Die Körpersprache kann nicht lügen …

Christian Müller © aw
Christian Müller / 26. Jul 2019 - Bilder sagen mehr als tausend Worte? Gilt im Zeitalter von Photoshop nur noch bedingt – Ausnahme: Körpersprache.

Dass der Chefredaktor der Zeitungen der CH Media Gruppe (Aargauer Zeitung, Luzerner Zeitung, St. Galler Tagblatt, u.a.), Patrik Müller, gerne Interviews mit Prominenten macht, weiss man. Nun hat er es auch gewagt, mit dem Chefredaktor der NZZ, Eric Gujer, ein Interview zu machen (18.7.2019).

Die gute Nachricht voraus: Am Ende des Interviews steht, dass die beiden Zeitungen finanziell miteinander verhängt sind: CH Media gehört zur Hälfte der NZZ Gruppe. Der Transparenz ist also Genüge getan.

Ein anderes Detail allerdings hat man auf CH Media Seite übersehen. Auf dem grossen Bild von Eric Guyer sieht man in der gedruckten Ausgabe (leider nicht in der Online-Ausgabe) die Hände von Eric Gujer. Die Hände aber sind der aussagekräftigste Teil der menschlichen Körpersprache.

Wie hält ein Mensch in einer Diskussion die Hände, wenn er bereit ist, auch die Argumente des Anderen zu hören? Ja, genau: mit der Handinnenfläche nach oben. Er ist bereit, auch etwas entgegenzunehmen.

Ist er nicht bereit, etwas entgegen- oder anzunehmen, dann verschränkt er die Arme vor der Brust oder er schützt die Handinnenflächen, indem er sie mit der Handaussenseite verdeckt – in Abwehrhaltung. Normalerweise indem er die zehn Finger ineinander verschränkt.

Eric Gujer macht es noch anders – extremer: Er verdeckt die ganze linke Hand – die Hand der emotionalen Seite – mit der rechten Hand – der Hand der Ratio. Man darf seine emotionale Seite also ja nicht sehen. Und beides, Emotion und Ratio, sind in Schutzhaltung: Dem Gesprächspartner wird nur die Handoberseite gezeigt. Da hat ein Argument des Gegenübers keine Chance, hineinzukommen.

Ein Interview kann man mit einem Politiker oder einem anderen VIP mit dieser Handhaltung natürlich machen, diskutieren allerdings wäre mit einem Gesprächspartner mit dieser Haltung der Hände vergebliche Liebesmüh. Der Gesprächspartner ist nicht bereit, etwas des Gesagten entgegenzunehmen.

Lügen fast unmöglich …

Während der Mensch mit Worten ganz leicht lügen kann, kann er es mit seiner Körpersprache nicht – von sehr guten Schauspielern einmal abgesehen. Man darf der Körpersprache also mehr trauen als der verbalen Sprache. Wenn etwa der ehemalige US-Präsident Nixon am Fernsehen gelogen hat, hat man das an seiner Körpersprache – an den Händen! – immer gesehen.

Tipps für die Interpretation der Körpersprache gibt es im Internet beliebig viele. Hier ein Beispiel.

Es gibt aber auch ausführliche Literatur, etwa «Alles über Körpersprache: sich selbst und andere besser verstehen» von Samy Molcho, einem der bekanntesten Pantomimen der Welt. Wobei immer daran zu denken ist: Körpersprache zu verstehen ist lernbar, Körpersprache zu sprechen fast nicht. Der Körper tut, was er tun muss: er ist ehrlich. Ehrlicher vielleicht, als es dem Mann oder der Frau, denen der Körper gehört, lieb ist.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Christian Müller hat in den 1980er Jahren als Chefredaktor der LNN beim Pantomimen Samy Molcho einen mehrtägigen Kurs in Körpersprache absolviert und darauf mit Bildern der bekannten Schweizer Schauspielerin Heidi Maria Glössner im Magazin der LNN eine mehrteilige Serie über Körpersprache publiziert.

Weiterführende Informationen

NZZ-Chefredaktor Eric Gujer

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Ihre Spende macht es möglich:

Mit Kreditkarte oder Paypal - oder direkt aufs Spendenkonto für Stiftung SSUI, Jurablickstr. 69, 3095 Spiegel BE
IBAN CH0309000000604575581 (SSUI)
BIC/SWIFT POFICHBEXXX, Clearing: 09000

Ihre Spenden können Sie bei den Steuern abziehen.

Einzahlungsschein anfordern: kontakt@infosperber.ch (Postadresse angeben!)

2 Meinungen

Um NZZ-Chefredaktoren zu durchschauen, habe ich seit sehr langer Zeit auf deren Körpersprache gut verzichten können. Sind sie doch ausnahmslos Sprachrohre ihrer Auftraggeber. Deren Körpersprache bekommt man seltener zu sehen.
Walter Schenk, am 26. Juli 2019 um 14:57 Uhr
Das scheint mir etwas überinterpretiert. Das Bild ist vor oder nach dem Interview gemacht worden, es zeigt Herrn Gujer nicht bem Gespräch.
Daniel Heierli, am 27. Juli 2019 um 21:16 Uhr

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein. Wir gestatten keine Meinungseinträge anonymer User. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern. Meinungen schalten wir neu 9 Stunden nach Erhalt online, damit wir Zeit haben, deren Sachlichkeit zu prüfen. Wir folgen damit einer Empfehlung des Presserats. Die Redaktion behält sich vor, Beiträge, welche andere Personen, Institutionen oder Unternehmen beleidigen oder unnötig herabsetzen, oder sich nicht auf den Inhalt des betreffenden Beitrags beziehen, zu kürzen, nicht zu veröffentlichen oder zu entfernen. Über Entscheide der Redaktion können wir keine Korrespondenz führen. Zwei Meinungseinträge unmittelbar hintereinander sind nicht erlaubt.