten in Spitälern).

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Vertreter der Patienten und Konsumentinnen in der Eidgenössischen Arzneimittelkommission EAK.

Weiterführende Informationen

Zum kritisierten Tagesschau-Beitrag vom 16.5.2011

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Eine Meinung

Kein Wunder das Schweizer Fernsehen ist ja ein Staatssender à la exDDR… Und mit dem «dümmsten Volk» (Prof.F.Zwicky†) ist ja alles möglich, auch die geheime Finanzierung der Parteien. Wer bezahlt die SVP-Bauernzmörge? Ist es vielleicht doch die al-kaïda…?
Rolf Raess, am 23. Juli 2012 um 15:35 Uhr

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